E-Bike Test mit Yamaha Motor

Yamaha Motor Europe kündigte vor rund sieben Monaten an, im Rahmen seiner „Switch on“-Initiative bald auch mit eigenen E-Bikes den Fahrradmarkt betreten zu wollen. Ab Ende 2022 könnt ihr E-Bikes von Yamaha kaufen.

Yamaha im E-Bike-Sektor

Yamaha zählt zu den traditionsreichsten Herstellern elektrischer Antriebssysteme - dennoch stehen die Motoren der Japaner oft im Schatten von Bosch. Zu Unrecht: Denn das aktuelle Portfolio umfasst leistungsstarke, vielseitige und überraschend leichte Modelle - ideal abgestimmt auf verschiedene Fahrradtypen und Einsatzzwecke. Im Motorsport fest etabliert und schon sehr früh wegweisend im E-Bike-Sektor: Yamaha steht weltweit für Qualität in vielen Sparten. Der japanische Hersteller produziert eigene E-Bikes und stattet viele etablierte Marken mit den eigenen Antriebssystemen aus. Bereits 1989 wurde ein Prototyp des Power Assist Systems vorgestellt. Mittlerweile ist Yamaha auch mit eigenen E-Bikes auf dem deutschen Markt präsent. Von futuristisch anmutenden City-E-Bikes bis hin zum sportlichen Gravel bieten die Japaner sportliche Bikes zu einem relativ fairen Preis.

Die PW-Serie von Yamaha

Bei Yamaha steht vor allem die Buchstabenkombination PW an den aktuellen Motoren für E-Bikes im Vordergrund. PW bedeutet hier ganz eindeutig Power. Fuhr Yamaha längere Zeit hinsichtlich der Leistung den Spitzenherstellern wie Bosch und Shimano ein bisschen hinterher, hat der Hersteller seit 2021 ordentlich nachgelegt und die gesamte Produktpalette auf ein neues Level gehoben.

Yamaha hat in den letzten Jahren sein Antriebs-Portfolio radikal ausgemistet und neue, verbesserte Motoren auf den Markt gebracht. Im September 2023 stellte Yamaha seinen neuen Mittelmotor PW-C2 vor. Zum 30-jährigen Jubiläum der E-Bike-Marke setzte man auf einen unkomplizierten Allrounder, der mit seinen 55 Newtonmetern vor allem an City-Bikes im Einsatz ist. Die PWseries S2 ging 2022 an den Start. Nachdem Yamaha im Jahr zuvor einen neuen Hochleistungsmotor vorgestellt hatte, widmete man sich mit der Entwicklung des S2 einem neuen Antrieb der gehobenen Mittelklasse. Der PW S2 unterstützt dank der Zero Cadence-Technologie vom ersten Tritt an und bietet ein gutes Verhältnis zwischen Gewicht und Power. 75 Newtonmeter Drehmoment bringt der Motor an die Kurbel - bei einem Gewicht von 2,85 Kilogramm.

Yamaha PW-X3

PW steht bei Yamaha an allen Motoren für „Power“. Mit dem Yamaha PW-X3 kommst du jedoch in Bereiche, die weit über gemütliche Ausritte hinaus gehen. Der 2021 vorgestellte Motor ist auf sportliche Aktivitäten ausgelegt, bei denen es gerne etwas mehr sein darf. Das fängt bei kleinen Dingen wie der Reaktionszeit an. Mit 2,75 Kilogramm befindet sich der PW-X3 in seiner Leistungsklasse zudem auch hinsichtlich des Gewichts an einer sehr guten Position. Fünf Unterstützungsstufen stehen dir am neusten und stärksten E-Bike-Motor von Yamaha zur Verfügung. Auf der obersten Stufe sorgt der Yamaha PW-X3 für ein Drehmoment von satten 85 Newtonmetern.

