E-Bike Reibrad Nachrüsten: Ein umfassender Test

Der E-Bike-Markt erlebt ständige Innovationen und Entwicklungen. Eine interessante Alternative zu herkömmlichen Mittelmotoren bieten Reibradmotoren, die eine einfache Möglichkeit darstellen, ein Fahrrad in ein E-Bike umzuwandeln.

Velospeeder: Eine innovative Lösung aus Köln

Das Kölner Duo Velogical hat mit dem Velospeeder einen Reibradmotor entwickelt, der wie ein Dynamo an der Radfelge angedrückt wird. A. Ogando, einer der Köpfe hinter Velogical, beschreibt das System als durchdacht und wissenschaftlich fundiert.

Der Velospeeder wurde mit dem Bundespreis Ecodesign für sein nachhaltiges und zukunftsweisendes Design ausgezeichnet. Das System basiert auf Wissenschaft und ist als Nachrüstlösung origineller als das, was es bisher gab.

Technische Details des Velospeeders

Der Motor ist mit 500 Gramm sehr leicht und liefert dennoch 230 Watt Leistung und ein maximales Drehmoment von 40 Newtonmetern. Über einen Schalter am Lenker wird der Motor per Drahtzug an die Felge gepresst.

Gleich beim ersten Anfahren fangen Simon und ich an zu staunen. Mit soviel Schub haben wir nicht gerechnet. Aus staunen wird lachen: Der Velospeeder begeistert uns schnell.

Auf ebener Fahrbahn gibt es nichts zu bemängeln. Der Custom-Sinus Controller steuert den Antrieb der Bikes ohne Ausfälle und wir lassen uns gemütlich den Rhein entlang schieben.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen: Am Berg oder bei steil ansteigenden Straßen zeigt der Velospeeder ein durchwachsenes Ergebnis. Eine gewisse Minimalgeschwindigkeit und Trittfrequenz sind erforderlich, damit der Motor reagiert. Auch das Drehmoment des Motors ist für solche Fahrten relativ gering.

Vor- und Nachteile des Velospeeders

  • Vorteile:
    • Unauffälliges Design
    • Gute Leistung auf ebener Strecke
    • Geringes Gewicht (unter 2 kg)
    • Schont Kette und Ritzel
    • Motor komplett vom Rad lösbar
  • Nachteile:
    • Keine verschiedenen Unterstützungsstufen wählbar
    • Zusätzliche Kabel und Züge stören die Optik
    • Leistung am Berg ausbaufähig

Die Akkus für die Reibringmotoren sind mit einer Kapazität von 95, 193 oder 322 Wattstunden erhältlich. Der Reibring hält bis zu 10 000 Kilometer, bevor er für einen geringen Preis ausgetauscht werden muss.

Das Komplettsystem kostet zwischen 1400 und 1800 Euro und kann an fast allen Fahrrädern montiert werden, von Mountainbikes über Trekkingräder bis hin zu Tandems.

Alternativen zum Velospeeder: Swytch und Zipforce

Neben dem Velospeeder gibt es weitere interessante Nachrüstsets, wie Swytch und Zipforce. Beide Systeme bieten eine gute Möglichkeit, ein vorhandenes Fahrrad in ein E-Bike zu verwandeln.

Swytch Max

Das Swytch-Kit besteht aus einem Vorderrad mit Nabenmotor und einem kleinen Akku am Lenker. Das Swytch in der Version Max mit nur exakt 1012 Gramm schwerem Akku sorgt für eine „elektrische“ Reichweite von rund 30 Kilometern und verwandelt das Analograd wirklich in ein echtes Pedelec.

Mit dem aufpreispflichtigen Bedienteil am Lenker kann man zwischen fünf Unterstützungsstufen wählen, die höchste ist zwar nicht als Alpenbezwinger ausgelegt, schafft aber locker sanfte bis mittlere Steigungen.

Weil der Vorderradmotor praktisch keinerlei Widerstand leistet, fährt sich das Rad jenseits der gesetzlich vorgeschrie­benen Unterstützungsgrenze von 25 km/h und mit ausgeschaltetem Motor exakt so wie vor dem Umbau, auch akustisch - ein echter Vorteil gegenüber dem Konkurrenten aus Schweden.

