Elektro-Motorräder aus China im Test: Eine umfassende Übersicht

In China erleben Elektromotorräder einen regelrechten Boom. Da bei ihrer Konstruktion auf viele traditionelle Bauteile verzichtet werden kann, ergeben sich für Designer völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten. Einige Hersteller setzen auf ein eher konservatives Design, um potenzielle Kunden nicht abzuschrecken.

Innovative Designs und Technologien

Naxeon geht mit der I AM einen anderen Weg und versteckt ihren Elektroantrieb nicht. Das Design ist eigenständig und hebt sich von der Masse ab. Besonders auffällig ist die von Naxeon entwickelte Parallelogramm-Gabel mit Zentralfederbein nach dem Hossack-Prinzip. Diese Bauform bietet einen hervorragenden Bremsnickausgleich, ist steifer und leichter als herkömmliche Gabeln und verbessert die Straßenhaftung. Hinten arbeitet ein fast senkrecht stehendes Federbein an der Zweiarmschwinge. Der Kennzeichenträger ist samt LED-Rücklicht und Blinker an der Schwinge montiert. Die vordere Felge ist verkleidet, um optisch zum Hinterrad zu passen.

Der Fahrer steuert die I AM über eine flache Lenkstange, an der sich auch die Bedientasten für das Menü im Display befinden. Die Lenkerklemmung integriert das TFT-Display. Die Naxeon verfügt über Front- und Heckkamera sowie einen Radar für die Totwinkelwarnung. Ihr Radstand beträgt 1320 mm, die Sitzhöhe 800 mm.

Technische Details der Naxeon I AM

Angetrieben wird die Naxeon I AM von einem Radnabenmotor im Hinterrad. Naxeon bietet zwei Leistungsvarianten an: 6,5 und 7,5 kW, wobei kurzfristig bis zu 10,5 kW möglich sind. Damit fällt die I AM in die Führerscheinklassen A1 und B-196. Der Motor soll ein Drehmoment von 273 Nm liefern, weshalb die I AM über eine Schlupfregelung verfügt. Wahlweise ist die I AM mit 4,3 oder 6,5 kWh erhältlich, was Reichweiten von 105 bis 180 km ermöglichen soll.

Naxeon bewirbt die Batterie als neu entwickelte Semi-Festkörperbatterie mit verbesserter Temperaturempfindlichkeit und 1500 Ladezyklen bis 80 Prozent Restkapazität. Wie bei Elektromotorrädern üblich, bietet die I AM Smartphone-Konnektivität für Navigation, Infotainment und Software-Updates. Zudem gibt es eine Reifendruckkontrolle sowie Heck-Kollisions- und Totwinkelwarnung. Wann die I AM nach Deutschland kommt, ist noch unklar. In Deutschland kostet die Naxeon I AM als Lite Version (bis 120 Kilometer Reichweite) 6.990 Euro, als Pro Version (bis 180 Kilometer Reichweite) 7.990 Euro.

Bezahlbare Alternativen aus China

Auch in Deutschland sind bezahlbare Elektromotorräder aus China erhältlich, die oft als 125er-Äquivalente mit dem B-196-Führerschein gefahren werden dürfen. AUTO BILD MOTORRAD stellt einige interessante Modelle vor:

  • Alrendo TS Bravo/Rezon Bohemia: Die Rezon Bohemia ist eine verbesserte Version der Alrendo TS Bravo und wird ab 2024 aus Europa kommen. Sie bietet eine Leistung von 11 kW, einen 15,3 kWh Akku und eine Reichweite von bis zu 260 Kilometern. Der Preis liegt bei etwa 11.869 Euro.
  • Dayi Motor e-Odin: Die e-Odin überzeugt mit ihrer Optik, die einem ausgewachsenen Motorrad ähnelt. Die Leistung variiert je nach Importeur zwischen 6 und 10 kW, die Akkukapazität zwischen 7,2 und 10 kWh. Das Einstiegsmodell kostet ab 5200 Euro.
  • Horwin CR6 (Pro): Die Horwin CR6 ist schon länger auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Basisversion CR6 hat 3,8 kWh Akkukapazität und eine Reichweite von etwa 100 Kilometern. Sie kostet 6000 Euro.
  • Ovaobike MCR-S: Das Topmodell MCR-S bietet 11 kW Dauerleistung und 9,6 kWh Akkukapazität. Die Reichweite beträgt bis zu 230 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit 148 km/h. Sie kostet 15.980 Euro.
  • Super Soco TC Max: Die Super Soco TC Max hat 3,9 kW Dauerleistung und 3,42 kWh Akkukapazität. Die Reichweite beträgt etwa 100 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit 95 km/h. Die Preise beginnen bei 5500 Euro.
  • Tinbot RS 1: Die Tinbot RS 1 überträgt 11 kW Dauerleistung über eine Zahnkette ans Hinterrad. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bis zu 200 km/h, die Reichweite 120 Kilometer. Sie soll ab Dezember 2022 für ca. 9000 Euro erhältlich sein.
  • Tromox Ukko 1: Die Tromox Ukko S ist ein Minibike für eine Person mit einer Höchstgeschwindigkeit von 93 km/h und einer Reichweite von 160 Kilometern.