Yamaha PW-XM

Mit dem Antrieb Yamaha PW-XM ist den japanischen Entwicklern vollends der Anschluss an die Konkurrenz gelungen. Mit nur 2,6 Kilogramm Gewicht ermöglicht der Motor viel Spielraum im Bereich der Gewichtsoptimierung und liefert mit 85 Newtonmetern dennoch ordentlich Drehmoment. Der PW-XM ist in einem robusten und leichten Magnesiumgehäuse untergebracht, der zudem für eine verbesserte Wärmeableitung sorgen soll und damit auch eine dauerhaft hohe Belastung zulässt.

Akkus und Displays von Yamaha

Yamaha nennt seine Akkus „Multi Location“ Akkus, da sie sich sowohl vertikal als auch horizontal integrieren lassen. Doch in den meisten Fällen findet man die Energiespeicher im Unterrohr von E-Bikes verbaut. Auch bei den externen Akkus hat Yamaha sein Sortiment ein wenig zusammengestrichen. Mittlerweile bietet der Hersteller nur ein einziges Modell an: den Externen Crossover Akku mit 500 Wattstunden und einem Gewicht von 2,9 Kilogramm. Das 8x5cm kleine Display A2 liefert dir übersichtlich und ohne Schnickschnack alle relevanten Daten. Geschwindigkeit, Akkustand und Unterstützungsstufe werden dauerhaft angezeigt, Tageskilometer, Gesamtkilometer und Reichweite sind zusätzlich anwählbar. Das Display wird an der linken Lenkerseite befestigt, sodass du schnell und leicht über den Daumentaster den Unterstützungsmodus anpassen kannst. Das wetterfeste Display ist kompakt, praktisch und fügt sich durch modernes Design gut am Lenker ein.

Das Display B ist ein 3-Zoll-Display, welches hochkant an der Lenkermitte befestigt wird. Es gibt Einblick in Geschwindigkeit, Uhrzeit, Unterstützungsstufe und Akkustand sowie die Batteriekapazität, den automatischen Unterstützungsmodus und zeigt an, ob das Licht an oder ausgeschaltet ist. Mit dem Yamaha Display C hast du alle Daten auf 2,8 Zoll zusammengefasst. Das farbige Display zeigt dir nicht nur dauerhaft die Uhrzeit, Akkukapazität, Unterstützungsstufe und Unterstützungsleistung an. Es lässt dich auch eine Vielzahl an zusätzlichen Informationen abrufen.

Yamaha hat sein altes Display X vollständig verworfen und setzt nun auf eine Bedieneinheit mit mehr Übersicht und weniger Drumherum. Das neue Interface X befestigst du neben dem Vorbau deines E-Flitzers und hast so die wichtigsten Infos direkt vor dir, ohne dass du abgelenkt bist: Akkulaufzeit und Unterstützungsstufe werden per LED angezeigt, zusätzlich gibt es einen An/Aus-Schalter und den Schalter für die Beleuchtung.

Yamaha hat hinsichtlich Power, Gewicht und Produktpalette in den letzten Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht. Mit nur vier Antrieben, drei Akkus und vier Betriebseinheiten fokussiert Yamaha sich auf das Wesentliche und setzt dabei auf Verbesserungen der Technik und Hardware anstelle von einem großen Ausbau möglichst vieler Produkte. Gleichzeitig bleibt Yamaha seiner Essenz treu: Obwohl es auch einen City-Motor gibt des Herstellers gibt, orientiert sich Yamaha weiter am sportlichen Einsatzbereich.

Yamaha E-Bike Modelle im Test

Die folgenden Modelle werden im Zusammenhang mit Yamaha E-Bike Motoren häufig erwähnt:

  • Haibike AllMtn 3: Vollgefedertes E-Mountainbike mit Yamaha PW-X3 Motor.
  • Haibike Trekking 4 (2024): E-Trekkingrad mit Yamaha PWseries S2 Mittelmotor.
  • GasGas TRA 6 SX 12s (2024): Vollgefedertes E-Mountainbike mit Yamaha PW-ST Motor.
  • Raymon CityRay E 4.0 CB (2024): City-E-Bike mit Yamaha PW-CE Motor.
  • Haibike HYBE 10.5: Vollgefedertes E-Mountainbike mit Yamaha PW-XM Motor.

