E-Bike Laufrad 29 Zoll Test: Was Sie wissen müssen

E-MTBs erfreuen sich wachsender Beliebtheit und entwickeln sich zu einem Sportgerät für die breite Masse. Sie stellen jedoch aufgrund der zusätzlichen Motorleistung hohe Anforderungen an das Material.

Die Besonderheiten von E-MTB Laufrädern

Die Beanspruchungen des Laufrades im E-MTB-Bereich sind deutlich höher. Ein durchschnittlicher E-Biker fährt 3500 Kilometer im Jahr und klettert 70.000 Höhenmeter. Die Hersteller heben deshalb die Systemgewichte an. Crank Brothers gibt 135, DT Swiss und Fulcrum 150 und Newmen 180 Kilogramm an.

Aus den genannten Gründen ist ersichtlich, dass Laufräder am E-MTB speziellen Bedürfnissen unterliegen, welche die Hersteller bei der Konstruktion berücksichtigen. Was im Detail anders ist, haben wir mit verschiedenen Herstellern erörtert und gehen im Folgenden darauf ein.

Freilaufkörper

Beim Freilaufkörper graben sich Ritzelpakete (Shimano HG Standard) tief ins Aluminium, wodurch die Ritzelabstände und daher die eingefrästen Steighilfen für die Kette zueinander nicht stimmen. Die Schaltqualität leidet. Auch der Tausch des Ritzelpakets wird so zum nervenraubenden Zeitproblem. „Die Lösung ist die Fertigung aus gehärtetem Stahl, vor allem bei Shimano HG Freiläufen“, bestätigt Rainer Gerster von Crank Brothers.

Am Freilauf findet sich eine spezielle Eigenheit bei E-Bikes: Im Motorblock und in der Hinterradnabe ist je ein Freilauf verbaut. Der Eingriffswinkel im Antritt erhöht sich, die Krafteinleitung wird verzögert. Ein kleiner Eingriffswinkel ist wünschenswert, steht aber im Widerspruch mit einer hohen und sicheren Kraftübertragung.

Sperrklinken

Im Antritt treten in Summe der Fahrer- und Motorkraft extreme Peitschenkräfte beim Einrasten der Sperrklinken auf. Alex Mai von Reynolds erklärt: „Wir verwenden sechs Sperrklinken, die gleichzeitig zum Einsatz kommen. Greift eine nicht, bleiben immer noch fünf andere übrig“. Fulcrum legt Klinken und Rastkörper groß und massiv aus, unterzieht das Material einem Härtungsprozess.

Achsen und Lager

Die Achse beim E-Bike verbiegt sich unter der Spitzenleistung von gut 1800 Watt und einem Drehmoment von bis zu 180 Newtonmetern stark. Dann stehen Lager nicht perfekt gerade, können verkanten und verschleißen schneller. Und auch der Freilauf und damit die Sicherheit leidet, weil Zahnscheiben oder Klinken und Zahnrad nicht perfekt zueinander stehen.

Bei Lagern spielt die Traglast eine wichtige Rolle. Das Mehr an Last kann durch größere oder mehrere Lager abgefangen werden. DT Swiss geht den Weg über die Größe und verspricht eine fast doppelt so hohe Drucklastaufnahme. Reynolds setzt am Hinterrad fünf Lager ein (zwei am Nabenkörper, drei im Freilauf). Sehr gut gelöst ist zudem das fein einstellbare Lagerspiel bei Newmen und Syntace.

Nabenkörper

Am Nabenkörper setzen die Hersteller auf Oversizing bei Wandstärken, Körper, Nabenflansche und Bremsaufnahmen, um den hohen Antriebs- und Verzögerungsleistungen zu begegnen.

Speichen und Nippel

Die Speichen werden beim E-Bike gerade im Speichenkopf, -bogen und -gewinde mehr belastet. Daher verwenden die Hersteller verstärkte Modelle, die am und hinter dem Kopf 2,2 bis 2,34 Millimeter stark sind. Eine doppelt konifizierte Version steckt hohe Belastungen durch den verjüngten Mittelteil besser weg. Im Handel erhältliche Speichen für E-MTBs sind die DT Alpine III oder die Sapim Force. DT spricht von etwa 35 Prozent mehr Zugspannung, 51 Prozent besserer Dauerhaltbarkeit bei nur 10 Gramm Mehrgewicht.

