E-Bike Vorderradmotor 28 Zoll im Test: Eine umfassende Analyse

Wer ein geliebtes Fahrrad zu Hause hat, muss keine Unsummen für ein E-Bike ausgeben. Mit hochwertigen Sets zum Nachrüsten wird aus einem alten Drahtesel schnell und legal ein vollwertiges E-Bike, beziehungsweise Pedelec. In den vergangenen Monaten wurden insgesamt fünf Nachrüst-Kits für E-Bikes getestet. Hier ist alles für Front-, Mittel- und Heckmotor dabei.

GermanXia E-Bike Vorderrad-Umrüstsatz im Detail

Das in Pulheim bei Köln ansässige Unternehmen GermanXia hat sich auf Mobilität im E-Bike Bereich spezialisiert. Einen besonders unkomplizierten Umbau verspricht der GermanXia E-Bike Vorderrad-Umrüstsatz, da hier grob umrissen lediglich das Vorderrad getauscht und wenige elektronische Elemente montiert werden müssen. Angeboten wird der bürstenlose, wartungsfreie 250 Watt Vorderrad-Nabenmotor in Kombination mit Laufrädern von 20 bis 28 Zoll. Der Vorderrad-Nabenmotor ist speziell auf die Laufradgröße abgestimmt. Für die Begrenzung der Unterstützung auf maximal 25 km/h sorgt ein interner Hallsensor.

Konfiguration und Komponenten

Die vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten der GermanXia E-Bike Umrüstsätze ermöglichen einen sehr individuellen Aufbau des Fahrrades zum Pedelec. Bei der Bestellung müssen die Einbaubreite und die Möglichkeit der Scheibenbremsmontage explizit angegeben werden. Auch bei den Akkus bietet GermanXia mehrere Optionen an.

Erstaunlich ist der Blick auf die für den Umbau zum E-Bike benötigten Teile. Der Umrüstsatz besteht lediglich aus Akku, Laufrad, zwei Bremshebeln, Display, Controller, TF-Sensor und Kabeln - das war es schon. Das Gesamtgewicht in unserer Ausführung beträgt knapp 6,6 Kilogramm, den größten Teil davon beanspruchen der Akku mit 2933 Gramm und das Laufrad mit 2891 Gramm. Die Komponenten machen einen hochwertigen Eindruck. Das Vorderrad ist sauber eingespeicht und zentriert. Die Verwendung von dickeren Speichen in Kombination mit der robusten 36-Loch Alu-Felge spricht für den Qualitätsanspruch des Herstellers. Sowohl der Controller als auch der Akku und der Motor weisen zudem eine CE-Kennzeichnung auf.

Montage des Vorderradmotors

Der Einbau des Vorderrades ist selbsterklärend. Das Motorkabel muss sich an der linken Seite befinden und nach dem Einbau nach hinten zeigen. Die mitgelieferten Nasenscheiben verhindern ein Verdrehen des Antriebs im Betrieb. Laut Hersteller sollte die Gabel vorzugsweise aus Stahl bestehen. Bei Federgabeln und Aluminiumgabeln darf der Einbau nur nach Rücksprache mit dem Hersteller oder Fachhändler erfolgen.

Der Trinkflaschenakku wird mit der mitgelieferten Halteschiene am Flaschenhalter des Rahmens befestigt, lässt sich aber ebenso in der Seitentasche platzieren. Wir haben beides ausprobiert. Komplizierter gestaltet sich hingegen der Einbau des Trittsensors und der Magnetscheibe. Für die Arbeit am Tretlager wird spezielles Werkzeug benötigt - und definitiv Erfahrung beim Schrauben. Der Trittsensor muss mittels des Anschlagbunds auf der rechten Seite des Tretlagers montiert werden. Hierfür ist es erforderlich sowohl die Kurbel als auch das Innenlager zu demontieren.

Nicht vergessen werden darf die Magnetscheibe, die vor der Montage der Kurbel auf die Tretlagerwelle geschoben werden muss. Ausgelegt sind der PAS-Sensor und die Magnetscheibe für gängige Tretlagergehäuse, nicht aber für US BB. Das vom BMX bekannte 51 mm Tretlager findet sich oft an Cruisern. Hier bedarf es dann - wie in unserem Fall - eines individuellen Lösungsansatzes.

