Light-E-MTB Test: Vergleich, Modelle und Eigenschaften

Häufig ziemlich leicht, nicht selten auch eben deswegen mit lebendigem, gutem Handling ausgestattet und trotz Kompaktmotoren durchaus ganz schön mächtig im Anstieg - so haben Light-E-MTBs in den vergangenen Jahren den E-Mountainbike-Markt aufgemischt und bereichert. Wo etliche Full-Power-E-MTBs der E-Enduro-Klasse mit extra starkem Motor plus entsprechend großen, schwereren Akkus mit über 700 Wh Kapazität gut und gerne 25 Kilo wiegen, bilden teilweise unter 20 Kilo leichte Light-E-MTBs das erfrischende Gegenkonzept.

Und das tendenziell spielerische Handling und geringere Gewicht von Light-E-MTBs hat das Potential, in engen technischen Passagen sowie Sprüngen den Fahrtspaß zu liften, weil sich das Bike mit weniger Kraftaufwand im Gelände bugsieren lässt.

Fest integrierte Akkus vs. Entnehmbare Akkus

Wer ein Light-E-MTB in Erwägung zieht, sollte indes ebenfalls bedenken, dass sich bei vielen Modellen der fest integrierte Akku zum Laden nicht entnehmen lässt - kon­struktionsbedingt spart das Gewicht. Selbstverständlich lässt er sich grundsätzlich, etwa zum Austausch, nach dem Motor-Ausbau demontieren. Das bedeutet für diejenigen, die nicht über Kellerabteil oder Garage mit Stromanschluss verfügen, dass sie ihr Bike mit Akku zum Laden in die Wohnung tragen müssen. Im Testfeld lässt sich der Akku zum Laden nur am Nox und Trek fix entnehmen.

Einsatzbereich von Light-E-MTBs

Waren die ersten Light-E-MTBs von vor einigen Jahren hinsichtlich ihres Einsatzschwerpunktes meist als dezent tourigere E-All-Mountains ausgestaltet, stecken die Hersteller die Einsatzbandbreite mittlerweile erfreulich großzügig ab.

Deutlich abfahrtshungriger steuert das, im super 1990er-Neonfarbkleid lackierte, Nox Epium Enduro 7.1 Core als - nomen est omen - langhubiges E-Enduro mit 180-mm-Fahrwerk plus Marzocchi-Stahlfederbein für einen extra sensibel arbeitenden Hinterbau in hartes Geläuf. Dem Nox sozusagen diametral gegenüber stehen die beiden beeindruckend leichten Trail-/Downcountry-Modelle: das Focus VAM2 SL 9.0 und das Rotwild R.X275 Ultra.

Die Downcountry-Kategorie, der vor allem das Rotwild zuzuordnen ist, bezeichnet hierbei die Wortschöpfung aus Cross-Coun­try und Downhill. Sprich: Ein Bike, das für renninspiriertes, ambitioniertes Klettern kreiert wurde, Kraft seiner modernen Geometrie mit längerem Reach sowie flacherem Lenkwinkel und breitem Cockpit zugleich erstaunlich viel Spaß und Sicherheit in steileren Abfahrten bietet.

Motoren im Vergleich

Motorseitig arbeiten im Testfeld vier Modelle. Auf den super kompakt umgesetzten und die Eigenkraft mit maximal 50 Nm Drehmoment respektive 300 Watt Leistungsspitze unterstützenden TQ HPR 50 setzen neben Trek auch Rotwild, Stevens und Scott. Der Leichtmotor des Herstellers von E-Bike-Komplettsystemen aus Seefeld bei München überzeugt selbst bei hoher Last im Steilanstieg mit sehr leisem, nie störendem Summen. Der leiseste Leichtantrieb im Test!

Möglich macht das der konstruktive Aufbau des HPR 50, der ohne Riemen und Planetengetriebe auskommt, die speziell bei hoher Betriebslast „lärmen“ könnten. Obgleich in steilen Stichen nach oben raus nicht mit der gleichen, satten Power des Bosch SX gesegnet, gefällt er gerade deshalb Fahrern, die eine kernige, selbst im top Modus „High“ zugleich ausgeprägt natürlich anmutende Unterstützung schätzen.

