Die Simson Schwalbe war 1964 das erste zweisitzige Kleinkraftrad des volkseigenen Betriebs (VEB) Simson Suhl. Heute hat sie Kultstatus, nicht nur in der ehemaligen DDR. Die Schwalbe und auch andere Motorroller von Simson dürfen wie zu DDR Zeiten bis zu 60 km/h fahren und nicht die gesetzlich vorgeschriebenen 45. So wurde es nach der Wende per Einigungsvertrag beschlossen. Außerdem gilt das Zweirad als besonders ausdauernd und leicht zu reparieren.
Die Anfänge und Entwicklung der Simson-Produktion
Die Geschichte der Simson-Produktion begann im Jahr 1856 mit der Gründung des Unternehmens Suhl, das später in Simson umbenannt wurde. Die Gebrüder Simson erwerben am 7.4.1856 einen Anteil am alten Stahlhammer und gründen darauf aufbauend die Firma „Gebrüder SIMSON“. Ursprünglich war das Unternehmen als Waffenhersteller tätig, aber es begann auch mit der Herstellung von Fahrrädern und Motorrädern. 1918 sind bereits 3500 Mitarbeiter bei SIMSON beschäftigt. Im Jahr 1927 stellte Simson sein erstes Motorrad, das Modell A, vor. Es hatte einen 147ccm-Motor und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.
Auf Druck der Nazi- Regierung wird das Werk SIMSON in die „Suhler- Waffen- und Fahrzeugwerke GmbH“ (WAFFA) eingeordnet. 1936 beginnt der Serienanlauf des BSW Motor- Fahrrades Modell 100. Im April 1945 besetzen amerikanische Truppen das SIMSON- Werk in Suhl und beschlagnahmen und entfernen wichtige Produktionsunterlagen. Im Juli besetzen sowjetische Truppen die Stadt Suhl und stellen das Waffenwerk SIMSON unter Kontrolle des SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland). 1946 beginnt die Demontage des SIMSON-Werkes und der Abtransport von vielen Maschinen und Anlagen als Reparationsleistungen in die Sowjetunion.
1957 wird das Ende der Fahrradproduktion eingeleitet und es beginnt der Einstieg in die Produktion kleinmotorisierter Zweiräder. Das Moped SR2 E, entwickelt unter Verantwortung des bekannten Ing. Im April 1964 kam dann die Simson Schwalbe (nach dem Vogel) mit einem 3,4 PS starken Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 50 Kubikzentimetern, mit Dreiganggetriebe und einer recht einfachen und daher ohrenbetäubend lauten Auspuffanlage auf den Markt. Sie war Teil der damals neuen "Vogelserie". Andere Modelle der Serie waren "Spatz", "Star", "Sperber" und "Habicht".
1960 verlangt der VVB Automobilbau die Einstellung der Motorradproduktion der AWO 425 in Suhl. Durch die Firma Krause, wird unter Leitung von Herrn Kwokal, das Krankenfahrzeug DUO 4/1 produziert. Als Zulieferungen kommt der SIMSON Motor M 53 und weitere SIMSON Bauteile zur Anwendung. Auf Grund einer politischen Entscheidung der SED erfolgt am 1.Januar 1970 die Gründung des „IFA Kombinat für Zweiradfahrzeuge“. Der VEB Fajas wird damit als Stammbetrieb zugeordnet und muss kurzfristig eine Kombinatsleitung aufbauen.
Das letzte Modell der Vogelserie, der SIMSON Habicht SR 4-4, mit Viergang Motor M54, geht in Serie. Dennoch kommt es zu einer Weiterentwicklung des SIMSON S51. Der Neustart in die Marktwirtschaft erfolgt noch mit der Produktion der bekannten Kleinkrafträder S51/1 und SR50/1. Das IFA-Kombinat für Zweiradfahrzeuge löst sich auf. Mit kleiner Belegschaft, ca. 60 Beschäftigte, wird die Produktion des Mokick S53 und des Rollers SR50/1 im März wieder aufgenommen. Hotzenblitz Mobile GmbH & Co. Der Elektroroller SR50 E wird produziert.
Die Produktion des Sperber MS50 und des Sperber S53 Beach Racer im Jahr1997 beginnt. Beides sind ebenfalls echte Neuheiten, die auf dem deutschen Markt konkurrenzlos sind. Durch die Veränderung des Fahrschulrechts dürfen Jugendliche nun schon ab 16 Jahre Motorräder bis 125 ccm mit begrenzter Leistung (15 PS) fahren. Damit bricht der Markt für SIMSON- Kleinkrafträder mit 70 ccm komplett weg. Am 1.6.2000 wird die Simson Motorrad GmbH & Co. Auf Basis des Motorrades Schikra wird das Motorrad 125, bzw. das Motorrad 125 RS neu entwickelt und auf den Markt gebracht. Am 1.10. 2002 wird das Insolvenzverfahren über die Firma Simson Motorrad GmbH eröffnet.
