Elektroautos sind auf deutschen Straßen mittlerweile Alltag. 524.219 neu zugelassene E-Autos gab es 2023 in Deutschland - 11,4 Prozent mehr als 2022. Doch wie sieht es bei den Zweirädern aus? E-Motorrad - das bedeutet nachhaltige Freiheit auf zwei Rädern.
Als emissionsfreie Alternative zu Verbrennungsmotoren schließt es eine der letzten Lücken der Elektromobilität. Bisher ist das Elektro-Motorrad noch ein Geheimtipp: Aber große Hersteller sind dem Trend bereits auf der Spur.
Der Markt für Elektromotorräder
Das Angebot an Elektromotorrädern wächst langsam, aber stetig. Das sind die interessantesten E-Bikes, die in Deutschland aktuell oder demnächst erhältlich sind. Immer mehr Hersteller setzen auf E-Antrieb. Doch viele kleinere Hersteller und Start-ups vertrauen auf die Weiterentwicklung der Akku-Kapazitäten und bieten reine Elektro-Modelle an.
Während große Autohersteller sich mit Elektroauto-Reihen überbieten, ist die Begeisterung für E-Motorräder aktuell noch überschaubar: Von den 223.889 Motorrädern, die 2022 in Deutschland zugelassen wurden, waren gerade einmal 9.445 Elektromotorräder.
E-Motorrad Modelle im Überblick
Hier sind einige interessante E-Motorrad Modelle, die derzeit auf dem Markt sind:
- NIU RQi Sport: Die Reichweite des NIU RQi Sport liegt bei ca. Das E-Motorrad sieht nicht nur wie ein richtiges Motorrad der Leichtkraftklasse Le3 aus, es fühlt sich beim Besteigen sogar noch erwachsener an. Mittig lagern zwei mächtige Akkublöcke unter einer großen Klappe, geöffnet vom Transponderschlüssel oder dem zentralen Steuerknopf. Dies ermöglicht im Dynamic-Modus echte 101 km/h, mittels einer Boost-Taste sind für 30 Sekunden sogar 126 drin.
- Can-Am Pulse und Origin: Die Bikes sind 2025 zu Preisen um 17.000 Euro in den Handel gekommen, beide auf der gleichen Antriebsbasis. Neben der offenen Leistung von 35 kW/48 PS gibt’s Pulse wie Origin natürlich auch als 11-kW-Version, passend für B196- und A1-Aspiranten. Beide Versionen schaffen locker stattliche 129 km/h - von solchen Höchsttempi können verbrennende 125er nur träumen. Die Reichweite macht das Bike für Pendler interessant - Can-Am gibt für den wenig praxisgerechten WMTC-Zyklus 115 Kilometer an.
- Horwin Wildfire: Das Modell Wildfire soll mit einer Ladung rund 250 Kilometer (nach WMTC) weit fahren. So motorisiert soll die Wildfire in 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen. Unter der Sitzbank befindet sich ein 10-Liter-Staufach für Einkäufe oder ein Ladekabel.
- Silence S05 Weekender: Mit der S05 Weekender haben die Spanier nun ein E-Motorrad vorgestellt, das als Leichtkraftrad an den Start gehen soll. Silence verspricht eine Reichweite von deutlich über 100 Kilometern. Für den Vortrieb sorgt ein ins Hinterrad integrierter Nabenmotor, der die Maschine auf bis zu 120 km/h beschleunigt.
- Kawasaki Ninja e-1 und Z e-1: Die vollverkleidete Ninja e-1 steht den Verbrennermodellen optisch in nichts nach. Mit Road und Eco stehen zwei Fahrmodi zur Wahl. Im Eco-Mode fährt die elektrische Kawa 64 km/h und mit Boost-Funktion bis zu 75 km/h schnell. Beim Road-Mode sind es 88 beziehungsweise 99 km/h. Außerdem gibt es einen Walk-Mode mit Rückwärtsgang als Schiebe- und Rangierhilfe für das 140 Kilogramm schwere Elektro-Bike.
