E-Bike Kette: Haltbarkeit und Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer

E-Bikes sind dank ihrer Power echte Spaßmaschinen. Durch die Unterstützung des Motors wirken jedoch hohe Kräfte auf den Antrieb. Hinzu kommt das insgesamt hohe Gewicht eines E-Bikes. Diese und noch mehr Faktoren fördern die mechanische Abnutzung. Und zwar schneller, als bei Bikes ohne E-Antrieb.

Das Problem: Verschleiß bei E-MTB-Antrieben

Unser großer Verschleißtest war ein einziges Armutszeugnis: Reißende Ketten, ausbrechende Zähne. Speziell die günstigen Sram-Gruppen konnten dabei nicht überzeugen, doch auch die besseren Antriebe strichen nahezu ausnahmslos vor der 400-Kilometer-Marke die Segel. Die Schilderungen vieler EMTB-Leser bestätigen die ernüchternden Ergebnisse unseres Labortests. Klar ist damit: Auch die besten Antriebe sind für Volllast am E-MTB nicht wirklich ausgelegt.

Die Haltbarkeit einer Kette hängt von Einsatz, Pflege und Schaltungsart ab. Bei Kettenschaltungen variiert diese von 1000 km im Offroad-Einsatz auf bis zu 5000 km unter idealen Bedingungen und guter Pflege.

Die Hauptursache des Kettenverschleiß sind mechanische Belastungen durch Reibung und der Schräglauf bei Kettenschaltungen. Die Nutzung von kleinen Ritzeln sowie die Abrasionswirkung von anhaftendem Schmutz fördern den Verschleiß ebenso wie der bei Kettenschaltungen unvermeidliche Schräglauf. Denn bei jedem Abknicken der Kette werden die Verbindungsbolzen ein klein wenig abgeschliffen, was im Laufe der Zeit zu Spiel in den Kettengelenken führt. Dieser dadurch entstehende Verschleiß macht sich durch eine Längung der Kette bemerkbar.

Die Folgen von übermäßigem Kettenverschleiß sind Performance-Verluste durch einen schlechteren Wirkungsgrad der Kette sowie langsamere Schaltvorgänge. Zudem werden auch die Ritzel und Kettenblätter schneller Abgenutzt.

Tipps zur Verlängerung der Kettenlebensdauer

Richtig schalten

Absolutes No-Go: Anfahren in schweren Gängen und bei maximaler Unterstützungsstufe. Denn gerade bei niedriger Trittfrequenz reißt der Motor mit brachialem Drehmoment an wenigen Zähnchen. Bei vollem Kettenschräglauf.

Besser: Vor dem Anfahren oder Beschleunigen runterschalten. Überhaupt freuen sich Motor und Antriebskomponenten über leichtere Gänge und höhere Trittfrequenzen - bei ruhiger Fahrt, aber ganz besonders beim Beschleunigen. Denn je höher die Trittfrequenz, desto geringer die Last auf der Kette bei gleicher Leistung. Außerdem läuft die Kette dann tendenziell auf Ritzeln mit mehr Zähnen. Das führt zu einer gleichmäßigeren Kraftverteilung und gerade bei schnellerer Fahrt zu weniger Kettenschräglauf.

Wer dazu neigt, beim E-MTB das Schalten zu vergessen, kann sich auch mit niedrigeren Unterstützungsstufen behelfen. So bekommt man automatisch ein besseres Gefühl für die Kraft im Antrieb, tritt runder, beschleunigt moderater und schaltet mehr.

Aber Schalten kann auch Gift für den Antrieb sein. Kettenrisse oder beschädigte Kassettenzähne sind oft auf Gangwechsel unter Last zurückzuführen, da sich dabei die Belas­tung ungünstig im Antrieb verteilt. Tabu ist das Schalten über mehrere Ritzel. Sram verhindert das mit der Single-Click-Technologie, die nur einzelne Klicks am Shifter zulässt. Bei Shimano ist ein achtsamer Pilot mit zurückhaltendem Daumen gefragt.

Weiter gilt: vorausschauend fahren. Wer kann, drückt beim Schalten nur leicht aufs Pedal. Zum Beispiel, wenn man vor dem Anfahren das Schalten in einen kleineren Gang vergessen hat. Auch vor dem Einstieg in steile Stiche oder Schlüsselstellen bergauf bietet sich ein Gangwechsel an, solange das Gelände noch flacher ist. Die knackige Passage selbst bewältigt man am besten, ohne zu schalten. Das erleichtert zudem die Balance auf dem Bike.

