E-Bike Familie Test: Die besten Cargo-E-Bikes für den sicheren Kindertransport

Cargo-E-Bikes kommen gerade bei Familien immer öfter als Autoersatz zum Einsatz. Denn egal, ob Eltern damit ihre Kinder zur Kita bringen, Einkäufe erledigen oder einen Ausflug ins Grüne planen - motorisierte Lastenräder sind vielfältig einsetzbar. Besonders beliebt ist dabei der Typ Long John, ein einspuriges Rad, bei dem sich die Transportwanne vor dem Fahrer befindet.

IMTEST hat getestet, wie sicher Kinder darin fahren, wie das Fahrgefühl ist und ob man mit den Cargo-E-Bikes auch weit kommt. Dazu haben die Räder sowohl ein Prüfprogramm beim international akkreditierten Institut Qima durchlaufen als auch einige Kilometer auf dem Testparcours absolviert. Knapper Testsieger: das Ca Go FS200 Family Plus - Edition 5 & IBS.

Folgende Cargo-E-Bikes haben an dem Test teilgenommen:

  • Ca Go FS200 Life Family Plus - Edition 5 & IBS
  • i:SY CARGO P12 ZR Maxi
  • Bergamont E-Cargoville LJ Elite

Das ist der IMTEST-Favorit: Ca Go FS 200 Life Family Plus - Edition 5 & IBS

Ca Go setzt bei seinem FS200 Life Family Plus - Edition 5 & IBS voll auf Komfort - für den Fahrer und die Kinder gleichermaßen. Da die Vordergabel mit einer Federung versehen ist, fährt es auch für die Kinder vergleichsweise angenehm, wenn es über Kopfsteinpflaster geht. Die Transportwanne ist im Sitzbereich zum Schutz höher geschnitten.

In Kombination mit den hohen Rücklehnen sowie dem Rand der Transportbox, der im Sitz- und Kopfbereich hochgezogen ist, bieten sie einen guten Schutz bei einem möglichen Unfall. Allerdings fanden die Prüfer im Labor im Erreichbarkeitsbereich der Kinder scharfe Kanten und unabgedeckte Öffnungen.

Ca Go setzt als Antrieb auf den Bosch Performance Line CX Cargo Motor mit 85 Newtonmetern und kombiniert diesen mit einer doppelten Akkulösung, was dem Rad einen im Labor gemessenen Wert von 1.093,7 Wattstunden brachte. Dass das E-Bike damit die höchste Reichweite von 126,2 Kilometer erzielte, ist wenig erstaunlich. Mit knapp 70 Kilogramm Eigengewicht ist das Cargo-E-Bike das schwerste der drei Testkandidaten, bietet aber mit 225 Kilogramm das höchste zulässige Gesamtgewicht.

Das Fahren ist natürlich bei jedem Lastenrad erstmal etwas Übungssache. Aber durch das schwere Gewicht, gepaart mit Geschwindigkeit, vermittelt das E-Bike jedoch ein sehr sicheres Fahrgefühl auf verschiedenen Untergründen, in Kurven sowie bei Steigungen. Weitere Sicherheitsfeatures sind die Fernlicht- und die Blinkerfunktion.

Möchte man das Fahrrad parken, muss man den Griff am Lenkerrahmen mit viel Kraft ziehen, um es dann aufzubocken. Dies ist dank eines anderen Ständers beim Bergamont und i:SY etwas einfacher gelöst.

Vorteile:

  • Komfortables Fahren dank Federgabel und gefederter Sattelstütze
  • Verstellbare Kopfstützen für die Kinder
  • Blinker- und Fernlichtfunktion
  • Beste Bremsergebnisse & höchste Reichweite

Nachteile:

  • Mit 69,6 kg schwerstes Rad im Test
  • Ständer zum Aufbocken nicht ganz so einfach zu bedienen
  • Scharfe Kanten im Erreichbarkeitsfeld der Kinder

Imtest Ergebnis: gut 1,87

Weitere empfehlenswerte Cargo-E-Bikes: i:SY und Bergamont im Überblick

Den zweiten und dritten Platz trennen nur Nuancen. Ausschlaggegend dafür, dass das Bergamont vor i:SY auf Platz 2 kommt, ist der etwas günstigere Preis, der mit in die Benotung einfließt.

