Fahrraddiebstahlstatistik in Deutschland: Ein Fokus auf E-Bikes

Fahrräder waren schon immer ein beliebtes Diebesgut - durch den aktuellen Fahrrad-Boom ist es aber noch schlimmer geworden. Bundesweit werden ca. 300.000 Fahrraddiebstähle pro Jahr gemeldet. Weil aber nur wenige Betroffene zur Polizei gehen, dürfte die Dunkelziffer um einiges höher liegen.

Diebstahlzahlen und Schadenshöhe

Laut der jüngst vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 246.000 Fahrraddiebstähle polizeilich erfasst. Das sind etwa 6,9 Prozent weniger Fälle als im Vorjahr. Insgesamt wurden im Jahr 2024 weniger versicherte Räder gestohlen: Der GDV registrierte rund 135.000 Diebstähle und damit 10.000 weniger als im Vorjahr.

Zwar sinkt die Zahl an Fahrraddiebstählen, doch die Schadenshöhe steigt: Organisierte Bandenkriminalität hat es gerade auf E-Bikes abgesehen - und verkaufen sie ins Ausland. "Dennoch mussten die Versicherer mit 160 Millionen Euro rund 10 Millionen Euro mehr leisten als im Jahr zuvor", so Asmussen. "Das ist der höchste Stand der letzten 20 Jahre."

Der durchschnittliche Schaden liegt inzwischen bei rund 1.190 Euro - mehr als dreimal so viel wie vor 20 Jahren. Diebe haben es im vergangenen Jahr nach Angaben der Versicherungswirtschaft vor allem auf hochwertige Fahrräder und E-Bikes abgesehen. "Die Täter gehen offenbar gezielter vor", sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Im Schnitt wurden letztes Jahr jeden Tag fast 730 Fahrräder und E-Bikes in Deutschland gestohlen. Das sind deutlich mehr als noch 2021. Ebenfalls gestiegen ist der durchschnittliche Schaden, der pro Diebstahl entstand.

Anstieg bei teuren Fahrrädern

Erkenntnisse zeigen, dass es gerade der organisierte Fahrraddiebstahl gezielt auf hochwertige Fahrräder abgesehen hat, um diese weiterverkaufen zu können. Demnach habe die Zahl der Diebstähle bis zu einem Schadenwert von 500 Euro um etwa ein Prozent zugelegt. Ganz anders sieht die Entwicklung bei teureren Rädern wie E-Bikes aus: Bei Fahrrädern mit einem Wert zwischen 500 und 2500 Euro seien die Vorfälle um 17 Prozent gestiegen. In der Klasse darüber (2500 bis 5000 Euro) gab es sogar einen Anstieg von satten 54 Prozent.

Noch drastischer fällt die Diebstahl-Statistik von E-Bikes und weiteren Drahteseln mit einem Wert zwischen 5000 bis 25.000 Euro aus: Hier gibt es laut der Statistik des Bundeskriminalamtes eine Zuwachsrate von 57 Prozent.

E-Bikes im Fokus der Diebe

Die Zahl der Diebstähle von E-Bikes und Pedelecs in Niedersachsen hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Wie das Landeskriminalamt (LKA) und die Polizei Niedersachsen am Donnerstag mitteilten, lag die Zahl der Diebstähle der elektrisch betrieben Räder 2023 im "mittleren vierstelligen Bereich".

Der Trend zeige sich aber auch an der Gesamtschadenssumme aller gestohlenen Fahrräder, so das LKA: Diese lag im vergangenen Jahr bei rund 32 Millionen Euro - drei Jahre zuvor betrug sie noch 16,5 Millionen Euro. "Gerade die hochpreisigen E-Bikes, E-Scooter und Pedelecs sind bei den Diebinnen und Dieben sehr beliebt. Das machen auch die steigenden Fallzahlen deutlich", sagte Dennis Mroz, der Leiter der landesweiten Kampagne "Protect your Bike".

Die Zahlen zeigen auch, dass der Schaden je Diebstahl wächst. Mit durchschnittlich 3274 Euro wurde im ersten Halbjahr 2023 ein Höchstwert registriert. Im ersten Halbjahr 2020 lag der Wert noch bei rund 2400 Euro.

Regionale Unterschiede

Wo ist die Gefahr, dass ein E-Bike (oder Pedelec) geklaut wird, am höchsten? Die Statistiken der vergangenen Jahre lassen kaum Zweifel an den "Hotspots", an denen besonders häufig geklaut wird. Das Innenministerium Baden-Württemberg hat derweil die Zahlen über Fahrraddiebstähle des vergangenen Jahres ausgewertet. Daraus geht hervor, dass die gemeldeten Fälle gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen haben.

In dem Bundesland ist Freiburg jene Stadt mit den meisten geklauten Rädern und E-Bikes, pro 100.000 Einwohner (849). Dahinter folgen Mannheim (563 Anzeigen) sowie Karlsruhe (560).

