Elektro-Umbaukits für Motorräder: Ein umfassender Testüberblick

Die Welt der Zweiräder erlebt einen Wandel, bei dem Tradition auf Innovation trifft. Elektro-Umbaukits ermöglichen es, klassische Motorräder und Roller mit moderner Technologie zu elektrifizieren und somit nachhaltiger und leistungsstärker zu gestalten.

Prosimo: Elektrifizierung klassischer Vespas

Simon Hische, Gründer und CEO von prosimo, erkannte, dass der Motor vieler Vespa-Modelle oft das schwächste Glied eines ansonsten großartigen Fahrzeugs ist. Daraus entstand die Vision, klassische Fahrzeuge mit moderner Technologie nachhaltig und leistungsstark zu gestalten. Prosimo Umbausätze zeichnen sich durch Qualität auf Automotive-Niveau aus und werden nach strengen Standards entwickelt, getestet und gefertigt. Die Umbausätze fügen sich problemlos in die originalen Karosserien der Vespa-Modelle ein, ohne deren ikonische Optik zu verändern.

Die Flexibilität der Umbausätze ist besonders spannend: Simon entwickelte einen entnehmbaren Akku, der sich nicht nur in der Vespa, sondern auch in anderen Anwendungen einsetzen lässt. Aktuell bietet prosimo verschiedene Umrüst-Kits an, die Vespa-Modelle in unterschiedliche Leistungsklassen bringen:

  • 45 km/h: Ideal für Märkte wie Österreich, die Schweiz und die Niederlande.
  • 50 km/h, 80 km/h und 100 km/h: Für alle, die das volle Potenzial ihrer elektrifizierten Vespa nutzen möchten.

Elektro-Nachrüstkits für Vespa Smallframe-Modelle, darunter die Vespa PK, V50, 50N und Primavera, sind bereits mit TÜV-Gutachten erhältlich. Parallel wird mit Hochdruck an Elektromotor-Umrüstsätzen für die Largeframe-Modelle gearbeitet, darunter Klassiker wie die Vespa PX, T5, Rally, Sprint, VNB und T4.

Die Kits entsprechen mit einer Reichweite von bis zu 100 km und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h auch den Anforderungen in Märkten wie Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, wo Mopeds dieser Leistungsklasse stark gefragt sind.

Second Ride: Elektro-Umbausatz für Simson

Die Firma Second Ride aus Berlin bietet Elektro-Umbaukits für alte Mopeds und Roller an, insbesondere für Simson und Schwalbe. Das Ziel ist es, die Kult-Mokicks aus der ehemaligen DDR zu elektrifizieren und somit eine nachhaltige Alternative zu bieten.

Ab 2020 wurde an der Technischen Universität Berlin ein Elektro-Umbausatz speziell für die Modelle S 50, S 51 und KR 51/2 (Schwalbe) von Simson entwickelt. Die Idee dazu hatte Carlo Schmid, der das dann als Projektwerkstatt an der TU Berlin angeboten hat. Um das erforderliche Kapital einzusammeln, starteten sie im Sommer 2022 einen Crowdfunding-Aufruf. Das Ergebnis ist überwältigend: Schon nach wenigen Stunden war das Finanzierungsziel erreicht.

Je nach technischen Vorkenntnissen und Schraubertalent sei der Umbau von Zweitakt- auf Elektromotor in minimal 30 Minuten, durchschnittlich zwei, drei Stunden oder zumindest an einem halben Tag durchführbar. Ein TÜV-Gutachten liege mittlerweile vor. Das Teilekit SR23 beinhaltet alle vormontierten Module, Gutachten, Kette und Kleinteile, 12-Volt-Lampenset, Akku-Ladegerät und Zugang zur Second Ride Community. Komplettpreis: 2.990 Euro.

Das Antriebsmodul besteht aus Elektromotor, Steuergerät, Kabelbaum und weiterer Elektronik. Für den bürstenlosen Elektromotor werden 3 kW (4 PS) Nennleistung sowie 4 kW (5,4 PS) Spitzenleistung genannt. Die Aufhängungspunkte am Rahmen sind identisch mit denen der originalen Zweitaktmotoren.