2. Platz: Bergamont E-Cargoville LJ Elite

Die Cargo-E-Bikes von Bergamont und Ca Go weisen durchaus ein paar Parallelen auf. So setzen beide Hersteller auf den gleichen Motor und die gleiche Schaltung. Letztere ist die Enviolo Automatiq, eine Automatikschaltung, bei der Nutzer über eine App eine Trittfrequenz einstellen können - den Rest regelt die smarte Komponente von selbst. Einfacher geht es kaum und der Fahrer kann sich problemlos auf das Navigieren konzentrieren.

Mit seinen 66,2 Kilogramm liegt das Bergamont-Lastenrad fest auf der Straße und gerade in engen Kurven schützt eine Lenkereinschlagsbegrenzung vorm Verreißen des Lenkers. Anders als bei den anderen beiden Testkandidaten gibt jedoch weder eine Federgabel noch eine gefederte Sattelstütze, was gerade das Fahren auf Kopfsteinpflaster etwas unangenehm macht.

Für Komfort sorgt die absenkbare Sattelstütze, mit deren Hilfe man bei einem Ampelstopp schnell mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht, ohne den Sattel zu verlassen. Wenn’s regnet, ist selbst der Fahrer noch etwas geschützt.

Die Transportwanne bietet Platz für zwei Kinder. Dabei verfügen die Sitze über eine hohe Rückenlehne mit einer Kopfstütze, was zusammen mit den hochgezogenen Wannenwänden für ein gutes Maß an Sicherheit sorgt. Der Lenkervorbau ist in der Höhe verstellbar, dass auch für große Kinder genug Kopffreiheit sichergestellt ist. Wie bei den anderen beiden Rädern gibt es auch beim Bergamont im Erreichbarkeitsbereich der Kinder-Arme unabgedeckte Durchbrüche und Öffnungen.

Vorteile:

  • Besonders sichere Kurvenlage durch Lenkereinschlagsbegrenzung
  • Absenkbare Sattelstütze bietet hohe Sicherheit
  • Automatikschaltung sorgt für Komfort

Nachteile:

  • Innerhalb der Erreichbarkeitszone der Kinder befinden sich unabgedeckte Öffnungen sowie Quetschstellen

Imtest Ergebnis: gut 1,98

3. Platz: i:SY Cargo P12 ZR Maxi

Das Cargo P12 ZR Maxi von i:SY fühlt sich beim Fahren von allen drei Rädern am wenigsten nach Cargo-E-Bike an. i:SY, das eigentlich bekannt ist für ihre beliebten Kompakträder, bringt jetzt genau in diesem Stil ihr erstes Cargo-E-Bike auf dem Markt.

Sowohl vorne als auch hinten sind die Laufräder mit 20 Zoll gleich groß, dadurch ist das Bike unglaublich wendig. Und mit 58,8 Kilogramm ist es dazu vergleichsweise leicht. Hinter der Abkürzung MGU steht die Motor.Gearbox.Unit - eine All-in-One-Lösung, die einen starken Mittelmotor mit 85 Newtonmetern mit einer elektronischen Schaltung kombiniert. Zudem bringt das System vier Unterstützungsstufen mit.

Das praktische dabei im Alltag: Der Radfahrer kann über das Display einstellen, ob die MGU vollautomatisch oder teilautomatisch schalten soll, oder ob er lieber selbst manuell schaltet. Die Unterstützung ist dabei kraftvoll und harmonisch gleichermaßen. Ein Regenverdeck, wie bei den anderen beiden Cargo-E-Bikes, kann separat erworben werden. Auch bei der simulierten Steigungsfahrt bei sechs Prozent fuhr das i:SY mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,7 Stundenkilometern den anderen Rädern davon. Dabei lag der Unterstützungsfaktor mit 3,8 im Vergleich am höchsten.

Der Rahmen ist besonders kompakt. Zudem ist der Rand der Box im Sitzbereich hochgezogen und reichte bei der Prüfpuppe etwa bis zur Hälfte des Kopfes, was in dieser Kombination für eine gewisse Sicherheit bei einem möglichen Unfall sorgt. Die Gurte können je nach Größe des Kindes in fünf Stufen verstellt werden, am Hinterkopf befindet sich eine einfache Polsterung. Da der Vorbau höhenverstellbar ist, können die Eltern hier feinjustieren, damit sie beim Navigieren nicht an den Kopf des Kindes stoßen.

