Italienische Fahrradhersteller blicken auf eine lange Tradition zurück, insbesondere im Rennradsport. In jüngster Zeit haben sich einige italienische Marken auch dem Markt der E-Bikes zugewandt, wobei sie Wert auf Design, Innovation und sportliche DNA legen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über verschiedene E-Bike-Modelle italienischer Hersteller, die in Tests untersucht wurden.
Malaguti Collina FW6.0
Malaguti, eine Marke mit historischer Bedeutung für Motorroller und Motorräder, will mit dem Collina FW6.0 das italienische Flair vergangener Tage wieder aufleben lassen. Das vollgefederte Offroad-Tiefeinsteiger-E-Bike zeichnet sich durch ein besonderes Design aus und ist mit einem Preis von 4.600 € das günstigste und mit 28,3 kg das leichteste Bike im Testfeld.
Das Malaguti Collina FW6.0 präsentiert sich in einem sportlichen Look mit auffälligen Farbakzenten, die an die italienische Motorrad-Historie erinnern. Die interne Kabelführung sorgt für ein aufgeräumtes Cockpit, ist aber wartungsintensiver. Der Rahmen wirkt massiv und langgestreckt, während das SR Suntour-Fahrwerk 110 mm Federweg vorne und 100 mm hinten bietet.
Der Hinterbau ist komplex konstruiert und reagiert stark auf Antriebseinflüsse, was zu einem unruhigen Fahrverhalten führt. Um dies zu kompensieren, muss der Dämpfer mit höherem Luftdruck gefahren werden, was jedoch den Komfort beeinträchtigt. Angetrieben wird das Malaguti Collina FW6.0 vom kräftigen Bosch Performance Line CX-Motor mit 85 Nm Drehmoment und einem 625 Wh Bosch PowerTube-Akku.
Der niedrige Durchstieg erleichtert das Aufsteigen, während die Sattelstütze mit 160 mm Hub viel Flexibilität bietet. Die Schwalbe Johnny Watts-Reifen bieten guten Grip auf unbefestigten Wegen. Allerdings lastet beim entspannten Cruisen auf langen Touren zu viel Druck auf den Händen. Zudem bieten die Tektro HD-M275 Zweikolbenbremsen zu wenig Biss auf langen Abfahrten.
Zur Ausstattung gehören Kunststoff-Schutzbleche und ein Heckgepäckträger mit MIK-Standard. Das zulässige Gesamtgewicht ist mit 140 kg jedoch begrenzt.
Fazit: Das Malaguti Collina FW6.0 punktet vor allem mit seinem schicken Design und Minimalismus, kann aber in Sachen Funktionalität nicht mit den anderen Tiefeinsteigern im Test mithalten.
THOK MIG
Die italienische Newcomer-Marke THOK ist noch jung auf dem E-MTB-Markt, doch ihr Gründer Stefano Migliorini ist ein ehemaliger BMX- und DH-Profi. Das THOK MIG basiert auf dem Shimano STEPS E8000-Motor und zeichnet sich durch die Positionierung des Akkus unter dem Unterrohr aus, was für einen tieferen Schwerpunkt sorgen soll. Die Geometriedaten deuten auf ein Bike für ambitionierte Trailbiker hin.
Das MIG ist mit einem RockShox-Fahrwerk, einer SRAM NX-Schaltung und MAXXIS Minion DHR und Rekon-Reifen ausgestattet. Bereits nach wenigen Metern fühlten sich die Tester wohl auf dem MIG, das mit seiner natürlichen Kraftentfaltung und dem aufgeräumten Cockpit überzeugte. Die ausgewogene Geometrie sorgt für ein angenehmes Fahrverhalten im Uphill, während das Fahrwerk im Downhill satt arbeitet und viel Feedback vom Untergrund vermittelt.
Fazit: Das THOK MIG ist ein rundum gelungenes E-Mountainbike mit ausgewogener Geometrie, tiefem Schwerpunkt und stimmiger Ausstattung zu einem fairen Preis.
Titici Everso Premium
Die Titici Everso E-Enduro wurde vom italienischen Hersteller aus Asola entwickelt und setzt auf einen selbst entwickelten Vollcarbonrahmen. Der Hauptrahmen ist in einem glänzendem Silber gehalten, zu welchem der kupferfarbene Hinterbau einen tollen Kontrast bietet. Durch den im Unterrohr integrierten 630-Wh-Akku steht Nutzern des Modells eine in den meisten Fällen genügende Reichweite zur Verfügung.
Das Modell kommt mit einem Shimano Deore XT Schaltwerk mit 12 Gängen und lässt so in Sachen Vortrieb und Bandbreite kaum Wünsche offen. In Sachen Federung greift Titici auf Komponenten von Rock Shox zurück, genauer die stabile Rockshox ZEB Select RC, die wenig Einstellmöglichkeiten bietet und man mit einem noch einfacheren Rockshox Deluxe Dämpfer kombiniert.
Auf normalen Wald- und Forstwegen fühlt sich das Titici Everso angenehm an. Durch den Single-Pivot-Hinterbau hat das Bike einen hohen Anti-Squat, was eine hohe Treteffizienz ermöglicht. Auch bergab merkt man, dass das Everso einen Single-Pivot-Hinterbau nutzt. Es fährt sich sehr vorhersehbar und vermittelt somit ein Gefühl von Sicherheit schon nach den ersten Abfahrten.