Die Montage der mitgelieferten Bremshebel macht absolut Sinn: Bei Betätigung des Hebels wird das E-Bike System vom Bremsvorgang unterrichtet, wodurch der Antrieb unmittelbar unterbrochen wird. Das trägt nicht nur enorm zur Fahrsicherheit bei, sondern schont gleichzeitig die Energiereserven. Die Bremshebel sind für Cantilever-Bremsen ausgelegt und lassen sich somit auch bei mechanischen Scheibenbremsen verwenden. Für den Betrieb des Motors ist der Austausch nicht zwingend erforderlich.

Das Display wird gut erreichbar am Lenker befestigt. Die anschließende Verkabelung kann selbst ohne elektrische Vorkenntnisse in Angriff genommen werden. Dank der farbcodierten wasserdichten Stecker und Buchsen ist ein falsches Anschließen nahezu unmöglich.

Inbetriebnahme und Fahrverhalten

Nach dem E-Bike Umbau kann der GermanXia Vorderrad-Antrieb sofort in Betrieb genommen werden. Da eine Konfiguration des Systems mit dem LED Display weder nötig noch möglich ist, steht dem sofortigen Einsatz nichts im Wege - vorausgesetzt der Akku ist geladen. Das Aufladen des Akkus kann direkt am Bike oder auch nach Entnahme des Akkus erfolgen. Die seitliche Entnahme aus dem Akkuhalter heraus ermöglicht selbst auf engem Raum ein unkompliziertes Handling des Energiespeichers. Durchdacht ist ebenfalls die kleine Griffmulde für ein einfacheres Tragen. Ein weiteres Feature ist die Diebstahlsicherung des Akkus per Schlüssel.

Die Tretunterstützung erfolgt bei Betätigung der Kurbel und setzt relativ schnell, wenn auch nicht sofort ein. Sobald das System eine Tretbewegung registriert, sorgt der GermanXia Vorderrad-Antrieb für Schub. Abhängig von der gewünschten Unterstützungsstufe kann der Vortrieb überraschend kraftvoll sein. Selbst ein schwerer Cruiser bekommt so ordentlich Beine. Die Unterstützung läuft etwas nach, das gilt ebenso, wenn die Tretbewegung beendet wird. Eine sofortige Unterbrechung der Tretunterstützung ist dennoch möglich. Hierfür muss nur einer der Bremshebel betätigt werden.

PAS-Sensor vs. Drehmomentsensor

Im Gegensatz zum Drehmomentsensor - der gegen Aufpreis bei GermanXia erhältlich ist - signalisiert der PAS-Sensor dem System nur, dass eine Tretbewegung (in die richtige Richtung) stattgefunden hat. Von da an setzt die Unterstützung gemäß des eingestellten Modi ein. Das System agiert somit unabhängig vom Pedaldruck. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, das selbst bei einer abgesprungenen Kette der Antrieb für Schub sorgt - vorausgesetzt es wird weiter in die Pedale getreten. Wer sich eine natürlich wirkende Unterstützung wünscht, kommt nicht an einem Drehmomentsensor vorbei.

Bedienung und Leistung

Die übersichtliche Gestaltung des LED-Displays ermöglicht eine sehr einfache Bedienung des Systems. Zur Verfügung stehen insgesamt fünf Unterstützungsmodi, die per LED angezeigt werden. Vier LEDs geben den aktuellen Akkuzustand an. An- und Ausschalten lässt sich das System mittels eines separaten Knopfs. Die einzelnen Modi wirken sich spürbar auf den Grad der Unterstützung aus. Besonders in den beiden stärksten Modi überrascht der Antrieb durch enormen Zug - Zug deshalb, weil der Vorderradantrieb das Fahrrad zieht, und nicht schiebt wie bei einem Hinterrad- oder Mittelmotorantrieb.

Reichweite und Alltagstauglichkeit

Kaum ein Wert lässt mehr Raum für freie Interpretationen wie die Reichweite eines E-Bikes. Zu viele Faktoren haben Einfluss, um wirklich eine genaue Aussage treffen zu können. Unser Testbike verfügte nicht nur über sehr breite Reifen, sondern war mit einem Gesamtgewicht von knapp über 30 Kilogramm auch recht schwer. Hinzu kam noch das Fahrergewicht von etwa 80 Kilogramm. Dennoch waren bei günstigen Wetterverhältnissen und wenig Steigungen ohne Probleme 80 Kilometer möglich.