Auch das Cargo-E-Bike von i:SY weist innerhalb der Erreichbarkeitszone der Kinder Gefahrenstellen auf. Beim i:SY sind dies beispielsweise unabgedeckte Öffnungen sowie der Schnellspannhebel für den Lenker, der an den Kopf stoßen kann.

Vorteile:

  • Überrollbügel bietet zusätzliche Sicherheit
  • Fühlt sich beim Fahren am wenigsten nach Cargo-E-Bike an, daher besonders wendig und agil
  • Kinder können durch Seitentür in die Box einsteigen

Nachteile:

  • Teuerstes Rad im Test
  • In der Erreichbarkeitszone der Kinder befinden sich Quetschstellen
  • Zudem stellt der Schnellspanner des Lenkers ein mögliches Verletzungsrisiko dar

Imtest Ergebnis: gut 2,00

Die Testergebnisse im Detail

Die Darstellung der detaillierten Testergebnisse ist aufgrund von Aktualisierungen oder technischer Anpassungen momentan nicht oder nur eingeschränkt möglich. Aktualisieren Sie bitte diese Seite regelmäßig, um die neueste Darstellung anzuzeigen.

So testet IMTEST Cargo-E-Bikes

Ausstattung, Reichweite, Fahreindruck und Kindersicherheit in der Transportwanne sind einige der Testpunkte, die jedes Cargo-E-Bike durchlaufen muss.

Reichweite & Motorunterstützung

Egal ob Cargo-E-Bike oder normales E-Bike, wer ein Fahrrad mit Motor kauft, möchte wissen, wie weit er mit seinem neuen Gefährt kommt. Für ein objektives und vergleichbares Ergebnis schickt IMTEST daher alle Testkandidaten ins international akkreditierte Labor Qima, wo unter genormten Bedingungen neben der Reichweite auch der Energieverbrauch und die Kapazität der Akkus, die durchschnittliche Geschwindigkeit bei sechsprozentige Steigung sowie der Unterstützungsfaktor gemessen werden.

Bremsentest

Gerade bei schweren Cargo-E-Bikes muss sich der Fahrer auch die Bremsen verlassen können, insbesondere wenn Kinder mit an Bord sind. Denn durch das höhere Gewicht eines Lastenrades - hier im Test zwischen 59 und 70 Kilogramm (unbeladen und ohne Fahrer) ist mit einem längeren Bremsweg zu rechnen. Zum Vergleich: ein normales E-Bike bringt etwa zwischen 25 und 30 Kilogramm auf die Waage, wiegt also weniger als die Hälfte.

In Anlehnung an die prEN 17860- beziehungsweise prEN17860-3 hat Qima im Auftrag von IMTEST mit einer simulierten Handkraft von 60 Newton die Bremsen getestet. Dabei werden vor Beginn der Prüfung bei jeder Bremse 30 Probebremsungen zum Einbremsen der Scheiben durchgeführt. Der Test wurde dabei unter trockenen Bedingungen an Vorder- und Rückbremse durchgeführt.

Handhabung & Fahrgefühl

Neben den Tests im Labor durchlaufen die Cargo-E-Bikes auch noch eine praktische Prüfung, bei der sie auf einem Testparcours ausgiebig gefahren werden. Dabei geht es über asphaltierte Straßen, Kopfsteinpflaster, Schotterpisten, hangauf- und abwärts, durch enge Passagen und Kurven. Daraus bewertet IMTEST neben dem Fahrverhalten auch den Fahrkomfort sowie den Antritt. All diese Aspekte fließen dann mit in die Bewertung ein.

Sicherheit beim Kindertransport

Wer ein Cargo-E-Bike für den Kindertransport kauft, möchte natürlich auf Nummer Sicher gehen, dass der Nachwuchs bestens geschützt ist. Daher hat IMTEST diesen wichtigen Punkt mit in die Prüfung aufgenommen und die Räder im Labor von Qima in Bezug auf Gefahrenschutz, dem Rückhaltsystem, der Kopffreiheit, dem Kopfschutz sowie dem Schutz in der Wanne testen lassen. Die Bewertung erfolgt nach der aktuell noch gültigen DIN 79010 für Lastenräder.

