Die E-Bike-Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Doch die meisten Schaltungen funktionieren weiterhin nach einem fast schon antiquierten Prinzip. Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten.
Generell treten beim E-Biken dank Motorunterstützung höhere Kräfte auf, man legt im Schnitt weitere Strecken zurück und da sich Kurbel und Kettenblatt unabhängig voneinander drehen können, weiß der E-Biker nicht immer, was die Kette gerade so treibt. Schaltfehler sind vorprogrammiert und treiben den Verschleiß der Komponenten voran.
Shimano DEORE XT Di2: Eine reine E-Bike-Schaltung
Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist. Eine abwärts Kompatibilität zur Vorgängerantriebsgeneration ist daher nicht möglich.
Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante. Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen.
LINKGLIDE und HYPERGLIDE+
Shimano Linkglide und Hyperglide+ TechnologieExtra langlebige Haltbarkeit durch Shimanos LINKGLIDE Technologie. Diese Fähigkeit ist entscheidend für drehmomentstarke e-Bikes um den Schaltkomponenten eine gewisse Haltbarkeit zu gewährleisten.
Die Automatikschaltung kommt in zwei Varianten, der LINKGLIDE Version, die mit 11 Gängen und einer 11-50 Kassette auf Langlebigkeit und Robustheit ausgelegt ist und der HYPERGLIDE+ Version, diese kommt mit 12 Gängen und einer 10-51 Kassette. Beide Varianten sind für e-MTB’s optimiert und ermöglichen die neue FREE Shift Funktion. Diese sorgt dafür, dass du nach dem Anstieg während der Abfahrt in einen optimalen Gang wechselst, um den Schwung perfekt mitzunehmen. Deshalb kommen zu der Deore XT Di2 die passenden Schalthebel.
Dank der I-SpecEV Bauweise wird für eine individuell auf dich einstellbare Ausrichtung der Schaltwippen ermöglicht, so kannst du diese auf deinen Fahrstil anpassen, damit die volle Konzentration auf den Trail gelegt werden.
AUTO Shift und FREE Shift Funktion
AUTO Shift und FREE Shift FunktionDie Auto Shift Funktion sorgt in Kombination mit einem elektronischen Schaltwerk für einen automatischen Schaltvorgang, sodass du immer im optimalen Gang unterwegs bist. Free Shift ist bei eMTB Fahrten die perfekte Unterstützung, wenn du in Kurvenreichen Trails unterwegs bist. Diese Funktion sorgt dafür, dass der Schaltvorgang ohne pedalieren erfolgt und du voll Konzentration auf das planen und halten deiner Linie legen kannst.
Freeshift beschreibt das Schalten während des Rollens, ohne dabei in die Pedale treten zu müssen. Der Input dafür kommt entweder von euch, also vom Fahrer selbst, oder - während Auto-Shift aktiv ist - vom E-Bike-System. Um den angeforderten Gang einzulegen, dreht der Motor das Kettenblatt selbstständig, bis der neue Gang eingelegt ist. Das sind meist rund 1,5 Umdrehungen am Kettenblatt. Davon bekommt man während der Fahrt quasi nichts mit, außer dem Klacken der Schaltung.
Startshift ist so simpel, wie es klingt. Ihr legt über die E-Tube Ride App einen Start-Gang fest. Sobald das Motorsystem nun merkt, dass ihr verzögert und voraussichtlich zu einem Stillstand kommt, schaltet das System die Gänge bis zum ausgewählten Start-Gang herunter.
Auto-Shift ist die Königsklasse der Schalt-Helferlein. Hier übernimmt das E-Bike-Motorsystem selbständig die ganze Schaltarbeit. Durch einen Mix aus verschiedenen Sensordaten wie Kurbelumdrehungen, Neigungssensor, Geschwindigkeit und Druck auf dem Pedal (Drehmomentsensor) wählt das E-System den passenden Gang aus und legt ihn ein - vorausgesetzt ihr rollt. Bei Shimano ist das mit dem EP 801 oder EP 6 Motor kombiniert mit einer 11-fach Linkglide Di2 Gangschaltung möglich.
