Die Fortschritte in der Fahrradindustrie haben sich enorm weiterentwickelt. Das am häufigsten gewechselte Verschleißteil an einem herkömmlichen Fahrrad ist sicherlich die Kette. Sollte die Kette nämlich unter einem Verschleiß leiden, dann sind auch die Kettenblätter und Ritzel nicht mehr lange haltbar. Hinzu kommt, dass die Kette regelmäßig gereinigt und geölt werden muss, damit sie optimal funktioniert. Schon allein aus diesem Grund lohnt es sich, nach einer anderen Lösung zu suchen. Dabei kommt der Riemenantrieb für ein Fahrrad ins Spiel. Diese Technologie ist eine verhältnismäßig neue Entwicklung für Fahrräder, die das Interesse vieler Radfahrer geweckt hat.
Höchstleistung auf Knopfdruck: E-MTBs bezwingen extreme Uphills und ebnen auch steile Berge ein. Die Kehrseite von viel Leistung und noch mehr Drehmoment: Normale Kettenantriebe verschleißen im Handumdrehen. Der Wartungsaufwand explodiert, die laufenden Kosten ebenfalls. Der Riemenantrieb könnte eine Lösung für das Verschleißproblem sein. Bislang an E-MTBs eher unüblich soll er mit geringem Wartungsaufwand und hoher Langlebigkeit punkten.
Doch zunächst solltest du dir darüber im Klaren sein, was ein Riemenantrieb ist und wie er im Vergleich zum Kettenantrieb funktioniert.
Was ist ein Riemenantrieb und wie funktioniert er?
Bei einem Fahrrad mit Riemenantrieb wird ein geschlossener elastischer Zahnriemen verwendet, der aus synthetischen Materialien wie Nylon besteht, das mit Kohlefasern verstärkt wird. Der Riemen treibt in gerader Linie zwei Riemenscheiben mit Zähnen an, in die die Zähne des Riemens greifen. Beide Scheiben bestehen normalerweise aus Edelstahl, was die Haltbarkeit erhöht. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kettenantrieb mit mehreren Kettenblättern und Ritzeln werden Fahrräder mit Riemen durch eine Naben- oder Tretlagerschaltung angetrieben.
Führend am Markt ist die amerikanische Firma Gates, welche den Gates Carbon Drive herstellt. Den Spezialisten gelang es gegenüber anderen Herstellern Zahnriemen herzustellen, die auch unter Belastung keine Längenveränderung aufweisen. Ermöglicht wird dies durch eingearbeitete Carbon-Zugstränge.
Der Reiz liegt in der scheinbar enormen Zeit- und Arbeitsersparnis, die durch den Einsatz von Riemengetrieben erzielt wird. Dank der verbesserten Herstellungsverfahren und der breiteren Akzeptanz von Riementrieben werden die Preise für durchschnittliche Radfahrer immer erschwinglicher.
Vorteile von Nabenschaltungen
Nabenschaltungen haben zwei entscheidende Vorteile. Der erste besteht darin, dass sie viel weniger Wartungen benötigen, da die beweglichen Teile im Inneren der Nabe vor äußeren Einflüssen geschützt sind. Der zweite Vorteil ist, dass die Schaltung das Wechseln zwischen den Gängen während eines Stopps ermöglicht.
Oft taucht die Frage auf, ob Riemenantriebe wirklich sinnvoll sind. Die Antwort auf diese Frage hängt von deinen individuellen Bedürfnissen ab. Was für den einen Radfahrer eine hervorragende Sache darstellt, kann für einen anderen Biker keinen Nutzen bringen.
Vorteile vom Riemenantrieb beim Fahrrad
- Geringe Wartung: Größter Vorteil: Der Riemen kommt ohne Schmierung aus und zieht so weniger Schmutz an. Die Wartung beschränkt sich auf die gelegentliche Reinigung der Antriebskomponenten mit Schlauch und Bürste. Ein kurzes Abwischen von Schmutz und Staub genügt, um eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten. Aufgrund der Innenverzahnung sind diese Komponenten durch ein Gehäuse geschützt. Außerdem längt sich der Riemen auch bei Verschleiß nicht. Lediglich die Zähne werden abgenutzt, irgendwann kann der Riemen auch reißen.
