Der Rennradlenker ist eine zentrale Komponente für Komfort, Kontrolle und Aerodynamik. Um das Optimum aus Ihrem Rennrad herauszuholen, ist es entscheidend, die Lenker-Hoods richtig einzustellen. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung, die Ihnen hilft, die perfekte Position zu finden.
Werkzeug und Materialien
Die meisten Einstellarbeiten an Rennrad-Lenker und Sattel kann jeder selbst erledigen, das nötige Werkzeugarsenal ist überschaubar. Hier ist ein Überblick, was Sie dafür im Haus haben sollten:
- Innensechskante oder Torx-Schlüssel, je nach Modell.
- Das “Y”-Werkzeug vereint die meistgenutzten Größen 4, 5 und 6 Millimeter und spart bei einfachen Arbeiten Zeit; das Werkzeug gibt es auch für Torx-Schrauben.
- Ein kleiner Drehmomentschlüssel (bis ca. 10 Nm) ist deshalb Pflicht, da für die meisten Verbindungen ein maximales Drehmoment vorgeschrieben ist, das man nicht überschreiten sollte.
- Montagepaste (auch Carbonpaste genannt) erhöht mit kleinen Partikeln die Reibung zwischen den Teilen und schützt nebenbei vor Korrosion. Bei Carbonkomponenten ein Muss, hilft aber auch bei Alu-Lenkern.
- Fett gehört an alle Schraubengewinde; Alu-Sattelstützen schützt es außerdem davor, in Metallrahmen festzubacken. Von Carbonteilen fernhalten!
- Wasserwaage als Hilfsmittel für die Position von Sattel und Lenker; für manche Arbeiten ist auch ein Maßband sinnvoll.
Die Wichtigsten Drehmomente
Beachten Sie beim Anziehen der Schrauben die vorgegebenen Drehmomente, um Beschädigungen zu vermeiden. Hier eine Übersicht der wichtigsten Drehmomente:
- Schaltgriffe: 5-6 Nm
- Lenkerklemmung: 4-6 Nm
- Vorbaukappe: 1-2 Nm
- Vorbauklemmung: 4-6 Nm
- Sattelstütze: 3-5 Nm (variiert stark je nach Klemmprinzip)
- Sattel: 5-7 Nm (bei zwei Schrauben)
Allgemeine Profi-Tipps
Hier sind einige allgemeine Tipps, die Ihnen bei der Montage und Einstellung helfen können:
- Entwickeln Sie mithilfe des Drehmomentschlüssels ein Gefühl dafür, wie fest die einzelnen Schrauben angezogen werden müssen. Das vermeidet Fehler, wenn unterwegs nur ein Minitool zur Hand ist.
- Verwenden Sie keine korrodierten oder beschädigten Schrauben. Fetten Sie alle Schraubengewinde, auch unter dem Schraubenkopf. Das verringert das notwendige Drehmoment, sensible Bauteile klemmen dann erst sicher.
- Manche Schrauben sind ab Werk mit Schraubensicherung versehen - dann wird das Gewinde nicht gefettet. Tragen Sie nur unter dem Schraubenkopf etwas auf.
- Sicherheitsrelevante Klemmungen (Lenker, Schaltgriffe, Gabelschaft) und Carbonteile immer fettfrei halten! Im Zweifel Montagepaste verwenden.
- Klemmverbindungen setzen sich nach einiger Zeit, die Spannkraft der Schrauben lässt nach. Kontrollieren Sie deshalb nach rund 200 bis 300 Kilometern das Drehmoment sowie den festen Sitz der Teile.
Rennrad-Lenker Einstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Damit nichts verrutscht, zeigen wir hier, wie sie ein Profi montiert.
Vorbereitung
Die Klemmflächen von Vorbau und Bremsgriffen müssen passgenau, sauber und gratfrei sein. An die Klemmstelle immer etwas Montagepaste geben.
Gleichmäßig Schrauben
Drehen Sie die Vorbauschrauben gleichmäßig und erst nur leicht an, bis der Rennrad-Lenker in Position gehalten wird. Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Scharniervorbauten) müssen die Schlitze der Vorbauklemmung oben und unten parallel und gleich breit sein.
Behutsam Anziehen
Erhöhen Sie das Schraubendrehmoment auf typische 4 bis 5 Newtonmeter. Schrauben Sie kreuzweise und in zwei Runden, damit sich alles gleichmäßig setzt. Mehr ist selten notwendig - oder gar nicht zugelassen. Mit dem Minitool reicht leichte Handkraft mit kurzem Hebel. Kontrollieren Sie den festen Sitz, indem Sie sich mit vollem Gewicht auf die Lenkerenden stützen. Der Rennrad-Lenker darf sich dann nicht verdrehen.
Vorsichtig Herantasten
Die Schaltgriffe sind heikel, da besonders bei Carbonlenkern das maximale Drehmoment wichtig ist. Doch die Schrauben sind nicht immer gut zugänglich. Besorgen Sie sich eine passende Verlängerung oder tasten Sie sich von unten an das richtige Drehmoment heran, indem Sie immer wieder den festen Sitz prüfen. Schlagen Sie dazu mit dem Handballen seitlich gegen den Hebel, der Griffkörper darf sich nicht verdrehen.
