E-Bike Motorgeräusche: Ursachen und Lösungen

Viele E-Bike-Fahrer sind mit ihren Rädern rundum zufrieden. Andere Biker waren dagegen weniger begeistert und nahmen ein störendes Geräusch wahr.

Ursachenforschung bei E-Bike Motorgeräuschen

Vor einiger Zeit wandte sich ein Biker an uns und berichtete von einem Geräusch, das er wahrnahm, wenn sich sein Trek Rail im Freilauf befand. Als Fahrsituation gab er an, auf Singletrails unterwegs zu sein, die technisch allenfalls als mittelschwer bezeichnet werden können. Seiner Beobachtung nach war die Ursache für das Geräusch ein Spiel, das sich an der Kurbel beziehungsweise am Spider manifestierte. Auf die Leistung des Motors schien das Klacken keinen Einfluss zu haben.

Ein ungeklärtes Geräusch an einem Motor, der zurecht seit Jahren als Benchmark seiner Klasse gilt und gerade erst ein Update erhalten hatte? Das wollte wir genauer wissen und setzen uns mit Bosch in Verbindung.

Stellungnahme von Bosch

Der Branchenführer widmete sich der Sache und gab anschließend Entwarnung. Die Erschütterungen würden Schwingungen an der Kette und der Kettenblatt-Spider-Kombination hervorrufen. Diese Schwingungen übertragen sich auf die Antriebswelle und von da auf die inneren Getriebezahnräder.

Wie genau, hänge vom Typ des E-Mountainbikes ab, dem Rahmenmaterial - Aluminium, Carbon, Stahl, Titan, usw. - , der Rahmengeometrie und Komponenten wie der Schaltung und dem Motorcover ab.

Wie Bosch außerdem einräumt, kann die Lautstärke, mit der ihr ein solches Geräusch wahrnehmt, tatsächlich auch mit dem Motor zusammenhängen. Am aktuellen Performance Line CX sind unter anderem besonders leichtgängige Zahnräder verbaut. Die Wandungen des Gehäuses fallen dünner aus, als bei den Generationen davor oder bei Motoren der Mitbewerber. Gewichtersparnis lautet das dazu passende Stichwort. Folge derartiger Optimierungen sei dann eben auch der Umstand, dass „mechanische Geräusche eher nach außen dringen beziehungsweise präsenter“ seien.

Grund zur Sorge besteht laut Bosch jedoch nicht. Leistung, Funktionalität und Zuverlässigkeit würden durch das Geräusch nicht beeinträchtigt. Kein Biker müsse einen Defekt befürchten.

Gleichzeitig müssen sich die besonders Hellhörigen unter euch aber anscheinend mit diesem Übel abfinden. Klar, wer auf einem Trail unterwegs ist, hat durch das Schlagen der Kette, das Eintauchen und Herausfahren der Federung und Dämpfung, die Bremsen, die typischen Eigengeräusche des Motors und manches mehr ein ordentliche Soundkulisse um sich herum.

Checkliste zur Geräuschlokalisierung

Um die Ursache von Geräuschen am E-Bike zu finden, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  1. Waschen: Das Rad gründlich mit Schlauch und Bürste putzen. Nur an einem sauberen Bike lassen sich die Arbeiten akkurat durchführen.
  2. Schrauben anziehen: Besonders Achsen, Bremssättel, Scheiben und Hinterbaulager lösen sich und können knacken, knarzen oder klappern.
  3. Geräusch provozieren: Ist es eher ein Knacken oder ein Klappern? Lässt sich das Geräusch reproduzieren, etwa durch Belastung des Sattels, Einfedern, Bremsen oder Fahren im Wiegetritt?
  4. Wenn′s klappert, kann auch der Motor eine Ursache sein. Trotzdem lohnt sich auch dann eine Kontrolle des Akku-Fachs.
  5. Knacken oder Knarzen deuten eher auf andere Geräuschquellen als Motor oder Akku. Dann zuerst klassische Problempunkte, wie Sattel, Hinterbaulager und Steuersatz, überprüfen.