Coast- und Startshift funktionieren auch mit der elektronischen Di2 12-fach Gangschaltungen von Shimano. Der Langlebigkeit halber bietet Shimano den vollen Automatikmodus allerdings nur bei der 11-fach Variante an - das kostet gegenüber den 12-fach Hyperglide Kassetten 55% Bandbreite. Das heißt, es bleibt eine Bandbreite von 455% gegenüber den 510%, die bei 12-fach Gruppen üblich sind. Beim E-Bike lässt sich die geringere Bandbreite in der Regel durch den größeren Motorsupport problemlos kompensieren.
Beim Shimano Automatik-Schaltsystem ist die gesamte Peripherie kabelgebunden. Top: So kann euch nie ein Einzelakku leer gehen, allerdings ist die Optik nicht ganz so clean und aufgeräumt. Die Kabel sind zwar schlanker als reguläre Bowdenzüge, fallen aber dennoch auf.
Außerdem hat der Schalthebel rechter Hand noch einen Knopf mehr als die üblichen Verdächtigen zum Rauf- und Runterschalten. Der dritte Knopf ist flach und unauffällig ins Gehäuse integriert und ebenfalls gut mit dem Daumen zu erreichen, ohne die Hand vom Lenker zu nehmen. Über diesen Knopf kann zwischen zwei Automatikmodi und dem manuellen Schaltmodus gewechselt werden. Die restliche Navigation durchs Menü findet wie gewohnt über die linke Motor-Fernbedienung statt. Hier finden sich fünf Tasten, um die Fahrmodi und Display-Anzeige zu ändern oder Schiebehilfe und Licht an- oder abzuschalten.
Konfiguration über die E-Tube Ride App
Über die E-Tube Ride App von Shimano lassen sich die unterschiedlichen Fahr- und Schaltmodi noch weiter konfigurieren. An Fahrmodi bietet Shimano ganze sieben Stück, die ihr alle auch noch nach euren Vorlieben individualisieren könnt. Weiterhin lassen sich auch beide Auto-Shift-Modi 1 und 2 unterschiedlich konfigurieren und anpassen. Das heißt im Klartext: Wer sich richtig reinfuchsen will und sich zutraut, das System ideal auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden, hat bei Shimano gewissermaßen freie Hand und kann das System genau für sich und seine Wünsche konfigurieren.
Motor-Fahrmodi können in Sachen Unterstützungscharakter (ECO - Powerful), Drehmoment (20 - 85 Nm) und Motor-Ansprechverhalten (Sanft - Schnell) angepasst werden. Bei den unterschiedlichen Auto-Shift-Modi kann zwischen Asphalt und MTB der Regler gedreht werden. Zudem könnt ihr natürlich die gewünschte Ziel-Kadenz in der App einstellen und die Anstiegsanpassung zwischen schnell und langsam vornehmen - das senkt quasi die Hemmschwelle, bevor das System schaltet.
SRAM verfolgt eine andere Strategie: Mit nur zwei Unterstützungsmodi bietet es eine simple Bedienung, aber weniger Möglichkeiten zur Individualisierung. Das macht das SRAM-System gemeinsam mit der geringeren Konfigurierbarkeit in max.
Haltbarkeit
Klar - Real-Life-Verschleißmessung ist schwierig und vor allem unter stets unterschiedlichen Bedingungen, denn bei Matsch oder extrem staubigem Trail leidet der Antrieb natürlich deutlich mehr. Darum können wir uns hier nicht auf Erfahrungswerte, sondern nur auf Herstellerangaben beziehen. Hier spricht Shimano von einer 300% haltbareren Kassette bei der Auto-Shift-geeigneten Linkglide (11-fach) als der Hyperglide-Kassette (12-fach). Technisch scheint das - durch den weggefallenen Gang und die dadurch robustere Auslegung - plausibel zu sein. Und selbst wenn mal Ersatz fällig wird. Mit ab rund 80 € für eine neue Kassette (455% Übersetzungsbandbreite) und rund 25 € für die Kette schlägt das nicht besonders hoch zu Buche. Im Vergleich: Die günstigste SRAM T-Type Kassette (520% Übersetzungsbandbreite) beginnt bei rund 200 € und die Kette kommt mit rund 50 € dazu.