Der auf 200 Watt Leistungsspitze gedrosselte TQ-Motor am Rotwild liefert deutlich reduzierte Kraft: Teil des extra sportiven Antriebskonzepts für sehr sportive Mountainbiker, die mit dem sehr dezenten Schub vollauf zufrieden sind, zu Trainingszwecken begeistert viel Eigenkraft beisteuern. Die Befürchtung der Testcrew, der kleine 250-Wh-Akku würde frühzeitig schlapp machen, bestätigte sich nicht.

Sehr gelungen ist der Mix am Fazua Ride 60 (maximales Drehmoment: 60 Nm) aus natürlich anmutender, im höchsten Modus „Rocket“ gut spritziger Beschleunigungscharakteristik und leisem Laufgeräusch. Cooles Detail bleibt die, per Fazua-Fernbedienung aktivierte, bis zu zwölf Sekunden wirksame, Boost-Funktion für den Extraschub an Rampen. Dabei ruft der Ride 60 maximal 450 Watt Leistung ab. Außerdem gefällt am stärksten Fazua-Leichtantrieb der extra intuitive Wechsel der Motormodi. Nachgebessert werden dürfte die Haptik dennoch etwas: Der Ringschalter ist unnötig schwammig gelagert.

Die zweite Generation des Specialized-SL-Leichtmotors, SL 1.2, arbeitet unverändert mit den bekannten drei Modi Eco, Trail und Turbo, stellt jetzt aber bis zu 50 Nm Drehmoment (der SL 1.1 arbeitete noch mit 35 Nm) und 320 Watt Leistungsspitze bereit. Insgesamt spricht der SL 1.2 deutlich direkter auf den eingebrachten Pedaldruck an als sein Vorgänger, macht in der Trail- und Turbo-Stufe jetzt bärigen Druck, der etwas über dem TQ liegt. Steilanstiege überwindet man so lustvoller und effizienter als mit der wesentlich dezenteren Kraft des SL 1.1. Schön: Der SL 1.2 agiert leiser als der SL 1.1.

Boschs Performance SX schließlich stellt, wie der gedrosselte TQ am Rotwild, gewissermaßen eine Sonderform des Leichtmotors dar. Der stark Trittfrequenz abhängige Motorschub ist bei intensiver Beinarbeit nach oben hin gewaltig: Mit bis zu 600 Watt(!) bei 55 Nm Maximaldrehmoment unterstützt er, ist somit im E-MTB- und Turbo-Modus so stark wie manch Full-Power-Aggregat!

Vorausgesetzt, man tritt hochfrequenter, was einem als trainierten, sportiven Fahrer entgegenkommt, der sich regelmäßig bei etwa 90 Kurbelumdrehungen pro Minute bewegt. Kaum trainierte Einsteiger hingegen, die mit geringer Trittfrequenz pedalieren, dürften sich schwer tun, dem Bosch SX seinen vollen Wumms zu entlocken.

Fahrspaß und Testergebnisse

In der Gesamtschau des illustren Testfelds bleibt festzuhalten: Viel Fahrspaß produzieren alle acht Light-E-MTBs. Das Testfeld beweist: E-MTBs mit Kompaktantrieben haben in jeder Bikekategorie ihre Berechtigung!

So erweist sich in der exklusiven Downcountry-/Trail-Klasse das Focus VAM2 SL 9.0 dank traktionsstarkem 130/125-mm-Fahrwerk und gekonnt ausbalancierter Geometrie als erstaunlich potent auf steilen, von wilderem Wurzelwerk durchzogenen Downhills. So verdient sich das Focus eine ER-Empfehlung, punktet überdies mit der guten Vibrationsdämpfung der Carbon-Cockpiteinheit.

Im Enduro-Genre trumpft das Nox Epium stark auf, erst recht, nachdem die Testcrew durch Montieren des Marzocchi-Stahlfederbeins in der Geometrieposition mit tieferem Tretlager und noch flacherem Lenkwinkel Abfahrtspotenz wie Laufruhe des Bikes noch steigern konnte. Dennoch muss erwähnt werden: Bei fast 9000 Euro Kaufpreis erwartet man teurere, noch bissigere Bremsen und mindestens eine Shimano-XT-Schaltung. Hier dürfte der kostspielig in Europa gefertigte Carbonrahmen Preistreiber sein.

In der preislich weit gespreizten Light-All-Mountain-Kategorie (Specialized 6600 Euro, Stevens 6999 Euro, Trek 7499 Euro, Centurion 7999 Euro, Scott 10.999 Euro) sticht das neue Specialized Turbo SL Comp Alloy ausgerechnet als günstigstes Rad mit gutmütigem Handling, klasse Allround-Fahrleistungen und jetzt durchzugsstarkem Motor heraus.

