Immer öfter sieht man Fahrräder und E-Bikes mit Zahnriemen statt Kette. Kein schmieriges Öl mehr, kein ständiges Tauschen: Doch wirklich überlegen ist der nur in bestimmten Bereichen.
Warum Zahnriemen bei E-Bikes immer beliebter werden
Es ist kein Zufall, dass der Zahnriemen mit dem Aufkommen der E-Bikes auch in der Fahrradbranche zum Thema wurde. Am mit Muskelkraft betriebenen Fahrrad allerdings hatte sich der Riemenantrieb zunächst hauptsächlich deshalb nicht durchgesetzt, weil die Kette einen höheren Wirkungsgrad hat. Bei Pedelecs hingegen, also Fahrrädern mit eingebautem elektrischem Hilfsmotor, sorgt der Antrieb dafür, dass der Kraftverlust von sechs bis acht Prozent beim Riemen nicht mehr so sehr ins Gewicht fällt. Immer mehr Hersteller setzen deshalb auf den Zahnriemen.
Die Vorteile des Riemenantriebs
- Wartungsarmut: In städtischen Umgebungen entscheiden sich Menschen häufig für ein elektrisches Citybike mit Riemenantrieb für minimale Wartung. Ein Zahnriemen benötigt keine Schmierung, weshalb er schön sauber bleibt und nicht rosten kann. Eine gewöhnliche Kette muss oft geschmiert werden, wobei diese Schmierung zusammen mit Sand zu einer Art Paste führen kann, die Reibung und schnelleren Verschleiß erzeugt.
- Konstante Spannung: Außerdem dehnt sich ein Riemen nicht. Die Saite hält die Spannung nahezu konstant.
- Geräuscharmut: Ein E-Bike mit Riemenantrieb ist unglaublich leise.
- Leichtgewicht: Der Riemen ist mit Carbonfasern verstärkt, wodurch ein E-Bike mit Riemenantrieb leichter ist als mit einer Fahrradkette.
- Geringer Energieverlust: Eine Fahrradkette arbeitet über mehrere bewegliche Glieder. Unabhängig davon, wie regelmäßig eine Kette geschmiert wird, üben die Metallteile immer einen relativen Druck aufeinander aus. Diese Reibungen führen zu einem geringen Energieverlust. Ein Riemen besteht aus einem Ganzen.
- Längere Haltbarkeit: Ein wesentliches Argument für den Riemenantrieb ist die Lebensdauer: Riemenhersteller werben damit, dass fünfstellige Kilometerzahlen mit ihrem Antriebssystem locker drin sind.
- Sauberkeit: Da der Riemen nicht geschmiert wird, hinterlässt er keine Spuren an Hosenbeinen oder Socken - ein wichtiges Argument für Radfahrer, die beispielsweise gepflegt im Büro erscheinen wollen.
- Allwettertauglichkeit: Durch den wasserfesten Aufbau ist der Antrieb gegen Rost sozusagen immun. Die Allwettertauglichkeit des Riemenantriebs ist gerade für Globetrotter und Weltenbummler von Vorteil.
Die Nachteile des Riemenantriebs
- Eingeschränkte Reparaturmöglichkeiten: Obwohl dieser sehr stark ist, besteht eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass er brechen kann. Bei einer herkömmlichen Kette kann häufig ein Glied ersetzt werden, bei einem Riemen ist dies nicht möglich. Für lange Radtouren ist es ratsam, einen zusätzlichen Riemen dabei zu haben. Da ein Zahnriemen aus einem Stück besteht, kann man ihn nicht wie bei einer normalen Fahrradkette abtrennen.
- Kompatibilität: Ein Riemenantrieb kann nur mit geschlossenen Schaltnabensystemen kombiniert werden. Kettenschaltungen und Riemen passen nicht zusammen.
- Empfindlichkeit: Wenn sich beispielsweise ein Ast verfängt, kann der Riemen etwas empfindlicher reagieren als eine Kette.
- Anschaffungskosten: Zugegeben: Fahrräder und E-Bikes mit Riemen kosten in der Regel etwas mehr als Modelle mit Kettenschaltung.
- Einbau: Ein Riemenantrieb lässt sich nicht auf jedes Rad spannen. Der Rahmen muss dazu über eine spezielle Öffnung verfügen und auch steif genug sein.
Für wen ist ein Riemenantrieb geeignet?
Ein Riemenantrieb kann für viele Anwender sinnvoll sein. Dies kann vor allem für Vielfahrer interessant sein, da ein regelmäßiger Austausch der Kette und der dazugehörigen Zahnräder entfällt. Damit eignet sich der Riemenantrieb gleichermaßen für sportliche Mountainbiker, Trekking-Fahrer, Commuter und alle, die einen wartungsfreien, leisen und effizienten Antrieb an ihrem Fahrrad wünschen.
Für alle, die viel, lange und sorgenfrei fahren möchten. Selbst bei hoher Beanspruchung und wenig Pflege dürfte ein Riemen über Jahre keine Probleme verursachen. Der jährliche Radservice, den du ohnehin bei E-Bikes in Anspruch nehmen solltest, sollte verschlissene Riemen rechtzeitig erkennen.
