Vor- und Nachteile von E-Bike-Riemenantrieben

Die Faszination E-Bike springt auf immer mehr Zweiradfans über. Das E-Bike ist inzwischen nicht nur bei Pendlern etabliert, die es für die Fahrt ins Büro nutzen, sondern auch bei Radsportlern, die durch die elektrische Unterstützung ihren Aktionsradius deutlich erhöhen. Außerdem sorgt es für ein gutes Gefühl, sich bei Gegenwind oder der nächsten Steigung nicht mehr so plagen zu müssen wie auf einem herkömmlichen Fahrrad.

Der Kettenantrieb war jahrzehntelang unumstritten die Basisausstattung für Fahrräder aller Bauarten. Aber noch dominiert die Fahrradkette am E-Bike den Markt mit großem Abstand. Seit etwa 5 Jahren entscheiden sich die Hersteller von E-Bikes mit Heckantrieb jedoch immer häufiger für den E-Bike Riemenantrieb mit Nabenschaltung.

Diese bewährte Antriebsart basiert auf einer Kette, die über Ritzel die Kraft aufs Laufrad überträgt. Beim Riemenantrieb, häufig auch als Zahnriemen bezeichnet, läuft der Riemen, der in seinem Inneren „Zähne“ aufweist, über die sogenannten Riemenscheiben und überträgt die Kraft aus den Radlerbeinen und dem Akku über ein Nabenschaltwerk auf das Laufrad.

Hier tritt dann auch der entscheidende konstruktive Unterschied beider E-Bike Antriebe in Erscheinung. Selbstverständlich haben beide, sowohl die E-Bike Ketten wie die Nabenschaltung spezifische Vorteile, die sich aufgrund der unterschiedlichen Bauweise ergeben.

Interessant ist übrigens die Diskussion über den Wirkungsgrad beider Antriebskonzepte. In der Biker-Szene kursiert ein Test, der vor Jahren in den USA durchgeführt wurde und unter den damaligen Testbedingungen zu dem Ergebnis kam, dass der Riemenantrieb etwas ineffizienter ist als die Kette. Allerdings spielen sich die Unterschiede in Messgrößen ab, die selbst der sportliche Durchschnittsradler kaum spüren dürfte.

Die Unterschiede sind also weniger technischer Natur oder in puncto Performance zu finden, vielmehr unterscheiden sich beide Antriebssysteme eher mit Blick auf Kosten, Komfort und Wartungsintensität.

Vorteile des Riemenantriebs

In städtischen Umgebungen entscheiden sich Menschen häufig für ein elektrisches Citybike mit Riemenantrieb für minimale Wartung. Denn hier liegen die klaren Vorteile des E-Bike Riemenantriebs. Durch die „verbaute“ Schaltung in der Nabe und das witterungsbeständige Carbon-Material des Riemens ist im Vergleich zum Kettenschaltwerk so gut wie keine Wartung notwendig.

Da der Riemen nicht geschmiert wird, hinterlässt er keine Spuren an Hosenbeinen oder Socken - ein wichtiges Argument für Radfahrer, die beispielsweise gepflegt im Büro erscheinen wollen. Auch der geringe Wartungsaufwand spricht für den Riemen.

Ein E-Bike mit Riemenantrieb ist unglaublich leise. Riemenantriebs-Fans verwiesen häufig darauf, dass der Zahnriemen absolut leise läuft und so der Radl-Genuss in der Natur höher ausfällt. Eine gewöhnliche Kette muss oft geschmiert werden. Diese Schmierung kann zusammen mit Sand zu einer Art Paste führen, die Reibung und schnelleren Verschleiß erzeugt.

Ein Zahnriemen benötigt keine Schmierung, weshalb er schön sauber bleibt und nicht rosten kann. Außerdem dehnt sich ein Riemen nicht. Die Saite hält die Spannung nahezu konstant.

Der Riemen ist mit Carbonfasern verstärkt, wodurch ein E-Bike mit Riemenantrieb leichter ist als mit einer Fahrradkette. Ein geschlossener E-Bike-Antriebsriemen zeichnet sich durch eine geringe Abnutzung aus, da es aus besonders zugfesten Carbonfasern besteht. Sogar bei intensiver Nutzung des Fahrrads oder bei extremer Belastung ist kaum ein Verschleiß zu verzeichnen.

Auf dem Papier hat der Riemen in puncto Haltbarkeit klare Vorteile gegenüber einer Kette. Eine gut gepflegte Kette hält rund 7.000 Kilometer. Mit Kettenschutz vielleicht auch 10.000 Kilometer. Für den Riemenantrieb hat der Hersteller Gates Carbon Drive hier eine grobe Einschätzung der Laufleistung wie folgt angegeben: Die CDX Serie hält ca. die 2-3-fache Laufleistung im Vergleich zum Konventionellen Kettenantrieb, bei der CDN/CDC Serie ist es ca. noch die 1-2-fache Haltbarkeit.

Die Pflege eines Gates Carbon Drive gestaltet sich wesentlich einfacher, als bei einer Fahrradkette. Beispielsweise kann sich am Riemen aus Kunststoff kein Rost bilden. Auch das Schmieren der Kette fällt weg. Dadurch gibt es keine ölverschmierten Hosenbeine.

Immer wieder wird betont, dass Fahrrad-Riemenantriebe leise in ihrer Funktion sind. Bei richtig ausgerichtetem Riemen und Riemen-Zähnen in gutem Zustand trifft dies zu. Es gibt keine ausgeleierten Kettenglieder sowie Quietsch- oder Knackgeräusche.