- Honda EV Fun Concept: Im November 2024 stellten die Japaner das seriennahe Konzeptfahrzeug EV Fun vor. Die mögliche Reichweite gibt der Hersteller allerdings mit 100 Kilometern an.Im Laufe des Jahres 2025 will Honda ein der EV Fun Concept ähnliches Serienmodell auf den Markt bringen.
- Kymco RevoNex: 2025 soll die elektrisch angetriebene Mischung aus Streetfighter und Supersportler auf den Markt kommen. Die Technik der RevoNex stammt vom Livewire-Modell S2 Del Mar.
- Livewire S2 Del Mar, Alpinista und Mulholland: Zu diesem Zweck entwickelte man zusätzlich zum Modell S2 Del Mar zwei weitere S2-Versionen: die Alpinista und die Mulholland. Angetrieben werden alle drei Modelle von einem 63 kW/86 PS starken E-Motor, der das fast schon sagenhaft hohe Drehmoment von 263 Newtonmetern stemmt. Das ist auch gut so, denn der 10,5 kW fassende Akku liefert nach dem europäischen WMTC-Messverfahren im kombinierten Einsatz Energie für 111 (Del Mar) bis 122 Kilometer (Alpinista und Mulholland) Reichweite.
- Royal Enfield Flying Flea C6: Das Elektromotorrad bietet einen ebenso eigenwilligen wie interessanten Stilmix aus progressiven und Retro-Elementen. Die C6 soll ab 2026 im Leistungssegment der 125er-Klasse antreten und im Stadtverkehr eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern bieten.
- Zero Motorcycles: Der kalifornische Hersteller Zero gilt ebenfalls als Vorreiter in Sachen Elektromobilität auf zwei Rädern. Zero konstruiert schon seit 2006 Elektromotorräder und bietet derzeit die größte Auswahl an Modellen. Mit der DSR/X wollen die Amerikaner ebenfalls reiselustige Biker auf die saubere Seite der Zweiradwelt locken. Zudem gibt es einen potenten Antrieb und einen großen Akku.
Preise und Unterhaltskosten
Die wichtigste Frage: Was kostet ein E-Motorrad mit Straßenzulassung? Das begrenzte E-Motorrad-Sortiment sorgt leider dafür, dass Top-Modelle zwischen 25.000 und 55.000 Euro kosten. Damit sind sie oft teurer als herkömmliche Motorräder. Der eigentliche Preisvorteil liegt in den Unterhaltskosten.
Langfristig bedeuten E-Motorräder weniger Wartungskosten. Zudem gilt für Elektrofahrzeuge mit Erstzulassung bis zum 31.12.2025 weiterhin eine komplette Kfz-Steuerbefreiung, die noch bis zum 31.12.2030 in Anspruch genommen werden kann. Danach zahlen Sie nur 50 Prozent der Kraftfahrzeugsteuer.
Leistung und Reichweite
Was Motorradfans meist abschreckt, ist die Reichweite der E-Motorräder. Aktuell liegt sie im Durchschnitt unter der von Benzinmotoren. So schaffen City-Modelle mit kleinen Batterien zwischen 70 und 100 Kilometer, Top-Modelle bereits über 300 Kilometer. Voll aufgeladen sind E-Motorräder also fürs Stadtleben, Kurzstrecken oder Kurzausflüge praktisch. Für Überlandtouren sollten Sie jedoch Ladepausen einplanen.
Wie lang eine Ladung hält, hängt von Fahrverhalten, Gewicht und Batterietyp ab. Sparsames Fahren ermöglicht bei absoluten Top-Modellen mit entsprechend großen Akkus eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern. Dabei spielen jedoch auch die Verkehrssituation, das Gelände und die Geschwindigkeit eine Rolle. Bei hohen Geschwindigkeiten zum Beispiel auf der Autobahn kann sich diese Reichweite schnell auf 100 bis 150 Kilometer reduzieren.
Elektro Motorräder können Maximalgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichen. Wobei das E-Motorrad mit der Bezeichnung WMC250EV auf Spitzengeschwindigkeit von 400 km/h kommt.