Damit haben wir uns aber nicht begnügt und forderten das System in der Eifel heraus. Der PAS-Sensor ermöglicht ein sehr kraftsparendes Vorankommen mit dem Bike. Wie bereits beschrieben reicht ein leichtes Treten, und der Antrieb legt los. In der höchsten Unterstützungsstufe wird dank des maximalen Drehmoments von 42 Newtonmetern selbst schweren Stahlrössern ordentlich Leben eingehaucht. Wir waren von der Power des Antriebs wirklich überrascht. Der Unterstützungsgrad verringert sich natürlich mit steigender Fahrgeschwindigkeit progressiv und endet den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend bei 25 km/h.

Um Schäden am Motor zu verhindern, verfügt das System über einen Thermoschutz. Allerdings ist eine andere Sache relativ schnell aufgefallen. Nach etwa 50 Kilometern machte sich der Antrieb durch ein Knacken und Knarzen bemerkbar. Die Ursache dessen war jedoch schnell ausgemacht: die Speichen hatten sich stark gelockert. Nach dem Festziehen und Zentrieren des Laufrades hatte sich das Problem erledigt. In Anbetracht der Tatsache, dass auch bei Neurädern nach kurzer Betriebszeit unbedingt eine Erstinspektion empfohlen wird, sehen wir das nicht als Minuspunkt an.

Abgesehen hiervon überzeugte der GermanXia Vorderrad-Antrieb bei uns während der gesamten Testphase durch hohe Zuverlässigkeit.

Alternativen und wichtige Hinweise

Der Umbau eines Fahrrades mit dem GermanXia Vorderrad-Antrieb stellt durchaus eine gute Alternative zu einem „fertigen“ E-Bike dar. Allerdings müssen einige Dinge beachtet werden, damit der Umbau nicht nur dem Gesetz entspricht, sondern auch ausreichend Fahrsicherheit bietet. Wer sich ein natürliches Fahrgefühl wünscht, sollte zudem nicht den PAS-Sensor, sondern einen Drehmomentsensor verbauen.

Weitere E-Bike Nachrüst-Kits im Überblick

Es gibt eine Vielzahl von Nachrüst-Kits auf dem Markt, die sich in Preis, Leistung und Montage unterscheiden. Hier ein kurzer Überblick über einige Alternativen:

  • Bafang BBS-01B: Mittelmotor, legal in Deutschland, gut verarbeitet, 250 Watt, ca. 80 Nm, inklusive Farb-LCD-Bordcomputer. Benötigt zusätzlichen Akku.
  • Pendix Edrive 300: Premium Mittelmotor, geräuschlos, minimalistisches Design, 250 Watt, 65 Nm, 330 Wh Akku, 40-50 km Reichweite. Teurer in der Anschaffung.
  • Bikight SW900: Heckmotor, 1000 Watt (in Deutschland illegal), günstig, kompatibler Akku separat erhältlich. 250-Watt-Version mit geringerem Drehmoment.
  • Bafang MM G340: Mittelmotor, 750 Watt (in Deutschland illegal), kraftvoll.
  • iMortor 2.0: Vorderrad, Akku und Elektronik im Vorderrad, einfache Montage, geringe Reichweite, in Deutschland illegal.
  • Yose Power E-Bike-Nachrüstsatz: Bietet 350 Watt Leistung und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.
  • SEASON 36250-QZ-28 E-Bike-Umbausatz: Verfügt über einen Vorderradantrieb, eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h und eine Leistung von 250 Watt.

Rechtliche Aspekte und Sicherheit

Grundsätzlich darf man sein eigenes Fahrrad nachrüsten. Das nachzurüstende Fahrrad sollte zudem in einem einwandfreien Zustand sein. Das Material sollte keine Ermüdungserscheinungen aufweisen. Idealerweise rüstet man am besten ein neues oder junges Fahrrad auf. Wer sich unsicher ist, sollte zu einem Fachhändler gehen.

Viele Nachrüst-Kits bieten zudem einen Gashebel. Den sollte man lieber nicht anbringen, da solch ein Hebel im öffentlichen Verkehr auf deutschen Straßen bis dato nicht erlaubt ist. Der Motor darf ohne Trittunterstützung maximal auf 6 km/h beschleunigen; das gilt in Deutschland als Schiebehilfe. Generell darf ein Pedelec, also ein Elektrofahrrad ohne Versicherungskennzeichen, nicht mehr als 25 km/h mit Motorunterstützung leisten. Die Nennleistung des Motors darf 250 Watt nicht übersteigen.