Weitere interessante Modelle

Neben den bereits genannten Modellen gibt es noch weitere interessante Elektromotorräder aus China, die in Deutschland erhältlich sind oder in Zukunft auf den Markt kommen könnten:

  • Davinci DC100 Classic: Der chinesische Elektromotorrad-Spezialist Davinci hat mit der DC100 Classic eine Retro-Variante seines Elektromotorrads vorgestellt. Sie soll ein ähnliches Leistungsniveau wie ein 1.000-ccm-Motorrad haben und eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erreichen. Die Batterie speichert 17,7 kWh. Die Classic-Variante wird voraussichtlich über 30.000 Dollar kosten.
  • NIU RQi Sport: NIU, bekannt für E-Scooter, bietet mit der RQi Sport ein Elektromotorrad als 125er-Äquivalent an. Nach den erfolgreichen E-Rollern bringt der chinesische Elektropionier NIU mit der RQi Sport nun erstmals ein Elektromotorrad als 125er-Äquivalent auf den Markt. Das E-Motorrad sieht nicht nur wie ein richtiges Motorrad der Leichtkraftklasse Le3 aus, es fühlt sich beim Besteigen sogar noch erwachsener an. Die Reichweite liegt bei etwa 100 Kilometern. Die Ausstattung kann sich sehen lassen: Tempomat, ABS vorn und hinten, selbstrückstellende Blinker, Traktionskontrolle und ein topmodernes Display inklusive Dashcams. Das Bike geht für ca. Mit je 23 Kilo bunkern sie 5,1 kWh Energie und versorgen damit den im Rahmen fixierten Elektromotor, der seine Spitzenleistung von gut 10 PS ohne Getriebe direkt über eine Kette ans Hinterrad abgibt. Im Dynamic-Modus liegen echte 101 km/h an, mittels einer Boost-Taste an der Vorderseite der rechten Bedieneinheit ist für 30 Sekunden sogar Tacho 126 drin - für ein 125er-Äquivalent ziemlich beeindruckend, da kommt kein Leichtkraftrad hinterher. All das kommt dem Fahrerlebnis zugute: Wirkt die mit 186 Kilo nicht gerade leichte Niu beim Rangieren noch schwerfällig, wandelt sich das beim Fahren in die Souveränität eines Mittelklassemotorrades. Bestens dirigierbar über die breite Lenkstange lenkt das E-Bike auf der gewünschten Linie ein und bleibt in Schräglage nachvollziehbar und stabil.
  • NIU RQi: NIU bietet mit der RQi ein weiteres Motorrad an, das auch in Deutschland verkauft wird. Es verfügt über einen 7500-Watt-Motor mit 11 PS und 450 Nm Drehmoment, beschleunigt in 2,9 Sekunden von 0 auf 50 km/h und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 110 km/h. Zwei 72V-Batterien mit je 36Ah sorgen für eine maximale Reichweite von 95 - 105 Kilometern. Das Motorrad verfügt über 2-Kanal-ABS und Traktionssteuerung sowie zwei verbaute Kameras. Der Preis beträgt 7999 Euro.
  • Can-Am Pulse und Origin: Die Bikes sind 2025 zu Preisen um 17.000 Euro in den Handel gekommen, beide auf der gleichen Antriebsbasis. Neben der offenen Leistung von 35 kW/48 PS gibt’s Pulse wie Origin natürlich auch als 11-kW-Version, passend für B196- und A1-Aspiranten. Beide Versionen schaffen locker stattliche 129 km/h. Die Reichweite macht das Bike für Pendler interessant - Can-Am gibt für den wenig praxisgerechten WMTC-Zyklus 115 Kilometer an. Die Ausstattung kann sich sehen lassen: 10,25-Zoll-TFT mit Apple-Carplay-Integration sowie Touchscreen-Funktionalität und einlegbarem rückwärtigem Kriechgang.
  • Silence S05 Weekender: Mit der S05 Weekender haben die Spanier nun ein E-Motorrad vorgestellt, das als Leichtkraftrad an den Start gehen soll. Wie bei den anderen Fahrzeugen von Silence gibt es einen herausnehmbaren 5,6 kWh-Akku, der auch als Powerstation genutzt werden kann. Silence verspricht eine Reichweite von deutlich über 100 Kilometern. Für den Vortrieb sorgt ein ins Hinterrad integrierter Nabenmotor, der die Maschine auf bis zu 120 km/h beschleunigt.
  • Kawasaki Ninja e-1 und Z e-1: Die vollverkleidete Ninja e-1 steht den Verbrennermodellen optisch in nichts nach. Mit 5 kW/7 PS Dauer- sowie der über einen "E-Boost"-Button kurzzeitig abrufbaren Spitzenleistung von 9 kW/12 PS handelt es sich allerdings ebenfalls um ein Leichtkraftrad. Angetrieben wird die elektrische Ninja von einem bürstenlosen E-Motor, der sich vor der Hinterradschwinge befindet und seine Kraft ohne Getriebe oder Kupplung per Kette ans Hinterrad leitet. Mit Road und Eco stehen zwei Fahrmodi zur Wahl. Strom kommt aus zwei herausnehmbaren Akkupaketen.
