Ein knackendes E-Bike kann frustrierend sein. Die Ursachen für diese Geräusche sind oft schwer zu finden, da sie sich über den Rahmen und die verschiedenen Bauteile übertragen. Typischerweise sind im Montageständer keine Knackgeräusche zu hören, weil ja auch nicht mit Last getreten wird. Also muss man muss versuchen die möglichen Ursachen Eine nach der Anderen aus zu schließen. Hier eine ausführliche Anleitung zur Fehlerbehebung.
Häufige Ursachen für Knackgeräusche
Für Knackgeräusche gibt es viele mögliche Ursachen, dummerweise übertragen sich Geräusche über die Bauteile und über den Rahmen, sodass sie rein vom Hören nicht zu lokalisieren sind, jedenfalls nicht vom Sattel aus während der Fahrt.
1. Antrieb
Der Antrieb (Tretlager, Kurbelgarnitur, Pedale, Kette, Schaltung) kann eine häufige Quelle für Knackgeräusche sein.
- Tretlager: Ein knackendes Tretlager (auch Innenlager genannt) kommt häufiger mal vor, insbesondere wenn man besonders kräftig antritt oder gerade ein neues Bauteil montiert hat. Eine lockere Tretlagerschale bewirkt ein dumpfes Knacken was meist dem Tretrythmus folgt. Verwenden Sie bei der Montage des Innenlagers / Tretlagers ausreichend Montagepaste beziehungsweise Lagerfett. Ziehen Sie bei BSA Innenlagern die Lagerschalen mit etwa 40 bis 45 Newtonmetern an. Fetten Sie bei der Montage auch die Welle der Kurbelgarnitur und schieben Sie diese dann durch das Tretlager. Fetten Sie die Verzahnung des anderen Kurbelarms und stecken Sie diesen dann auf die Welle. Ziehen Sie die Zentralschraube mit der Hand fest, drehen Sie die Kurbel einige Male und ziehen Sie die Schraube dann erneut fest.
- Kurbel: Stichwort Pedale: Pedale deren Konstruktion mehrteilig sind, d.h. die Befestigung des/der Kettenräder (Zahnräder) am Kurbelarm kann durch Setzerscheinungen locker werden, auch wenn mit dem vorgeschriebenen Drehmoment fest gezogen wurde. Reinige alle Teile Deiner Kurbelgarnitur gründlich. Anschließend ziehst Du das Kettenblatt wieder fest. Auch die Kurbelwelle muss sauber und mit einer kleinen Schicht Montagepaste oder Fett versehen sein.
- Pedale: Nicht ausreichend fest gezogene Pedale sind der Klassiker, zumal wenn der Kunde sie zu Hause mit einem 6mm Inbusschlüssel festzieht. Das Drehmoment reicht hierbei hinten und vorne nicht. Nebenbei geht auch noch das Pedalgewinde im Alu-Kurbelarm kaputt, wenn das zu lockere Pedal sich im Gewinde bewegt. Drehe die Pedale aus der Kurbel und reinige das Innengewinde. Reinige ebenso das Pedalgewinde. Das Gewinde wird mit Montagepaste bestrichen und das Pedal wieder mit ca. 40Nm montiert.
- Kette: Prüfe zunächst, ob die Kette sauber und ausreichend geschmiert ist. Besonders durch mangelnde Pflege oder das dauerhafte Fahrenin großen Gängen entsteht bei Kettenschaltungen ein starker Verschleiß. Wenn die Kette unter Last über die Ritzel rutscht, ist das ein klares Indiz hierfür.
- Kettenblätter: Sind die Kettenblattschrauben oder Direct Mount-Schrauben nicht korrekt festgezogen, kann auch das der Grund für ein Knarzen sein. Auch hier hilft meist: Kettenblätter demontieren, Gewinde und Fassungen säubern und wieder mit Montagepaste montieren.
- Schaltung: Bei einer nicht richtig funktionierenden Kettenschaltung ist die Spannung des Schaltzugs häufig nicht korrekt. Diese kann ganz simpel an der Schraube am Schalthebel korrigiert werden.
2. Cockpit
Das Cockpit (Steuersatz, Lenker, Vorbau, Gabel) kann ebenfalls Ursache für Knackgeräusche sein.
- Lenkerklemmung im Vorbau: Wenn Du das Cockpit als Ursache erkannt hast, kontrolliere zuerst die Klemmung zwischen Lenker und Vorbau. Demontiere dazu den Lenker, säubere die Kontaktpunkte und montiere ihn wieder. Du kannst ihn entweder sauber und "trocken" montieren oder etwas Montagepaste auf die Klemmflächen geben. Achte beim Festziehen der Klemmschrauben auf gleichmäßige Spaltmaße zwischen Vorbau-Klemmplatte und Vorbau sowie auf die angegebenen Drehmomente.