Test der Shimano Auto-Shift Funktion
Um die Shimano Auto-Shift-Funktion ausführlich zu testen, haben wir zwei identische Propain Ekano Bikes geordert - einmal mit SRAM und einmal mit Shimano Motor und Antrieb. Und dann sind wir zum ersten Mal mehr Up- als Downhill beim Testing unterwegs gewesen. Das heißt aber nicht, dass wir weniger Trail gefahren sind. Vor allem im flachen, wenig technischen Gelände fallen die weichen Schaltvorgänge kaum auf. Der Shimano Motor scheint die Schaltpunkte so zu timen, dass sie stets dann stattfinden, wenn gerade am wenigsten Zug auf der Kette lastet.
Bis auf zwei Konstante - Anfangsgang 4 und Wunsch-Kadenz 70 - haben wir beide Schaltmodi A1 und 2 sehr unterschiedlich konfiguriert: A1 steht bei uns voll im Fahrszenario MTB und die Anstiegsanpassung ist in der schnellsten Stufe. Ist man auf flachen, gleichmäßigen Forstweg-Uphills unterwegs, machen sich diese Anpassungen schon bemerkbar: Mit eingelegtem A2-Modus ist die Schaltfreudigkeit deutlich geringer. Ein bisschen zu vergleichen mit dem Komfort-Modus im Automatik-PKW: Tritt man mal etwas beherzter aufs Gas, schaltet die Automatik nicht gleich runter. Man tritt länger im selben Gang vor sich hin und gefühlt lässt das System höhere Schwankungen der Kadenz zu.
Dagegen ist der A1-Modus wie Sport+ im sportlichen Coupé: Schaut man das Gas nur kurz an, knallt das Auto zwei Gänge runter und der Drehzahlmesser liegt kurz vor dem Begrenzer. Aufs E-Bike übertragen, macht sich das bemerkbar, indem die Gangsprünge häufiger werden - als würde das System etwas zu nervös zwischen Gängen hin- und herwechseln. Tritt man kurz stärker oder schneller in die Pedale, regelt das Schaltwerk fleißig nach und sorgt penibel dafür, dass die Wunschkadenz möglichst passend und flott anliegt. Beim Feldweg-Cruisen ist das wie mit dem Rennwagen in der Fußgängerzone - unangebracht.
Biegt man hingegen auf Trail-Uphills ein, lohnt sich der Daumen-Druck, um auf A2 zu wechseln. Das System schafft es, zuverlässig einen passenden Gang einzulegen, um die Motor-Power voll nutzen zu können. So gehen auch steile, technische Climbs, ohne manuell einzugreifen. Aber wann kommt das System an seine Grenzen? Abwechslungsreiche Abfahrten, gespickt mit abrupten, steilen Gegenanstiegen, kann das System nicht optimal abdecken. Die Antwort darauf ist simpel - die elektrische Schaltung ist nicht mit GPS oder Kartenmaterial gekoppelt, kann also auch keine Anstiege vorhersehen.
Und die Reaktionsgeschwindigkeit einer Kettenschaltung ist nun mal limitiert: Um vom schwersten in den leichtesten Gang zu kommen, muss mindestens eine bestimmte Wegstrecke zurückgelegt werden, wenn man die Gänge nicht rücksichtslos reinknallt, wovor die Automatik halt macht. Entspricht der Trail einer Achterbahn, und man kennt den Ablauf, lohnt es sich hier, die Freeshift-Funktion zu nutzen und der Automatik schon vor dem Anstieg auf die Sprünge zu helfen, indem man runterschaltet, während man auf den Anstieg zurollt. So fällt man nicht in den Drehzahlkeller und der Motor kann stets ausreichend Kraft entfalten, um euch zuverlässig den Berg raufzuschieben.
Ebenso verhält es sich mit dem Automatik-Modus, wenn man Extremsituationen provoziert: Beispielsweise schnelle Tempo-Änderungen durch eine Vollbremsung. Hier schafft es keiner der beiden Motorsysteme noch rechtzeitig, den vorgewählten Start-Gang zu erreichen - egal in welchem Modus man fährt.
Zielgruppe
Profiteure von Shimanos Auto-Shift sind klar Einsteiger in den E-Mountainbike-Sport. Es passieren weniger Schaltfehler und man braucht nicht erst selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, bei welcher Trittfrequenz der Motor am besten arbeitet - die passende kann ja einfach vorab vom Händler eingestellt werden. Oder zwei verschiedene je nach gewähltem Modus.