Haibike HYBE 10.5 im Detail

Es ist Bewegung in der E-Mountainbike-Szene, insbesondere die Bewegung bergauf und bergab mit der Stoppuhr im Nacken. Immer mehr Hersteller erweitern ihr Portfolio um potente E-Mountainbikes für den dedizierten Renneinsatz. Dass dabei jedoch nicht nur brettharte Rennboliden mit giftigen Motoren und anspruchsvollem Handling das Licht der Welt erblicken, beweist unser großer E-Mountainbike-Vergleichstest.

Die ersten Rennstarts fanden auf seriennahen E-MTBs wie dem Haibike AllMtn SE von Andrea Garibbo statt. Erst mit der Vorstellung des HYBE im Jahr 2023 hatte Haibike ein Pferd im Stall, das speziell für den Renneinsatz hochgezüchtet wurde. Es begründet bei Haibike die neue „Power Sports“-Kategorie. Wir haben unsere schnellsten Test-Redakteure auf das HYBE 9 gesetzt und für euch getestet.

Mit dem Haibike HYBE 10.5 startet Haibike einen neuen Anlauf und verpasst ihrem Rennpferd einen Alu-Rahmen und den neuen Yamaha PW-XM-Motor. Die größten Veränderungen betreffen den Rahmen und das Motorsystem. Während beim HYBE 11 und HYBE 9 aus dem vergangenen Jahr noch ein Carbon-Hauptrahmen auf einen Alu-Hinterbau traf, besteht das neue Haibike HYBE 10.5 nun vollständig aus Aluminium. Es ist den Carbon-Brüdern noch zum Verwechseln ähnlich, jedoch fallen die Alurohre am Hauptrahmen einen Tick schlichter aus und besitzen nicht den nach Carbon-Origami-Faltkunst veredelten Steuerrohr-Bereich. Die nächste große Änderung fällt auf, wenn man den Blick zum Motorhalter senkt. Statt einem Bosch Performance Line CX oder einem CX-Race sitzt nun ein Yamaha PW-XM-Motor in der Motoraufnahme.

Mit der Akku- und Motor-Kombo von Yamaha hat sich die Anordnung „normalisiert“. Der 720-Wh-Intube-Akku liegt auf dem Motor auf und wird über eine große Öffnung auf der Unterseite des Rahmens entnommen statt herausgezogen. Beim Alu-HYBE ist die Zugverlegung durch den Steuersatz gestrichen worden, die Züge verlaufen durch Kabelports hinter dem Steuerrohr in den Rahmen. Erhalten geblieben ist das Modular Rail System auf dem Unterrohr (MRS), eine praktische Schiene, an die man Zubehör anstecken und nach eigenem Gusto positionieren kann.

Neben einem Alu-Rahmen rollt das neue Haibike HYBE 10.5 auch auf DT-Swiss H1900-Alulaufrädern. Das Fahrwerk steuert RockShox bei, eine ZEB Ultimate-Federgabel mit 170 mm Federweg trifft auf einen Super Deluxe Ultimate-Luftdämpfer, der am Hinterbau 160 mm Federweg generiert. Für die Kraftübertragung kommt eine SRAM GX Eagle AXS Transmission-Schaltung zum Einsatz. Die Wahl der Bremse ist auf die kraftvolle MAGURA MT7 gefallen.

Ausstattung des Haibike HYBE 10.5

Komponente Details
Motor Yamaha PW-XM 85 Nm
Akku InTube 720 Wh
Display Yamaha Interface - X
Federgabel RockShox ZEB Ultimate 170 mm
Dämpfer RockShox SuperDeluxe Ultimate 160 mm
Sattelstütze Dropper-Post
Bremsen Magura MT7
Schaltung SRAM GX Eagle AXS Transmission 1x12
Laufradsatz DT Swiss H1900 29"/27,5"
Reifen MAXXIS ASSEGAI/ Minion DHR II MaxxTerra Exo+ 2,5"/2,6"

Geometrie und Fahrverhalten

Ganz nach der Devise „Länge läuft“, hat man bei Haibike auf das HYBE 10.5 noch eine Schippe draufgelegt und den Rahmen etwas länger und flacher designt. Der Radstand ist angewachsen, die Kettenstreben fallen in allen Größen mit 460 mm relativ lang aus, trotz eines kleinen 27,5”-Hinterrads und der Lenkwinkel ist um ein halbes Grad auf 64° abgeflacht worden. Insgesamt ist der Radstand in allen vier Größen (S-XL) um 2-3 cm länger, was laut Haibike für mehr Fahrstabilität in anspruchsvollen Rennsektionen führen soll.