- Gabelschaftklemmung im Vorbau: Wenn es der Lenker nicht war, kommt als Nächstes die Verbindung vom Vorbau auf dem Gabelschaft infrage. Löse die Ahead-Kappe und danach die Vorbau-Klemmschrauben. Reinige nun den Vorbau sowie die verbauten Spacer und montiere anschließend alles wieder. Ziehe die Vorbauklemmschrauben abwechselnd an, bis das erforderliche Drehmoment erreicht ist. Auch hier kannst Du etwas Montagepaste nutzen.
- Steuersatz: Ein weiterer Knackpunkt können verschlissene, verschmutzte, lockere oder zu fest vorgespannte Lager bzw. Lagerschalen sein. Um an die Lager und deren Schalen zu gelangen, löse zuerst wieder die Ahead-Kappe und die Vorbauschrauben und nimm den Vorbau ab. Jetzt kannst Du die obere Steuersatzkappe (Top Cap) abnehmen und die Gabel vorsichtig nach unten herausziehen. Laufen sie rau und "mahlen" bei Rotation? Dann sollten sie getauscht werden, denn die Geräusche können daher stammen. Prüfe auch, ob der Gabelkonus sauber und fest auf dem Gabelschaft sitzt. Hier sammelt sich gern Nässe und Dreck - nach dem Säubern kannst Du eine großzügige Fettpackung auf den Konus geben, ebenso auf die Lager selber, denn zwischen Lager und Lagerschale können auch feinste Luftspalte verbleiben, die minimales Spiel und somit Geräusche verursachen können.
- Federgabel: Sollte das Knarzen nach Überprüfen dieser Teile noch immer nicht verschwunden sein, kann es auch sein, dass sich die Verpressung des Schafts in der Gabelkrone Deiner Federgabel minimal gelöst hat. Dies muss dann in jedem Fall professionell geprüft werden. Nimm dafür gern Kontakt mit unserem Service auf oder wende Dich direkt an den Hersteller der Gabel, denn dieses Problem kannst Du selber nicht lösen.
3. Sattel und Sattelstütze
Knackgeräusche können auch von Sattel und Sattelstütze kommen.
- Sattelstützenklemmung: Checke zunächst die Sattelstützenklemmung. Nach dem Ausbau der Sattelstütze solltest Du sie und die Innenseite des Sitzrohrs gründlich reinigen und üppig mit Montagepaste bestreichen. Nutze einen Drehmomentschlüssel, um die angegebenen Drehmomente nicht zu überschreiten.
- Verbindungen: Typische Quellen sind die Verbindungen zwischen Klemmschelle und Rahmen oder zwischen Sattelstütze und Rahmen. In beiden Fällen ist oft Staub und Feuchtigkeit im Spiel, darum gilt auch hier: Erst säubern und dann neu montieren, am Besten mit Montagepaste. Wenn die Sattelstütze trotz korrekten Durchmessers spürbar Spiel im Rahmen hat oder gar von selbst verrutscht, bestreiche sie und das Sitzrohr üppig mit Montagepaste. Beachte die angegebenen Drehmomente beim Festziehen der Klemmung!
- Sattelklemmung: Auch der Klemmkopf der Sattelstütze kann Knack- und Knarzgeräusche von sich geben. Da dieser Bereich bei Rädern ohne Schutzblech dem vollen Dreck- und Spritzwasser-Beschuss des Hinterrades ausgesetzt ist, kann das häufiger vorkommen. Schraube den Klemmkopf auseinander und mach alles gründlich sauber. Auf die Sattelstreben kannst Du etwas Montagepaste auftragen, ebenso auf die Klemmschrauben. Achte auch hier genau auf die nötigen Drehmomente und ein gleichmäßiges Anziehen, wenn der Klemmkopf 2 Schrauben hat.
4. Laufräder
Auch die Laufräder können Geräusche verursachen.
- Kassette: Eine Geräuschquelle kann auch eine nicht sauber sitzende Kassette sein. Ist sie ohne Fett oder mit zu wenig Drehmoment montiert, kann sie Spiel entwickeln, verkanten und so Geräusche hervorrufen. Oft hilft ein wenig Fett oder Montagepaste zwischen Freilauf und Kassette. Achte auch drauf, dass das Gewinde und die Klemmfläche des Verschlussrings frei von Verschmutzungen ist.
- Speichen: Ist im Hinterrad die Speichenspannung zu gering, können sich die Speichen an ihren Kreuzungen gegeneinander bewegen und ein helles Knarzen von sich geben. Zieh die Speichen entsprechend nach oder schau in der Werkstatt vorbei.
