Ein E-Bike ist eine wertvolle Investition, die es vor Diebstahl zu schützen gilt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Fahrradschloss-Typen, Sicherheitsmerkmale und aktuelle Tests, um Ihnen die Wahl des richtigen Schlosses für Ihr E-Bike zu erleichtern.
Diebstahl von E-Bikes: Eine wachsende Gefahr
Leider sind Fahrraddiebstähle keine Seltenheit. Organisierte Banden haben es vermehrt auf E-Bikes abgesehen, um sie ins Ausland zu verkaufen. Umso wichtiger ist es, in ein hochwertiges Schloss zu investieren, das Dieben möglichst lange Widerstand leistet.
Es geschah am helllichten Tag: Am Großparkplatz mit unzähligen Radständern vor dem Kino sperrten zwei Nachbarsbuben ihre Fahrräder für den Kinobesuch ordentlich ab. Der Schmerz war groß. Stünden die beiden Fahrräder noch da, wenn hochwertige Schlösser zum Einsatz gekommen wären? Möglicherweise!
Die Wahl des richtigen Schlosses
Um herauszufinden, welches Schloss sich für mein und mein Rad eignet, gilt es zunächst zu überlegen, wo ich mein Lieblingsgefährt in der Regel abstelle, also die abstrakte Frage nach der potentiellen Gefahrenlage. Sicherlich nimmt im Rahmen der Diebstahlstatistik der Gelegenheitsdiebstahl einen sehr großen Raum ein.
Erfahrungen der Polizei sowie des ADFC zeigen, dass sich professionelle Diebe meist nur drei Minuten Zeit nehmen, um ein abgeschlossenes Fahrrad zu attackieren. Je länger der Vorgang dauert, desto größer steigt die Gefahr, von Außenstehenden als Dieb entlarvt zu werden. Dann lieber weg zum nächsten Objekt.
Faustformel für den Preis des Schlosses
Eine ältere Faustformel besagt: Der Preis des Schlosses sollte etwa zehn Prozent des Fahrrad-Neupreises betragen. Das gilt so für E-Bikes nicht mehr, kosten die doch gut und gerne 4000 Euro und mehr. Wer sein Rad regelmäßig an Plätzen parken muss, an denen viel geklaut wird, sollte selbst ein günstiges, gebrauchtes Fahrrad mit einem hochwertigen Schloss absichern. Besser sogar mit zwei verschiedenen Schlössern.
Verschiedene Schlosstypen im Vergleich
Die Schlossindustrie bietet eine Vielzahl von Schlössern an. Stiftung Warentest hat 19 verschiedene Fahrradschlösser geprüft - und teilweise geknackt. Welche Schlösser am besten abschnitten. Der Kunde muss sich zuerst fragen, welche Form das Schloss haben soll. Unterschieden wird zwischen Bügelschloss, Kettenschloss, Faltschloss und Kombi-Schloss.
Hier ist ein Überblick über die gängigsten Schlosstypen:
- Kabelschlösser: Diese Schlösser sind leicht, einfach zu handhaben und flexibel. Allerdings bieten sie in der Regel nur einen sehr geringen Schutz und sind eher Wegfahrsperren als echte Sicherheitsschlösser.
- Panzerkabelschlösser: Besser sind hier Panzerkabelschlösser, bei denen das Stahlseil zusätzlich von einer Stahlhülle ummantelt ist. Diese wird zusätzlich durch eine feste Textil- oder robuste Kunststoffschicht geschützt.
- Bügelschlösser: Bügelschlösser aus gehärtetem Stahl genießen den Ruf, am schwersten knackbar zu sein, haben aber den Nachteil, dass sie unhandlich zu transportieren sind und konstruktionsbedingt durch den festen Bügel nur einen begrenzten Schließraum ermöglichen. Sie gelten als praktisch aufbruchsicher, da an den dicken Stahlbügeln auch Bolzenschneider scheitern.