Weitere Yamaha E-Bike Modelle

Während die Neuvorstellungen von Yamaha weder wirklich neu, noch revolutionär sind, war das vor rund 30 Jahren gänzlich anders. Damals gehörte der Hersteller zu den echten Vorreitern der Technologie. Bereits 1993 zeigte Yamaha mehrere Fahrräder mit dem Power Assist System-Antrieb, kurz PAS. Dazu zählte beispielsweise das PA26. Auf das Pendeln zur Arbeit ausgerichtet, ermöglichte es mit einer Akkuladung immerhin eine Reichweite von rund 20 Kilometern. Mit einer Dauernennleistung von 235 Watt war der Motor nur unwesentlich von heutigen Werten entfernt. Und auch das Gewicht von 31 Kilogramm ist angesichts des damaligen technischen Standes recht beachtlich.

Moro 07

In dem E-Mountainbike Moro 07 steckt jetzt der PW-X3-Motor. Mit einem Drehmoment von 85 Newtonmetern und einem Gewicht von 2,75 Kilogramm handelt es sich dabei um die leistungsstärkste, leichteste und zugleich kleinste Antriebseinheit von Yamaha. Basis des Moro 07 ist ein aus Aluminium gefertigter Rahmen, der 150 Millimeter an Federweg am Hinterbau und 160 Millimeter an der Gabel ermöglicht. Sein Oberrohr und Unterrohr sind jeweils als Doppelrohr ausgeführt. Letzteres geht jedoch nahezu komplett unter, da das Akkufach den Zwischenraum ausfüllt.

Wabash RT

Das Wabash RT ist das erste Fahrrad, bei dem sich die Frage stellt, warum Yamaha dort nicht vom PW-ST-Motor gleich auf den aktuellen PW-S2 gewechselt ist. Sowohl die gesparten 600 Gramm an Gewicht als auch die kompaktere Form hätten diesem E-Gravelbike in jedem Falle gutgetan. So bleibt es ein solides E-Bike, dessen Rahmengeometrie auf ein entspanntes und komfortables Fahren ausgelegt wurde. Es gibt genügend Aufnahmen für den Anbau von Flaschenhaltern und Zubehör. Selbst das Anbringen von Schutzblechen ist problemlos möglich. Wenig gelungen scheint die Wahl des Displays. Erstens wurde das Display A mit einem Halter eher schlecht als recht links neben Vorbau gesetzt. Zweitens lassen sich von dort aus die Tasten nur schwer erreichen, ohne gleichzeitig die Hand vom Lenker zu nehmen.

Crosscore RC

Analog zum Wabash RT hätte auch das Crosscore RC mit dem einem PW-S2 eine noch glücklichere Figur abgegeben. So müsst ihr an diesem urbanen Allrounder ebenfalls mit dem PW-ST Vorlieb nehmen. Immerhin, die Serienausstattung mit dem 500-Wattstunden-fassenden Akku und der 9-Gang-Kettenschaltung von Shimano ergeben ein stimmiges Ganzes. Yamaha sieht das Modell als „ideales Alltags-Fahrrad“. Dafür hätten manche von euch sicher mit Schutzblechen, einem Gepäckträger und einer Beleuchtung gerechnet. So kommt es erst einmal ohne dieses Zubehör. Wer mag, sieht darin eine eher sportliche Ausrichtung auf den zweiten Einsatzzweck als Trekkingbike.

Yamaha im Vergleich zur Konkurrenz

E-Bike-Motoren von Yamaha treten in unmittelbare Konkurrenz zu Bosch, Shimano & Co. In puncto Drehmoment oder Sensorik können sie wunderbar mithalten.

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