E-MTBs erfreuen sich wachsender Beliebtheit und entwickeln sich zu einem Sportgerät für die breite Masse. Sie stellen jedoch aufgrund der zusätzlichen Motorleistung hohe Anforderungen an das Material.
Die Besonderheiten von E-MTB Laufrädern
Die Beanspruchungen des Laufrades im E-MTB-Bereich sind deutlich höher. Ein durchschnittlicher E-Biker fährt 3500 Kilometer im Jahr und klettert 70.000 Höhenmeter. Die Hersteller heben deshalb die Systemgewichte an. Crank Brothers gibt 135, DT Swiss und Fulcrum 150 und Newmen 180 Kilogramm an.
Aus den genannten Gründen ist ersichtlich, dass Laufräder am E-MTB speziellen Bedürfnissen unterliegen, welche die Hersteller bei der Konstruktion berücksichtigen. Was im Detail anders ist, haben wir mit verschiedenen Herstellern erörtert und gehen im Folgenden darauf ein.
Freilaufkörper
Beim Freilaufkörper graben sich Ritzelpakete (Shimano HG Standard) tief ins Aluminium, wodurch die Ritzelabstände und daher die eingefrästen Steighilfen für die Kette zueinander nicht stimmen. Die Schaltqualität leidet. Auch der Tausch des Ritzelpakets wird so zum nervenraubenden Zeitproblem. „Die Lösung ist die Fertigung aus gehärtetem Stahl, vor allem bei Shimano HG Freiläufen“, bestätigt Rainer Gerster von Crank Brothers.
Am Freilauf findet sich eine spezielle Eigenheit bei E-Bikes: Im Motorblock und in der Hinterradnabe ist je ein Freilauf verbaut. Der Eingriffswinkel im Antritt erhöht sich, die Krafteinleitung wird verzögert. Ein kleiner Eingriffswinkel ist wünschenswert, steht aber im Widerspruch mit einer hohen und sicheren Kraftübertragung.
Sperrklinken
Im Antritt treten in Summe der Fahrer- und Motorkraft extreme Peitschenkräfte beim Einrasten der Sperrklinken auf. Alex Mai von Reynolds erklärt: „Wir verwenden sechs Sperrklinken, die gleichzeitig zum Einsatz kommen. Greift eine nicht, bleiben immer noch fünf andere übrig“. Fulcrum legt Klinken und Rastkörper groß und massiv aus, unterzieht das Material einem Härtungsprozess.
Achsen und Lager
Die Achse beim E-Bike verbiegt sich unter der Spitzenleistung von gut 1800 Watt und einem Drehmoment von bis zu 180 Newtonmetern stark. Dann stehen Lager nicht perfekt gerade, können verkanten und verschleißen schneller. Und auch der Freilauf und damit die Sicherheit leidet, weil Zahnscheiben oder Klinken und Zahnrad nicht perfekt zueinander stehen.
Bei Lagern spielt die Traglast eine wichtige Rolle. Das Mehr an Last kann durch größere oder mehrere Lager abgefangen werden. DT Swiss geht den Weg über die Größe und verspricht eine fast doppelt so hohe Drucklastaufnahme. Reynolds setzt am Hinterrad fünf Lager ein (zwei am Nabenkörper, drei im Freilauf). Sehr gut gelöst ist zudem das fein einstellbare Lagerspiel bei Newmen und Syntace.
Nabenkörper
Am Nabenkörper setzen die Hersteller auf Oversizing bei Wandstärken, Körper, Nabenflansche und Bremsaufnahmen, um den hohen Antriebs- und Verzögerungsleistungen zu begegnen.
Speichen und Nippel
Die Speichen werden beim E-Bike gerade im Speichenkopf, -bogen und -gewinde mehr belastet. Daher verwenden die Hersteller verstärkte Modelle, die am und hinter dem Kopf 2,2 bis 2,34 Millimeter stark sind. Eine doppelt konifizierte Version steckt hohe Belastungen durch den verjüngten Mittelteil besser weg. Im Handel erhältliche Speichen für E-MTBs sind die DT Alpine III oder die Sapim Force. DT spricht von etwa 35 Prozent mehr Zugspannung, 51 Prozent besserer Dauerhaltbarkeit bei nur 10 Gramm Mehrgewicht.
Bezüglich Nippel gibt es ein Comeback der Messingnippel. Sie sind höher belastbar, ermüden später, sind korrosionsfrei und haben beim Einspeichen selbstschmierende Eigenschaften.
