Eingeschlafene Finger beim Radfahren: Ursachen und Lösungen

Viele Menschen kennen das Problem, dass ihnen bei längeren Fahrradtouren die Hände einschlafen - also die Finger taub werden. Der Grund dafür liegt meist in gereizten Nerven im Handbereich.

Ursachen für taube Finger beim Radfahren

Auch wenn die Hände sich nicht wirklich bewegen beim Fahrradfahren, sind sie immens wichtig bei dieser Fortbewegungsart, da sie einer von lediglich drei Kontaktpunkten zwischen Fahrrad und Radler sind. Je nach Fahrstil bzw. Rückenneigung (eher aufrechtes oder sportliches Sitzen?) und dem Fitnesszustand des Fahrers, wird ein Großteil des Oberkörpergewichts auf den Lenker gestützt. Der durchaus sehr hohe und auch anhaltende Druck wird auf eine nur geringe Abstützfläche am Griff verteilt. Die punktuelle Druckbelastung dabei ist sehr hoch.

Ein suboptimaler Griff kombiniert mit einer falschen Griffhaltung sorgen so schnell für eine falsche Sitzhaltung auf dem Rad. „Das wirkt sich negativ auf das Gesamtgefühl aus. Die Nerven nicht nur in den Händen werden gereizt, schon auf kurzen Touren können als Folge Nackenverspannungen und Rückenschmerzen auftreten“, erklärt Stefan Stiener vom Ergonomie-Experten Velotraum.

Taubheitsgefühle in den Händen entstehen oft durch einen zu hohen Druck auf den empfindlichen Ulnar-Nerv. Der verläuft im Bereich des Kleinfingerballens knapp unterhalb der Hautoberfläche. Durch zu hohen Druck auf der Handaußenseite entwickeln sich auf die Dauer Taubheits-Symptome an Ring- und kleinem Finger. Wenn auf dem empfindlichen Ulnarnerv zu hoher Druck lastet, entstehen in den Händen schnell Taubheitsgefühle: Dies geht vom Bereich des Kleinfingerballens bis fast unterhalb der Hautoberfläche.

Wenn Sie beim Radfahren zu hohen Druck auf die Hand-Außenseite ausüben, bekommen Sie langfristig auch Taubheit-Symptome am kleinen und am Ring-Finger.

Treten Schmerzen oder Taubheit an Zeige-, Mittelfinger oder Daumen auf, kann ein zu hoher Druck auf dem Ausgang des Karpal-Tunnels die Ursache sein. Hervorgerufen werden die Schmerzen meist durch ein zu starkes Abknicken des Handgelenks, was Nerven, Sehnen und Blutgefäße komprimiert. Die Folge ist ein verengter Karpaltunnel und ein beschädigter Mediannerv, was auch als Karpaltunnelsyndrom bezeichnet wird.

Dabei handelt es sich leider um eine Volkskrankheit: Laut Information der Aktion Gesunder Rücken haben sich in Deutschland bereits über 300.000 Menschen einer entsprechenden Operation unterziehen müssen. „Gerade auf längeren Fahrten mit zunehmender Ermüdung ist es schwierig, die ergonomisch korrekte Position der Hand zu gewährleisten. Ein korrekt eingestellter Flügelgriff kann auch hier unterstützen und das Handgelenk in der ergonomisch optimalen Position halten, ohne dass es abknickt“, sagt Schiffner.

Ebenso kann ein seitlich überstrecktes Handgelenk Probleme beim Fahren versuchen; es kann ebenfalls zu tauben Fingern führen, weil der Karpaltunnel eingeengt wird. Vorrangig gerade Fahrradlenker sind für solch einen Knick im Handgelenk verantwortlich. Dieser Knick wird meist durch einen zu geraden Lenker hervorgerufen.

Lösungen und Maßnahmen gegen eingeschlafene Finger

„Eine Lösung ist der Tausch des herkömmlichen Griffs gegen einen sogenannten Flügelgriff. Dadurch wird die Auflagefläche der Hand vergrößert und der Druck besser verteilt“, sagt Lothar Schiffner von Ergon, Hersteller für ergonomische Fahrrad-Komponenten.