Weitere Profi-Tipps zur Lenkereinstellung
Hier sind einige zusätzliche Tipps, die Ihnen helfen können, die optimale Lenkerposition zu finden:
- Verwenden Sie Rennrad-Lenker und Vorbau vom selben Hersteller. Die Komponenten sind besser aufeinander abgestimmt und wurden üblicherweise auch zusammen getestet.
- Die Oberkante der Bremsgriffe sollte waagerecht liegen. Bei vielen Lenkern bildet der Oberlenker eine gerade Linie mit den Griffen und es ergibt sich eine große Handauflage. Die Lenkerenden verlaufen dann waagerecht oder zeigen etwas nach unten.
- Die richtige Lenkerbreite: Als Orientierung dient die Breite zwischen den Schultergelenken.
Der Cross-Wing Lenker: Eine Innovation
Der Cross-Wing Lenker bietet mit den nach innen gewinkelten Bremsgriffen eine "neue" Aero-Position die einem Ausleger bei einem Zeitfahrrad gleicht. Das ist bei einem Straßen- wie auch Gravel-Rennrad von Vorteil und spart ca. 23 Watt bei 40km/h.
Der breitere Griff am Unterlenker ist zwar von Vorteil im Gelände und Sprint, jedoch sind für uns die verfügbaren Lenker zu breit. Einen Lenker mit Flare unter 46cm Breite am Lenkerende haben wir nicht gefunden. Ein Fahren in einer größeren Gruppe (Rennen oder RTF / Radmarathon) mit einem über 46cm breiten Lenker ist hinderlich. Deswegen haben wir uns trotz dem Flare für moderate Lenkerbreiten von 40cm, 42cm und 43cm am Lenkerende (Mitte-Mitte) entschieden.
Der Unterlenker ist pro Seite um 35mm weiter außen und bietet damit Platz beim Sprint, ohne dass der Unterarm am Oberlenker anstößt. Das ermöglicht zudem den Drop (Absenkung der Unterlenkergriffe) auf 105mm zu reduzieren. Damit greift man dort nicht zu tief und hat auch im Unterlenker eine komfortable Position.
Ein Highlight ist die aerodynamische Haltung durch das Halten an den nach innen gewinkelten Bremsgriffhöckern und Auflegen der Unterarme auf den Oberlenker, was eine bedeutende Reduzierung der Wattleistung von ca. 23 Watt bei 40 km/h gegenüber einem Standard Rennlenker ermöglicht.
Drop, Reach und Flare: Die Geometrie des Lenkers
Beim Rennradlenker müssen Aerodynamik und Ergonomie Hand in Hand gehen, damit Du die beste Performance auf die Straße bringen kannst.
Drop
Der Drop bezeichnet die Lenkerhöhe, also den Abstand vom Ober- zum Unterlenker - gemessen jeweils von der Rohrmitte. Ein geringer Drop ist günstig, wenn Du häufig längere Touren unternimmst und Wert auf Komfort legst. Kompakt-Lenker haben üblicherweise einen Drop zwischen 120 und 130 Millimetern. Auch Gravellenker besitzen oft einen geringeren Drop für mehr Kontrolle im Gelände und eine bessere Erreichbarkeit der Bremsschaltgriffe.
Reach
Auch der Reach hat Einfluss auf Fahrweise und Fahrkomfort, denn er bestimmt, wie gestreckt Du auf dem Rad sitzt. Bei einem großen Reach greifst Du vom Oberlenker gesehen weiter nach vorn, um die Bremsgriffe, auch Hörnchen oder Hoods genannt, zu erreichen. Komfort-orientierte Kompakt-Lenker zeichnen sich daher nicht nur durch einen geringen Drop, sondern auch durch einen kurzen Reach aus.
Flare
Wenn der Unterlenker weit ausgestellt und damit breiter als der Oberlenker ist, spricht man von Flare. Ein großer Flare ermöglicht Dir besseres Handling und mehr Fahrkontrolle, was gerade im Gelände nützlich ist. Deshalb findet man vor allem an Gravelbikes Rennlenker mit Flare-Werten von zehn Grad oder mehr.
Die Richtige Lenkerneigung Finden
Die für Sie passende Lenkerneigung am Rennrad finden Sie am besten durch simples Ausprobieren heraus. Sie ist individuell unterschiedlich und abhängig vom Fahrstil und den persönlichen Vorlieben. Grundsätzlich gilt allerdings, dass der letzte, flachere Abschnitt des Lenkers möglichst parallel zum Untergrund positioniert sein sollte.
Anschließend können Sie eine Probefahrt machen und gegebenenfalls feine Korrekturen vornehmen. Hierfür lösen Sie die Innensechskantschrauben mit einem passenden Drehmomentschlüssel, anschließend können Sie die Neigung verändern.
Zusammenfassung
Der Weg zur optimalen Position des Rennbügels führt vielmehr über das Beachten von Richtlinien und einer anschließenden Feinjustierung nach ausgiebigen Praxistests.
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