Der TQ HPR 120S war den meisten E-Mountainbikern lange Zeit gänzlich unbekannt, obwohl es ihn schon seit 2012 auf dem Markt gibt! Dieser Motor ist Teil unseres großen E-Mountainbike-Motor-Vergleichstest.
Selbstbewusstsein ist unsere DNA
„Wir waren schon immer selbstbewusst, das liegt in unserer DNA“, sagt der Chefingenieur der Marke Haibike, Ingo Beutner, mit Blick auf die neue Flyon-Flotte.
Haibike war der erste Bike-Hersteller, der das Thema E-MTB ernst genommen hat. Chefingenieur Ingo Beutner ist seit der ersten Stunde dabei. Das neue Flyon ist seine persönliche Interpretation eines perfekten E-Bikes fürs Gelände.
Das Haibike Flyon im Fahrtest auf dem Trail
Es ist, als hätte irgend jemand unsere Testrunde planiert, entschärft, freigeräumt. Die Sektion mit dem kindskopfgroßen, losen Geröll, die einem trotz Turbo-Modus den Puls auf Anschlag treibt, wirkt jetzt wie ein harmloser Schotterweg. Die steile Felspassage, auf der man bei konstantem Zug auf der Kette zentimetergenau zielen muss, um nicht gnadenlos abzurutschen, meistern wir heute mit Leichtigkeit. Und auch über die Stelle mit den Wurzeln, an denen man so gut wie immer hängen bleibt, wenn man versucht, hier ohne Tippeln durchzupedalieren, entlockt uns heute nur ein müdes Lächeln.
Technische Daten und Details
Massives Carbon-Chassis mit konsequenter Systemintegration, dazu der bekannt starke TQ-Antrieb - mit diesen Attributen war das Flyon der Shooting Star der letzten Eurobike-Messe. Die Vorschusslorbeeren waren zahlreich, die Auftragsbücher voll: Haibike hatte mit dem selbstbewussten Erscheinungsbild und den Features des Flyon offenbar den Zeitgeist getroffen.
Um zu zeigen, was das Flyon wirklich kann, stellten uns die Schweinfurter-E-MTB-Pioniere ein Vorserienmodell des Top-Modells Nduro 10.0 für einen exklusiven Fahrtest zur Verfügung.
Haibike Flyon Xduro Nduro 10.0 - Technische Daten und Details:
- Federgabel: Fox 36 Float Factory 180
- Dämpfer: Fox Float X2 Factory
- Bremsen: Magura MT7
- Schaltung: Sram EX1
- Laufräder: DT Swiss FR1950
- Reifen: Schwalbe Magic Mary 27,5" x 2,6''
- Motor: Flyon/TQ HPR 120S; 120 Nm
- Akku: 630 Wh
- Gewicht: 27,5 Kilo (Herstellerangabe)
- Preis: 8999 Euro
Allerdings haben die Haibike-Ingenieure beim Flyon an einigen Stellschrauben gedreht, um das Mehrgewicht auszugleichen. Keine Spur mehr von der aufrecht komfortablen Sitzposition der klassischen Haibike-Modelle. Auch keine Spur vom gewohnt weichen, fast leblosen Fahrwerks-Feeling. Auf dem Flyon geht es sportlich gestreckt und eher mit straffer und lebendiger Federung zur Sache.
Die Motor-Power des TQ-Antriebs ist über jeden Zweifel erhaben und macht fieseste Anstiege möglich.
Das Topmodell Flyon Xduro Nduro 10.0 kostet 8999 Euro und wiegt laut Hersteller 27,5 Kilo.
Die Power des TQ HPR 120S
PS-Fans aufgepasst! Wer nach dem stärksten Motor im Vergleichstest sucht, hat ihn mit dem TQ HPR 120S gefunden. Mit seinen 120 Nm Drehmoment spielt er in seiner eigenen Liga und ist allen anderen Motoren im Test haushoch überlegen!
Sobald es steil bergauf geht und auch die stärkeren Motoren wie Bosch, Brose oder Yamaha zu schwächeln anfangen, zieht der TQ HPR 120S spielerisch und eigentlich immer an der 25-km/h-Grenze an ihnen vorbei und lässt den SACHS RS an steilen Rampen ebenfalls hinter sich.
In den beiden höheren Unterstützungsstufen liefert der Antrieb auch bei sehr niedrigen Kadenzen brachiale Power - Uphill-Flow in einer anderen Dimension.
