E-Bikes erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie ermöglichen bequeme Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen und halten fit. Auch längere Radtouren werden dank der unterstützenden Technik mühelos bewältigt. Es ist daher kein Wunder, dass die elektronischen Fahrräder so begehrt sind.
Allerdings sind E-Bikes nicht nur in der Anschaffung teurer als herkömmliche Räder, sondern benötigen auch eine spezielle Pflege. Fahrradwerkstätten bieten in der Regel die notwendigen Wartungen und Inspektionen an. Aber ist es zwingend erforderlich, diese in Anspruch zu nehmen? Und wenn ja, wie oft und welche Kosten sind damit verbunden? Stephan Behrendt, Technik-Experte des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in NRW, beantwortet die wichtigsten Fragen.
Wartungsintervalle und Notwendigkeit
Keine Pflicht, aber empfehlenswert
„Nein, eine Pflicht besteht nicht“, sagt Behrendt. „Die gibt es ja beim eigenen Auto auch nicht. Aber eine jährliche Inspektion ist sinnvoll!“ Allein schon für die eigene Sicherheit. Komponenten wie hydraulische Felgenbremsen oder Scheibenbremsen müssen einwandfrei funktionieren, damit es nicht zu gefährlichen Unfällen kommt. Schließlich ist ein Pedelec schwerer und man ist mit höherer Geschwindigkeit unterwegs. Außerdem habe man weniger Probleme bei Gewährleistungsfällen, weiß der Experte.
Verschleiß und Laufleistung
„Zudem haben E-Bikes einen höheren Verschleiß als normale Fahrräder, weil sie in der Regel mehr Kilometer fahren und ein höheres Gewicht haben“, erklärt Behrendt. Spätestens nach 2.000 Kilometern sollte man in einer Werkstatt vorbeischauen.
Übrigens: Wie bei Autos gibt es auch für E-Bikes ein Scheckheft. Wer das nicht hat, sollte die Quittungen der Inspektionen aufbewahren.
Ausnahme: Leasingräder
Inzwischen bieten viele Firmen ihren Mitarbeitern in Kooperation mit entsprechenden Leasingfirmen Rad-Leasingangebote auch mit integriertem Reparaturkostenschutz an. Beim Leasing ist eine Inspektion einmal im Jahr vorgeschrieben, sonst drohen Strafzahlungen. In manchen Fällen trägt sogar der Arbeitgeber die Kosten für diese Aufwendungen.
Auch private E-Biker sollten auf jeden Fall eine jährliche Inspektion vornehmen.
Umfang einer E-Bike-Inspektion
Was wird geprüft?
„Dort werden dann eine Kontrolle des Batterie-Management-Systems durchgeführt, der Akku überprüft und Software-Updates aufgespielt“, sagt Behrendt. Beides ist wichtig, denn: „Defekte Zellen im Akku oder mechanische Beschädigungen erhöhen die Brandgefahr, das kann mit dieser Überprüfung und den Tests und Updates verhindert werden.“
Nicht immer ist für Kunden ersichtlich, welchen Umfang eine E-Bike-Inspektion hat. Deshalb sollte eine schriftliche Auftragsannahme mit den vereinbarten Arbeiten stattfinden.
Überprüft werden sollten neben dem Antriebssystem auf jeden Fall die Festigkeit von Vorbau und Lenker, Funktion und Verschleiß der Bremsen.
Ablauf in der Werkstatt
Die Werkstätten lesen über den Diagnosestecker zunächst Fehlercodes aus. „Bei billigen Modellen aus China wird es übrigens mangels Diagnosesoftware schwierig mit Updates und Ersatzteilen. Das sollte man schon beim Kauf wissen“, sagt Experte Behrendt.
Achtung: Nicht jede Werkstatt händigt ihren Kunden das Protokoll eines Software-Updates aus, so die Erfahrung des Experten. Will man die Dokumentation haben, sollte man das vor der Inspektion klären.
Checkliste einer E-Bike Inspektion:
- Software: Überprüfung und Aktualisierung zur Verbesserung der Interaktion zwischen Akku und Motor.
- Eingebaute Elektronik: Kontrolle von Akku, Display, Ladegerät und Verkabelung.
- Beleuchtung: Überprüfung und ggf. Austausch oder Reparatur.
- Schaltung: Überprüfung der Einstellung und Zustand der Kabel.