Felgen
Bei den Felgen an E-Bikes sind deutlich mehr Defekte zu verzeichnen, bestätigen Laufrad- und Radhersteller auf Nachfrage. Der starken Beanspruchung des Felgenbodens durch hohe Antriebs- und Bremslasten begegnen die Hersteller mit mehr Wandstärke, optimierten Auflageflächen sowie Austrittswinkeln für den Speichennippel. DT gibt dadurch eine doppelt so hohe Haltbarkeit sowie einen um 20 Prozent höheren Nippelauszug an.
Zum anderen werden an E-Bikes meist 2.6 bis 2.8 Zoll breite Reifen eingesetzt. Perfekte Performance bieten diese nur mit niedrigem Luftdruck, wodurch die Gefahr von Durchschlägen, Snakebites und Burping steigt.
Weitere Finessen, die die Performance verbessern, sind asymmetrische Speichenbohrungen (Fulcrum, Reynolds). Sie gleichen Speichenwinkel und -spannung an und machen das Laufrad steifer und haltbarer. Newmen stellt die Felgenhörner um 25 Grad an. Der Kniff vermindert Schäden um circa 40 Prozent, weil Dellen vor allem bei schräg angestellten Laufrädern in Kurven durch Durchschläge entstehen.
Fulcrum wiederum passt Profil, Breite und Höhe den Ansprüchen an Vorder- und Hinterrad an. Für gute Zielführung ist die Felge am Vorderrad höher und steifer.
Gewicht
Christophe Immer von Fulcrum bringt es auf den Punkt: „Das Dogma der letzten 20 Jahre - das Gewicht - hat beim E-MTB nicht die allerhöchste Priorität.
Dogma der letzten 20 Jahre
Bei Rädern kommen 79er - ein 29er Laufrad mit 2.4 bis 2.5 Zoll breiten Reifen am Vorder- und einem 27,5er Laufrad mit 2.6 bis 2.8 Zoll breiten Reifen am Hinterrad. Das verbessert die Spurführung am Vorderrad durch höheren Luftdruck und weniger wandernde Karkassen und die Traktion am Hinterrad. Die Idee ist bei Motorrädern schon lange Standard.
Spezifische E-MTB Laufradsätze sind definitiv sinnvoll und versprechen eine bessere Haltbarkeit bei überschaubarem Mehrgewicht.
Test: Alu- und Carbonlaufräder ab 600 Euro
Laufräder gelten als das beste Tuning fürs MTB. Doch stimmt das wirklich? Und was bieten aktuelle Nachrüstsätze? Wir haben 13 Modelle ab 430 Euro getestet.
Die Gewinner auf einen Blick
- Testsieger Alu-Laufräder: Veltec ETR Extradrei
- Testsieger Carbon-Laufräder: Acros Enduro-Carbon-LSR 29"
- Kauftipp Alu-Laufräder: Race Face Aeffect R
- Kauftipp Carbon-Laufräder: Newmen Advanced SL A.30
Getestete Alu-Laufräder
| Laufrad | Preis pro Paar | Gewicht (Paar) | Max. Systemgewicht | Material Felge/Speiche | Maulweite v./h. | Testfazit | Testurteil |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy | 600 Euro | 2024,5 g | keine Angabe | Alu/Stahl | 31/29 mm | Die Crank-Räder gehören zu den seiten- und torsionssteifsten im Test. | Gut |
| DT Swiss XM 1700 Spline | 719 Euro | 1890 g | 120 kg | Alu/Stahl | 30/30 mm | Die beliebten Mittelklasse-Laufräder der Schweizer sind - für Alu-Felgen - leicht und prima zu beschleunigen. | Sehr gut |
| Mavic Crossmax XL S 29 | 750 Euro | 1891 g | 120 kg | Alu/Stahl | 30/30 mm | Das neue Crossmax- Laufrad kommt dezenter daher als früher - und ist rundum eine solide Wahl. | Gut |
| Newmen Evolution SL A.30 | 680 Euro | 1802 g | 125 kg | Alu/Stahl | 30/30 mm | Leicht und flott! Die Newmen-Alu-Räder sind nur minimal schwerer als die von Testsieger Veltec. | Sehr gut |
| Race Face Aeffect R | 600 Euro | 1993,5 g | keine Beschränkung | Alu/Stahl | 30/30 mm | Auf der Habenseite steht ein grundsolider Laufradaufbau samt sehr guter Steifigkeitswerte. | Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Kauftipp) |