- Sauberkeit: Da beim Riemenantrieb kein Öl verwendet wird, ist er sauberer als ein Kettenantrieb. Das bedeutet auch weniger Ölflecken an Händen und Beinen oder an der Kleidung. Nie wieder Kettenantrieb reinigen und ölen, kein Geschmiere mehr an den Hosenbeinen! Der offensichtlichste Vorteil von Antriebsriemen am Fahrrad und E-Bike ist, dass kein Öl mehr im System ist, das Schmutz anzieht und weiter verteilt. Carbonriemen benötigen keinen Schmierstoff, es reicht, wenn du den gröbsten Schmutz mit Wasser und einem Tuch abwischst.
- Langlebigkeit: Im Durchschnitt halten Riemengetriebe viermal länger als Kettenantriebe, bevor sie ausgetauscht werden müssen (30.000 gegenüber 8.000 Kilometer). Außerdem gibt es weniger bewegliche Teile, sodass weniger Probleme auftreten. Dadurch sparst du auf lange Sicht Geld. Die Haltbarkeit soll jedoch rund dreimal so hoch sein wie bei einem Kettenantrieb.
- Laufruhe: Riemen sind bedeutend leiser als Ketten, da keine Metallteile aufeinander reiben. Zudem knarzen und quietschen Riemenantriebe nicht aufgrund mangelnder Wartung. Immer wieder wird betont, dass Fahrrad-Riemenantriebe leise in ihrer Funktion sind. Bei richtig ausgerichtetem Riemen und Riemen-Zähnen in gutem Zustand trifft dies zu. Es gibt keine ausgeleierten Kettenglieder sowie Quietsch- oder Knackgeräusche.
- Schalten im Stillstand: Innenliegende Nabenschaltungen ermöglichen es Ihnen, zwischen den Gängen zu wechseln, ohne in die Pedale zu treten wie bei einem herkömmlichen Kettenantrieb.
- Geringes Gewicht: Riemen sind sehr leicht, weil sie aus synthetischen Materialien mit superleichten und haltbaren Kohlefasern verstärkt sind. Darüber hinaus werden nur zwei Riemenscheiben eingesetzt, die auch bedeutend leichter sind.
Nachteile beim Riemenantrieb
- Anfangs teuer: Riemengetriebe sind immer noch ein Nischenprodukt. Zurzeit werden noch relativ wenige Fahrräder mit Riemenantrieb hergestellt. Außerdem benötigen sie aufwendigere und teurere Komponenten. Die geringe Nachfrage bedeutet auch, dass das Angebot geringer ist und damit höhere Kosten für Verbraucher anfallen. Aber: Ein Fahrrad mit Riemenantrieb kostet in der Anschaffung mehr als ein Fahrrad mit Kettenschaltung.
- Begrenzte Kompatibilität von Antriebssystemen und Rahmen: Riemen eignen sich nicht für Kettenschaltungen. Sie kann nur für eine Nabenschaltung und Single-Speed-Bikes verwendet werden. Kettenschaltungen und Riemen passen - das steht schon im Namen - nicht zusammen. Zudem müssen Fahrradhersteller spezielle Rahmen konstruieren, die sich für Riemengetriebe eignen. Dazu stellen sie im hinteren Dreieck eine Teilung her. Das ist notwendig, weil der Riemenantrieb aus einem durchgängigen Stück gefertigt ist und nicht wie eine Kette zum Einbau geteilt werden kann.
- Begrenzte Reifen- oder Felgengröße: Da Riemen breiter sind als Ketten, kann eventuell nicht ausreichend Platz vorhanden sein, wenn du breitere Reifen oder Felgen an deinem Mountainbike montieren möchtest.
