E-Bikes haben sich in nahezu allen Fahrradgattungen etabliert. Der E-Motor ist nicht die einzige Komponente, die ein E-Bike ausmacht - Stromquelle und Steuereinheit gehören ebenfalls zum Gesamtpaket.
Verschiedene Motorpositionen
Erste Elektrofahrräder waren bereits um 1895 auf europäischen Straßen unterwegs. Entweder waren sie als Nabenmotor im Vorder- oder Hinterrad oder als Tretlagermotor verbaut. Und genau diese Frage der Platzierung des Motors beschäftigt Produktentwickler bis heute.
Mittelmotor
Mit dem Markteinstieg von Bosch 2010 hat die Einbauposition in der Mitte ihren endgültigen Durchbruch erlebt. Mittlerweile hat der Tretlagermotor in Deutschland die größte Verbreitung. Der große Vorteil des Mittelmotors liegt darin, dass er über ein Schaltgetriebe wie Ketten- oder Nabenschaltung mit dem Hinterrad verbunden ist. Dadurch arbeitet der Motor, sofern die Fahrenden ausreichend schalten, weitgehend in seinem günstigsten Wirkungsgradbereich und mit der höchsten Leistungsabgabe.
Weiterhin brauchen E Bikes mit Mittelmotoren spezielle Rahmenkonstruktionen für die Aufnahme des Systems. Das verursacht zusätzliche Kosten in Entwicklung und Produktion. Die Räder sind deshalb weit mehr als ein Fahrrad, an das ein Motor geschraubt wurde. Mittelmotoren kommen auch bei „ausgefallenen“ Rädern wie Cargo-Bikes oder Liegerädern zum Einsatz.
Hinterradmotor
Fahrer von Hinterradnabenmotoren schätzen das direkte Ansprechverhalten der Aggregate, ihre Laufruhe und die Fahrdynamik des wie gewohnt vom Hinterrad kommenden Schubs. Da die Motorwelle gleichzeitig als Hinterradnabe dient, kommen manche Motoren ohne interne Übersetzung aus. Sie gelten als äußerst robust und resistent gegen mechanische Ausfälle.
Allerdings gewinnen auch Heckmotor-E-Bikes wegen ihrer geringen Masse wesentlich weniger Energie zurück als z. B. Elektroautos. So kann in der Regel nicht der komplette Akku geladen werden, sondern eher geringe Mengen bei längeren Abfahrten.
Ein Nachteil von Hinterradnabenmotoren ist allerdings, dass sie nicht mit Nabenschaltungen kombinierbar sind. Als Lösung bietet sich die Zentralgetriebeschaltung von Pinion an.
Vorderradmotor
Auf der anderen Seite liegt der Vorderradnabenmotor. Er wird fast nur noch bei Rädern im preislichen Einstiegsbereich für E-Bikes ab 1.000 Euro verbaut. Hier besteht weniger Entwicklungsaufwand, da der Motor keinen direkten Kontakt zum Antriebssystem hat.
Längere Kabelwege erhöhen jedoch die Störanfälligkeit. Außerdem belasten die stärkeren Kräfte insbesondere die schon durch Bremskraft und Untergrund belastete Vorderradgabel bzw. Rahmen und Steuerrohr.
Nabenmotoren im Detail
In der E-Bike-Community gilt der Nabenmotor als kleiner Bruder des Mittelmotors. Dabei haben beide Systeme ihre Vor- und Nachteile.
Direktantrieb vs. Getriebemotor
Es gibt keine Regel ohne Ausnahme und auch bei den Directdrive-Nabenmotoren gibt es Exoten, die sich nicht an alle Spielregeln halten wollen. Aber allgemein gilt: Directdrive-Nabenmotoren sind größer und schwerer, sie kommen ohne internes Getriebe oder internen Freilauf aus. Der Stator ist fest mit der Radachse verbunden. Der Rotor dreht sich immer um den Stator, darum sind Directdrive-Nabenmotoren auch in der Lage, im Leerlauf wieder Strom zu rekuperieren.
Der Getriebe-Nabenmotor ist de facto der Standard-Nabenmotor von elektrifizierten, schlanken Road-, Gravel- und Citybikes. Er ist in der Regel kleiner und leichter und besitzt einen internen Freilauf sowie ein Getriebe. Der Motor dreht ein zentrales Sonnenrad mit hoher Geschwindigkeit an, das über ein Planetengetriebe in eine langsamere Drehgeschwindigkeit auf das Hinterrad übersetzt wird. Dadurch kann der Elektromotor mit einer für ihn effizienten, höheren Geschwindigkeit arbeiten. Sowohl Motor als auch Getriebe sitzen auf einem Freilauf um die Achse und drehen sich im Leerlauf mit dem Rad mit, weshalb der Getriebe-Nabenmotor keinen Strom rekuperieren kann.
Moderne Nabenmotoren müssen sich technisch hingegen nicht mehr hinter Mittelmotoren verstecken. Sie können auf die gleichen High-Tech-Systeme und Hilfsmittel zurückgreifen, um ein ausgereiftes Fahrgefühl zu ermöglichen.
