Der Elektrorennmotorrad-Hersteller Energica bringt mit der Experia seinen ersten Reisestromer auf den Markt. Die neue Energica erinnert optisch stark an einen Mix aus Ducati Multistrada V4 und BMW S 1000 XR. Kurzer Frontschnabel, zackige Verkleidung, tief ausgeschnittene Reisesitzbank - das sind klassische Adventure-Tourer-Zutaten. Nur der Auspuff fehlt.
Energica bezeichnet die Experia als »Green Tourer« - das erste abgasfreie Motorrad für Fernweh-geplagte Biker mit grünem Gewissen. »Wir haben Hightech-Elektromobilität mit der Reiselust des Motorradfahrers verbunden.
Technische Details und Fahrleistungen
Der Hoffnungsträger leistet maximal 102 PS (75 kW) und entwickelt gut kontrollierbare 115 Nm Drehmoment. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h elektronisch abgeregelt, um nicht Akkupower und Reichweite zu verpulvern. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt gleichwohl in 3,5 Sekunden. Das ist standesgemäß für ein hochpreisiges Reisebike.
Technisch fährt die Experia auf der Höhe der Zeit. Das Kurven-ABS von Bosch ist mit einer sechsstufigen Traktionskontrolle gekoppelt. Dazu gibt es insgesamt sieben Fahrprogramme. Vier davon sind voreingestellt, drei frei konfigurierbar. Sie regeln, wie der Elektromotor anspricht und wie feinfühlig die Assistenzsysteme agieren. So zügeln die Fahrmodi das Temperament bei Regen, steigern den elektrischen Schub im Sportbetrieb oder vergrößern die Reichweite im Ökomodus - ähnlich wie bei konventionellen Reisemotorrädern.
Batterie und Ladezeiten
Mit maximal 22,5 kWh (nominal 19,6 kWh) hat die Experia den leistungsstärksten Akku aller derzeit angebotenen Elektromotorräder an Bord. Wie der Permanent-Magnet-Synchronmotor ist die Antriebsbatterie komplett neu und »Made in Modena«.
Geladen werden kann die neue Akkugeneration erstmals bei Energica über alle drei gängigen Ladesteckersysteme inklusive CHAdeMO für den asiatischen Markt (ab Ende 2022). Am DC-Schnelllader (Level 3 Mode 4) zieht der Akku 6,7 km Reichweite pro Minute, macht rekordverdächtige 400 km City-Reichweite in einer Stunde. An der Steckdose (Level 2 Mode 2 oder 3) sinkt das Ladetempo auf 63,5 km in der Stunde.
Reichweite in der Praxis
Bis zu 420 Kilometer Reichweite versprechen die Italiener, wobei ein gehöriger Anteil mit Citytempo eingerechnet ist. Laut WMTC-Zyklus - das Motorrad-Gegenstück zur WLTP-Angabe bei Autos - schafft die Experia mit einer Stromladung offiziell 222 Kilometer. Energica gibt im technischen Datenblatt kombiniert 256 Kilometer an und 208 km außerorts.
Immerhin zeigte das Berg-und-Tal-Spektakel, wie effizient die Bremsenergierückgewinnung der Experia arbeitet.Vier Rekuperationsstufen - stark, mittel, leicht, aus - haben die Ingenieure programmiert. Auf der höchsten (B3) erübrigt sich der Griff zur Bremse: Dreht man den Stromgriff zu, verzögert die Experia augenblicklich geradezu rabiat. Schrittweise nimmt die Wirkung dann über die beiden anderen Einstellungen ab.
Bei unserer Testfahrt reichte der Strom am Ende für (hochgerechnet) gut 300 Kilometer. Weiter kommen die meisten Reisemaschinen auch nicht ohne Tankstopp. Wobei der dann doch deutlich schneller vollzogen ist als eine Ladesession.
Fahreigenschaften und Komfort
Die Experia ist im Vergleich zu ihren Energica-Geschwistern ein handzahmes Motorrad. Aufrechte Sitzposition, entspannter Kniewinkel, easy Handling - das kennt man von den extrem sportlichen E-Modellen Ego+, Eva Ribelle und Esseesse9+ so nicht.
Preis und Verfügbarkeit
25.590 Euro plus Mehrwertsteuer kostet die Launch-Edition. Das macht in Deutschland 30.452 Euro. Energica Experia mit Gepäckset (112 Liter Stauraum), Tempomat, Griffheizung und vier USB-Anschlüssen.
Positive Aspekte
Gleiten Elektromotorräder wie die Experia an ihnen vorbei, gibt es den Daumen hoch. Die Begegnungen mit angestrengt strampelnden Fahrradfahrerinnen und -fahrern in den Bergen sind oft sichtlich genervt vom Lärm und Mief der Benzin-verbrennenden Feuerstühle.
Technische Daten im Überblick
| Hersteller | Energica Motor Company |
|---|---|
| Typ | Experia |
| Karosserie | Motorrad |
| Motor | Permanentmagnet-Synchron |
| Getriebe | Automatikgetriebe |
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