- Faltschlösser: Wesentlich flexibler, wenn auch nur zweidimensional, sind Faltschlösser, deren Prinzip vom Meterstab herrührt. Sie sind leicht und lassen sich gut am Rahmen befestigen. Der Haken: Mit einem Winkelschleifer sind sie leicht zu knacken.
- Kettenschlösser: Kettenschlösser kombinieren gewissermaßen Bügel- mit Kabelschlössern. Statt eines Stahlkabels steckt in ihrem Innern allerdings eine stabile Stahlkette. Dadurch sind sie so flexibel wie ein Kabel-, zugleich aber so aufbruchsicher wie ein Bügelschloss.
- Smart-/Alarmschlösser: Diese Modelle sind relativ neue Schlösser, bekannt als Smartschlösser, die eine Smartphone-App erfordern und sich automatisch verriegeln bzw. entriegeln sollen.
Vor- und Nachteile der einzelnen Schlosstypen
Bügelschlösser gelten als sicher und sind relativ leicht, aber für die meisten Laternen zu klein. Kettenschlösser hingegen sind lang, können sogar um Bäume reichen und sind im Test auch teilweise sehr aufbruchssicher, dafür aber mit zwei bis drei Kilo recht schwer. Auch bei Faltschlössern müssen Radler Kompromisse eingehen. Sie sind leicht und lassen sich gut am Rahmen befestigen. Der Haken: Mit einem Winkelschleifer sind sie leicht zu knacken. Kombischlösser kombinieren Kette mit einem textilummantelten Gurt. Diese Art von Schlössern ist teuer.
Testergebnisse und Empfehlungen
Im Faltschloss Test 2025 besitzen alle 19 von uns getesteten Schlösser einen Rahmenhalter fürs Fahrrad und finden, anders als die sperrigen Bügelschlösser, leicht an den Flaschenhaltermontagepunkten, platzsparend in der Packtasche oder im Rucksack Platz. Entfaltet entwickeln unsere Testteilnehmer eine Länge zwischen 75 und 110 Zentimeter. Mit einer Länge von 75 cm ist das Rose Lock Maxx FL 75 das kürzeste im Test, das längste stellte Fischer mit seinem Protec Plus FK110.
Testsieger mit einer Gesamtnote von 1,2 wurde das Bügelschloss Abus Granit Super Extreme 2500 für stolze 300 Euro und einem Gewicht von knapp 2,5 Kilogramm. Sechs Trennscheiben eines Winkelschleifers brauchten die Tester, um es zu knacken. "Guten" Schutz gibt es aber auch günstiger, zum Beispiel mit dem Kettenschloss 920 Art3 von Decathlon für 60 Euro und einem Gewicht von 3,2 Kilo.
Hier eine Auswahl von Schlössern, die in Tests gut abgeschnitten haben:
- AXA Linq: Sehr gute Aufbruchsicherheit, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Abus Bordo Granit XPlus 6500: Hohe Flexibilität beim Abschließen, schwer mit Bolzenschneider zu öffnen.
- Abus Granit X-Plus 540: Leicht und robust, Halterung für einfachen Transport.
- Impact FlexLock: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Eine der klaren Aussagen unseres Tests: Auch preisgünstige Schlösser, wie Crivits Folding Bike Lock für 19,99 Euro, können einen erhöhten Diebstahlschutz bieten.
Tabelle: Empfohlene Fahrradschlösser
| Fahrradschloss | Typ | Note | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|
| AXA Linq | Kettenschloss | Sehr gut | 47,74 € |
| Abus Bordo Granit XPlus 6500 | Faltschloss | Gut | 150,59 € |
| Abus Granit X-Plus 540 | Bügelschloss | Gut | 84,99 € |
| Impact FlexLock | Faltschloss | Gut | 59,95 € |
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen
„Abschließen“ beschreibt den korrekten Vorgang der Sicherstellung seines abgestellten Fahrrades oder E-Bikes unzureichend. Das Schloss sollte möglichst weit oben angebracht werden, um kein Widerlager am Boden zu bieten. Umschlossen sollte auf jeden Fall der Rahmen werden, ein einzelnes Laufrad bietet wenig Schutz. Das Abstellen an hellen und gut einsehbaren Plätzen ist ebenso ein Muss, um es Langfingern schwer zu machen.