Wichtige Hinweise:

  • Fahrradhelm: Höhere Geschwindigkeiten bedeuten ein höheres Risiko.
  • Wartung: Regelmäßige Wartung von Motor, Akku, Sensoren und anderen Bauteilen ist unerlässlich.
  • StVO beachten: Die Straßenverkehrsordnung muss eingehalten werden.

E-Bike Motoren im Vergleich

Der Markt an E-Motoren ist in den letzten Jahren ziemlich unübersichtlich geworden. Grund genug, hier einmal Licht ins Dunkel zu bringen! Was taugen die Aggregate von Bosch und Shimano? Und wie schlagen sich die Konkurrenten wie Pinion, Yamaha, Brose und Co.?

Bosch Motoren

Die Active Line von Bosch wurde speziell für Stadtfahrten und den täglichen Gebrauch entwickelt. Sie bietet eine sanfte Unterstützung, wodurch das Fahrgefühl besonders natürlich bleibt. Die geringe Größe und das leichte Gewicht machen sie ideal für urbane E-Bikes. Maximales Drehmoment: 40 Nm - ideal für flache Strecken und gemäßigte Anstiege. Unterstützungsstufe: Bis zu 250 % der eigenen Leistung. Maximale Geschwindigkeit: 25 km/h Besonderheiten: Sehr leise und kompakt, perfekt für den Stadtverkehr.

Die Performance Line CX ist der ultimative Antrieb für E-MTB-Fahrer, die maximale Performance auf anspruchsvollen Trails suchen. Mit ihrem hohen Drehmoment und der dynamischen Unterstützung sorgt sie für optimale Kontrolle und ein einzigartiges E-MTB-Erlebnis. Maximales Drehmoment: 85 Nm - ideal für steile Anstiege und schwieriges Gelände. Unterstützungsstufe: Bis zu 340 % der eigenen Leistung. Maximale Geschwindigkeit: 25 km/h Besonderheiten: E-MTB-Modus für dynamische Unterstützung je nach Druck auf die Pedale.


Modell System Einsatzbereich Max. Drehmoment Unterstützungsstufe Max. Geschwindigkeit Gewicht
Active Line eBike-System 2 / Smarte System Stadt, Alltag 40 Nm 250 % 25 km/h ca. 2,9 - 3,0 kg
Performance Line CX eBike-System 2 / Smarte System eMTB, anspruchsvolle Touren 85 Nm 340 % 25 km/h ca. 2,9 - 3,0 kg

Yamaha Motoren

Der Yamaha PW-XM ist das neueste Modell der PW-Serie und bietet eine beeindruckende Leistung bei gleichzeitig geringem Gewicht. Mit einem Drehmoment von 85 Nm und einem Gewicht von nur 2,6 kg eignet sich der PW-XM perfekt für anspruchsvolle E-MTBs. Das kompakte Design sorgt für eine nahtlose Integration in den Rahmen und ein agiles Fahrverhalten. Maximales Drehmoment: 85 Nm Gewicht: 2,6 kg Nennleistung: 250 W Besonderheiten: Kompaktes und leichtes Design, hohe Leistung für E-MTBs.

Shimano Motoren

Der Shimano EP801 ist das leistungsstärkste Modell der Shimano Drive Units und bietet ein Drehmoment von 85 Nm bei einem Gewicht von nur 2,6 kg. Das Gehäuse aus leichtem Magnesium sorgt für hohe Wendigkeit und Kontrolle. Maximales Drehmoment: 85 Nm Gewicht: 2,6 kg Nennleistung: 250 W Besonderheiten: AUTO SHIFT und FREE SHIFT (optional), Magnesiumgehäuse.

Mahle Motoren

Der Mahle X20 ist das neueste Modell von Mahle und setzt neue Maßstäbe bei Gewicht und Effizienz. Mit einem Gewicht von nur 1,4 kg ist er der leichteste Hinterradnabenmotor seiner Klasse. Trotz des geringen Gewichts bietet der Motor ein Drehmoment von bis zu 55 Nm und eine intuitive Unterstützung, die sich an die Tretkraft des Fahrers anpasst. In Kombination mit dem kompakten X20 Energy Hub und einer Akkukapazität von bis zu 250 Wh eignet sich dieser Motor perfekt für High-End E-Bikes und sportliche Gravel Bikes. Maximales Drehmoment: 55 Nm Gewicht: 1,4 kg (Motor) Akkukapazität: Bis zu 250 Wh Besonderheiten: Leichtester Hinterradnabenmotor, voll integrierbar, Energy Hub für smarte Funktionen

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