Für Fortgeschrittene, die sich darauf einlassen und nicht der Meinung sind, alles besser zu wissen als die Technik, eröffnen sich ebenfalls neue Möglichkeiten. Bei technischen Anstiegen kann man sich anstatt auf Schalten und richtigen Motorsupport rein auf die Linie konzentrieren und wie man diese am besten bewältigt. Geht’s bergab und man kennt schon den Trail-Verlauf, macht außerdem die Freeshift-Funktion Sinn. Gänge einlegen können, ohne dabei treten zu müssen, hilft in technischen Passagen ungemein und beugt Pedalaufsetzern vor.
Die Shimano Auto-Shift hilft Einsteigern, schneller mit dem neuen E-Bike klarzukommen und dem Motor durch die richtige Trittfrequenz die richtige Power zu entlocken. Gleichzeitig animiert das System zum entspannten Cruisen und Gedanken schweifen lassen, während der rechte Daumen Pause hat.
Shimano 105 Di2-Schaltgruppe im Dauertest
Shimanos 105 Di2 erfreut sich wachsender Beliebtheit im Segment der günstigen, elektronischen Schaltungen. Nach über 6000 Testkilometern mit Shimanos 105 Di2 urteilte einer von zwei Testfahrern: "Bei der 105 fragt man sich, warum man überhaupt mehr Geld für eine Dura-Ace oder Ultegra ausgeben sollte ..." In der Praxis sind die Unterschiede zu den darüber angesiedelten, höherpreisigen Elektro-Gruppen der Japaner tatsächlich kaum spürbar.
Die Hebel liegen angenehm in der Hand, die Ergonomie ist identisch, ebenso die Größe der Schalttasten, die auch gut mit Winterhandschuhen zu bedienen sind. Die Gänge wechseln knackig und präzise, auch wenn der 105 Di2-Umwerfer für den Kettenblattwechsel einen Wimpernschlag länger benötigt als die Pendants von Dura-Ace und Ultegra. Dennoch: Gegenüber mechanischen Antrieben sind die elektronischen Gangwechsel einer 105 Di2 eine Offenbarung - vor allem unter Vollast. Auch die Bremsen überzeugen: Sie verzögern mit geringer Handkraft, sehr gut dosierbar und auf Wunsch kraftvoll - quietschen bei Nässe allerdings gerne empört.
Unterschiede zwischen den Gruppen finden sich im Detail: Die STIs der 105 Di2 verzichten auf die zusätzlichen Schalttasten auf den Höckern der Hebel, mit denen man bei Dura-Ace und Ultegra schalten, aber auch den Radcomputer bedienen kann. Und die 105 setzt auf andere Materialien, was sich auch im Gewicht niederschlägt: mehr Alu und Stahl, weniger Carbon und Titan.
Größter Aufreger im Test: Nach 4500 Testkilometern quittierte der Umwerfer den Dienst - ein Defekt des Stellmotors. Das Schadensbild war laut Shimano-Importeur Paul Lange bislang nicht bekannt - sollte es dennoch bei Endkunden auftreten, könnten die mit anstandslosem Austausch rechnen.
Vom Umwerferdefekt abgesehen, gefiel Shimanos 105 Di2 mit guter Haltbarkeit: Nach 6000 Testkilometern war beispielsweise die Kette noch nicht verschlissen - das ROADBIKE-Werkstattpersonal prüfte mehrfach und konnte es selbst kaum glauben. Auch die Bremsbeläge sind noch in Ordnung, selbst wenn ein Tausch näher rückt.
Als Tipp: Unsere Fachleute haben in der ROADBIKE-Ausgabe 5/24 auf sechs Seiten Tipps und Kniffe zusammengestellt, wie du die Shimano Di2 richtig einstellst. Vom Feintuning, Updates bis hin zum Crashmodus.
So fällt das Fazit insgesamt positiv aus: Wer auf klangvollere Gruppennamen und einige technische Details verzichten kann, zudem das überschaubare Mehrgewicht verkraftet, schaltet und bremst sehr gut mit Shimanos 105 Di2. Und das zu einem vergleichsweise fairen Preis.