- Ersatzteile sind teuer: Ein neuer Riemen kann bis zu 90 Euro kosten, während eine Kette ab neun Euro erhältlich ist. Ein neues Riemengetriebe kostet auch deutlich mehr als ein kompletter neuer Kettenantrieb. Davon abgesehen hält der Riemenantrieb viel länger, was die zusätzlichen Kosten sicherlich aufhebt.
- Ersatzteile sind schwer zu finden: Die meisten kleineren Fahrradgeschäfte bieten keinen Service für Riemengetriebe an und führen keine entsprechenden Ersatzteile. Das kann dazu führen, dass du eine Radtour abbrechen musst, weil keine Ersatzteile beschafft werden können.
- Begrenzte Übersetzung: Kettenantriebe bieten größere Übersetzungsbereiche als Riemenantriebe. Deshalb wird die Effizienz beim Riemenantrieb in bergigem Gelände verringert.
Riemenantrieb vs. Kettenantrieb: Ein Vergleich
Beide Systeme haben Vor- und Nachteile.
| Merkmal | Riemenantrieb | Kettenantrieb |
|---|---|---|
| Wartung | Minimal, kaum Reinigung notwendig | Regelmäßig ölen erforderlich |
| Sauberkeit | Kein Öl, sauber | Öl kann verschmutzen |
| Haltbarkeit | Längere Lebensdauer | Kürzere Lebensdauer, besonders an E-Bikes |
| Geräuschentwicklung | Leise | Kann Geräusche machen |
| Kosten | Meist teurer in der Anschaffung | Günstiger in der Anschaffung |
| Kompatibilität | Nur mit Naben- oder Getriebeschaltungen | Flexibel, mit allen Schaltungsarten |
| Schaltverhalten | Weniger sportlich | Dynamischer |
| Service | Potenziell komplizierter im Schadensfall | Schneller, unkomplizierter Service |
Für wen ist ein Riemenantrieb geeignet?
Für alle, die viel, lange und sorgenfrei fahren möchten. Selbst bei hoher Beanspruchung und wenig Pflege dürfte ein Riemen über Jahre keine Probleme verursachen. Der jährliche Radservice, den du ohnehin bei E-Bikes in Anspruch nehmen solltest, sollte verschlissene Riemen rechtzeitig erkennen.
Ein Riemenantrieb kann für viele Anwender sinnvoll sein. Ein wichtiger Faktor ist der geringe Verschleiß und die daraus resultierende deutlich längere Lebensdauer eines solchen Antriebs. Dies kann vor allem für Vielfahrer interessant sein, da ein regelmäßiger Austausch der Kette und der dazugehörigen Zahnräder entfällt. Hinzu kommen der geräuscharme Lauf und die geringere Reibung des Riemens. Da am Riemenantrieb weder Kettenöl noch Kettenfett verwendet wird, ist er auch völlig schmutzfrei und kann z.B. problemlos mit einer Anzughose gefahren werden. Damit eignet sich der Riemenantrieb gleichermaßen für sportliche Mountainbiker, Trekking-Fahrer, Commuter und alle, die einen wartungsfreien, leisen und effizienten Antrieb an ihrem Fahrrad wünschen.
Für wen ist ein Kettenantrieb geeignet?
Grundsätzlich sind Kettenantriebe immer da im Einsatz, wo wir über Sport sprechen. Mountainbiker, Rennradfahrer oder auch performance orientierte Gravelbiker fahren mit Kette.