Bei den meisten Kassetten ist übrigens das zweitgrößte Ritzel am stabilsten, kleine Ritzel sind anfälliger für Verschleiß. Biker sollten daher die passende Übersetzung montieren. Wer viel im Flachen fährt, braucht eventuell ein größeres Kettenblatt, um an der 25-km/h-Grenze nicht immer in den kleinsten Ritzeln zu hängen. Wer viel an steilen Anstiegen fährt, braucht ein etwas kleineres Kettenblatt.

Unsere Anti-Verschleiß-Tipps zum Antrieb:

  • Wähle die Unterstützungsstufe tendenziell nicht zu hoch, sondern nutze stattdessen lieber kleinere Gänge, um den „Sweetspot“ des Motors zu finden. Turbo-Modus meiden!
  • Vermeide Schaltvorgänge unter Volllast, vor allem über mehrere Gangstufen hinweg.
  • Kettenlängung und allgemeinen Zustand regelmäßig checken, beziehungsweise in der Werkstatt checken lassen. Das ist mit einer speziellen Messlehre im Handumdrehen erledigt. Die Kette lieber zu früh als zu spät austauschen. Damit lässt sich der Tausch weiterer Antriebskomponenten hinauszögern.
  • Die Kette nicht vernieten, sondern mit einem Kettenschloss verschließen. Das ist eine sichere Verbindung, die auf Tour keine Probleme bereitet.
  • Das gilt nicht nur für Mountainbiker: Kette regelmäßig reinigen und mit geeigneten Mitteln schmieren.

Kette und Kassette regelmäßig reinigen

Nach jeder nennenswerten Ausfahrt mit dem E-Bike sollte die Kette von grobem Schutz befreit und später nachgefettet werden. Dafür reicht ein Lappen, durch den man die Kette laufen lässt. Bei gröberer Verschmutzung steht eine Komplettwäsche des Bikes an. Mit Bürste und Eimer oder Gartenschlauch verhindert man frühzeitigen Verschleiß von Antrieb und Lagern.

Ist das E-MTB sauber, kann man es in den Montageständer hängen oder zur Not auf den Kopf stellen (Achtung Armaturen!) und mit einer zweiten Bürste (nur für den Antrieb verwenden) zunächst den groben Dreck aus der Kassette und vom Kettenblatt bürsten. Eine Ölfangmatte schützt die Umwelt. Bei hartnäckigen Verschmutzungen nicht zur Drahtbürste greifen, sondern lieber eine kleine Menge Entfetter auf Lappen oder Bürste geben. So löst sich das Öl-Dreck-Gemisch leichter. Entfetter nur sparsam einsetzen. Kleine Dreckwürste an den Schaltröllchen lassen sich am besten unter Kettenzug mit einem weichen Plastikgegenstand wie einem Reifenheber abdrücken.

Die Kette reinigt man, indem man sie von allen Seiten durch Bürste und Lappen zieht. Von speziellen Kettenreinigungsgeräten sollte man zugunsten der Grundschmierung ganz die Finger lassen. Für die Feinarbeit dann den Lappen noch durch die Zwischenräume der Kassette ziehen. Trocknen lassen und speziell beim Einsatz von Entfetter zügig nachschmieren.

Fetten & schmieren

Sind Bike und Antrieb sauber und trocken, kann man mit dem Nachfetten beginnen. Speziell, wer Entfetter oder Kettenreiniger benutzt hat, sollte damit nicht zu lange warten, sonst setzt schnell Flugrost an. Zum Nachfetten ist beim E-MTB ebenfalls der Montageständer praktisch, damit sich das Hinterrad frei drehen kann. Dann unter langsamem Kurbeln eine kleine Menge Kettenöl auf die Innenseite der Kette aufbringen. Anders als bei Lagerfett gilt hier: Weniger ist mehr.

Ist die Kette zu stark gefettet, zieht sie zu viel Schmutz an, was frühzeitigen Verschleiß fördert. Lieber sparsam fetten und dafür nach jeder Tour mit Lappen und Kettenöl nacharbeiten. Tendenziell waschen sich zähere Öle nicht so leicht aus und sind für den Winter oder zum Pendeln besser geeignet, dünnflüssigere Öle schmieren besser und ziehen weniger Schmutz an - der Tipp für den Sommer.

Nach dem Schmieren die Kurbel noch eine kurze Zeit weiterdrehen, damit sich das Öl gut im Antrieb verteilt. Dann ordentlich einwirken lassen. So hat das Öl genug Zeit, tief zwischen die Kettenglieder zu kriechen, wo die Schmierung besonders wichtig ist. Spätestens vor der nächsten Ausfahrt überschüssiges Fett mit einem Lappen abwischen. Schraubenköpfe freuen sich gerade im Winter ab und zu über etwas Kriechöl gegen den Flugrost, das Innere der Schaltröllchen kann bei langer Nutzung etwas Lagerfett vertragen.