- Achsen und Naben: Prüfe darum zuerst, ob die Schnellspanner, Schraub- oder Steckachsen fest sitzen. Hat das Rad bei korrekt angezogener Achse Spiel, sind wahrscheinlich die Nabenlager hinüber und müssen getauscht werden. Beachte auch hier die Drehmomente: eine zu fest angezogene Steckachse kann Rahmen oder Gabel stark verspannen.
5. Motor
In seltenen Fällen kann auch der Motor selbst Geräusche verursachen.
- Verschraubung Motor/Rahmen: Falls bei einem E-Bike kurz nach Kauf knarzende Geräusche unter Last im Motorbereich auftreten, ist die Ursache häufig die Verschraubung zwischen Motor und Rahmen. Es entstehen zwar keine Schäden, dennoch wird das Fahrerlebnis gestört. Ein einmaliges Nachziehen der Schrauben schafft hier Abhilfe.
- Defekte im Motor: Wenn die Kette und die Ritzel nicht verschlissen sind und die Einstellung der Schaltung korrekt ist, kann entweder ein Defekt des Getriebes (nur bei Nabenschaltungen), des Freilaufs oder eines Bauteils innerhalb des Motors die Ursache sein.
6. Sonstige Ursachen
- Schnellspanner: Sattelschnellspanner und Vorderrad-/Hinterrad-Schnellspanner mit Kunststoffteil unter dem Spannhebel. Der Kunststoff kriecht unter Belastung, die Spannkraft lässt dadurch nach, was zu Knackgeräuschen führt. Schnellspanner von Shimano haben dieses Problem nicht, da ohne Kunststoffteil, also mit Shimano Schnellspannern versuchen.
- Schaltauge: Das Schaltauge, die Verbindung zwischen Rahmen und Schaltwerk, ist meist recht grob verarbeitet, zudem verhindert teilweise Lack an der rahmenseitigen Aufnahme einen festen Sitz undes kann sich daher lockern, besonders wenn es mit nur einer Schraube fixiert ist.
- Akku und Display: Stelle zunächst sicher, dass der Akku geladen ist und nach dem Einsetzen wenig Spiel aufweist. Wenn Display oder Akku den Kontakt verlieren, lassen sich die E-Bikes nicht mehr normal einschalten oder die Unterstützung beim Fahren funktioniert nicht mehr.
Allgemeine Hinweise zur Fehlerbehebung
Bevor Du mit der eigentlichen Fehlersuche beginnst, beachte folgende Punkte:
- Sauberkeit: Thomas Dreck kann die Ursache für das Knacken Deines Fahrrads sein. Gerade zwischen Kontaktflächen kommt es leicht zu nervtötendem Knirschen. Deshalb gilt: Putze und pflege Dein Bike regelmäßig!
- Werkzeug: Das richtige Werkzeug ist Voraussetzung. Verwende einen Drehmomentschlüssel für alle Komponenten, die eine Drehmomentangabe haben (entweder aufgedruckt oder in der Anleitung des Herstellers zu finden).
- Montagepaste: Alle Gewinde sollten mit Montagepaste versehen werden. Bei Schrauben, die weniger als 5Nm Drehmoment bekommen, kannst Du stattdessen zur Sicherheit auch Schraubensicherung verwenden. Nimm für Schraubgewinde kein Fett! Im Extremfall kann eine gefettete Schraube vor Erreichen des Soll-Drehmoments abreißen. Da Carbonteile mit relativ geringen Kräften geklemmt werden, empfehlen wir die Verwendung von Carbon-Montagepaste an den Kontaktflächen. Sie hat die Eigenschaft, die Reibung zwischen 2 Flächen zu erhöhen, statt wie Fett zu verringern.
- Prüfung: Sieh Dir alle Teile, die Du demontierst, genau an! Deformationen oder Beschädigungen können die Passform beeinträchtigen und gehören natürlich ausgetauscht.
Diagnose
Du kannst die Ursache des Geräuschs eingrenzen, wenn Du auf den Rhythmus achtest und darauf, wann es auftritt. Hier ein paar zentrale Fragen:
- Knackt es im Rhythmus der Umdrehung der Räder oder der Kurbelgarnitur?
- Ist das Geräusch noch da, wenn Du aufhörst zu treten?
- Kommt es nur bei starkem Antritt?
- Tritt das Geräusch nur auf, wenn Du dich auf den Sattel setzt? Oder wenn Du aufstehst? Oder beides?
- Knackt es immer noch, wenn Du in den Wiegetritt gehst?
- Hört es auf, wenn Du freihändig pedalierst?
So wirst Du grundsätzlich herausfinden, wo Du genauer suchen musst: im Antrieb (Tretlager, Kurbelgarnitur, Pedale, Kette, Schaltung), am Cockpit (Steuersatz, Lenker, Vorbau, Gabel) oder am Sattel bzw. der Sattelstütze.
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