E-Bike Wartung: Tipps für eine lange Lebensdauer

Biken ist ein materialintensiver Sport. Mit Motor noch viel mehr als ohne. Deshalb sollte man in kleineren und größeren Abständen checken, welcher Verschleiß am Material zu erkennen ist. Eine gute Wartung des E-Bikes sorgt dafür, dass du länger Freude an deinem E-Bike hast. Außerdem fährt sich ein gut gewartetes E-Bike viel besser und die Wahrscheinlichkeit einer Panne ist geringer.

Wie oft sollte man eine E-Bike Inspektion durchführen lassen?

In welchem Zeitintervall Radfahrerinnen und Radfahrer eine Fachwerkstatt aufsuchen, um ihr E-Bike auf Herz und Nieren durchchecken zu lassen, ist ihnen selbst überlassen, denn eine gesetzliche Pflicht zur E-Bike-Inspektion existiert nicht. Fahrradhersteller empfehlen für ihre E-Bikes häufig mindestens eine Inspektion pro Jahr, idealerweise vor oder zum Saisonstart im Frühjahr. In zurückgelegten Distanzen ausgedrückt: mindestens alle 4.000 Kilometer, besser zwischen 2.000 und 3.000 Kilometern.

Der Verschleißgrad ist indes stark abhängig von den Witterungsverhältnissen. E-Bikes, die ganzjährig gefahren werden, auch bei Regen und Schnee, werden deutlich stärker strapaziert. In diesen Fällen raten Experten sogar zu einer zusätzlichen, zweiten E-Bike-Inspektion vor Wintereinbruch. Es gibt eine Ausnahme zu diesem jährlichen beziehungsweise halbjährlichen Intervall: Die erste Inspektion nach dem E-Bike-Kauf sollte schon nach den ersten 500 Kilometern erfolgen. Eventuell ist diese sogar an eine etwaige Garantieleistung gebunden. Und oft ist die erste Inspektion auch im Kaufpreis enthalten.

Was kostet eine professionelle E-Bike Inspektion?

Die Kosten für eine professionelle E-Bike-Inspektion in einer Fachwerkstatt variieren und sind vor allem abhängig vom Leistungsumfang und von gegebenenfalls notwendigen Reparaturen sowie von der Beschaffung von Bauteilen, Komponenten und sonstigen Verschleißteilen. E-Bike-Inspektionen werden fast immer als Paketpreis angeboten: Rechne grundsätzlich mit reinen Inspektionskosten von mindestens 80 Euro, sehr wahrscheinlich wird der tatsächliche finanzielle Aufwand höher liegen, erfahrungsgemäß zwischen 100 und 150 Euro.

Was wird bei einer E-Bike Wartung geprüft?

Bei einer E-Bike-Inspektion werden die mechanischen und elektronischen Komponenten überprüft. Der Umfang der Kontrolle kann von Werkstatt zu Werkstatt variieren. Neben der Überprüfung von Antrieb, Laufrädern, Reifen und Lichtanlage ist der Bremsencheck unerlässlich. Genauso wichtig wie der Bremsencheck ist beim E-Bike die Überprüfung von Motor, Akku und Display. Die geschulten Werkstätten lesen über spezielle Diagnosegeräte und Diagnosestecker Fehlercodes aus, nehmen notwendige Anpassungen und Software-Updates der elektronischen Antriebseinheit vor. Zusätzlich werden interne und externe Sensoren geprüft.

Wichtige Prüfungspunkte bei der E-Bike-Inspektion, auf welche die Fahrradwerkstatt achten sollte:

  1. Rahmen und Gabel
    • Sichtprüfung auf Korrosion, Verformungen und Risse
    • Kontrolle der Schweißnähte
    • Gabel: Sichtprüfung auf Korrosion, Verformung und Risse
    • Kettenflucht kontrollieren
  2. Lenker und Vorbau
    • Vorbau: Einstecktiefe, Fettung, Befestigung, Klemmungen und Verschraubungen prüfen
    • Lenker: Sichtprüfung auf Verformung und Risse; Lenkerband und Griffe kontrollieren
    • Spiel des Steuersatzes prüfen
  3. Reifen und Laufräder
    • Vorder- und Hinterradreifen: Luftdruck prüfen; allgemeinen Zustand, Risse, Rundlauf, Profiltiefe und Verschleiß kontrollieren
    • Laufräder vorn und hinten: Nabenprüfung; Einbaulage, Speichenspannung, Achsengewinde und Rundlauf kontrollieren
  4. Bremsen
    • Vorderradbremse: Bremskörper, Bremssattel und Bremsscheibe prüfen; Beläge kontrollieren
    • Hinterradbremse: Bremskörper, Bremssattel und Bremsscheibe prüfen; Beläge kontrollieren
    • Bremszüge: Beschädigung, Leichtgang und Bremsleistung kontrollieren
    • Hydraulik: Dichtheit und Bremsflüssigkeit
  5. Schaltung
    • Schaltzüge: Beschädigung und Leichtgängigkeit
    • Anschlag des Umwerfers
    • Schaltwerk: Endanschläge und Zugspannung
  6. Antrieb (mechanisch)
    • Kette: Spannung, Länge und Verschleiß prüfen
    • Kassette: Verschleiß und Verschraubungen
    • Tretlager: Kurbel und Kettenblatt; Tretlager-Rundlauf
  7. Antrieb (elektrisch)
    • Akku: Prüfung auf äußere Beschädigung
    • Verkabelung: Funktionsprüfung und Wartung von Steckern, Kabeln und Kontakten
    • Steuerung: Funktionsprüfung der Unterstützung und Steuerung, ggf. Software-Updates
    • Display: Sicht- und Funktionsprüfung
  8. Licht
    • Verkabelung: Beschädigungen
    • Vorder- und Rücklicht: Ausrichtung und Befestigung
  9. Sonstiges
    • Gepäckträger: Sichtprüfung auf Verformungen, Risse und Verschleiß
    • Parkstütze: Funktion, Leichtgängigkeit und allgemeinen Zustand prüfen
    • Klingel: Funktionsprüfung

Regelmäßige E-Bike Pflege in Eigenregie

Versierte Schrauber können mechanische Verschleißteile wie beim herkömmlichen Fahrrad selbst austauschen. Doch die Wartung von Motoren und Akkus solltest du in jedem Fall besser einem Experten überlassen.

Reinigung

Die beste Wartung hilft nichts, wenn das E-Bike nicht gepflegt wird: Zum Reinigen von Motor sowie Antrieb empfehlen wir spezielle Fahrradpflegemittel aus dem Fachhandel, die wichtige Dichtungen und Kunststoffe am Fahrrad nicht angreifen. Besonders nach Schmutz- und Regenfahrten solltest du dein E-Bike mit Putztuch, Wasser und Reinigungsmittel von Schmutz befreien, um Korrosion zu verhindern. Entferne hierfür den Akku und möglicherweise auch das Display.

Ganz wichtig: Verwende zum Reinigen niemals einen Hochdruckreiniger, da andernfalls Wasser in die Lagerungen von Motor, Naben und anderen Komponenten eindringen und zu irreparablen Schäden führen kann.

Akku-Pflege

Die Akku-Pflege ist für eine effiziente Versorgung des E-Bikes mit Strom von großer Bedeutung. Um die Lebensdauer des Akkus zu verlängern, raten alle Experten dazu, Lithium-Ionen-Akkus niemals komplett zu entladen. Ebenso sollten extreme Hitze sowie Kälte vermieden und stets nur das Original-Ladegerät verwendet werden. Wird das E-Bike länger nicht gefahren, entnimm idealerweise den Akku und lagere ihn kühl und trocken.

Viele Hersteller geben dezidierte Hinweise zur Lagerung und Pflege ihrer Energiespeicher. Zum Beispiel empfiehlt Motorenhersteller Bosch bei längerer Lagerung:

  • Lagere den Akku bei einem Ladezustand von 30 bis 60 Prozent.
  • Lagere den Akku bei Raumtemperatur in einem trockenen Raum.
  • Lagere den Akku nicht in der Nähe von brennbaren oder leicht entflammbaren Gegenständen.
  • Lagere den Akku in einem Raum mit installiertem Rauchmelder.

Die ideale Temperatur zur Lagerung des E-Bike-Akkus liegt zwischen 10 und 20 Grad. Du solltest den Akku vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und ihn bei Zimmertemperatur aufladen, wenn das Außenthermometer Temperaturen um den Gefrierpunkt anzeigt.