- Riemen und Kette: Prüfung auf Spannung und Verschleiß.
- Tretlager: Überprüfung der Funktionalität.
- Räder und Speichen: Kontrolle auf einwandfreie Funktion und Unregelmäßigkeiten.
- Bremssystem: Bewertung des Verschleißes und ggf. Austausch der Bremsbeläge.
Nach der Inspektion
Bei der Abholung nach der Inspektion sollte man prüfen, ob die Bremsen auch wirklich gut verzögern. Bremsbeläge müssen nicht unbedingt ausgetauscht werden, aber man sollte nachhorchen, wenn die Werkstatt auf den Austausch verzichtet hat.
In einer guten Werkstatt erläutern Mitarbeiter, welche Mängel bei der Inspektion sonst noch aufgefallen ist. Auf eines macht der ADFC-Experte aufmerksam: „Man kann man diese Tests nicht selbst durchführen.“ Der Gang in die Werkstatt ist also unumgänglich.
Kosten einer E-Bike-Inspektion
„Mit etwa 80 Euro inklusive Software-Update muss man rechnen. Da sind aber noch nicht das Material und die Arbeitszeit für einen eventuell nötigen Teiletausch drin.“ Dennoch sollte einem die eigene Sicherheit das schon wert sein. Außerdem dient ein regelmäßiger Check der Langlebigkeit des E-Bikes und erhöht den Wiederverkaufswert.
Die Kosten für die Inspektion deines E-Bikes hängen davon ab, was genau gemacht werden muss. Wenn beispielsweise deine Bremsbeläge ausgetauscht werden müssen, liegen die Kosten zwischen 35 und 75 Euro. Im Durchschnitt kannst du für eine Wartung mit Kosten zwischen 45 und 90 Euro rechnen - ohne Ersatzteile.
Es ist ratsam, vor der Inspektion Kostenvoranschläge einzuholen und die Dienste von zertifizierten Fachwerkstätten in Anspruch zu nehmen, um sicherzustellen, dass die Inspektion professionell und zu fairen Preisen durchgeführt wird.
Wartung in Eigenregie
Regelmäßige Reinigung
Das gesamte Rad inklusive Rahmen, aber auch Akku und Elektronik, sollten in regelmäßigen Abständen sanft gereinigt werden. Wasser sollte aber nicht an Akku und Elektronik kommen, diese Teile also vorher abdecken.
Der Hochdruckreiniger ist dabei tabu, vorsichtige Handarbeit oder eine Handbrause ist angesagt.
Kettenpflege
Die Fahrradkette eines E-Bikes sollte regelmäßig geölt werden. Dafür erst altes Öl und Dreck mit Bürste und Lappen aus den Ritzeln entfernen, dann das neue Öl auf die Kette bringen. Dieses am besten vorne am Motor auftragen, damit kein Öl in die Bremsen gelangt. Nach dem Ölen die Kette ein paarmal durch einen Lappen laufen lassen, dabei auch durch die Gänge schalten. Beim Riemenantrieb entfällt diese Reinigung.
Tipps für Herbst und Winter
„Es gilt wie beim normalen Bike: Feuchtes Salz ist tödlich. Also nach der Tour das Rad möglichst abwaschen und abtrocknen. Den Akku nicht im kalten Keller oder der kalten Garage lassen, sondern mit in die Wohnung nehmen“, sagt Behrendt.
Räder, die den Akku fest verbaut haben, sollten nie in eisiger Kälte gelagert oder geladen werden. Der Akku könnte dadurch Schaden erleiden. Abnehmbare Akkus sollte man deshalb nach der Fahrt entnehmen.
Zusammenfassung
E-Bikes haben einen höheren Verschleiß als mechanische Fahrräder, da sich mehr Masse bewegt - und dies oft über längere Strecken. Der Motor ist das Herz und das gravierendste Unterscheidungsmerkmal zum normalen Fahrrad. Funktioniert er nicht, verliert das E-Bike seinen Vorteil.
E-Bikes, die bis 25 km/h unterstützen, gelten als Fahrräder und müssen nicht zum TÜV. Es ist dennoch sinnvoll, auch ihre Funktionstüchtigkeit regelmäßig von einem Fachmann überprüfen und das E-Bike professionell warten zu lassen. So vermeidest du unnötige Pannen und hast länger Freude an deinem Pedelec.
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