Materialwahl

Was für das Kettenblatt in jedem Fall gilt, ist bei der Kassette komplizierter: Hauptsache Stahl? So waren in unserem Verschleißtest die günstigen Sram-Gruppen NX und GX trotz hohen Stahlanteils besonders früh unbrauchbar, was man auf die schlechtere Härtung des Materials und die Nietenkonstruktion der Kassetten zurückführen kann. Deutlich haltbarer: die Stahlritzel der Deore-Schaltung, die von der Deore XT mit zwei Alu-Ritzeln sogar noch übertroffen wurde. Am besten schnitt die XX1-Schaltung von Sram ab, die wiederum bis auf das kleinste Ritzel aus Stahl gefräst wird. Ein geringes Gewicht und eine hohe Haltbarkeit schließen sich also nicht aus.

Bei schmalerem Geldbeutel geht die Empfehlung trotzdem klar an Shimanos Schaltgruppen, auch wegen der Möglichkeit, bei Verschleiß einzelne Ritzel zu tauschen.

Für Profis: Kette wachsen

Zieht kaum Dreck an und schmiert exzellent: Im Labor konnte das Wachs von Silca überzeugen. Nachteil: Bei Nässe bildet sich schnell Flugrost, der Antrieb muss häufig nachbearbeitet und vorher vollständig ent­fettet werden. Eine Empfehlung nur für technisch versierte Vielfahrer und gutes Wetter.

E-Bike Kette & Kassette: Kontrollieren und rechtzeitig tauschen

Weil die Kassette so viel teurer ist als die Kette, kann man auch durch regelmäßige Kontrolle des Kettenverschleißes hohen Kosten vorbeugen. Die Idee: Tauscht man die Kette rechtzeitig, wird die teure Kassette noch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Bleibt die alte Kette zu lange drauf, verschleißen die Ritzel schneller - dann knarzt es beim Treten, oder die Kette rutscht komplett durch.

Deswegen regelmäßig mit einer Verschleißlehre oder einem genauen Messschieber den Kettenverschleiß prüfen. Im Neuzustand beträgt der Abstand zwischen zehn Kettenröllchen 119,5 Millimeter, spätestens bei 120,5 Millimetern sollte man die Kette tauschen. Das kann beim E-MTB - je nach Art der Beanspruchung - schon nach einigen hundert Kilometern der Fall sein.

Den Verschleiß von Kettenblatt und Ritzel checkt man, indem man nach dem Putzen die Zähne befühlt: Haben sich Grate gebildet, muss das Teil ausgetauscht werden. Gleiches gilt bei Beschädigungen wie etwa abgebrochenen oder eingerissenen Zähnen.

Bei Shimano-Kassetten lassen sich übrigens verschlissene Ritzel einzeln austauschen - eine gute Option, wenn der Zustand der Kassette ansonsten in Ordnung ist. Schaltröllchen sollten spätestens dann getauscht werden, wenn die Zähne anfangen spitz zuzulaufen. Hier wirkt sich Verschleiß aber nur auf die Funktion des Antriebs aus, nicht auf den Verschleiß anderer Komponenten.

Kettenverschleiß messen: So geht's

Die Kettenmesslehre wird oftmals auch Kettenverschleißlehre oder Kettenverschleißmesslehre genannt. Wer über einen Messschieber verfügt, kann auch mit diesem den Kettenverschleiß ganz genau ermitteln. Eine Kettenverschleißmessung sollte ca. alle 500 bis 1.000 km durchgeführt werden - je nach Fahrweise, Qualität und Pflege der E-Bike-Kette.

Mit der Kettenlehre:

  1. Legen Sie die Kettenlehre mit der Vertiefung (Caliber) auf die Kette am E-Bike. Je nach Variante der Kettenlehre gibt es oft zwei Seiten: Eine Seite für Aluminiumritzel, die andere Seite für Stahlritzel. Nehmen Sie daher also die für Ihre Fahrradkette passende Seite.
  2. Wichtig ist, dass die Kette mittels Druck auf das Fahrradpedal gespannt ist - sonst kann es passieren, dass das Messergebnis ungenau wird.
  3. Wenn die Fahrradkette an Ihrem E-Bike bereits verschlissen und gelängt ist, wird die Kettenlehre zu tief in die Kette eindringen. Je stärker eine Kette gelängt ist, desto weiter taucht die Vertiefung schließlich ein. Ist die Kette noch neuer bzw.
  4. Setzen Sie die Messlehre an unterschiedlichen Stellen der Kette an und werten die jeweiligen Ergebnisse aus. Es kann manchmal durchaus sein, dass eine Fahrradkette nur an einer einzigen Stelle gelängt ist - der Großteil aber noch vollkommen im akzeptablen Zustand.
  5. Die Messseite (0,075 mm) pro Gelenk ist als empfohlene Verschleißgrenze für Aluritzel zu sehen, die Seite (0,1 mm) gilt für Stahlritzel. Bei höheren Werten sollte die E-Bike-Fahrradkette daher unbedingt und schleunigst gegen eine neue gewechselt werden.