7 Basic-Pflegetipps für die E-Bike Wartung

  • Akkus: Die Akkus am besten halb geladen überwintern lassen - bei Zimmertemperatur, wenn möglich. Ladestand zwischendurch checken. Ab 30 % nachladen bis auf 60 %.
  • Kontakte: Trockenreiben und schauen, ob die Kontakte blank sind. Zum Flottmachen: angegriffene Kontakte mit Kontaktspray einsprühen. Als Korrosionsschutz dient Vaseline oder Polschutzfett.
  • Dampfstrahler: Nur die Reifen lassen sich damit gefahrlos reinigen. Elektrik und Lager nehmen hingegen Schaden, wenn Wasser eindringt. Vor allem die Motorelektronik, denn sie liegt hinter den Dichtungen des Tretlagers!
  • Salz: Nach Fahrten über gesalzene Straßen das Rad gründlich abwaschen, trocknen und erst dann abstellen. Salz killt viele Alu-Legierungen!
  • Wachs: Hartwachs aus der Autopflege ist super geeignet, alle Alu-Teile vor Korrosion zu schützen: Gabeltauchrohre, Naben (Speichenlöcher!). Auch der Lack freut sich über eine Wachsschicht.
  • Passungen: Überall, wo Teile eng aufeinander sitzen und Wasser eindringen könnte, sollte Fett oder Montagepaste aufgetragen werden, zum Beispiel auf der Sattelstütze. Ausnahme: Carbon-Sattelstützen bekommen Extra-Pflege mit Carbon-Paste.
  • Schraubenköpfe: Schraubenköpfe rosten schnell. Ein Spritzer Kriechöl verdrängt Wasser und sorgt für schöne Köpfe im nächsten Frühjahr.

Anleitungen zur E-Bike Wartung

Unser Plan für die E-Bike Wartung hier orientiert sich an den wichtigsten Baugruppen eins motorisierten Fahrrads. Los geht’s in die Werkstatt!

1 - Antrieb beim E-Bike warten

Der Antrieb ist das Verschleißzentrum. Pflege reduziert die Folgekosten. Folgendes sollten Sie bei der Wartung von Kette, Ritzel und Kettenblatt beachten! Hans-Peter Ettenberger, EMTB-Testlabor, empfiehlt hier: “Mein Tipp sind Kettenwachse. Mit dem Trockenschmierstoff bleibt die Kette sogar bei Schlammfahrten sauber, es bilden sich kaum Ablagerungen an den Ritzeln und am Blatt, was die Pflege vereinfacht.“

2 - Pflege der E-Bike Schaltung

Die Kettenschaltung ist ein filigranes, mechanisches Wunderwerk. Damit zwölf Gänge sauber und leise laufen, muss vor allem der sensible Bowdenzug gut in Form sein. Christoph Allwang, EMTB-Testlabor, rät dazu: “Nicht am Innenzug sparen! Die besseren Edelstahlzüge sind außen überwalzt und haben dadurch eine rundere und reibungsärmere Kontur als billige Züge. Beschichtete Züge laufen noch mal leichter, sind aber auch viel teurer, deutlich empfindlicher und können schon bei der Montage Schaden nehmen.“

3 - Lager-Wartung beim E-Bike

Die Funktion des Bikes hängt an vielen Kugel- und Gleitlagern. Wir zeigen die wichtigsten Arbeitsschritte zur Pflege der Lager bei der E-Bike Wartung.

4 - Bremsen-Check - für konstante Sicherheit

Bremsbeläge sollten regelmäßig auf Verschleiß gecheckt werden. Aber auch die Scheiben leiden, insbesondere bei matschigen Bedingungen. Nehmen Sie auch diese Komponenten bei der Wartung Ihres E-Bikes genauer unter die Lupe. Mike Schinke, EMTB-Testlabor, gibt den zusätzlichen Tipp: “Neue Beläge müssen eingebremst werden, sonst verschleißen sie rasant: zehn Mal aus 20 km/h auf nahe null abbremsen, dann die Bremse in einer Abfahrt einmal richtig heißbremsen.“

5 - Laufräder prüfen bei der E-Bike Wartung

Reifen und Laufräder müssen einiges an Schlägen einstecken. Rundlauf und Speichenspannung sollte man deshalb regelmäßig überprüfen. Sonst können schlimmstenfalls Speichen brechen. Dominik Scherer, EMTB-Testlabor, sagt dazu: “Einen Reifenwechsel sollte man nutzen, um auch mal unters Felgenband zu schauen. An den Speichenbohrungen sammelt sich einiges an Schmutz und Feuchtigkeit. Das schafft eine korrosive Umgebung für die Nippel, was das Zentrieren der Laufräder erschwert. Regelmäßige Pflege garantiert, dass sich die Laufräder gut zentrieren lassen, wenn es nötig ist.“

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