Fahrrad Gangschaltung richtig einstellen: Eine umfassende Anleitung

Wenn die Kette beim Fahrradfahren schleift oder rattert, sobald man zu treten beginnt, ist häufig eine falsch eingestellte Schaltung das Problem. Was nach einem teuren Werkstattbesuch klingt, lässt sich meist mit wenigen Handgriffen selbst beheben. Hier ist eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie Ihre Fahrradgangschaltung selbst einstellen können.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

  • Kreuzschlitzschraubendreher bzw. Inbusschlüssel
  • Fahrrad-Montageständer (optional)
  • Kettenöl
  • Reiniger für Kette, Schaltwerk, Umwerfer, Kassette und Kettenblätter
  • Verschleißlehre (für die Kette)
  • Bowdenzugschneider
  • Endtüllen für Schaltzüge

Vorbereitung

Bevor Sie mit der eigentlichen Einstellung beginnen, ist es wichtig, einige Vorbereitungen zu treffen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein.

Reinigung und Schmierung

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, dürfen Sie ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.

Bauteile prüfen

Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Kassette

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein.

Schaltwerk

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln.

Schalträdchen

Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Kette

Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.

Schaltauge

Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung der Kettenschaltung

Am besten spannen Sie das Fahrrad dazu in einen Montageständer ein, sodass Kurbel und Räder sich frei bewegen können. Zur Not kann aber auch eine zweite Person helfen, die das Fahrrad bei Bedarf anhebt bzw.

1. Endanschlag unten (H-Schraube)

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang.

Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Wichtig: der Schaltgriff muss auf den schwersten Gang geschaltet sein.

2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen.

3. Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert. Sitzt die Kette auf dem größten Ritzel, versuche, das Schaltwerk durch Drücken des Schalthebels noch etwas weiter in Richtung Speichen fahren zu lassen.

4. Feineinstellung der Zugspannung

Mit der Einstellschraube am Schalthebel lässt sich die Zugspannung der Schaltung erhöhen oder senken. Das ist nötig, wenn sich die Kette nur schwer in den jeweils höheren oder niedrigeren Gang schalten lässt. Auch hier reicht in der Regel wenig Drehung nach vorne (Spannung erhöhen) oder hinten (Spannung senken): Springt die Kette nur schwer vom kleineren auf das größere Ritzel, sollte die Spannung erhöht werden.

5. Überprüfung des Schaltauges

Um festzustellen, ob das Schaltauge verbogen ist, kann eine Sichtprüfung von hinten auf das Schaltwerk hilfreich sein. Dabei sollte die Leitrolle des Schaltwerks in einer Linie mit den Ritzeln stehen. Für eine präzisere Diagnose empfiehlt sich die Verwendung einer Schaltauge-Kontrolllehre oder eines Richtwerkzeugs, mit dem die genaue Ausrichtung überprüft werden kann.

6. B-Schraube (Umschlingung einstellen)

Über den beiden genannten Anschlagschrauben (H + L) sitzt eine weitere Schraube (B), die direkt auf eine kleine Rampe am Schaltauge drückt. Sie regelt den Abstand des oberen Schaltröllchens von den Ritzeln und muss nur selten justiert werden. Zum Beispiel wenn das obere Röllchen zu nah steht, was sich durch ein ratterndes Geräusch äußert. In diesem Fall drehst du die Schraube hinein, so dass sich der Käfig mit den Röllchen vom Ritzel nach unten weg bewegt.

Einstellung des Umwerfers (bei Fahrrädern mit mehreren Kettenblättern)

Für exakte Kettenwechsel müssen die Leitbleche des Umwerfers parallel zu den Zahnrädern stehen. Außerdem muss das äußere Leitblech einen Abstand von ein bis drei Millimetern zum großen Kettenblatt haben. Prüfe und korrigiere den Sitz des Umwerfers gegebenenfalls. Dazu vorher aufs kleine Kettenblatt schalten und den Schaltzug entspannen.

1. Unterer Endanschlag (L-Schraube)

Schalte zuerst aufs kleinste Kettenblatt und hinten aufs größte Ritzel. Justiere mit der L-Schraube den inneren Anschlag so, dass die Kette gerade eben ohne Schleifen am inneren Leitblech vorbei läuft. Der Schaltzug sollte leicht unter Spannung stehen.

2. Oberer Endanschlag (H-Schraube)

Schalte hinten aufs kleinste Ritzel und vorne aufs größte Kettenblatt. Justiere die H-Schraube so, dass die Kette gerade eben ohne Schleifen am äußeren Leitblech vorbei läuft. Der Schalthebel darf sich nicht weiter drücken lassen!

3. Feineinstellung

Die Feineinstellung erfolgt mit der Spannschraube/Rändelschraube am Schalthebel.

Einstellung von Nabenschaltungen

Bei Fahrrädern mit Nabenschaltungssystem befindet sich der Schaltmechanismus in der Hinterradnabe.

3-Gang-System einstellen

  1. Schalthebel auf den zweiten Gang stellen.
  2. Prüfe die Ausrichtung. Die Linie auf der Schubstange sollte an der Markierung im Fenster des Umlenkhebels ausgerichtet sein (Abb. 3).
  3. Wenn die Markierungen nicht auf einer Höhe sind, Zugeinsteller drehen, bis sie einander überdecken.
  4. Stelle den Schalthebel auf den ersten Gang, dann auf den zweiten Gang. Einstellung prüfen.

Nexus-System mit 4, 7 oder 8 Gängen einstellen

  1. Schalthebel auf den vierten Gang stellen.
  2. Markierung auf der hinteren Nabenscheibe (Abb. 4) auf eine Linie mit der Ritzelbefestigung bringen.
  3. Wenn die roten Linien nicht auf einer Höhe sind, drehe den Zugeinsteller, bis sie einander überdecken.
  4. Stelle den Schalthebel auf den ersten Gang, dann auf den vierten Gang. Prüfe die Einstellung.

Schalthebelposition einstellen

  1. Suche die Klemmschraube des Hebels (Abb. 5 bzw. Abb. 6).
  2. Löse die Klemmschraube um zwei bis drei Umdrehungen.
  3. Verschiebe den Hebel.
  4. Klemmschraube auf 6.0-7.8 Nm (53-69 lb/in) anziehen.

Häufige Probleme und Lösungen

Problem Mögliche Ursache Lösung
Kette springt nicht auf das kleinste Ritzel Zu hohe Zugspannung, falsche Einstellung der H-Schraube Zugspannung verringern, H-Schraube justieren
Kette springt nicht auf das größte Ritzel Zu geringe Zugspannung, falsche Einstellung der L-Schraube Zugspannung erhöhen, L-Schraube justieren
Kette schleift am Umwerfer Falsche Position des Umwerfers, falsche Einstellung der H- oder L-Schraube Position des Umwerfers korrigieren, H- oder L-Schraube justieren
Schaltung ist schwergängig Verschmutzte oder beschädigte Schaltzüge und Außenhüllen Schaltzüge und Außenhüllen reinigen oder austauschen

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