Für wen ist ein Riemenantrieb geeignet?

Für Stadtradler, Vielfahrer und Globetrotter ist der Riemenantrieb auf jeden Fall eine Überlegung wert. Für alle, die viel, lange und sorgenfrei fahren möchten.

Nachteile des Riemenantriebs

Bei einer herkömmlichen Kette kann häufig ein Glied ersetzt werden, bei einem Riemen ist dies nicht möglich. Für lange Radtouren ist es ratsam, einen zusätzlichen Riemen dabei zu haben. Da ein Zahnriemen aus einem Stück besteht, kann man ihn nicht wie bei einer normalen Fahrradkette abtrennen.

Ein Riemenantrieb kann nur mit geschlossenen Schaltnabensystemen kombiniert werden. Ein großer Unterschied macht schließlich die Nachrüstbarkeit. Kettenschaltungen hingegen können in der Regel komplett ersetzt oder nachgerüstet werden. Generell ist zu sagen, dass der Riemenantrieb für E-Bike bei Rädern in Frage kommt, die hauptsächlich in der City und in der Freizeit als Verkehrsmittel genutzt werden.

Allerdings sollte nach Angaben des amerikanischen Riemenherstellers keine zu hohe Spannungseinstellung vorgenommen werden. Eine falsche Riemenspannung ist eine häufige Ursache für einen gerissenen oder verschlissenen Antriebsriemen. Typische Merkmale für einen zu locker gespannten Riemen ist das Durchrutschen des Keilriemens oder bei zu straff gespannten Riemen werden sämtliche Lager belastet, was auch nicht gut ist.

Schneematsch und Schmutz können dem Gates Carbon Drive stark zusetzen, weshalb beim Wintereinsatz zu überlegen ist, ob ein Kettenantrieb nicht die bessere Option ist. Zu erkennen am gerippten Rücken. Schäden wie Risse sind beim Zahnriemen als Antriebsstrang schwer zu sehen, wodurch sich die Unfallgefahr bei einem gerissenen Riemen erhöht. Auch für Fahrradfahrer, die öfter ihr Hinterrad ausbauen, um das Fahrrad im Auto zu transportieren, ist ein Bike mit Kettenantrieb die bessere Alternative.

Wenn sich jedoch beispielsweise ein Ast verfängt, kann der Riemen etwas empfindlicher reagieren als eine Kette. Dass ein Riemen leichter reißt als eine Kette, ist bei Qualitätsprodukten und bei richtiger Verwendung kaum der Fall.

Kosten

Auch preislich hat sich einiges getan. Mittlerweile gibt es Fahrräder mit Riemenantrieb bereits für unter 1.000 Euro. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Citybike Pegasus Premio SL Belt.

In der Anschaffung ist ein Bike mit Riemenantrieb teurer. Zugegeben: Fahrräder und E-Bikes mit Riemen kosten in der Regel etwas mehr als Modelle mit Kettenschaltung. Um die Kosten von Ketten und Riemen miteinander zu vergleichen, solltest du nicht nur die Anschaffung, sondern auch die Lebensdauer ins Verhältnis setzen. Wenn der Riemen zwar doppelt so teuer wie eine Kette ist, aber dreimal so lange hält, kommst du auf Dauer günstiger weg. Überdies kann dir der Riemen nicht nur einige Euro sparen, sondern auch Zeit, die du oder dein Fahrradmechaniker beim Reinigen und Wechseln der Antriebsteile einer Kettenschaltung verbringst.

Einbau

Ein Riemenantrieb lässt sich nicht auf jedes Rad spannen. Der Rahmen muss dazu über eine spezielle Öffnung verfügen und auch steif genug sein. Er ist zudem nur in Kombination mit einer Naben- oder Tretlagerschaltung möglich.

Bei vertikalen Ausfallenden am Fahrradrahmen ist die Montage eines Riemenspanners erforderlich, um die nötige Spannung zu erreichen.

Zunächst: Um den Riemen unter Spannung zu halten, muss bei vielen E-Bikes der Rahmen geöffnet und der Riemen als Ganzes auf die Ritzel gebracht werden. Zusätzlich muss das Hinterrad exakt ausgerichtet werden. Bei unseren Ca Go Bikes mit Riemenantrieb verwenden wir einen Spanner, der die Montage etwas erleichtert.

Aufgrund der Tatsache, dass man für einen Riemenantrieb einen speziellen Rahmen benötigt, ist das Um- bzw. Nachrüsten eines Riemenantriebs zwar möglich, aber es ist mit einem sehr hohen Aufwand verbunden.

E-Bike Antriebssysteme im Vergleich

Hier eine tabellarische Übersicht über die Vor- und Nachteile von E-Bike Antriebssystemen mit Kette und Riemen im direkten Vergleich:

Merkmal Kette Riemen
Wartung Regelmäßiges Ölen erforderlich Wartungsarm
Lebensdauer Kürzer Länger
Kosten Günstiger Teurer
Geräuschentwicklung Kann Geräusche verursachen Leise
Reinigung Erfordert Reinigung Weniger Reinigungsaufwand
Schmutz Kann Hosenbeine verschmutzen Sauber
Kompatibilität Mit verschiedenen Schaltungen kompatibel Nur mit Nabenschaltung oder Tretlagerschaltung
Nachrüstung Einfacher Aufwendiger

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