Zipforce Distance

Das Zipforce Distance, das aus einem 250‑Watt-Motor mit integriertem 350-Wattstunden-Akku besteht und gerade mal 2,9 Kilo wiegt, wird vorn oder hinten über dem Reifen montiert.

Im Fall des Testfahrrads war sogar ein neuer Mantel fällig, weil das ursprüngliche Offroad-Pneu und die Reibrolle ganz und gar nicht zusammenpassten und sehr unschöne Geräusche produzierten. Über ein kleines Drehrad lässt sich die Unterstützung stufenlos erhöhen, wer mag, kann das auch per App über das am Lenker befestigte Smartphone erledigen.

Die Kraft des Antriebs entspricht in etwa der des Swytch-Motors: sehr knackig in der Ebene, hilfreich am (nicht zu steilen) Berg.

Technische Daten im Vergleich

Die folgende Tabelle vergleicht die technischen Daten von Zipforce Distance und Swytch Max:

Merkmal Zipforce Distance Swytch Max
Antrieb Reibrollenantrieb vorn oder hinten Vorderrad-Nabenmotor
Gewicht 2900 Gramm 1012 Gramm (Akku)
Leistung 250 Watt 250 Watt
Akku 350 Wh 180 Wh
Reichweite ca. 30-70 km ca. 30 km
Höchstgeschwindigkeit 25 km/h 25 km/h

Rubbee: Ein weiterer Reibrollenantrieb

Obwohl die Reibrolle bei vielen E-Bike-Fans keinen guten Ruf genießt, hat Rubbee mit seinem Reibrollenantrieb einen Gegenentwurf gewagt und war erfolgreich. Der Umbausatz ist einfach zu montieren und wieder abzunehmen.

Das Basismodul wiegt ca. 2,8 kg und kommt mit einer Power von 250 W daher. Laut Hersteller soll dadurch eine Geschwindigkeit von 25 km/h für 16 km Reichweite möglich sein. Die Akkuladezeit von 1 Stunde ist ebenfalls etwas für den täglichen, leichten Gebrauch.

Vor- und Nachteile des Rubbee X

  • Vorteile:
    • Einfache Montage
    • Leicht abnehmbar
    • Günstiger Preis
  • Nachteile:
    • Kein Gepäckträger oder Schutzblech am Hinterrad möglich
    • Weniger effizient (besonders bei Regen)
    • Akkulaufzeit nur für Pendler und Kurzdistanzen geeignet

Allgemeine Überlegungen zur E-Bike Nachrüstung

Ein E-Bike Umbausatz kann eine nachhaltige Option sein, um ein vorhandenes Fahrrad in ein E-Bike zu verwandeln. Allerdings sollte man beachten, dass die Montage nicht immer einfach ist und handwerkliches Geschick erfordert.

Verschiedene Antriebsarten

  • Mittelmotor: Befindet sich unter oder auf dem Tretlager und bietet eine unproblematische Gewichtsverteilung.
  • Heckmotor: Am Hinterrad platziert und besonders effektiv beim Antritt.
  • Frontmotor: Im Vorderrad integriert.
  • Reibrollenantrieb: Eine Rolle am Hinterrad oder Vorderrad erzeugt durch Reibung die Antriebshilfe.

Wichtige Komponenten und Aspekte

  • Motor: Die Effizienz und Position des Motors beeinflussen das Fahrgefühl.
  • Akku: Die Kapazität des Akkus bestimmt die Reichweite.
  • Montage/Kompatibilität: Wie einfach ist der Einbau und wo sitzen Motor und Akku?
  • Preis: Ein teures Produkt ist nicht immer effizienter oder einfacher zu montieren.

Sicherheitsaspekte

  • Fahrradhelm: Erhöht die Sicherheit bei höheren Geschwindigkeiten.
  • Versicherungen: Ein Umbausatz erhöht den Wert des Fahrrads.
  • Wartung: Regelmäßige Wartung ist für langfristigen Fahrspaß unerlässlich.
  • StVO beachten: Die Straßenverkehrsordnung muss eingehalten werden.

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