Auch die peripheren, technischen „Spielereien“, wie individuell abstimmbare Motorcharakteristik, Connectivity-Funktionen oder modulare Akku-Konzepte findet man an Bikes mit Nabenmotoren.
Aufbau von Nabenmotoren
Es gibt zwei Haupttypen von Nabenmotoren: Direktläufer und Getriebemotoren. Beide haben unterschiedliche Bauweisen und Funktionsweisen.
Direktläufer
Der Direktläufer wird meistens als Außenläufer aufgebaut. Dabei befinden sich die Magnete direkt in der Innenseite des Gehäuses. Beim Fahren dreht sich das Gehäuse als Bestandteil des Laufrades komplett mit. Damit sie ein höheres Drehmoment erreichen können, muss das Gehäuse des Motors dementsprechend größer gebaut werden.
Die getriebelosen Motoren können meist mit oder ohne Hallsensoren betrieben werden. Ohne Hallsensoren sinkt das Ausfallrisiko, da sich die Anzahl der verwendeten Teile reduziert. Mit Hallsensoren erhöht sich das Anfahrmoment, da der Controller stets genaue Informationen zur Motor- und Magnetlage hat.
Unterschiede zum Getriebemotor:
Dass der Direktläufer sich immer komplett mit dreht, hat Vorteile und Nachteile. Es tritt ein leichtes Bremsmoment auf, wenn beim Fahren die elektrische Unterstützung ausgeschaltet ist. Die Ausprägung des Bremsmoments hängt stark vom Motormodell ab, ist aber stets vorhanden.
Der Vorteil von Direktläufern liegt in der Rekuperation. Beim Bremsen oder beim bergab Fahren kann Energie in den Akku rückgespeist werden, wenn der Controller und der Akku dafür eingerichtet sind. So spart der Direktläufer beim Fahren Energie ein und die mechanische Bremse wird geschont.
Getriebemotor
Im Gegensatz zu einem Direktläufer dreht sich der Motor im Laufrad nicht vollständig mit, sondern nur das Gehäuse. Im Inneren verfügt der Motor über ein Getriebe, meist ein Planetengetriebe, das durch den Motor im Gehäuse angetrieben wird. Dabei dreht der Motor im Inneren schneller als das Gehäuse. Das Getriebe passt die hohe Drehzahl des Motors an die niedrigere Drehzahl des Rades an.
Einige Getriebemotoren brauchen zum Ansteuern Hallsensoren, um die Position des Motors zu erkennen und ihn in Bewegung zu setzen. Der Vorteil der Sensoren ist, dass ein höheres Anfahrmoment erreicht wird, da der Motor immer sofort kraftvoll anlaufen kann.
Unterschiede zum Direktläufer:
So gut wie alle Getriebemotoren besitzen einen Freilauf, sodass Sie beim Fahren ohne elektrische Unterstützung keinen Bremseffekt aufweisen. Die Fähigkeit zur Rekuperation geht dabei jedoch verloren.
Durch den komplizierteren Aufbau benötigt der Getriebemotor mehr Teile als der Direktläufer, wodurch er anfälliger für Ausfälle sein kann. Abhängig von der Qualität der Herstellung kann ein Getriebemotor im Betrieb lauter sein als ein Direktläufermotor.
| Merkmal | Direktläufer | Getriebemotor |
|---|---|---|
| Freilauf | Meist keinen Freilauf | Meist einen Freilauf |
| Rekuperation | Möglich (wenn kein Freilauf) | Nicht möglich (wenn Freilauf) |
| Aufbau | Weniger Teile | Mehr Teile |
| Robustheit | Robuster | Anfälliger |
| Bauweise | Außenläufermotor | Planetengetriebe |
Vor- und Nachteile des Nabenmotor Nachrüstsatzes
Vorteile
- Elektrofahrrad Nachrüstsätze mit Nabenmotoren sind zuverlässig und wartungsarm.
- Anders als bei Mittelmotoren tritt kein erhöhter Verschleiß der Antriebskomponenten auf (Kette, Ritzel etc.).
- Zusätzlich zeichnen sich diese Elektromotoren durch ein niedriges Gewicht und einen geringen Rollwiderstand aus.
- Direktläufermotoren erlauben außerdem eine reichweitenerhöhende Energierückgewinnung (Rekuperation) und schonen dabei die mechanischen Bremsen.
- Mit den passenden Controllern sind sie teilweise unhörbar leise, extrem langlebig und kurzzeitig sehr stark belastbar.
- Darüberhinaus kann so gut wie jedes Fahrrad mit einem Nabenmotor ausgerüstet werden und bei der Anzahl der Kettenblätter müssen keine Abstriche gemacht werden.
Nachteile
- Das Pedelec sowie auch das E-Bike Kit mit einem Nabenmotor enthält mehr Komponenten, wodurch der Umbau zum Elektrofahrrad etwas zeitaufwendiger wird.
- Mit einem Nabenmotor Antrieb sind am Fahrrad auch nicht alle Schaltungen möglich, so wie beim Mittelmotor Antrieb.
- Es kommt jedoch auch immer darauf an, ob der Motor im Vorderrad oder im Hinterrad eingebaut ist. Die beiden Antriebsarten unterscheiden sich in einigen Eigenschaften wie z.B. Gewichtsverteilung und Umbaukomplexität.
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