Spezifische Geräuschquellen und Lösungen

Akku-Klappern

Lautes Klappern auf dem Trail, und Sie haben das Akku-Fach im Verdacht? Über den Lenker das Vorderrad anheben und kräftig auf den Boden aufstoßen - das hilft oft, den Verdacht zu bestätigen.

  1. Drehen Sie empfindliche Armaturen, wie Display und Bedieneinheit, am Lenker so, dass Sie das Bike auf den Kopf stellen können - das erleichtert in den meisten Fällen die Arbeiten am Akku-Fach. Legen Sie zum Schutz vor Kratzern einen Lappen unter den Lenker.
  2. Kontrollieren Sie nun, ob die Akku-Abdeckung in geschlossenem Zustand Spiel hat. Hat die Klappe viel Spiel, lässt sie sich vielleicht sogar leicht anheben, kann das eine Ursache sein. Checken Sie als nächstes den Akku. Lässt er sich ohne großen Kraftaufwand bewegen, könnten sich Schrauben in der Akku-Halterung gelöst haben. Ziehen Sie die Schrauben gegebenenfalls vorsichtig nach. Ist das nicht möglich oder es hilft nichts, muss die Akku-Aufnahme von einer Fachwerkstatt eingestellt werden.
  3. Überprüfen Sie zudem, ob der Akku Schleifspuren oder Beschädigungen aufweist. Das wäre ein Indiz, dass der Akku in Kontakt mit der Akku-Abdeckung, dem Rahmen oder den Zügen kommt oder an der Halterung Spiel hat.
  4. Alle Schrauben sind fest, alles ist so gut wie möglich eingestellt, aber immer noch klappert es? Dann beginnen Sie mit leichten Modifikationen an der Akku-Klappe. Überprüfen Sie zunächst, ob sich leichtes Spiel durch Aufbringen von etwas Schutzfolie beheben lässt - wie in unserem Fall an der Nase der Akku-Klappe.
  5. Falls Akku und Akku-Abdeckung aneinander schlagen, kann ein breiter Streifen Schlagschutz auf der Innenseite der Akku-Abdeckung helfen. Dünne, selbstklebende Türschutzmatten oder Bitumenmatten aus dem KFZ-Bedarf des Baumarkts funktionieren gut. Die Folie nicht auf den Akku selbst aufkleben!
  6. Erst als letzte Maßnahme können Sie versuchen, auch die Akku-Spange von innen mit der Schlagschutzfolie abzupolstern.

Geräusche durch Züge

Kontrollieren Sie auch, ob nicht lockere oder schlecht verlegte Züge unter der Akku-Halterung das Klappern verursachen. Ideal sind klare Führungen, die die Züge fest fixieren.

  1. Sollte das nicht der Fall sein, versuchen Sie vorsichtig, die Züge nach vorne aus dem Rahmen straffzuziehen. Fassen Sie dann mit einem Kabelbinder mehrere lose Züge zusammen. Den Kabelbinder dafür vorne umbiegen, das erleichtert es, ihn unter die Züge zu fädeln. Nicht zu straff anziehen.
  2. Einzelne, lose Kabel lassen sich gut mit Schaumstoffhüllen beruhigen, die über die Außenhülle geschoben werden. Die Schaumstoffhülle längs aufschneiden, über den Zug stülpen und mit Klebeband schließen. So kann man den Ausbau der Züge umgehen.

Motorgeräusche und Rahmenkonstruktion

Rahmen und Motor wirken im Zusammenspiel. Wichtig ist, dass der Rahmen das Motorgeräusch nicht wie ein Gitarrenkasten verstärkt. Das lässt sich jedoch nur schwer in der Konstruktion simulieren - erst recht bei der aktuellen Geschwindigkeit in der Entwicklung. Themen wie Sicherheit, Geometrie und Fahrwerk haben da klar Priorität.

Carbon dämpft die Motorgeräusche eher, Alu gibt sie unvermittelter weiter. Pauschale Aussagen sind aber schwierig, weil auch Form und Wandstärke eine Rolle spielen.