Die Simson Schwalbe: Ein Kultobjekt
Die Simson Schwalbe ist ein Produkt deutscher Fertigungskunst. In den späten 1950er Jahren entworfen, strahlte sie bereits bei ihrer Markteinführung im Jahr 1964 eine unvergleichbare stilistische Eleganz aus. Ihre markante, kastenförmige Formsprache und der leistungsstarke Zweitaktmotor prägten die Mobilität mehrerer Generationen und verschafften der Schwalbe schnell das Image einer stilvollen und unverwechselbaren Kult-Ikone. Ihre zuverlässige Mobilität machte sie außerdem zu einem unverzichtbaren Alltagsbegleiter für eine breite Zielgruppe ab 15 Jahren. In den Spitzenzeiten der 1980er Jahre erreichten die Produktionszahlen nahezu 1,5 Millionen Einheiten, was ihre Position als Kultobjekt entscheidend verstärkte.
Technische Details und Modelle
Die Schwalbe wurde seit 1964 im Simson-Werk in Suhl hergestellt. Insgesamt gab es drei Baureihen. Die erste Baureihe hieß KR 51 (KR stand für Kleinroller) und folgte auf den Kleinroller KR 50, der noch nicht als Zweisitzer konzipiert war. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erschien 1964 der KR 51, der bis 1968 produziert wurde. Die Konstrukteure mussten für das Design herbe Kritik einstecken: die Presse erklärte deutlich, dass die Formgestaltung des Gefährts keineswegs als schön zu bezeichnen wäre. Doch jenen machte schnell der Motor die größeren Sorgen. Er war auf die 60 km/h-Beschränkung noch nicht optimal ausgelegt.
Die zweite Baureihe KR 51/1 sollte dies ab 1968 beheben. Tatsächlich verbesserte sich die Leistung geringfügig und vor allem lief sie durch einige Korrekturen wesentlich leiser. In dieser Baureihe wurden verschiedene Sondermodelle gefertigt, die beispielsweise mehr Komfort oder eine halbautomatische Fliehkraftkupplung boten. Diese wurden bis 1980 hergestellt. Erst dann wurde die zweite Baureihe durch die dritte KR 51/2 abgelöst, die bis zum 31. März 1986 produziert wurde. Danach wurde die Herstellung des ersten Mopeds der „Vogelserie“ eingestellt.
Die wesentliche Unterscheidung zum Vorgänger war der neu konstruierte, fahrtwindgekühlte 3,7-PS-Motor M541. Er reduzierte die Vibrationen beim Fahren, war sparsamer und mit drei oder vier Gängen lieferbar.
Trotz ihrer Höchstgeschwindigkeit von über 45 km/h darf die Schwalbe heute mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden. Dies ist dank der Bestimmung des Einigungsvertrages möglich, die erlaubt, dass Ein- und Mehrspurfahrzeuge der ehemaligen DDR mit maximal 50 cm³ Hubraum trotz einer (in der DDR zulässig gewesenen) Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit dieser Führerscheinklasse gefahren und als Kleinkraftrad versichert werden dürfen.
Erich Übelacker - Chef-Designer der Simson-Modelle
Erich Übelacker war ein erfahrener Ingenieur und Designer, der während seiner Karriere viele bekannte Fahrzeugmodelle entworfen hat. Übelacker war in den 1960er und 1970er Jahren bei Simson tätig und war maßgeblich an der Gestaltung vieler Modelle beteiligt, darunter die Schwalbe und die S50- und S51-Modelle. Einer der bekanntesten Entwürfe von Übelacker war die Simson Schwalbe, die 1964 auf den Markt gebracht wurde. Die Schwalbe war ein echtes Kultmotorrad und wurde zu einem der bekanntesten Symbole der DDR. Übelacker war auch an der Gestaltung der S50- und S51-Modelle beteiligt, die ebenfalls sehr erfolgreich waren und bis heute bei vielen Simson-Enthusiasten beliebt sind.
Das Simson Model S51 - der Klassiker
Das Modell S51 war eines der bekanntesten und meistverkauften Motorräder, das von Simson produziert wurde. Es wurde erstmals 1980 auf den Markt gebracht und wurde bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 2002 hergestellt. Die S51 wurde als Nachfolger des Modells S50 entwickelt und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S51 B, S51 C, S51 E, S51 N und S51 Enduro.
Die S51 hatte einen luftgekühlten Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 50ccm. Die Leistung variierte je nach Version und lag zwischen 2,5 und 4,4 kW. Die Höchstgeschwindigkeit betrug etwa 60-80 km/h, je nach Version und Zustand des Fahrzeugs.