Laden von Elektromotorrädern
Wie bei E-Autos laden Sie Ihr Elektro-Motorrad an privaten oder öffentlichen Ladestationen, E-Leichtkrafträder oder Roller können zudem auch über Haushaltssteckdosen geladen werden. E-Motorräder sind in der Regel mit Typ-2-Ladestationen kompatibel. Zum Teil gibt es allerdings auch Modelle mit integrierter Schnellladetechnologie auf Basis des CCS-Standards.
Die meisten Elektro Motorräder lassen sich auf drei verschiedene Arten laden. Das Aufladen geht entweder über die hauseigene 230V-Steckdose, über eine Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule. Je nach Stecker-Typ lässt sich das E-Motorrad mit oder ohne Adapter an der öffentlichen Ladesäule befüllen.
Die Ladesysteme teilen sich nämlich grob gesagt in zwei Gruppen auf. Wechsel-, oder Gleichstrom? Wer keine technische Ausbildung durchlaufen hat, dem könnte Wechsel- und Gleichstrom im Physik Unterricht untergekommen sein. Den grundsätzlichen Unterschied zwischen beiden erläutere ich hier jetzt nicht, relevant ist aber im Bezug auf E-Zweiräder, dass Wechselstrom (AC) prinzipiell langsamer lädt, während Gleichstrom (DC) in vielen Schnellladevorgängen zum Einsatz kommt.
Unsere Haushaltssteckdosen mit 230 V Spannung liefern Wechselstrom, ergo laden sie langsam. Bei kleinen E-Rollern mit geringer Batterieleistung, wie z.B. dem von uns getesteten Peugeot E-Ludix, reicht die Leistung der Steckdose aber auch vollkommen aus. Der Clue ist, dass die Akkus in E-Fahrzeugen IMMER Gleichstrom zum Laden brauchen. Das heißt der Wechselstrom der Stromquelle gibt zwar die Ladeleistung und damit die Ladegeschwindigkeit vor, der Strom muss dann aber noch in Gleichstrom umgewandelt werden. Diese notwendige Umwandlung muss entweder von der Ladestation, dem Fahrzeug selbst, oder dem Ladekabel vollzogen werden.
Bei privaten Ladestationen sind schon durch den generellen Stromanschluss und das lokale Stromnetz Grenzen gesetzt. Haushaltssteckdosen schaffen mit passendem Ladekabel maximal 2,3 kW Ladeleistungen, Ladestationen bis zu 12 kW dürfen noch ohne Genehmigung im privaten Haushalt angeschlossen werden. Darüber muss der Netzbetrieber erst prüfen, ob das Netz die Zusatzbelastung von z.B. oft üblichen 22 kW überhaupt aushält. Wie viel sinnvoll ist, hängt natürlich stark vom Fahrzeug ab.
Es mag (unnötig) kompliziert wirken, aber es gibt für die Ladekabel und Steckertypen unterschiedliche Unterteilungen. Bei Ladekabeln wird zwischen Mode 2 und Mode 3 unterschieden. Mode 2-Ladekabel gibt es in vielen Varianten, es wird oft zum Anschluss an eine gewöhnliche Haushaltssteckdose vom Hersteller werkseitig mitgeliefert. So können Elektrofahrer auch ohne feste Ladestation in der Nähe laden. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeanschluss übernimmt dabei eine Box, die zwischen dem Fahrzeugstecker und Anschlussstecker geschaltet ist (Die eckige Box in vielen Kabeln: ICCB, in-cable control box).
Mode 3-Ladekabel kommen bei stärkeren Anschlüssen zum Einsatz und schaffen bis zu 43 kW Ladeleistung.