Für Stadtradler, Vielfahrer und Globetrotter auf jeden Fall eine Überlegung wert: der Riemenantrieb.
Nachrüstung eines Riemenantriebs
Die Nachrüstung eines Fahrrades mit einem Riemenantrieb ist grundsätzlich möglich, wobei einige Faktoren zu beachten sind. Zunächst ist zu prüfen, ob der Fahrradrahmen mit einem Rahmenschloss ausgestattet werden kann, um den geschlossenen Riemen aufziehen zu können. Bei Stahlrahmen ist dies deutlich einfacher als beispielsweise bei Aluminium- oder Carbonrahmen.
Ist der nachträgliche Einbau eines Rahmenschlosses nicht möglich, kannst du auch einen teilbaren Riemen verwenden. Damit entfällt das Öffnen des Rahmens mit einem Rahmenschloss. Dies gilt jedoch nicht für die Kettenblätter und Ritzel. Diese müssen in beiden Fällen durch Riemenscheiben ersetzt werden, da ein Riemen nur auf spezielle „Antriebsräder“ aufgezogen werden kann.
Grundvoraussetzung ist übrigens auch eine Naben- oder Tretlagerschaltung oder ein Singlespeed-Hinterrad. In Kombination mit einer Kettenschaltung ist die Montage eines Riemens nicht möglich.
Bei senkrechten Ausfallenden des Fahrradrahmens ist zusätzlich die Montage eines Riemenspanners erforderlich, da der Riemen sonst nicht auf die erforderliche Spannung gebracht werden kann. Bei waagerechten Ausfallenden ist dies nicht notwendig, da das Hinterrad horizontal verschoben werden kann, um den Riemen zu spannen.
Montagehinweise für Riemenantriebe
Die Ketten- bzw. Riemenlinie muss zwingend gerade sein, da eine reibungslose Funktion sonst nicht gewährleistet ist und der Riemen schneller verschleißen bzw. reißen kann. Der Riemen ist unter keinen Umständen zu knicken, da sonst irreparable Schäden entstehen können. Die Montage des Riemens kann nur in Kombination mit entsprechenden Riemenscheiben erfolgen. Der Antriebsriemen benötigt eine entsprechende Spannung, sodass entweder horizontale Ausfallende oder ein Riemenspanner notwendig sind.
Ein Riemenantrieb macht grundsätzlich an fast jedem Fahrrad Sinn, allerdings müssen die zuvor genannten Bedingungen erfüllt sein, um einen Umbau realisieren zu können.
Aufbau eines Riemenantriebs
Der geschlossene Antriebsriemen besteht aus extrem zugfesten Carbonfasern und längt sich somit auch nach sehr langer Benutzung nicht. Auf der Innenseite des Riemens sind Zähne geformt, die so in die Zähne der Riemenscheiben greifen. Das Aufbau-Prinzip ist also dem einer Kettenschaltung gleichzusetzen, auch wenn es unterschiedliche Faktoren gibt, die für und gegen einen Riemenantrieb im Vergleich zur Kettenschaltung sprechen.
Bekannte Hersteller von Riemenantrieben
Platzhirsch auf dem Gebiet der Fahrradriemen ist der Hersteller Gates Carbon Drive. Aber auch die Contitech Power Transmission Group hat sich diesem Thema gewidmet wie auch Veer Cycle. Dieser Hersteller hat sich sogar dem Problem angenommen, dass man einen Riemen bisher nur fahren konnte, wenn der eigene Fahrradrahmen über ein Rahmenschloss verfügt. Als Lösung hat Veer Cycle einen teilbaren Riemen gebaut.
Kosten eines Riemenantriebs
Mittlerweile werden Riemenantriebe in alle Arten von Kompletträdern eingebaut. In diesem Fall fällt der Kaufpreis nicht groß ins Gewicht, da es Räder mit Riemen in allen Preisklassen gibt. Der Preis einer Nachrüstung ist schwer zu kalkulieren, da vor allem der Aspekt des Rahmenschlosses nicht pauschal berechnet werden kann. Rein für den Antrieb kann man je nach Ausführung mit rund 150-300 Euro Materialkosten rechnen, was vergleichsweise wenig ist, wenn man im Gegenzug den Preis einer hochwertigen Kettenschaltung betrachtet.
Vor- und Nachteile im Überblick
Hier eine tabellarische Übersicht der Vor- und Nachteile eines Riemenantriebs im Vergleich zur Kette:
| Aspekt | Riemenantrieb | Kette |
|---|---|---|
| Wartung | Minimal | Regelmäßig |
| Lebensdauer | Länger | Kürzer |
| Geräuschentwicklung | Leise | Lauter |
| Sauberkeit | Sauber | Schmutzig |
| Kosten | Höher (Anschaffung) | Günstiger (Anschaffung) |
| Kompatibilität | Nur mit Naben- oder Tretlagerschaltung | Flexibel |
| Gewicht | Leicht | Etwas schwerer |
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