Das Modell hatte eine robuste Konstruktion und war für den Einsatz auf unebenem Gelände geeignet. Es hatte eine Federgabel und eine Federung am Hinterrad, die für eine gute Stoßdämpfung sorgte. Die S51 hatte auch ein zuverlässiges Bremssystem mit Trommelbremsen an beiden Rädern.
Ein weiteres Merkmal der S51 war ihre vielseitige Konfiguration. Es gab verschiedene Ausstattungsvarianten, einschließlich der Basisversion, die für den täglichen Gebrauch konzipiert war, sowie der Enduro-Version, die für den Einsatz im Gelände geeignet war. Es gab auch eine "N" Version, die speziell für den Einsatz auf Straßen konzipiert war und mit einem stärkeren Motor ausgestattet war.
Die S51 ist auch für ihre einfache Wartung und Reparatur bekannt. Viele Besitzer können kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst durchführen. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist auch ein großer Vorteil für Besitzer von Simson-Motorrädern.
Die Schwalbe nach der Wende und heute
Mit der Wende zeichnete sich für die Herstellung von Mopeds, Mokicks, Leichtkrafträdern und Kleinrollern in Suhl das Aus ab. Die Produktion der Schwalbe war nach 1,058 Mio. Exemplaren schon im April 1986 ausgelaufen. Im Dezember 1990 wurde das traditionsreiche Unternehmen von der Treuhand abgewickelt. Nach der Wende wurde das Unternehmen von der Treuhand abgewickelt. Die Produktion endete 1990. Der Versuch, als GmbH zu überleben, scheiterte an der Konkurrenz aus dem Westen und aus Asien. Außerdem stiegen viele Ostdeutsche nun aufs Auto um.
Doch bald zeigte sich, dass sich die robuste Qualität der Simson-Vögel bewährt. Ein weiterer Grund für deren große Beliebtheit auch nach der Wende ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern in der 50ccm-Klasse. Nach den heutigen Vorschriften dürfen zweirädrige Kleinkrafträder nur noch eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern erreichen.
Heute hat die S51 unter Simson-Enthusiasten einen Kultstatus erreicht und wird von vielen als Symbol der Ostdeutschen Kultur und Geschichte angesehen.
Die Renaissance: Die E-Schwalbe
Im August 2017 kommt die Schwalbe zurück - als E-Version mit 45km/h Höchstgeschwindigkeit, entwickelt und produziert von der Govecs AG. Im Juli 2018 wurde mit der 90 km/h Variante noch einen oben drauf gesetzt und die schnellste eSchwalbe aller Zeiten auf den Markt gebracht. Mit der zukunftsorientierten Technologie eines Elektromotors und ihrem charaktervollen Design vereint die eSchwalbe Tradition mit Innovation und setzt ein Statement für nachhaltige Elektro-Mobilität.
Warum lebt der Kult um die Simson-Modelle heute weiter?
Es gibt viele Gründe, warum der Kult um die Simson-Modelle heute noch lebt. Hier sind einige der wichtigsten Gründe:
- Nostalgie: Für viele Menschen, insbesondere für diejenigen, die in der DDR aufgewachsen sind, sind die Simson-Motorräder ein Symbol für ihre Kindheit und Jugend.
- Einzigartiges Design: Die Simson-Motorräder haben ein einzigartiges Design, das sich von anderen Motorrädern unterscheidet.
- Erschwinglichkeit: Viele Menschen schätzen die Erschwinglichkeit der Simson-Motorräder im Vergleich zu modernen Motorrädern.
- Einfache Wartung und Reparatur: Die Simson-Motorräder sind für ihre einfache Wartung und Reparatur bekannt.
- Exklusivität: Da die Simson-Modelle nicht mehr produziert werden, sind sie zu einem exklusiven Sammlerstück geworden.
Laut Schätzungen waren 2015 ganze 150.000 Schwalben im deutschen Straßenverkehr zugelassen. Nur wenige haben dem Zahn der Zeit unverändert standgehalten, viele sind heute nachlackiert, mit Ersatzteilen versehen oder frisiert. An die Ersatzteile zu gelangen ist kaum ein Problem.
Verwandte Beiträge:
- Moped Schwalbe elektrisch umbauen: Kosten, Vorteile & Tipps
- Schwalbe Moped Hersteller: Informationen & Modelle
- Simson Moped Schwalbe: Kult-Roller im Test & Pflegetipps
- Schwalbe Mopedreifen Gewicht: Übersicht & Vergleich
- Verfolgungsjagd mit Moped & Roller: Schwere Strafen, die du kennen musst!
- Motorrad Führerschein Regelung: Klassen, Kosten & Voraussetzungen
Kommentar schreiben