Nachrüstung eines Riemenantriebs
Die Nachrüstung eines Fahrrades mit einem Riemenantrieb ist grundsätzlich möglich, wobei einige Faktoren zu beachten sind. Zunächst ist zu prüfen, ob der Fahrradrahmen mit einem Rahmenschloss ausgestattet werden kann, um den geschlossenen Riemen aufziehen zu können. Bei Stahlrahmen ist dies deutlich einfacher als beispielsweise bei Aluminium- oder Carbonrahmen. Ist der nachträgliche Einbau eines Rahmenschlosses nicht möglich, kannst du auch einen teilbaren Riemen verwenden. Damit entfällt das Öffnen des Rahmens mit einem Rahmenschloss. Dies gilt jedoch nicht für die Kettenblätter und Ritzel. Diese müssen in beiden Fällen durch Riemenscheiben ersetzt werden, da ein Riemen nur auf spezielle „Antriebsräder“ aufgezogen werden kann. Grundvoraussetzung ist übrigens auch eine Naben- oder Tretlagerschaltung oder ein Singlespeed-Hinterrad. In Kombination mit einer Kettenschaltung ist die Montage eines Riemens nicht möglich.
Bei senkrechten Ausfallenden des Fahrradrahmens ist zusätzlich die Montage eines Riemenspanners erforderlich, da der Riemen sonst nicht auf die erforderliche Spannung gebracht werden kann. Bei waagerechten Ausfallenden ist dies nicht notwendig, da das Hinterrad horizontal verschoben werden kann, um den Riemen zu spannen.
Kann in den Fahrradrahmen ein Rahmenschloss eingebaut werden, damit der geschlossene Riemen aufgezogen werden kann? Während sich bei der Fahrradkette jedes Kettenglied teilen und wieder zusammenfügen lässt, wird der Riemen in einem Stück auf die Riemenscheiben montiert. Bei vertikalen Ausfallenden am Fahrradrahmen ist die Montage eines Riemenspanners erforderlich, um die nötige Spannung zu erreichen.
Kosten für die Nachrüstung
Willst du dein Rad mit einem Riemenantrieb nachrüsten , musst du mit Materialkosten von 200 bis 400 Euro rechnen. Den Riemen erhältst du für circa 50 Euro, pro Riemenscheibe zahlst du etwa 60 bis 100 Euro. Eine Alternative ist der teilbare Riemen von Veer, für den kein Rahmenschloss notwendig ist. Hier kostet der komplette Riemenantrieb 349 Euro. Achte darauf, dass du einen Kurbelsatz mit dem passenden Lochkreisdurchmesser brauchst, um einen Riemenantrieb verwenden zu können. Hast du keinen, kostet dich ein passender Kurbelsatz zusätzlich 50 bis 250 Euro.
Montage eines Riemenantriebs
Was muss bei der Montage eines Riemenantriebs beachtet werden?
- Die Ketten- bzw. Riemenlinie muss zwingend gerade sein, da eine reibungslose Funktion sonst nicht gewährleistet ist und der Riemen schneller verschleißen bzw. reißen kann.
- Der Riemen ist unter keinen Umständen zu knicken, da sonst irreparable Schäden entstehen können.
- Die Montage des Riemens kann nur in Kombination mit entsprechenden Riemenscheiben erfolgen.
- Der Antriebsriemen benötigt eine entsprechende Spannung, sodass entweder horizontale Ausfallende oder ein Riemenspanner notwendig sind.
Eine sorgfältige Montage von Riemenantrieben ist unerlässlich, um eine optimale Leistung und eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.
Weitere wichtige Aspekte
- Riemenspannung: Eine falsche Riemenspannung ist eine häufige Ursache für einen gerissenen oder verschlissenen Antriebsriemen. Typische Merkmale für einen zu locker gespannten Riemen ist das Durchrutschen des Keilriemens oder bei zu straff gespannten Riemen werden sämtliche Lager belastet, was auch nicht gut ist.
- Übersprungschutz: Um ein Überspringen des Carbon Riemens zu verhindern, gibt es sogenannte Snubber. Der Übersprungschutz kann beispielsweise bei einer Shimano Alfine oder Shimano Nexus Nabenschaltung montiert werden.
- Spannungsbereich: Der korrekte Spannungsbereich wird in Pfund, Kilogramm oder bei der App in Hertz angegeben.
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