Bezüglich Nippel gibt es ein Comeback der Messingnippel. Sie sind höher belastbar, ermüden später, sind korrosionsfrei und haben beim Einspeichen selbstschmierende Eigenschaften.

Felgen

Bei den Felgen an E-Bikes sind deutlich mehr Defekte zu verzeichnen, bestätigen Laufrad- und Radhersteller auf Nachfrage. Der starken Beanspruchung des Felgenbodens durch hohe Antriebs- und Bremslasten begegnen die Hersteller mit mehr Wandstärke, optimierten Auflageflächen sowie Austrittswinkeln für den Speichennippel. DT gibt dadurch eine doppelt so hohe Haltbarkeit sowie einen um 20 Prozent höheren Nippelauszug an.

Zum anderen werden an E-Bikes meist 2.6 bis 2.8 Zoll breite Reifen eingesetzt. Perfekte Performance bieten diese nur mit niedrigem Luftdruck, wodurch die Gefahr von Durchschlägen, Snakebites und Burping steigt.

Weitere Finessen, die die Performance verbessern, sind asymmetrische Speichenbohrungen (Fulcrum, Reynolds). Sie gleichen Speichenwinkel und -spannung an und machen das Laufrad steifer und haltbarer. Newmen stellt die Felgenhörner um 25 Grad an. Der Kniff vermindert Schäden um circa 40 Prozent, weil Dellen vor allem bei schräg angestellten Laufrädern in Kurven durch Durchschläge entstehen.

Fulcrum wiederum passt Profil, Breite und Höhe den Ansprüchen an Vorder- und Hinterrad an. Für gute Zielführung ist die Felge am Vorderrad höher und steifer.

Gewicht

Christophe Immer von Fulcrum bringt es auf den Punkt: „Das Dogma der letzten 20 Jahre - das Gewicht - hat beim E-MTB nicht die allerhöchste Priorität.

Dogma der letzten 20 Jahre

Bei Rädern kommen 79er - ein 29er Laufrad mit 2.4 bis 2.5 Zoll breiten Reifen am Vorder- und einem 27,5er Laufrad mit 2.6 bis 2.8 Zoll breiten Reifen am Hinterrad. Das verbessert die Spurführung am Vorderrad durch höheren Luftdruck und weniger wandernde Karkassen und die Traktion am Hinterrad. Die Idee ist bei Motorrädern schon lange Standard.

Spezifische E-MTB Laufradsätze sind definitiv sinnvoll und versprechen eine bessere Haltbarkeit bei überschaubarem Mehrgewicht.

Test: Alu- und Carbonlaufräder ab 600 Euro

Laufräder gelten als das beste Tuning fürs MTB. Doch stimmt das wirklich? Und was bieten aktuelle Nachrüstsätze? Wir haben 13 Modelle ab 430 Euro getestet.

Die Gewinner auf einen Blick

  • Testsieger Alu-Laufräder: Veltec ETR Extradrei
  • Testsieger Carbon-Laufräder: Acros Enduro-Carbon-LSR 29"
  • Kauftipp Alu-Laufräder: Race Face Aeffect R
  • Kauftipp Carbon-Laufräder: Newmen Advanced SL A.30