Hier eine Übersicht über die verschiedenen Stromquellen, Stecker und Ladekabel:
| Stromquelle | Stecker | Ladekabel | Spannung/Strom/max. Ladeleistung | AC/DC | Weitere Details |
|---|---|---|---|---|---|
| Haushaltsteckdose/Schuko | Haushaltsstecker | Mode 2 | einphasig 230 V/10 A/2,3 kW | AC | ICCB-Kabel mit passendem Stecker oder Direktanschluss im Fahrzeug. Schuko ist nur für kurzzeitige 16-A-Belastung geeignet |
| Blaue Camping Steckdose | Typ 1 | Mode 2/Mode 3 | einphasig 230 V/16 A/3,6 kW | AC | ICCB-Kabel mit passendem Fahrzeugstecker |
| Ladestation Typ 2 | Typ 2 | Mode 3 | Spannung & Strom stationsabhängig/typische LL: 3,6/11/22/43 kW | AC | Typ-2- oder Combo-2-Ladeanschluss fahrzeugseitig und Bordladegerät mit entsprechender Leistungsaufnahme. |
Führerscheinbestimmungen
Natürlich erfordern auch E-Motorräder einen Führerschein. Ob ihr für ein Elektromotorrad einen Führerschein der Klasse A, A1 oder A2 benötigt, hängt von der Leistung des Fahrzeugs ab.
Seit 1.1.2020 können Sie mit der Führerscheinklasse B (Schlüsselzahl 196) A1-Motorräder fahren. Das gilt nicht nur für herkömmliche Leichtkrafträder, sondern auch für ein E-Motorrad 125 - also E-Motorräder oder E-Roller mit maximal 11 kW Nenndauerleistung, die 125 ccm Hubraum entsprechen. Eine spezielle Umschulung ist nicht erforderlich.
Es gibt für jede Führerscheinklasse das passende E-Motorrad oder den passenden E-Motorroller. Für jugendliche Fahrer ab 16 Jahren mit Führerschein AM oder für den Autoführerschein B bis 45 Km/h. Für den Mopedführerschein A1 ab 16 Jahre bis 80 km/h. Mit der B196 Zusatzgenehmigung in Verbindung mit dem Autoführerschein ab 18 Jahre könnt Ihr in der 125er Klasse (bis 11 kW) unterwegs sein.
Ihr habt nur den Autoführerschein, wollt aber trotzdem mit einem 125er E-Motorrad unterwegs sein? Dann lässt sich euer Führerschein der Klasse B mit einem einfachen Zusatzkurs zum Führerschein für ein Elektromotorrad der Klasse L3e-A1 upgraden. Vier bis sechs Wochen dauert der Kurs für diesen B196-Führerschein. Eine Prüfung am Ende der Schulung ist nicht vorgesehen.
Probefahrt und Kaufberatung
Try before buy: Auf welchem Elektromotorrad Ihnen der Fahrtwind am besten gefällt, finden Sie am besten bei einer Probefahrt heraus. Als überregionaler Fachhändler für E-Motorräder bieten wir Ihnen in den Showrooms unserer Ladengeschäfte in Berlin, Braunschweig und Badbergen (Osnabrück) ein breites Portfolio an aktuellen Modellen vieler namhafter Hersteller.
Als spezialisierter Händler für E-Mobilität möchten wir, dass Sie sich beim E-Motorrad Kauf rundum wohlfühlen. Wir versprechen Ihnen eine unverbindliche kompetente Beratung und sorgen mit einer unkomplizierten Abwicklung dafür, dass der klimafreundliche und geräuscharme Fahrspaß ganz entspannt beginnt. Wir wissen, welche finanziellen Fördermöglichkeiten Sie in Anspruch nehmen können. Und natürlich sind auch Finanzierung und Leasing kein Problem.
Legen Sie sich in die Kurve und erleben Sie zwischen Fliehkraft und Schwerkraft, wie viel Spaß umweltbewusstes Motorradfahren machen kann. Vibrationsfrei und absolut spritzig. Dank Rekuperation gewinnen Sie sogar beim Bremsen.
Verwandte Beiträge:
- Elektro Dreirad mit Anhänger: Test & Kaufberatung – Die besten Modelle 2024
- Elektro Moped mit Pedalen: Testsieger, Kaufberatung & Modelle 2024
- Elektro Dreirad Mountainbike Test & Vergleich: Modelle & Funktionen
- Stark Elektro Motocross: Leistung & Fahrspaß
- Fahrradreifen 18x1.75: Zollgröße & passende Reifen
- E-Bike Tests bei Decathlon: Der Ultimative Ratgeber für Dein Perfektes Elektrofahrrad
Kommentar schreiben