Shimano XTR M9200 Di2 Wireless-Schaltgruppe
Mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe bringt der japanische Komponenten-Gigant erstmals eine vollständig kabellose Schaltgruppe auf den Markt. Es ist die erste vollständig kabellose MTB-Schaltgruppe von Shimano und wurde vorgestellt, um dem Trend der Bike-Industrie zu folgen. Bislang gab es nur für E-MTBs eine elektronische Di2-Gruppe, welche aber durch ein Kabel mit dem Shimano-Motorsystem verbunden war.
Die neue XTR M9200 Di2-Schaltgruppe soll nun schnelle und präzise Schaltvorgänge liefern und dabei vor allem robust sein. Die Bezeichnung Shimano XTR M9200 Di2 umfasst den kompletten Antriebsstrang, das heißt: Kurbel, Kassette und Schalthebel wurden alle erneuert.
Das elektronische RD-M9250-Schaltwerk ist entweder mit einem kurzen als auch mittellangen Käfig verfügbar, um unterschiedliche Kassetten-Bandbreiten abzudecken. Für E-MTBs gibt es ein neues und kabelgebundenes Schaltwerk namens RD-M9260, das weiterhin die FREE SHIFT- und AUTO-SHIFT-Funktionen unterstützt.
Zusätzlich zu allen einzelnen Komponenten gibt es für 999 € auch ein Upgrade-Kit, das Schaltwerk, Schalthebel, Akku und Ladegerät enthält. Eine gesamte Gruppe gibt es leider nicht zu kaufen und ihr müsst hier alle Einzelpreise kombinieren. So kommt ihr dann bei ca. 2.000 € für eine komplette XTR-Gruppe raus.
Auf den ersten Blick wirkt das neue Shimano XTR M9250 Di2-Schaltwerk recht globig, aber auch robust. Durch seine keilförmige Konstruktion und das flach gehaltene Profil soll es nicht so leicht an Hindernissen hängenbleiben und so vor Beschädigungen bewahrt sein. Solltet ihr doch einmal einen Stein treffen - was wir während unseres Tests definitiv getan haben - kann das Schaltwerk dank der sogenannten Automatic Impact Recovery-Funktion etwas nach hinten ausweichen, um den Schlag abzuschwächen. Danach rastet es elektronisch wieder in seine ursprüngliche Position ein - cool.
Der neue Di2-Akku ist sehr eckig gehalten und lässt sich von unten in das Schaltwerk einschieben. Es wird von einem Kunststoff-Cover mit Einrastmechanismus gesichert. Laut Shimano hält der Akku ca. 340 km, wenn man von 30 Schaltvorgängen pro Minute ausgeht, was ziemlich ist. Nach 20 Minuten geht das Schaltwerk zudem in einem Schlafmodus über und lässt sich nur Betätigung des Schalthebels und nicht durch Wackeln wieder aufwecken.
Was die Kettenspannung angeht, hat Shimano am neuen XTR M9250 Di2-Schaltwerk auf eine Kupplung verzichtet. Stattdessen setzt der Komponenten-Hersteller auf ein doppelt gefedertes Design, was dem Schaltkäfig eine extreme Spannung verleiht.
Laut Shimano ist das neue Schaltwerk für die Verwendung mit UDH-Schaltwerken optimiert, auf die nahezu jedes moderne MTB setzt. Das soll die Schaltperformance nochmal verbessern, bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass die neuen Schaltwerke an Rahmen ohne UDH-Schaltauge nicht so optimal funktionieren.
Der SW-M9250 Di2-Schalthebel glänzt mit super Ergonomie und vielen Einstellmöglichkeiten. Mit einem kleinen Inbus lassen sich die Schaltwippen in ihrer Position verdrehen oder auch tauschen, denn es gibt eine größere und eine kleinere Wippe - praktisch! Über die Shimano E-TUBE App lassen sich die Tasten auf eure Bedürfnisse konfigurieren. Zusätzlich gibt es eine dritte Taste an der Front, mit der ihr z. B. kompatible Rad-Computer bedienen könnt oder - an der E-MTB Version - zwischen FREE- und AUTO-SHIFT wechseln könnt.