Wie kritisch für die Fahrqualität, insbesondere bei feucht-nassen bis schlammigen Bodenverhältnissen, die Wahl der Reifen ist, zeigte sich am Stevens. Dessen zu brav bestollten, insgesamt griparmen Schwalbe-Pneus mit harter Speedgrip-Gummimischung beschnitten sowohl Kletter- als auch Abfahrtsqualitäten des Bikes unnötig.

Und die, wie etwa bei Centurion oder Scott praktiziert, über den Steuersatz in den Rahmen geführten, somit innenverlegten Züge respektive Bremsleitungen erzeugen einen cleanen Look, bergen aber das Risiko aufwändiger Wartungsarbeiten, tauscht man etwa einen in engen Radien verlegten Schaltzug.

Die ausführlichen Testberichte dieser Light-E-MTBs lesen Sie in der ElektroRad 5/2024.

Light-E-MTBs: Was kostet der Spaß?

Ob 5600 bis 6600 Euro wirklich „günstig“ sind, sei mal dahingestellt. Aber in diesem Rahmen bewegen sich nun mal die meisten Einstiegsmodelle der Light-Kategorie. Viel Budget fließt aus Gewichtsgründen in Vollcarbonrahmen. In unserem Testfeld sind sechs der sieben Hauptrahmen und Hinterbauten aus Kohlefaser gefertigt. Nur die High-End-Marke Specialized stellt das Levo SL mit Alu-Chassis in die Shops. Erst so schafft es der Klassiker überhaupt in unser Preislimit von 6600 Euro. Marken wie Santa Cruz, Mondraker, Simplon und sogar Haibike und Stevens bieten ihre Light-E ‐MTBs erst für noch mehr Geld an.

Gewichte im Vergleich

Und wie viel „Light“ bleibt bei der Einstiegsklasse übrig? 19,8 Kilo haben unsere Kandidaten im Schnitt auf den Rippen. Cubes AMS One44 TM ist nochmal rund 1,5 Kilo leichter als der Schnitt, das ist eine Ansage! Auch die Laufräder des AMS One44 sind superleicht, trotz robuster Reifen. Das spürt man auf dem Trail. Bulls, Conway und Focus bleiben mit entnehmbaren Akkus konkurrenzfähig. Schön zu sehen: Keiner der Kandidaten leidet unter fiesem Übergewicht. Auch das Levo SL kann trotz Alu-Rahmen mithalten. In den schweren Laufrädern von Focus und Conway wartet Tuning-Potenzial fürs Gesamtgewicht und ein spritzigeres Handling.

Die Gewichte der sieben Light-E-MTBs haben wir, jeweils in der getesteten Größe, im hauseigenen Labor ermittelt. Das Laufradgewicht gilt pro Satz inkl. Reifen, Kassette und Bremsscheiben.

Gewichte der Light-E-MTBs im Test

ModellGewicht
Cube AMS One44 TMUnter dem Durchschnitt
BullsKonkurrenzfähig
ConwayKonkurrenzfähig
FocusKonkurrenzfähig
Specialized Levo SLKann trotz Alu-Rahmen mithalten

Lohnt die Gewichtskur im Vergleich zu klassischen Power-E-MTBs?

Mit einem Durchschnittsgewicht von knapp 20 Kilo fehlt einiges zu den Fabelgewichten, mit denen die Hersteller die Werbetrommel rühren. Doch im Vergleich zu klassischen E ‐All-Mountains in derselben Preisklasse ist das noch immer richtig leicht. 24,3 Kilo wogen unsere Topseller unter 6000 Euro in unserem Test “8 All Mountain E-Bikes bis 6000 Euro”. Das sind 4,5 Kilo mehr. Pfunde, die man beim Handling der Bikes massiv spürt!

Wir waren überrascht, wie intuitiv und leichtfüßig die leichteren Flitzer über dieselbe Teststrecke sausten, die wir zwei Monate zuvor mit den klassischen Power-E ‐MTBs gefahren sind. Wow, diese Bikes machen richtig Spaß! Mit einem Durchschnittsgewicht von knapp 20 Kilo fahren sich die Light-E ‐MTBs aus dieser Testgruppe durch die Bank auf dem Trail viel spaßiger und handlicher als Bikes der Power-Klasse.