Als bessere Variante ist ein Lenker mit Biegung nach hinten absolut sinnvoll, denn dann wird das Handgelenk weniger überstreckt, der Karpaltunnel somit gut entlastet und die Versorgung der Hand wird verbessert. „Die Lösung ist ein Lenker mit einer Biegung nach hinten. Das Handgelenk wird weniger überstreckt und der Karpaltunnel entlastet. Die Versorgung der Hand wird wieder verbessert“, erklärt Stephanie Römer vom Fahrradhersteller Tout Terrain.

Ebenso eine sinnvolle Ergänzung wären sogenannte Barends - auf Deutsch: Lenkerverlängerungen. Die „Hörnchen“ an der Lenkeraußenseite gibt es in unterschiedlichen Größen und auch direkt in Griffe integriert. Sie ermöglichen es, die Griff-Position während der Fahrt einfach zu verändern. Diese „Hörnchen“, welche an den Lenkeraußenseiten integriert werden, gibt es in verschiedenen Größen - auch direkt in die Griffe integriert. Mit den Barends ist es sehr entspannt und einfach die Griffposition direkt währen der Fahrradfahrt zu verändern.

Gerade bei ergonomischen Fahrradgriffen ist es unabdingbar wichtig, dass sie richtig eingestellt sind - nur so können sie ihr Potenzial entfalten. „Die Griffe sollte man so einstellen, dass das Handgelenk nicht am Lenker abknickt, sondern in einer geraden Linie vom Handrücken zum Unterarm übergeht. Zudem sollten die Brems- und Schalthebel vom Griff aus leicht erreichbar sein“, rät Schiffner. Wichtig ist, darauf zu achten, dass das Handgelenk in der Fahrposition nicht am Lenker abknickt, sondern in gerade Linie von der Hand zum Unterarm übergeht.

Fragen Sie bei dem Fachhändler Ihres Vertrauens um Hilfe bei der Einstellung oder nutzen eine spezielle Fitting-Box. Bei der Einstellung hilft der Fachhändler oder eine spezielle Fitting-Box; dass moderne Griffe auf den Lenker geschraubt werden und nicht mehr mühsam aufgestopft werden, vereinfacht die Justage. Moderne Griffe werden heutzutage auf den Lenker geschraubt und nicht mehr mühselig aufgestopft, dies hilft ebenfalls sehr bei der optimalen Anpassung.

Bei eigenen Schraubaktionen muss man allerdings immer die Drehmomentangaben der Hersteller beachten, damit der Griff nicht zu stark oder zu locker angeschraubt wird. Der Griff darf nicht zu locker oder zu stark angeschraubt werden. Orientieren Sie sich bei Schraubaktionen aber immer an den Herstellerangaben vor allem im Bereich der Drehmomentangaben. „Speziell ein zu lockerer Griff ist ein Sturzrisiko, da man schnell die Kontrolle über das Rad verlieren kann.

Passende Fahrrad-Handschuhe können die Kontrolle unterstützen und auch eine ergonomische Wirkung erfüllen. Vor allem gut gepolsterte Handschuhe sind zum Radfahren sehr angenehm. „Gut gepolsterte Handschuhe sind für viele Radfahrer:innen angenehm. Dank der verwendeten Schaumstoff- oder Gel-Polster werden die empfindlichen Bereiche auf der Handinnenseite zusätzlich gestützt und an die Ergonomie der Griffe angepasst“, erklärt Anna Rechtern vom Outdoor-Spezialisten Vaude. Die Gel- bzw. Schaumstoff-Polster stützen die empfindlichen Bereiche auf der Handinnenseite zusätzlich und passen sich gut der Griff-Ergonomie an.

Aber achten Sie darauf, dass Ihre Handschuhe eine nicht zu starke Polsterung haben. Handschuhe mit einer starken Polsterung verlieren jedoch an Taktilität. Wer eine sichere Lenkerkontrolle bevorzugt, wählt eher eine dünne Innenhandpolsterung. „Das ist vor allem für sportive Fahrer im MTB- und Rennradbereich zu empfehlen“, so Rechtern.

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