Akku-Pack, Batterie-Management-System und weitere Elektronik befinden sich innerhalb der Sitzbank. Bei den Akkuzellen handelt es sich um Markenprodukte von LG mit einer Gesamtkapazität von 1,9 kWh. 50 Kilometer Reichweite seien damit drin. Die bisher vorhandene Bordbatterie entfällt, wobei das Bordnetz von 6 Volt auf 12 Volt umgerüstet wird.

Drehgriff und Bowdenzug bleiben original. Dafür ist eigens ein Bowdenzugsensor entwickelt worden, in den die originale Vergaserkappe mit Kolbenschieber und Vergasernadel passt. Der Hub des Kolbens wird dann in ein elektrisches Signal gewandelt und an den E-Motor gemeldet.

Die erste Zulassung des Second Ride-Kits gilt für die Ausführung mit 60 km/h Höchstgeschwindigkeit. Relativ einfach könnte jedoch auch eine Leistungsvariante entsprechend der inzwischen gültigen Rechtslage, also begrenzt auf 45 km/h, nachgeschoben werden, wenn das erforderlich oder gewünscht wäre.

Second Ride gibt an, dass durch die Umrüstung eines vorhandenen Fahrzeugs auf Elektro-Antrieb rund 50 Prozent Ressourcen gespart werden.

Ride Mercury R01: Elektro-Restomod-Kit für BMW

Um Klassikern wie den Zweiventil-Boxer-Modellen von BMW ein zweites, zukunftssicheres Leben auf öffentlichen Straßen zu ermöglichen, entwickelt die französische Firma Mototherapy ein Elektro-Umbau-Kit namens Ride Mercury R01. Die Entwicklung begann 2019 mit dem Ziel, spezielle Restomod-Kits für klassische Motorräder zu entwickeln. Zuerst für die Zweiventil-Boxer-Modelle von BMW, also für die Typen R 45, R 65, R 75, R 80, R 90 und R 100.

Im Oktober 2023 präsentierte Ride Mercury das weitgehend finalisierte Konzept R01. Mit diesen Eckdaten: 25 kW (34 PS) Spitzenleistung, bis zu 340 Nm Drehmoment am klassisch schmalen Hinterrad und bis zu 150 Kilometer Reichweite. In Boxer-Form und klassisch mit Kühlrippen im Fahrtwind sind die Akku-Zellen mit 10 kWh Gesamtkapazität angeordnet. Dahinter ist der Elektromotor positioniert, in gleicher Einbaulage wie der Boxer und mit dem originalen Kardan-Endantrieb verbunden.

Mit dem integrierten Ladegerät (1,8 kW) sollen die Akku-Zellen in 6 Stunden an einem Standard-Stromanschluss komplett aufgeladen werden können.

Ab dem 2. Quartal 2024 soll die Ride Mercury-BMW R01 ausgeliefert werden, als Komplettfahrzeug, neu aufbereitet auf gebrauchter BMW-Basis. Vorbestellt werden kann seit Mitte Oktober 2023 - ab 29.500 Euro.

Hintergrund und Motivation für die Entwicklung von Mototherapy beziehungsweise Ride Mercury sind die zunehmenden Einschränkungen für ältere Motorräder mit Verbrennungsmotoren - insbesondere in Paris. Und dass das Umrüsten bestehender Fahrzeuge noch umweltfreundlicher, nachhaltiger und ressourcenschonend ist.

Während LM Creations das originale Boxer-Motorgehäuse mitsamt Getriebe und Kardan-Endantrieb beibehält und sowohl die Akku-Zellen als auch den Elektromotor möglichst unauffällig integriert, war der Ansatz von Mototherapy von Anfang an zwar ähnlich, aber anders angepackt.

Nach BMW soll es bei Ride Mercury mit Moto Guzzi weitergehen, mit dem gleichen radikalen Restomod-Konzept und mit den gleichen elektrischen Komponenten. Wesentlicher Unterschied wäre die Form des Akku-Gehäuses: als 90-Grad-V-Twin. Ebenfalls schön im Fahrtwind stehend, mit Kühlrippen. Wie bei den originalen Klassikern.