Beim Anfahren sind dafür Vorsicht und Körperspannung geboten, um das Vorderrad am Abheben zu hindern.
Die Motor-Power des TQ-Antriebs ist über jeden Zweifel erhaben und macht fieseste Anstiege möglich.
Integration und Individualität
TQ lässt den Bike-Herstellern große Freiheiten, was die Integration und Abstimmung des Antriebs angeht, und ist stets daran interessiert, ganzheitliche Lösungen mit und für den jeweiligen Hersteller zu entwickeln.
Haibike liefert mit der FLYON-Linie das Paradebeispiel: In enger Zusammenarbeit wurden Displays, Remotes, Akkus, Geschwindigkeitssensor und natürlich das Setup des Motors voll und ganz auf das Konzept der FLYON-Bikes abgestimmt.
Bei so viel Individualität gibt es ebenso wie bei Brose große Unterschiede zwischen den Bike-Herstellern, obwohl sie auf dieselbe Motor-Hardware setzen.
Trotz all dieser Freiheiten stellt der HPR 120S die Bike-Entwickler vor einige Probleme bei der Integration ins Bike: Er ist mit seiner runden Form zwar relativ kompakt, aber mit 3,9 kg ein gutes Kilo schwerer als die Allrounder-Motoren im Test.
Um zufriedenstellende Reichweiten zu erreichen, greifen die Bike-Hersteller deshalb zu teils abenteuerlichen Akkulösungen mit bis zu 1.000 Wh und mehr. Doch auch mit einem kleineren Akku - z. B. 630 Wh bei Haibike - werden Bikes mit TQ-Motor nie leicht sein.
Die 120 Nm Drehmoment beanspruchen nicht nur Schaltung, Kette und Ritzel enorm, sondern belasten auch den Rahmen und andere Komponenten so sehr, dass sie stärker und somit meist schwerer designt werden müssen.
M1 Sporttechnik und der TQ HPR 120S
Wer sich für den TQ HPR120s interessiert, dürfte nach kurzer Recherche schon damit konfrontiert sein, dass die Auswahl an entsprechenden E-Bikes bzw. E-MTBs ausgesprochen klein ist. Derzeit sind die Räder von M1 Sporttechnik die einzige Option, nachdem Haibike in der Vergangenheit mit den Flyon-Modellen zwar einen Versuch wagte, die Bikes jedoch recht schnell wieder vom Markt verschwunden waren.
Schade eigentlich, denn auch wenn der TQ HPR120s groß, schwer und laut ist, macht ihm beim Thema Unterstützungsleistung auch heute noch kein anderer Mittelmotor etwas vor. Das zeigen nicht nur die 120 Nm maximales Drehmoment auf dem Datenblatt, auch unsere Leistungsdaten auf dem Prüfstand unterstreichen das. Besonders beeindruckend: Schon bei geringer Fahrerleistung liefert der Motor fast seine maximale Unterstützung.
Natürlich muss man hierfür Kompromisse eingehen: Leise ist der über 4 kg schwere Motor zu keinem Zeitpunkt, und auch bei Ansprechverhalten und Dosierbarkeit ist er weit von dem entfernt, was Bosch, Brose, Shimano & Co. liefern.
TQ bietet keine eigenen Akkus für den HPR120s an, entsprechend nutzen die entsprechenden Fahrradhersteller eigene Lösungen, um den energiehungrigen Motor zu versorgen. M1 Sporttechnik stellt dem Kraftpaket eine Batterie mit beeindruckenden 1.050 Wh zur Seite - wow.
Trotz seines erhöhten Strombedarfs sind damit dann auch sehr gute Reichweiten möglich. Wermutstropfen: 5,7 kg bringt allein der Akku auf die Waage.
Da es sich beim TQ HPR120s um ein offenes System handelt, können Fahrradhersteller entweder ihr eigenes Bedienkonzept entwickeln und anbieten oder bestehende Lösungen von Drittherstellern nutzen.
Der TQ HPR 120S im Test: M1 Spitzing Evolution
Wie viele von euch sicherlich schon mitbekommen haben, hatten wir in den letzten Wochen das M1 Spitzing Evolution im Testpool. Dieses neue e-MTB ist, wie es bei M1 Sporttechnik bereits seit Jahren üblich ist, mit dem leistungsstarken TQ 120S Mittelmotor ausgestattet.