Auch bei Motoren gibt es eine Serienstreuung. Spielt die eine Rolle für die Geräusche? Absolut. Wir hatten schon Motoren, die auffällig heulten und die wir dann zurückgeschickt haben. Das ist aber selbst bei großen Stückzahlen eher die Ausnahme.

Am lautesten klappert bei der aktuellen Antriebsgeneration meist aber der Motor selbst.

Weitere Fehlerbehebungen

Probleme mit Display und Akku

Stelle zunächst sicher, dass der Akku geladen ist und nach dem Einsetzen wenig Spiel aufweist. Wenn Display oder Akku den Kontakt verlieren, lassen sich die E-Bikes nicht mehr normal einschalten oder die Unterstützung beim Fahren funktioniert nicht mehr. Derartige Kontaktprobleme sind eine der häufigsten Ursachen für Fehler bei E-Bikes.

Alle Bosch E-Bike Displays verfügen über eine integrierte Batterie, welche im eingeschalteten Zustand über den Akku geladen wird. Die Intuvia-, Nyon- und Kiox- Displays besitzen fest verbaute Akkus, die über den Micro USB-Anschluss einzeln geladen werden können. Im Bosch Purion dagegen sind zwei 3V CR2016 Knopfzellen eingesetzt.

Wenn der Motor dich nicht unterstützt, ist es ratsam, wie oben beschrieben zunächst das Display und den Akku neu einzusetzen, um das System neu zu starten.

Wenn bei einem Bosch E-Bike die Geschwindigkeitsanzeige nicht erscheint, liegt dies häufig an einem nicht richtig aufgesetzten Display oder einem locker sitzenden Akku.

Fehlercodes

Wenn im E-Bike Display der Fehlercode 503 (Bosch E-Bike) oder W011 (Shimano Steps) angezeigt wird, unterstützt der Motor nicht mehr und die Geschwindigkeitsanzeige zeigt 0 km/h. Die Lösung: Drehe den Magnet in Richtung des Sensors am Hinterrad. Der Magnet sollte einen möglichst geringen Abstand zum Sensor haben damit die Raddrehzahl zuverlässig gemessen werden kann.

Bei jedem Neustart fragt das Shimano Steps Antriebssystem die neutrale Position der Welle im Motor ab. Daher darf beim Einschalten des Systems kein Druck auf den Pedalen sein.

Die Antriebssysteme von Bosch verfügen über einen umfangreichen Fehlerspeicher, dessen Fehlercodes bei der Fehlerursache behilflich sein können.

Knacken und Knarzen

Knacken und Knarzen ist ein häufiger Grund weshalb Kunden eine Werkstatt aufsuchen. In nahezu allen Fällen liegt dabei jedoch kein Defekt vor und das Geräusch kommt nicht vom Motor selbst. Prüfe zunächst, ob die Kette sauber und ausreichend geschmiert ist.

Falls bei einem E-Bike kurz nach Kauf knarzende Geräusche unter Last im Motorbereich auftreten, ist die Ursache häufig die Verschraubung zwischen Motor und Rahmen. Es entstehen zwar keine Schäden, dennoch wird das Fahrerlebnis gestört. Ein einmaliges Nachziehen der Schrauben schafft hier Abhilfe.