Lizcat: Elektro-Umbaukit für Motocross

Das Start-up Lizcat aus der Schweiz bietet Umbaukits für Motocross-Maschinen an. Die Einzylinder machen einem Elektromotor Platz.

Lizcat bietet 3 unterschiedlich große und starke Elektro-Kits an, die anstelle eines Verbrenners in ein normales Chassis eingebaut werden. Die 3 Leistungsvarianten sollen dabei die gängigen Rennklassen abdecken und leisten zwischen 25 und 52 PS und bieten Drehmomente bis zu 70 Nm. Die Akku-Kapazitäten sollen mit 15 Minuten eine Renndistanz abdecken. Als Enduro-Antrieb sind laut Lizcat bis zu 5 Stunden Fahrdauer möglich.

Modell Leistung Akku-Kapazität Preis
Lizcat Leo 25 PS 2,3 kWh 4.955 Schweizer Franken
Lizcat Puma 38 PS 4,1 kWh 6.344 Schweizer Franken
Lizcat Cheetah 52 PS 5 kWh 8.500 Schweizer Franken

Zero DSR/X: Elektrische Reiseenduro

Nach der Energica Experia ist die Zero DSR/X die zweite große Reiseenduro mit Elektroantrieb. Obwohl grundsätzlich bekannt, hat Zero einige wichtige Änderungen vorgenommen, von denen man einige nicht gleich oder gar nicht sehen kann. Der Motor etwa ist umkonstruiert auf mehr Wicklungen und eine geringere Nenndrehzahl bei höherem Drehmoment (von 190 auf 225 Nm).

Für dauerhafte Offroad-Einsätze verkauft Zero wie bei den anderen Geländemodellen einen Umbausatz auf Kette, der beim Militär und bei Forstwirten recht beliebt ist. Für den hauptsächlichen Straßenbetrieb ist der Zahnriemen die wesentlich bessere Wahl.

Die Unterschiede in Nenndrehzahl, Leistung und Drehmoment münden in sehr ähnlichen Drehmomenten am Rad. Es bleibt Zeros Besonderheit, dass dir das Motorrad alles gibt, was da ist. Es glättet die Technik nicht aus, wie es etwa Harley Livewire tut.

Die Ergonomie passt im Stehen selbst Großen um die 2 Meter erstaunlich gut, die Rasten liegen tief, leider ist die normale Seriensitzbank viel zu niedrig selbst für mich mit normalen 180 cm.

Wie die meisten schweren Reiseenduros fährt sich also auch die Zero am einfachsten mit ein bisschen Schwung durch kniffligere Passagen. Die Hauptsache sind jedoch kleine Landstraßen, und hier funktioniert die X sehr gut und macht Spaß wie andere Eisenschweine ihrer Gewichtsklasse.

Bei der Messung kam ich auf 10,8 kWh/100 km (brutto), also in etwa den Durchschnitts-Wert der SR/S. Ich würde sagen: 130 bis 160 km sind realistisch bei Fahren mit Freude bei entsprechend kleinen Sträßchen und deren niedrigem Schnitt, 15-80-Prozent-Ladeetappen liegen dann im Bereich 100 km oder weniger.

GabaTech: E-Antriebe für KTM, Husqvarna und GasGas

GabaTech GmbH aus Österreich ist bekannt für ihre innovativen E-Antriebe, die nun auch in KTM, Husqvarna und GasGas Motocross- und Enduromodelle eingebaut werden. Gabriel Lercher erläutert, dass der eigens entwickelte IPSM Elektromotor ein Herzstück der Innovation ist. Durch den Verzicht auf ein Primärgetriebe und Öl wird deutlich an Gewicht eingespart. Ein beeindruckendes Beispiel ist die GasGas MC, Baujahr 2023, ausgestattet mit dem G1 Antrieb, die betriebsbereit nur 106,5 kg wiegt.

Das „G1“ E-Kit kostet inkl. aller Teile für den Umbau, Akku und Ladegerät 10.500€ inklusive Mehrwertsteuer. Ein Ersatzakku ist für 4.600€ erhältlich. Das Motorrad bzw. Fahrgestell ist nicht im E-Kit Preis enthalten.

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