  • Honda EV Fun Concept: Im November 2024 stellten die Japaner das seriennahe Konzeptfahrzeug EV Fun vor. Der Motor sitzt zwischen dem großen Batterieblock und dem einarmig geführten Hinterrad, das über einen Riemen angetrieben wird. Die mögliche Reichweite gibt der Hersteller allerdings mit 100 Kilometern an. Im Laufe des Jahres 2025 will Honda ein der EV Fun Concept ähnliches Serienmodell auf den Markt bringen.
  • Kymco RevoNex: 2025 soll die elektrisch angetriebene Mischung aus Streetfighter und Supersportler auf den Markt kommen. Für rund 9990 Euro erhält man einen Elektromotor mit 20 kW/27 PS Dauerleistung und 30 KW/40 PS Spitzenleistung. Damit sollen bis zu 155 km/h Spitze möglich sein. Die Technik der RevoNex stammt vom Livewire-Modell S2 Del Mar.
  • Tazzari Lacama: Falls die Version 2.0 dennoch in Serie geht, können sich Motorradfahrende über einen kompakten Axial-Flussmotor mit bis zu 110 kW/150 PS sowie 230 Newtonmeter Drehmoment freuen. Dank dieses Antriebs soll der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h in weniger als vier Sekunden möglich sein. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 230 km/h an. Für das große Batteriepaket im Zentrum des Bikes verspricht Italian Volt mehr als 200 Kilometer Reichweite.
  • Livewire S2 Del Mar, Alpinista und Mulholland: Angetrieben werden alle drei Modelle von einem 63 kW/86 PS starken E-Motor, der das fast schon sagenhaft hohe Drehmoment von 263 Newtonmetern stemmt. Kein Wunder, dass der Spurt auf 100 km/h in drei Sekunden machbar ist, zumal die Bikes unter 200 Kilogramm wiegen. Der 10,5 kW fassende Akku liefert nach dem europäischen WMTC-Messverfahren im kombinierten Einsatz Energie für 111 (Del Mar) bis 122 Kilometer (Alpinista und Mulholland) Reichweite.
  • Royal Enfield Flying Flea C6: Das Elektromotorrad bietet einen ebenso eigenwilligen wie interessanten Stilmix aus progressiven und Retro-Elementen. Die C6 soll ab 2026 im Leistungssegment der 125er-Klasse antreten und im Stadtverkehr eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern bieten. Trotz einiger extravaganter Lösungen wie der schicken Trapezgabel soll die C6 bei rund 7000 Euro starten.
  • Zero Motorcycles: Der kalifornische Hersteller Zero gilt ebenfalls als Vorreiter in Sachen Elektromobilität auf zwei Rädern. Zero konstruiert schon seit 2006 Elektromotorräder und bietet derzeit die größte Auswahl an Modellen. Von der Reiseenduro DS über das Adventure-Bike Zero DSR/X und die Naked Bikes Zero S und SR verfügen sämtliche Maschinen über einen Gitterrohrrahmen aus Stahl. Die E-Motoren der Motorräder sind eine Eigenentwicklung.
  • Talaria XXX: Die Talaria XXX zieht jedes Verbrenner-50-Kubik-Moped komplett ab. Sie ist flink, leicht, sehr wendig und hat ein irre starkes Anfahrtsdrehmoment. Die realistische Reichweite liegt bei 30-40 Kilometer im Alltagsbetrieb. Das Preis-Leistungsverhältnis ist schwer einzuordnen. Einerseits stimmen Fahrleistungen und Verarbeitung, anderseits gibt es um das gleiche Geld schon fast 125er-Verbrenner-Motorräder, mit denen man dann auch ganz legal mehr als 45 km/h fahren darf.

Technische Daten der NIU RQi Sport

Hier eine Tabelle mit den technischen Daten der NIU RQi Sport:

Merkmal Wert
Motor Elektromotor, 5 kW (7 PS)
Assistenzsysteme Wechsel-Akkus, Betriebsspannung 72 V, Laden über 230 V, vier verschiedene Fahrmodi, Ausstattung u.a.: Traktionskontrolle, Lichtsensor, Launch-Control
Fahrwerk Up-Side-Down-Telegabel; Zweiarmschwinge hinten; Reifen vorne 110/70 - 17; Reifen hinten 140/70 - 17
Maße Leergewicht 186 kg; zul. Gesamtgewicht 336 kg; Länge/Breite/Höhe 2080 / 835 / 1108 mm; Sitzhöhe 825 mm; Batteriegröße 5,2 kWh
Bremsen Kombibremssystem, vorne Scheibe (300 mm), hinten Scheibe (240 mm)
Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit 110 km/h

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