| Shimano Deore XT WH-M8120 | 430 Euro | 2012 g | keine Angabe | Alu/Stahl | 30/30 mm | Günstig, aber gut! Shimanos XT-Laufradsatz schlägt sich trotz preislichem Respektabstand zur Konkurrenz wacker. | Gut |
| Spank 350 Vibrocore | 699 Euro | 2036 g | keine Angabe | Alu/Stahl | 30/30 mm | Die Spank-Räder besitzen eine Schaumstoff-Schicht in der Felge, die Vibrationen dämpfen soll. | Gut |
| Veltec ETR Extradrei | 549 Euro | 1792 g | keine Angabe | Alu/Stahl | 30/30 mm | Veltecs Satz ist perfekt aufgebaut und zeigt das geringste Gesamtgewicht im Alu-Testfeld. | Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Testsieger) |
Getestete Carbon-Laufräder
| Laufrad | Preis pro Paar | Gewicht (Paar) | Max. Systemgewicht | Material Felge/Speiche | Maulweite v./h. | Testfazit | Testurteil |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Acros Enduro-Carbon-LRS 29" | 1199 Euro | 1550 g | keine Beschränkung | Carbon/Stahl | 29/29 mm | Acros liefert mit dem Enduro-Laufradsatz ein mit 1550 g superleichtes und klasse aufgebautes Paar Carbon-Rundlinge. | Überragend (MOUNTAINBIKE-Testsieger) |
| Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon | 1699 Euro | 1846 g | keine Angabe | Carbon/Stahl | 31/29 mm | Die Synthesis sind die schwersten und "langsamsten" Kohlefaser-Räder im Test. | Sehr gut |
| DT Swiss XMC 1501 Spline One | 1599 Euro | 1629 g | 120 g | Carbon/Stahl | 30/30 mm | Die Schweizer punkten bei ihrem Carbon-Modell mit perfektem Aufbau und niedrigem, wenn auch nicht superleichtem Set-Gewicht. | Überragend |
| Newmen Advanced SL A.30 | 1450 Euro | 1579,5 g | 125 g | Carbon/Stahl | 29/29 mm | Optisch macht Newmens superleichter Carbon-Satz mit den silbern glänzenden Naben eine Menge her. | Überragend (MOUNTAINBIKE-Kauftipp) |
| Race Face Next R31 | 1699 Euro | 1728 g | keine Beschränkung | Carbon/Stahl | 31/31 mm | Wie Crankbrothers setzt auch Race Face eher auf Stabilität denn auf ausgewiesenen Leichtbau. | Sehr gut |
Warum Laufräder das ideale Tuning sind
Weil sie, wenn hochwertig, nur positive Effekte bringen. Sie sparen Gewicht und damit Massenträgheit, was das Bike leichter, agiler im Handling und spurtfreudiger macht. Gleichzeitig gehen sie in Sachen Steifigkeit und Langlebigkeit keinerlei Kompromisse ein. So zumindest das Versprechen.
Leicht und mit viel Speed
Tatsächlich: Die getesteten Laufräder weisen zumeist attraktive Gewichte auf, die deutlich unter denen eines "08/15-Satzes" in einem 3000-Euro-Fully liegen dürften. Logo, die Carbonis wiegen dabei weniger als die Alu-Modelle: im Schnitt 265 g pro Satz. Wobei die beiden Kohlefaser-Wheels von Acros und Newmen mit unter 1600 g Paargewicht echte Traumwerte erreichen - bei voller Enduro- und hoher Gewichtsfreigabe (Acros nennt gar keine Beschränkung). Dass auch Alu leichte Laufräder erlaubt, zeigen Newmen und Veltec, deren Sätze auf je rund 1800 g kommen - klasse. Mit den Alu-Rädern von Crankbrothers, Shimano und Spank überbieten drei Sätze jedoch die kritische Zwei-Kilo-Marke. Das passt zur jeweiligen Philosophie der Hersteller (robust, komfortabel, langlebig ...), geht aber kaum als Gewichts-Tuning durch und hat entsprechend Punktabzüge zur Folge.
Verwandte Beiträge:
- Ultimativer Laufrad E-Bike MTB 29 Zoll Test: Alu vs. Carbon – Welches Laufrad Gewinnt?
- Günstige E-Bikes für Damen: Top Modelle im Preisvergleich
- E-Bike Funktionsweise: Technik, Komponenten & Tipps
- Big Bike Laufrad: Test & Vergleich der besten Modelle
- 24 Zoll Fahrrad mit Rücktrittbremse: Die überraschenden Vor- und Nachteile enthüllt!
- Die besten Shimano Karpfenruten im Vergleich – Finden Sie Ihre perfekte Angelrute!
Kommentar schreiben