Codierung und GPS-Tracking
Wer will, kann sein Rad codieren lassen - etwa bei Polizei, ADFC oder Code-No.com. Stiftung Warentest rät dazu, das Rad mit einer sogenannten "Eigentümer-Identifizierungsnummer" (EIN-Code) zu codieren. Die wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, der Polizei und teils auch von Fahrradhändlern in den Rahmen gefräst, um ein geklautes Rad einem Eigentümer zuordnen zu können.
Beim E-Bike bieten Fahrrad- und Komponentenhersteller wie Stromer, Bosch und andere elektronische und mechanische Wegfahrsperren sowie GPS-Tracking an.
Tipps zur richtigen Anwendung des Fahrradschlosses
Selbst das beste Schloss ist nur so gut, wie es eingesetzt wird. Folgende Verhaltensregeln sollte man beherzigen:
- Abschließen: Ganz gleich, wie kurz Sie Ihr Rad unbeaufsichtigt lassen - ist Ihr Rad nicht abgeschlossen, braucht ein Dieb nur Sekunden, um damit zu verschwinden.
- Anschließen: Abschließen ist gut, anschließen ist besser: Schließen Sie Ihr Rad möglichst immer an einen festen Gegenstand an (etwa einen Laternenpfahl oder ein Straßenschild). Andernfalls packt der Dieb Ihr abgeschlossenes Rad einfach auf einen Transporter.
- Durchschließen: Das Schloss sollte immer Rad und Rahmen verbinden. Sonst montiert der Dieb einfach rasch das abgeschlossene Vorder- bzw. Hinterrad aus und nimmt Ihr Rad mit.
- Sichtbar bleiben: Je abgelegener und versteckter Ihr Fahrrad abgestellt ist, desto reizvoller wird es für Diebe. Wann immer möglich, sollten Sie Ihr Rad gut sichtbar auf einem belebten Platz abstellen, am besten in erhöhter Position (was allerdings nur selten möglich ist). Vermeiden Sie nach Möglichkeit dunkle Hofeingänge oder schlecht einsehbare Seitenstraßen.
- Doppelt schließen: Wenn Sie Ihr Rad für längere Zeit unbeaufsichtigt draußen stehen lassen müssen, sollten Sie nach Möglichkeit zwei Schlösser einsetzen. Da viele Diebe auf einen speziellen Schlosstyp spezialisiert sind, ist es eine gute Idee, zwei Schlösser unterschiedlichen Typs zu benutzen, etwa ein Panzerketten- und ein Bügelschloss.
Haltbarkeit und Pflege
Wie bereits beim Bügelschlosstest 2021 prüften wir die Korrosionsfestigkeit in der Salzsprühnebelkammer im Testlabor velotech.de in Schweinfurt. Velotech simulierte den Alltagseinsatz im Zeitraffer. Alle Schlösser wurden 96 Stunden lang korrosivem Salzsprühnebel ausgesetzt. Im Anschluss überprüften wir die übriggebliebene Funktionalität: Alle 19 Schlösser waren weitgehend unversehrt und voll funktionsfähig.
Stiftung Warentest rät Verbrauchern, das Schloss zu pflegen. Mit speziellen Pflegesprays ließen sich die Schließzylinder dauerhaft vor Schmutz schützen.
Verwandte Beiträge:
- Günstige E-Bikes für Damen: Top Modelle im Preisvergleich
- E-Bike Funktionsweise: Technik, Komponenten & Tipps
- Big Bike Laufrad: Test & Vergleich der besten Modelle
- E-Bike Dreirad mit Mittelmotor: Komfort und Sicherheit für Senioren
- E-Bike vs. Pedelec: Der entscheidende Unterschied, den jeder kennen muss!
- MO Motorrad Magazin Testberichte – Die besten Bikes im ultimativen Check!
Kommentar schreiben