Gefahrenschutz: Bei diesem Punkt wird geprüft, ob in der Erreichbarkeitszone der Arme von Kindern Stellen sind, wo sich Kinder ihre Finger verfangen, quetschen oder anderweitig verletzen können. Mit einem Metallstift, der einen Kinderfinger simulieren soll, werden mögliche Gefahrenstellen gesucht.

Um einen Unfall zu simulieren, wird an dem Gurt mit hoher Kraft gezogen. Laut aktueller Norm muss dieser mindestens 1.000 Newton standhalten, was alle Testkandidaten bestehen. Nach der aktuellen Norm müssen die Rückhaltesysteme eine Kraft von 1.000 Newton standhalten. Im Test waren sowohl Räder, bei denen der Vorbau mittels Schnellspanner höhenverstellbar ist, als auch welche, bei denen der Vorbau nicht individuell angepasst werden kann.

Kopfschutz: Wie der Name bereits verrät, bezieht sich der Test auf den Kopfschutz - also inwiefern er von hinten durch eine Rücklehne, die Seite oder auch von oben durch einen Überrollbügel bei einem Aufprall geschützt ist. Mit Hilfe einer Holzpuppe wird geprüft, ob die Kopffreiheit eingeschränkt ist und es andere Gefahrenstellen gibt.

Neues Bewertungsverfahren 2025

Ab sofort berechnet IMTEST bei jedem abgeschlossenen Vergleichs- und Einzeltest im Hintergrund eine Preisnote. Diese fließt zu einem sehr geringen Anteil im letzten Schritt ins Endergebnis ein. Wichtig dabei: Der Produkttest, also das Testverfahren selbst, bleibt unverändert.

Der Ablauf sieht also so aus: Wie gewohnt prüft IMTEST weiterhin alle Produkte nach gleichen Vorgaben und nachvollziehbaren Kriterien und ermittelt daraus eine Testnote. Anschließend berechnet IMTEST nun aus dieser ermittelten Testnote und der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers zu gleichen Teilen eine Preisnote. Die Kombination aus Testnote und Preisnote (im Verhältnis 95% zu 5%) ergibt ab sofort das neue IMTEST-Ergebnis - die Basis für Testsieg oder Niederlage.

Preis-Leistungs-Sieger bleibt unverändert das Produkt im Testfeld, welches das beste Verhältnis aus Testnote und Preis bietet.

Neue Europa-Norm für Lastenräder - Interview mit Arne Behrensen von Zukunft Fahrrad

Da sich Cargo-E-Bikes in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt haben, ist der Bedarf einer einheitlichen europäischen Norm hoch. Auch die Tatsache, dass einige Punkte in der aktuellen Norm noch gar keine Rolle spielen, wie etwa die Beförderung von Kleinkindern, die noch nicht selbst sitzen können, spiegelt die Dringlichkeit wider.

Der Entwurf der EN 17860 ist im Januar 2024 veröffentlicht worden. Einige Teilstandards und Entwürfe können von Herstellern bereits angewendet werden. Ein Beispiel: Nach der pr EN 17860 soll das Rückhaltesystem künftig eine Zugkraft von 2.100 Newton aushalten müssen, also mehr als doppelt so viel wie bisher. Ob es bei diesem Wert bei der finalen Veröffentlichung der Norm bleibt, ist noch unklar. Hätte IMTEST bereits nach dieser Vorgabe bewertet, hätten alle Testkandidaten in diesem Punkt jedoch nicht ganz so überzeugend abgeschnitten.

Neue Norm soll für mehr Sicherheit sorgen

IMTEST hat zu dem Thema, wie wichtig die neue Norm für Hersteller und Kunden ist, mit Arne Behrensen gesprochen. Er ist Senior Expert Transportwende bei Zukunft Fahrrad und hat anfangs an dem neuen Normentwurf mitgearbeitet.

IMTEST: Wie sinnvoll ist die Einführung einer einheitlichen, europäischen Norm für Lastenräder?

IMTEST: Welche Verbesserungen beziehungsweise Neuerungen gibt es in der europäischen Norm bezüglich Kindertransport und Kindersicherheit?

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