Mit dem Messschieber:

  1. Eine Kettenlängung kann auch mit einem handelsüblichen Messschieber festgestellt werden.
  2. Dieser sollte auf eine Länge von 118 mm eingestellt werden, um ihn dann an einer Stelle der E-Bike Kette zwischen zehn Kettengliedern einzuführen.
  3. Dort den Messschieber dann so weit öffnen, bis dieser an den Röllchen der Kettenglieder anliegt.
  4. Als Anhaltspunkt: Eine ganz neue Kette liegt bei einer Länge von 119,5 mm.
  5. Bei Stahlritzeln/-kettenblättern ist eine Länge ab 120,5 mm zu viel, bei Aluminiumritzeln/-kettenblättern 120,25 mm.
  6. Dies bedeutet dann also jeweils, dass die Fahrradkette am E-Bike zu weit gelängt und somit verschlissen ist.

Anzeichen für eine abgenutzte oder defekte Fahrradkette

Wenn die Kette beim Schalten nicht mehr richtig rüber auf das nächste Ritzel springt oder beim Treten vibriert, ist es Zeit für eine neue Kette. Manchmal ist auch ein lautes Knacken zu hören, wenn du stärker in die Pedale trittst. Dieses Problem tritt anfangs nur vereinzelt und in bestimmten Gängen auf und wird mit der Zeit immer häufiger.

Ungefährer Verschleiß von Kette und Ritzel

Die hier angegebenen Werte sind nur als grobe Orientierung gedacht. Der tatsächliche Verschleiß hängt von verschiedensten Faktoren ab.

Kilometer Kettenlängung
1000 - 2000 km ca.
2000 - 3000 km ca.

Wann sollte eine Fahrradkette gegen eine neue ausgetauscht werden?

Der Zeitpunkt, wann du deine Fahrradkette wechseln solltest, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Kette überträgt die Kraft von den Pedalen auf das Rad. Eine Person, die schwerer ist und mehr Kraft beim Fahren aufwendet, erzeugt mehr Reibung und verschleißt die Kette schneller als eine Person, die leichter ist. Auch das Schaltverhalten und der Fahrstil haben Einfluss auf die Abnutzung der Kette und der anderen Antriebskomponenten.

Generell lässt sich sagen: Ab 1500 bis 2000 Kilometern sollte der Verschleiß der Kette bei Fahrrädern, die hauptsächlich auf der Straße fahren, mit einer Kettenlehre überprüft werden. Hier empfiehlt es sich, die Kette an mehreren Stellen zu überprüfen. Ist eine der gemessenen Stellen länger als der vorgegebene Toleranzbereich, sollte die Kette gewechselt werden.

Bei Mountainbikes oder E-MTBs ist es notwendig die Kette schon nach 500 Kilometern zu überprüfen. Der Grund hierfür ist eine höhere Anzahl von Umdrehungen im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern. Die Kette verdreckt stärker und es entsteht hierdurch mehr Abrieb zwischen den Kettengliedern und Zahnrädern.

Ein weiterer Aspekt ist auch die richtige Kettenpflege. Wird die Kette regelmäßig gereinigt und geölt, verlängert dies die Lebensdauer einer Kette enorm.

Wie finde ich die richtige Kette?

Damit du deine Kette rechtzeitig ersetzen kannst, brauchst du die richtige Kette. Aber wie findest du die richtige Kette für dein Fahrrad? Es gibt drei wichtige Merkmale, auf die du achten solltest, damit du die richtige Kette kaufst. Ein viertes Merkmal ist ein Qualitätsmerkmal und nicht unbedingt entscheidend.

  • Beachte den Hersteller deiner Gangschaltung (Shimano und SRAM sind nicht kompatibel). Es gibt allerdings Drittanbieter, die kompatible Ketten herstellen, allerdings performen die Marken-Komponenten in der Regel aber am besten.
  • Innerhalb einer Marke unterscheiden sich die Ketten im Außenmaß also von der Breite.
  • Die Anzahl der Ritzel deiner Kassette (Zahnräder am Hinterrad) ist entscheidend beim Kauf der passenden Fahrradkette Zum Beispiel bedeuten 11 Ritzel hinten, dass du eine 11-fach Kette brauchst.
  • Die Anzahl der Glieder der neuen Kette muss gleich oder größer als die der alten Kette sein.

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