Getestete Alu-Laufräder

Laufrad Preis pro Paar Gewicht (Paar) Max. Systemgewicht Material Felge/Speiche Maulweite v./h. Testfazit Testurteil
Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy 600 Euro 2024,5 g keine Angabe Alu/Stahl 31/29 mm Die Crank-Räder gehören zu den seiten- und torsionssteifsten im Test. Gut
DT Swiss XM 1700 Spline 719 Euro 1890 g 120 kg Alu/Stahl 30/30 mm Die beliebten Mittelklasse-Laufräder der Schweizer sind - für Alu-Felgen - leicht und prima zu beschleunigen. Sehr gut
Mavic Crossmax XL S 29 750 Euro 1891 g 120 kg Alu/Stahl 30/30 mm Das neue Crossmax- Laufrad kommt dezenter daher als früher - und ist rundum eine solide Wahl. Gut
Newmen Evolution SL A.30 680 Euro 1802 g 125 kg Alu/Stahl 30/30 mm Leicht und flott! Die Newmen-Alu-Räder sind nur minimal schwerer als die von Testsieger Veltec. Sehr gut
Race Face Aeffect R 600 Euro 1993,5 g keine Beschränkung Alu/Stahl 30/30 mm Auf der Habenseite steht ein grundsolider Laufradaufbau samt sehr guter Steifigkeitswerte. Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Kauftipp)
Shimano Deore XT WH-M8120 430 Euro 2012 g keine Angabe Alu/Stahl 30/30 mm Günstig, aber gut! Shimanos XT-Laufradsatz schlägt sich trotz preislichem Respektabstand zur Konkurrenz wacker. Gut
Spank 350 Vibrocore 699 Euro 2036 g keine Angabe Alu/Stahl 30/30 mm Die Spank-Räder besitzen eine Schaumstoff-Schicht in der Felge, die Vibrationen dämpfen soll. Gut
Veltec ETR Extradrei 549 Euro 1792 g keine Angabe Alu/Stahl 30/30 mm Veltecs Satz ist perfekt aufgebaut und zeigt das geringste Gesamtgewicht im Alu-Testfeld. Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Testsieger)

Getestete Carbon-Laufräder

Laufrad Preis pro Paar Gewicht (Paar) Max. Systemgewicht Material Felge/Speiche Maulweite v./h. Testfazit Testurteil
Acros Enduro-Carbon-LRS 29" 1199 Euro 1550 g keine Beschränkung Carbon/Stahl 29/29 mm Acros liefert mit dem Enduro-Laufradsatz ein mit 1550 g superleichtes und klasse aufgebautes Paar Carbon-Rundlinge. Überragend (MOUNTAINBIKE-Testsieger)
Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon 1699 Euro 1846 g keine Angabe Carbon/Stahl 31/29 mm Die Synthesis sind die schwersten und "langsamsten" Kohlefaser-Räder im Test. Sehr gut
DT Swiss XMC 1501 Spline One 1599 Euro 1629 g 120 g Carbon/Stahl 30/30 mm Die Schweizer punkten bei ihrem Carbon-Modell mit perfektem Aufbau und niedrigem, wenn auch nicht superleichtem Set-Gewicht. Überragend
Newmen Advanced SL A.30 1450 Euro 1579,5 g 125 g Carbon/Stahl 29/29 mm Optisch macht Newmens superleichter Carbon-Satz mit den silbern glänzenden Naben eine Menge her. Überragend (MOUNTAINBIKE-Kauftipp)
Race Face Next R31 1699 Euro 1728 g keine Beschränkung Carbon/Stahl 31/31 mm Wie Crankbrothers setzt auch Race Face eher auf Stabilität denn auf ausgewiesenen Leichtbau. Sehr gut

Warum Laufräder das ideale Tuning sind

Weil sie, wenn hochwertig, nur positive Effekte bringen. Sie sparen Gewicht und damit Massenträgheit, was das Bike leichter, agiler im Handling und spurtfreudiger macht. Gleichzeitig gehen sie in Sachen Steifigkeit und Langlebigkeit keinerlei Kompromisse ein. So zumindest das Versprechen.

Leicht und mit viel Speed

Tatsächlich: Die getesteten Laufräder weisen zumeist attraktive Gewichte auf, die deutlich unter denen eines "08/15-Satzes" in einem 3000-Euro-Fully liegen dürften. Logo, die Carbonis wiegen dabei weniger als die Alu-Modelle: im Schnitt 265 g pro Satz. Wobei die beiden Kohlefaser-Wheels von Acros und Newmen mit unter 1600 g Paargewicht echte Traumwerte erreichen - bei voller Enduro- und hoher Gewichtsfreigabe (Acros nennt gar keine Beschränkung). Dass auch Alu leichte Laufräder erlaubt, zeigen Newmen und Veltec, deren Sätze auf je rund 1800 g kommen - klasse. Mit den Alu-Rädern von Crankbrothers, Shimano und Spank überbieten drei Sätze jedoch die kritische Zwei-Kilo-Marke. Das passt zur jeweiligen Philosophie der Hersteller (robust, komfortabel, langlebig ...), geht aber kaum als Gewichts-Tuning durch und hat entsprechend Punktabzüge zur Folge.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0