Jedem einzelnen Light-Bike merkt man die fehlenden Pfunde ganz klar an. Agiler, spritziger, leichtfüßiger - das erhöht den Fahrspaß. Doch auch im Uphill ist der Unterschied massiv. Steile Schlüsselstellen benötigen viel mehr Einsatz und Präzision, wenn die Souveränität des Motors fehlt. Und auch die Akku-LEDs schwinden im Zeitraffer, wenn man es mit klassisch bestückten Power-Bikes vergleicht. Zwei Punkte, die man nicht wegdiskutieren kann. So bleibt die Frage nach Light oder Power eine klare Frage der Prioritäten und des Einsatzszenarios.

Die Light-Motoren im Vergleich

Bosch Performance Line SX, max. 55 Nm

Der kleine Bosch hat eine besondere Charakteristik: Bei sehr hoher Trittfrequenz schiebt er stark an, bei langsamem Tritt ist er eher schwach auf der Brust. Dadurch sehr dynamisch. An langen, steilen Anstiegen geht ihm früh die Puste aus.

Der Bosch SX macht mit seiner spritzigen Power richtig Spaß. Doch die hohe Spitzenleistung liefert er nicht immer. Bei niedriger Trittfrequenz in schweren Anstiegen ist er nicht so kräftig. Und an langen Bergen drosselt er im Turbo-Betrieb früh den Schub. Das Versprechen „volle Power bei geringem Gewicht“ kann er nur bedingt halten. Dennoch verleiht ihm seine besondere Dynamik ein extrem gutes Fahrgefühl.

Fazua Ride 60, max. 60 Nm

Der Fazua Ride 60 ist von außen kaum als E ‐Motor erkennbar, das erlaubt schlanke Rahmen. So kompakt ist kein anderer Motor in diesem Testfeld. Das Drehmoment ist deutlich kräftiger als bei Bosch und Specialized. Effizient, standfest und leise! Dürfte aber spritziger beschleunigen und etwas besser “am Fuß kleben”.

Giant Syncdrive Pro 2 MG, max. 85 Nm

Der Giant Syncdrive ist ein klassischer Power-Motor und etwas schwerer als die Light-Kollegen. Dafür liefert er volle 85 Newtonmeter und ist bergauf spürbar souveräner unterwegs als alle anderen im Test. Top Modulation! Klappert leider bergab.

Specialized SL 1.2, max. 50 Nm

Der Specialized-Antrieb ist der Minimalist in diesem Test. Er liefert nur mäßig Drehmoment und Spitzenleistung (vergleichbar mit TQ HPR 50), schiebt dafür recht natürlich an und klappert bergab nicht störend. Sehr leicht und effizient, aber bergauf nicht ganz leise.

Die Reichhöhe - so lange halten die Akkus der Light-E-Bikes

Ein Light-E ‐Bike kauft man nicht, weil es eine super Reichweite hat. Denn mit den kleinen Akkus kommt man auch bei geringerer Motorleistung nicht so weit wie mit groß bestückten Power-E-MTBs. Dennoch - oder gerade deshalb - ist die Reichweite bei den Minimalisten ein wichtiges Kriterium. Denn mit der begrenzten Kapazität kann es schneller eng werden, als mit dicker Batterie. Als reichweitenstärkstes System zeigt sich erneut der Fazua Ride 60 im Focus, der richtig viel Schub aus seinem 430er-Akku herausholt. Bereits in früheren Reichweitentests konnte der Fazua Ride 60 voll überzeugen.

Hat der Bosch SX ein Hitzeproblem?

Eine Überraschung erlebten wir bei sommerlichen Temperaturen mit dem Bosch Performance Line SX. An allen vier Bikes reduzierte der Motor bereits nach rund 10 Minuten und 200 Höhenmetern im konstanten Turbo-Betrieb seine Leistung deutlich. Alle anderen Bikes im Test absolvierten die gut 400 Höhenmeter ohne Murren und ohne spürbare Leistungseinbußen. So waren die SX-Bikes im Schnitt nicht schneller unterwegs als das nominell viel schwächere Levo SL. Wer auf die enorme Spitzenleistung des SX schielt, muss diesen Fakt beachten. Für lange Anstiege mit dem SX empfehlen wir, frühzeitig einen etwas gedrosselten Modus zu wählen, dann bleibt noch voller Schub für kurze Steilstücke.

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