Bei unserer Testfahrt haben wir das eBike M1 Spitzing Evolution am Start, welches neben dem nun beschrieben TQ Poweraggregat über einen internen 880 Wh Akku verfügt. Dieser ist mit 84 Zellen vom Typ 18650 bestückt und liefert 48 Volt Spannung bei 18,3Ah Kapazität. Ihr erkennt, es handelt sich also um ein womöglich zukunftsweisendes 48 Volt System - bisherige auf dem Markt gängige eBike Antriebssysteme laufen hier aktuell überwiegend mit 36 Volt.
Das Bike wiegt alles in allem, also mit Pedalen satte 27,15 kg (wozu aber der große Akku eine Menge beiträgt).
Es ist tatsächlich unglaublich, welche Leistung der TQ Antrieb mit seinen 120 Nm entfaltet. Die Leistungsentfaltung erfolgt von Anfang bis Ende ohne Einbrüche in einem breiten Trittfrequenz-Bereich zwischen 60 und 110 Umdrehungen/min. In Kombination mit dem großen 880 Wh Akku beweist M1-Sporttechnik, dass sie bereits viel Erfahrung mit dem TQ Antriebssystem besitzen, denn dieser Antrieb benötigt natürlich auch ordentlich Energie.
Sicherlich bedarf es mit so einer großen Motorleistung etwas Erfahrung im Umgang, zum Teil musste ich auf den Waldwegen selbst bergauf in Spitzkehren etwas Tempo rausnehmen um die Traktion nicht zu verlieren.
Sicherlich ist der TQ Antrieb in unserem Spitzing Evolution Prototyp noch recht laut, dies soll sich jedoch nach Herstellerangaben in der Serienversion, verfügbar ab Frühjahr 2019, noch deutlich verbessern.
TQ Systems: Das Unternehmen hinter dem Motor
Hinter TQ-Drives steckt ein deutsches Elektronikunternehmen, die TQ-Systems GmbH. Sie ist weltweit an zwölf Standorten ansässig und hat insgesamt 1.500 Mitarbeiter. Das Headquarter befindet sich in Seefeld am Ammersee bei München mit rund 600 Beschäftigten.
Der Öffentlichkeit wurde der Antrieb erstmals 2011 vorgestellt, 2015 war er serienreif. Bisher ist er nahezu nur in M1-Sporttechnikbikes zu finden und im Modelljahr 2019 in verschiedenen Haibike Modellen unter dem Namen Flyon.
Das Knowhow im eigenen Haus erlaubt es, kundenspezifische Lösungen anzubieten und zusammen mit den Bike-Firmen umzusetzen - beispielsweise hinsichtlich individueller Software, Akku-Design und Kapazität.
Mit einem Durchmesser von nur 144 Millimetern zeichnet sich der Motor durch eine kompakte Bauweise aus. Möglich macht dies das sogenannte Pinring-Getriebe. Einfach ausgedrückt besteht es aus: einem elliptischen Lager, einem Außen- bzw. Innenring mit 152 bzw. 148 Zähnen und 150 Pins. Durch das Eingreifen aller Pins ist die enorme Kraftübertragung von 120 Newtonmetern in der kompakten Bauweise verschleißarm möglich. Das ermöglicht in nur einem Schritt eine Untersetzung von 1:37. Der Wirkungsgrad liegt laut Hersteller in jedem Trittfrequenzbereich bei über 80 Prozent.
Wir absolvierten unsere Testfahrten für unseren Antriebstest auf M1-Sporttechnikbikes, die mit einem TQ ausgestattet waren. Relativ groß fällt der Akku mit 880 Wattstunden aus.
Bei der Gipfelankunft waren noch zwei der fünf Ladebalken vorhanden. Genauer gesagt konnten wir mit voller Leistung 1.240 Höhenmeter und 33,5 Kilometer zurücklegen. Dann drosselte der Motor gefühlt in die schwächste Unterstützungsstufe. Nach und nach sank die Leistung weiter, bis keine Unterstützung mehr spürbar war.
Mit einem unglaublichen Abstand setzt sich der TQ Motor hier an die Spitze ab. Ruckzuck ist die Geschwindigkeitsgrenze von 25 km/h erreicht.