Fazit: Mit dem Titici Everso Premium erhalten Kunden eine außergewöhnliche E-Enduro, die sich optisch von den meisten anderen Bikes abhebt und so bei vielen Betrachtern einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
MV Agusta AMO RR
MV Agusta, eine italienische Traditionsmarke, hat mit der AMO-Serie den Einstieg in das E-Bike-Segment gewagt. Das AMO RR zeichnet sich durch einen stylischen Rahmen aus Flugzeugaluminium und ein geringes Gewicht von unter 16 Kilogramm aus. Das Antriebssystem von MAHLE ist nahezu unsichtbar integriert und bietet eine ausreichende Performance für den urbanen Raum.
Der nicht entnehmbare Akku mit 248 Wh ist im Unterrohr untergebracht. Die Übertragung der Antriebsleistung erfolgt über einen wartungsarmen Zahnriemen von Gates Carbondrive. Kräftige Bremsen aus der MT4-Serie von Magura sorgen für eine standesgemäße Verzögerung. Die Pirelli Cycle-e DT Reifen bieten ein gut dämpfendes Luftvolumen und ein alltagstaugliches Profil. Das AMO RR liegt sportlich auf der Straße und lässt sich direkt um die Kurven zirkeln. Bei schnellen Fahrten sorgt es mit einem guten Geradeauslauf für das notwendige Vertrauen und findet so einen guten Kompromiss in Sachen Fahrverhalten.
Fazit: Mit dem E-Bike von MV Agusta fällt man in jeder City positiv auf, wobei man allerdings auf eine Lichtanlage verzichten muss.
Bianchi E-Omnia T Type
Bianchi, ein renommierter Fahrradhersteller aus Italien, bietet mit dem E-Omnia T Type ein vielseitiges E-Bike zum Pendeln, für Fitness oder reines Vergnügen. Die Italiener verpacken in ihr neues E-MTB-Fully gleich mal den ebenfalls neuen Shimano Steps E8000 Mittelmotor. Der Rahmen ist aus Aluminium gefertigt. Mit jeweils 140 Millimetern Federweg ordnet sich das Wilier im Bereich AllMountain bzw. Trailbike ein.
Olympia Hammer CC04
Die italienische Marke Olympia ist gerade 130 Jahre alt geworden. Trotz der langen Historie kann das E-Enduro Hammer getrost als Exot bezeichnet werden. Das Hammer ist mit 170 Millimetern Federweg und 900er-Akku eine ausdauerndes Enduro für lange Trail-Ausfahrten im schweren Gelände.
Das Hammer ist ein rassiges Enduro für ernste Geländeeinsätze. Das Carbon-Chassis liefert 170 Millimeter Federweg und kommt mit Mullet-Laufrädern: 29 Zoll vorne, 27,5 am Heck. Der Edge-Motor von Oli stammt ebenfalls aus Italien und ist uns bisher noch nie im EMTB-Testlabor untergekommen. Unter dem Motto “Readers Most wanted - die beliebtesten E-MTBs des Jahres” haben wir acht außergewöhnliche E-Mountainbikes zwischen 2999 und 10999 Euro getestet.
Im Gelände konnte uns das Bike mit gutem Fahrwerk und ausgewogenem Handling überzeugen.
Fazit: Der Underdog aus Italien konnte uns mit starken Abfahrtseigenschaften und traktionsstarkem Fahrwerk überzeugen.
Noko
Mit Noko schickt sich ein Hersteller aus Italien an, urbane E-Bikes mit sportlicher DNA auch auf dem deutschen Markt zu etablieren. Elegant und praktisch zugleich definiert Noko nach eigener Aussage seine Bikes. Gedacht sind sie in erster Linie für Menschen, die täglich im Straßenverkehr unterwegs sind und nach einem Fahrrad suchen, das modern daherkommt, zuverlässig seinen Dienst tut und ein gewisses sportliches Understatement vermittelt.
Die Italiener setzen bei der Komponentenauswahl mit FSA, Vision oder Prologo auf etablierte Marken aus dem Radsport. Für Geschwindigkeiten unter 25 km/h stehen insgesamt fünf Unterstützungsstufen zur Verfügung - auswählbar und farblich angezeigt auf dem Bedienknopf im Oberrohr. Die durch die Alu-Starrgabel begünstigten agilen Fahreigenschaften lassen sich mit einem verhältnismäßig breiten und nur minimal nach innen gekröpften Lenker gut kontrollieren.
Unstrittiger Vorteil von Noko ist seine Custom-Made-Philosophie. Es gibt keine vorgefertigten Modelle. Stattdessen könnt ihr online im Konfigurator die Ausstattung für euer Bike selbst festlegen.
Zusammenfassung
Die getesteten E-Bikes italienischer Hersteller zeigen eine Vielfalt an Designs, Konzepten und Ausstattungen. Während einige Modelle mit ihrem einzigartigen Stil und ihrer Agilität überzeugen, punkten andere mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem Fahrkomfort. Die Wahl des passenden E-Bikes hängt letztendlich von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Fahrers ab.
| Modell | Motor | Akku | Federweg | Gewicht | Preis | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Malaguti Collina FW6.0 | Bosch Performance Line CX | 625 Wh | 110 mm / 100 mm | 28,3 kg | 4.600 € | Design, Tiefeinsteiger |
| THOK MIG | Shimano STEPS E8000 | k.A. | 150 mm / 140 mm | k.A. | 3.999 € | Tiefer Schwerpunkt |
| Titici Everso Premium | Shimano | 630 Wh | k.A. | k.A. | k.A. | Carbonrahmen |
| MV Agusta AMO RR | MAHLE X35 M1+ | 248 Wh | Starrgabel | < 16 kg | 3.790 € | Leichtbau, Design |
| Olympia Hammer CC04 | Oli Edge | 900 Wh | 170 mm | 25,3 kg | 6.999 € | Enduro, großer Akku |
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