Nach Zahlen des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, beläuft sich die Summe für das erste Halbjahr 2023 bereits auf mehr als 1,1 Millionen Euro - ein Höchstwert für ein erstes Halbjahr. Die Insel Usedom mit ihrer Nähe zu Polen ist laut LKA ein regionaler Schwerpunkt der Diebstähle. Bei vielen dort festgestellten Tatverdächtigen handelt es sich den Zahlen zufolge um Polen.

Vorbeugende Maßnahmen und Versicherungsschutz

Die Aufklärungsquote ist so niedrig wie bei kaum einem anderen Delikt. Im Schnitt wird jeder zehnte Fahrrad-Diebstahl aufgeklärt, in Städten sind es nur fünf Prozent. Die Nutzung von GPS-Trackern und eine bessere Sicherung könnten unter anderem Gründe für diesen Rückgang sein, heißt es.

Die Versicherer empfehlen, hochwertige Schlösser zu verwenden. Und doppelt hält besser: Mit zwei Schlössern lassen sich Rahmen und Räder separat sichern. Vor allem stabile U- oder Kettenschlösser sind laut GDV empfehlenswert. Das Fahrrad sollte immer gut sichtbar an einem festen Objekt gesichert werden, etwa an einem Fahrradständer. Belebte und gut beleuchtete Orte schrecken Diebe ab. Und: Ein registriertes Fahrrad lässt sich im Falle eines Diebstahls besser identifizieren und wiederfinden.

Der ADFC rät dazu, das Fahrrad an einen festen Gegenstand anzuschließen und eines der beiden Räder zu sichern - damit Diebe nicht den Fahrradständer knacken und dann mit dem Fahrrad wegfahren können. Wenn das Fahrrad oder E-Bike doch gestohlen wurde, hilft eine Codierung: Codierte Fahrräder seien als Diebesgut schwerer zu verkaufen, so der ADFC. Mit einer Codierung können aufgefundene Fahrräder von der Polizei dem Besitzer zugeordnet werden.

Neben einem hochwertigen Schloss empfiehlt es sich, das Fahrrad mit einer individuellen Kennzeichnung oder Codierung zu versehen. Diese macht es Dieben schwerer, das Rad weiterzuverkaufen, da es leichter nachverfolgt werden kann. Außerdem bieten GPS-Tracker oder AirTags im Rahmen eine Möglichkeit, gestohlene Räder wiederzufinden.

Für Besitzer hochwertiger Räder oder E-Bikes empfiehlt es sich, eine Fahrrad-Versicherung oder eine spezielle E-Bike-Versicherung abzuschließen. Ihr Versicherungsschutz umfasst mehr Risiken, ebenso kann die Entschädigung nach einem Diebstahl höher ausfallen als in der Hausratversicherung.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Fahrräder sollten mit einem - besser zwei - soliden Schlössern angeschlossen werden, und zwar den Rahmen sowie Vorder- und Hinterrad am besten an einen Gegenstand oder einen fest verankerten Fahrradständer.
  • Stellen Sie Ihr Rad nicht an einsamen Plätzen oder uneinsehbaren Straßen ab.
  • Auch Zuhause im Keller und in der Garage gilt: Fahrräder sicher an einen festen Gegenstand anschließen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit der Fahrradcodierung durch den ADFC.
  • Notieren Sie alle wesentlichen Informationen Ihres Fahrrades wie Rahmennummer, Fabrikat und besondere Merkmale.
  • Wenn möglich, immer Stecklichter und den Akku vom Pedelec mit nehmen. Für hochwertige Anbauteile (Sattel, Licht) bietet der Handel spezielle Diebstahlschutzmöglichkeiten an.

Versicherungsschutz

Eine Versicherung schützt vor den unangenehmen Folgen eines Fahrrad-Diebstahls oder sonstigen Beschädigungen. Eine Hausratversicherung muss zahlen, wenn das Rad bei einem Einbruch entwendet wurde, auch aus einem abgeschlossenen Raum eines Hotels.

Fahrrad-Versicherungen beinhalten in der Regel höhere Versicherungssummen. Die Entschädigungssumme dieser separaten Versicherung richtet sich hierbei nicht wie bei der Hausratversicherung nach der Versicherungssumme, sondern nach dem Wert des versicherten Fahrrads bzw. E-Bikes.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist zwar leicht gesunken, aber die Schadenshöhe steigt aufgrund der Zunahme von E-Bike-Diebstählen.
  • Organisierte Kriminalität und der Weiterverkauf ins Ausland spielen eine Rolle.
  • Präventive Maßnahmen wie hochwertige Schlösser, Codierung und GPS-Tracker sind wichtig.
  • Eine spezielle Fahrradversicherung kann zusätzlichen Schutz bieten.

Entwicklung der durchschnittlichen Schadenshöhe bei Fahrraddiebstählen

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Schadenshöhe bei Fahrraddiebstählen im Zeitverlauf:

Jahr Durchschnittliche Schadenshöhe
Vor 10 Jahren 450 Euro
Vorjahr 880 Euro
2022 970 Euro
2023 1.100 Euro

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