Weder das Steilstück noch die anderen Fahrsituationen in der Ebene oder im mäßigen Gelände stellten den Antrieb vor eine Herausforderung. Stets kraftvoll und konstant durchzugsstark zeigt sich der TQ in jeglicher Umgebung. Kein Wunder, leistet der Motor doch dauerhaft 120 Newtonmeter Drehmoment.
Fazit
In Sachen Power ist der TQ HPR 120S die absolute Benchmark! Kein anderer Motor kann ihm das Wasser reichen.
So viel Temperament will allerdings auch gezügelt werden: Der Antrieb ist teilweise nur schwer zu kontrollieren und verlangt nach einem erfahrenen Biker oder cleveren Entwicklern, die ihn - ähnlich wie ein ESP bzw. ASR beim Auto - in Extremsituation eindrosseln.
Der TQ HPR 120S ist ein wahres Kraftpaket, was allein durch die 120 Nm Drehmoment deutlich wird. Zwar bedeutet ein hohes Drehmoment nicht gleichzeitig mehr Leistung, allerdings bringt es viele Vorteile mit sich. So steigert ein hohes Drehmoment den Fahrkomfort immens, indem auch bei geringen Trittfrequenzen eine große Leistung erzeugt werden kann und man so auch bei abwechslungsreicher Steigung keine Krämpfe vom stetigen Hin- und Herschalten bekommt. Natürlich profitiert man auch bei hohen Trittfrequenzen vom hohen Drehmoment des e-Bike Motors, da die Spitzenleistung umso größer wird.
Obwohl der Motor so viel Drehmoment liefert, ist die Bauform erstaunlich kompakt. Möglich macht dies das patentierte Pin Ring Getriebe, das ringförmig um das Tretlager gebaut wurde und so keinen unnötigen Platz beansprucht.
Alternativen
Ein Kontrastprogramm zum Kraftpaket des Herstellers bietet der TQ HPR50 Motor. „Wie Radfahren, nur besser“ hat TQ sich im Zuge dessen auf die Fahne geschrieben. Herzstück des Systems ist die 1850 g leichte HPR50 Drive Unit. In Zusammenarbeit mit dem 360 Wh Akku, dem voll integrierten 2“-Display und einer minimalistischen Remote erreicht das gesamte System gerade einmal 3900 Gramm. Dennoch bekommst du mit einem Drehmoment von 50 Nm volle Unterstützung für abenteuerliche Fahrten.
Optional kannst du das System um einen Range Extender mit 160 Wh ergänzen.
Die drei Unterstützungsstufen kannst du über die Remote ändern.
Zusammenarbeit von M1 Sporttechnik und TQ
Die M1 Sporttechnik GmbH arbeitet bei der E-Bike-Entwicklung seit mehr als fünf Jahren eng mit TQ zusammen. Durch diese Kooperation kann M1 mit dem Modell Spitzing eines der bestmotorisierten E-Bikes auf dem Bike-Markt anbieten.
Bei der Entwicklung des ersten SPITZING vor sechs Jahren überzeugte der TQ-Motor sofort mit seiner außergewöhnlichen Kraftentfaltung und seinem Drehmoment. Ebenso ausschlaggebend war, dass das TQ-System eigene Akku-Lösungen erlaubt. So konnten wir als M1-Sporttechnik unsere Anforderungen an einen E-Bike-Akku exakt umsetzen.
Mit unserem Akku erzielt das Spitzing eine enorme Reichweite. Obendrein besteht bei Verwendung der TQ -Antriebe die Möglichkeit, den Kunden ein S-Pedelec anzubieten. Gerade bei einem so leistungsstarken Motor ist die Speed-Variante absolut zu empfehlen, da ein dauerhaftes „45km/h-Cruisen“ ohne größeren Krafteinsatz des Fahrers möglich ist. So kann man bequem, aber gleichzeitig schnell weite Distanzen zurücklegen.
Durch die extrem kompakte Bauform des TQ-Motors lässt sich dieser bei durchdachter Positionierung von Akku und Motor formschön in den Rahmen integrieren. Das Bike wirkt dadurch sportlich schlicht und verspricht zugleich große Akkukapazität.
Die M1-Bikes mit TQ-Motor verschieben die Grenzen des E-Mountainbikens um ein ganzes Stück: Wo schweißtreibende Herausforderungen zu meistern waren, sind mit unseren Spitzing-Modellen rasante Fahrten möglich. Selbst steilste und technisch anspruchsvolle Trails lassen sich bergauf spielend erklimmen.
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