Die neue CS-M9200 12-fach-Kassette gibt es sowohl in einer 10-51- als auch in einer 9-45-Abstimmung und beide Modelle setzen auf die HYPERGLIDE+ Technologie.
Bereits im Februar hatten wir die Chance, zwei Tage mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe die Trails in Spanien unsicher zu machen. Dabei sind wir einen Tag auf einem analogen SCOTT Genius und einen zweiten Tag auf dem E-MTB Cannondale Moterra unterwegs gewesen, um beide Versionen zu testen. Auch haben wir einige Tage auf unseren Hometrails absolviert, um weitere Eindrücke zu gewinnen.
Als Erstes fällt die sehr gelungene Hebel-Ergonomie auf, die mit ihren vielen Verstellmöglichkeiten glänzt. Das Klicken der Hebel ist deutlich spürbar und fühlt sich knackig an. So weiß man immer genau, wann man geschaltet hat. Auch die Doppelklick-Funktion - bei der man den Hebel zwei Rasterungen durchschaltet - funktioniert gut und fühlt sich definiert an.
Die Schaltgeschwindigkeit kann per E-TUBE App in fünf Stufen eingestellt werden. Solltet ihr euch für die schnellste Stufe entscheiden, ist das neue XTR-Schaltwerk der ungeschlagene King in Sachen Schaltgeschwindigkeit, allerdings nimmt auch die Qualität der Schaltvorgänge mit steigender Geschwindigkeit ab und wir hatten während unserer Testfahrten mit höherer Schaltgeschwindigkeit ungewöhnlich viele unsaubere Schaltvorgänge. Zudem ist während der sehr schnellen Schaltvorgänge meist ein sehr metallisches Einrasten der Gänge hörbar, was etwas ungesund klingt.
Je langsamer ihr mit der Schaltgeschwindigkeit werdet, desto sanfter werden die Schaltvorgänge und desto geringer wird das metallische Einrast-Geräusch. Selbst im langsameren Modus gehört die XTR-Schaltgruppe zu den schnellsten Schaltungen auf dem Markt und liefert hier präzisere und leisere Schaltvorgänge. Von den schnellen Settings würden wir euch allerdings abraten, da hier die Geräuschkulisse - und voraussichtlich auch der Verschleiß - extrem steigt.
Auch unter Last solltet ihr - wie bei den meisten Schaltgruppen - Gangwechsel vermeiden, denn das kann die neue XTR nur sehr bedingt und unsaubere Schaltvorgänge und eine unschöne Geräuschkulisse sind vorprogrammiert. Sprich ihr müsst wie gewohnt die Last von den Pedalen nehmen, wenn ihr einen Schaltvorgang durchführt, um einen sauberen Gangwechsel zu garantieren.
In der Abfahrt erzeugt das XTR-Schaltwerk dann leider eine sehr hohe Geräuschkulisse bei Stufen oder Kompressionen, denn hier ist bei jeder Stufe ein lautes und metallisches Knallen vom Schaltwerk zu hören. Das kommt daher, dass die B-Screw des Schaltwerks gegen das Schaltauge knallt, wenn das Schaltwerk nach einer Kettenlängung - also beim wieder Ausfedern - zurück dreht. Das ist leider sehr störend.
Tabellarische Zusammenfassung
| Feature | Shimano DEORE XT Di2 | Shimano 105 Di2 | Shimano XTR M9200 Di2 |
|---|---|---|---|
| Typ | Elektronische E-Bike-Schaltung | Elektronische Rennradschaltung | Kabellose MTB-Schaltung |
| Kompatibilität | Shimano EP801/EP6 | - | UDH-Schaltaugen |
| Gänge | 11/12 | 12 | 12 |
| Technologien | Linkglide/Hyperglide+, Free Shift, Auto Shift | Di2 | Hyperglide+ |
Mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe stellt Shimano ihre neue High-End-Gruppe vor, was sich auch im Preis niederschlägt. Das klobige und robuste Design ist Geschmackssache, aber in Sachen Schaltgeschwindigkeit kann der neuen XTR-Gruppe niemand das Wasser reichen. Das geht allerdings auf Kosten der Schaltqualität, und vor allem in der Abfahrt ist das Schaltwerk extrem laut. Dafür überzeugen die Ergonomie des Hebels und die unterschiedlichen Schalt-Modi.
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