Schaltungsprobleme

  1. Bei einer nicht richtig funktionierenden Kettenschaltung ist die Spannung des Schaltzugs häufig nicht korrekt. Diese kann ganz simpel an der Schraube am Schalthebel korrigiert werden.
  2. E-Bikes werden deutlich intensiver genutzt als Fahrräder. Die zurückgelegten Kilometer mit Unterstützung durch einen Mittelmotor tragen aber auch zu erhöhtem Verschleiß bei. In seltenen Fällen kann bei einer Kettenschaltung schon nach einigen hundert Kilometern ein Austausch der Kette fällig werden. Besonders durch mangelnde Pflege oder das dauerhafte Fahrenin großen Gängen entsteht bei Kettenschaltungen ein starker Verschleiß. Wenn die Kette unter Last über die Ritzel rutscht, ist das ein klares Indiz hierfür.
  3. Bei hochwertigen E-Bike-Motoren bewegt sich der Anteil der Totalausfälle zum Glück im einstelligen Prozent-Bereich. In seltenen Fällen können aber auch dort Defekte auftreten. Wenn die Kette und die Ritzel nicht verschlissen sind und die Einstellung der Schaltung korrekt ist, kann entweder ein Defekt des Getriebes (nur bei Nabenschaltungen), des Freilaufs oder eines Bauteils innerhalb des Motors die Ursache sein.

Vor- und Nachteile verschiedener E-Bike-Motortypen

Die folgende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile der jeweiligen E-Bike-Motoren:

Motortyp Vorteile Nachteile
Mittelmotor Weniger Einfluss aufs Fahrverhalten, Schwerpunkt des Bikes in der Mitte -
Heckmotor - -
Vorderradantrieb - -

Allgemeine Tipps zur E-Bike-Pflege

  • E-Bike-Akku: Akkus brauchen Pflege, um möglichst lange durchzuhalten. Sie vertragen weder extreme Hitze noch Kälte. Deswegen sollten E-Bikes im Sommer nicht in der prallen Sonne abgestellt werden und im Winter nicht in der Kälte. Wer sein Rad länger nicht benutzt, sollte den Akku weder ganz voll noch ganz leer lassen. Ideal bei längeren Standzeiten ist es, den Akku zu rund zwei Dritteln zu laden. Wer im Winter nicht fährt, sollte den E-Bike-Akku - wenn möglich - demontieren und in der Wohnung anstatt im Keller oder in der Garage deponieren.
  • Kontakte: Überall wo Kontakte sichtbar sind - etwa bei abnehmbaren Displays oder Anschlüssen für Ladekabel - muss Korrosion unbedingt vermieden werden.
  • E-Bike-Pflege: Ein E-Bike macht heute in der Regel nur wenig Probleme. Trotzdem sollte es regelmäßig gepflegt und geputzt werden. Die Bikes sind gut gegen Regen und Spritzwasser geschützt. Trotzdem sollte der Dampfstrahler - wenn überhaupt - nur gezielt eingesetzt werden. Ideal ist ein weicher Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch, ein Wassereimer mit E-Bike-Reinigungsmittel und eine weiche Bürste.
  • Kette schmieren: E-Bike-Antriebe sind starken Belastungen ausgesetzt und sollten immer gut geschmiert sein. Am besten nach jeder Fahrt - und immer nach jeder Regenfahrt - ein paar Tropfen Öl auf die Kette, einwirken lassen und vor der nächsten Fahrt mit einem Lappen abziehen - dann sollte alles dauerhaft wie geschmiert laufen. Wer ein E-Bike mit Riemenantrieb hat, erspart sich diese Arbeit.

Vernehmen Sie an Ihrem E-Bike beim Treten ein Knacken, kann das entweder am Tretlager, an den Pedalen oder auch am Lenker und Vorbau entstehen. Grundsätzlich sollten Sie Ihr E-Bike einmal im Jahr zum Service bringen, wo alle Lager und Verbindungen gecheckt und wo nötig auch geschmiert werden. Allerdings können Sie auch versuchen, Knackgeräusche durch Be- und Entlastungen zu lokalisieren.

Stellen Sie an Ihrem E-Bike ein schleifendes Geräusch fest, liegt es meist an der Bremse. Dann sollten Sie - wenn Sie nicht erfahrener Schrauber sind - zum Fachmann gehen.

Es hilft auf jeden Fall, sich mit dem eigenen Rad, dessen Funktionen und Fehlercodes vertraut zu machen, um sich im Pannenfall unterwegs schnell selbst helfen zu können. Regelmäßige Pflege und ein jährlicher Service beim Händler helfen darüber hinaus, Problemen zuverlässig vorzubeugen.

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