E-Bike selber bauen: Eine detaillierte Anleitung

Im Rahmen der wachsenden Bedeutung von E-Mobilität stellt sich immer wieder die Frage, ob es möglich ist, ein solides E-Mountainbike mit einem kleinen Budget zu realisieren. Dieser Artikel zeigt, wie es tatsächlich möglich ist, mit einem Budget von ca. 400 € ein E-Bike selbst zu bauen.

Motorvarianten für den E-Bike Selbstbau

Bevor es mit dem Umbau losgeht, muss die Frage geklärt werden, welcher Motor genutzt werden soll. Grundsätzlich bieten sich Vorderrad, Hinterrad oder das Tretlager zum Einbau eines Motors an. Die Variante eines Frontantriebs wurde verworfen, da sie kaum noch von professionellen Anbietern genutzt wird. Eine Probefahrt beider Antriebsarten gibt schnell einen Überblick über die Art der Unterstützung und das jeweilige Fahrverhalten.

  • Hinterradantrieb: Eignet sich besonders gut für flaches bis leicht welliges Terrain. Durch den hinten liegenden Schwerpunkt ist gute Beschleunigung und sportliches Fahren sehr gut möglich.
  • Mittelmotor: Bietet die wohl effizienteste Art des Antriebs und wirkt sehr natürlich im Fahrgefühl. Nicht selten fällt die Unterstützung erst auf, wenn sie bei 25 km/h wegfällt.

Umbausets und Anbieter

Am Markt gibt es zahlreiche Umbausets verschiedener Anbieter. Bei den meisten günstigeren Herstellern kommen Motoren der Firma Bafang zum Einsatz. Die Preise für solche Sets schwanken oft um mehrere hundert Euro. Auf Grund verschiedenster Bezeichnungen ist es mitunter schwierig, die Unterschiede der einzelnen Angebote zu unterscheiden. Wir haben den Motor direkt in China bestellt und inkl. Gebühren 350€ bezahlt.

Benötigtes Equipment für den E-Bike Umbau

Die folgende Liste gibt einen Überblick über das benötigte Equipment und günstige Bezugsmöglichkeiten:

  • Motor mit einer Leistung von 250 Watt (Vorder-, Hinterrad oder als Mittelmotor)
  • Steuerelektronik mit 36V und 12A
  • Gepäckträger-Akku mit 400 Wh/11 Ah
  • Gasgriff (optional)
  • 28″ Vorderrad mit passender Nabe, Stecker und 36V Motor (Alternative zum Motor)

Der Umbau: Schritt für Schritt

Wenn alle Teile da sind, geht es an den eigentlichen Einbau:

  1. Ausbau der alten Teile: Im ersten Schritt müssen die Pedale, die Kurbeln und das alte Tretlager ausgebaut werden. Die Pedale können am umgebauten Rad wieder verwendet werden und werden daher von der Kurbel geschraubt.
  2. Kurbel entfernen: Um die Kurbel zu lösen, muss zuerst die Schraube auf Höhe des Tretlagers entfernt werden. Anschließend kann die Kurbel mit Hilfe eines Kurbelabziehers abgenommen werden.
  3. Tretlager entfernen: Mit einem Aufsatz für Tretlagerschrauben wird die Schraube am Tretlager entfernt. Bei den meisten Tretlagern löst sich die Schraube auf beiden Seiten in Fahrtrichtung. Gerade bei älteren Rädern muss hier viel Kraft aufgewendet werden. Eine Verlängerung für einen größeren Hebeleffekt wirkt hier wunder. Wenn die Schrauben auf beiden Seiten los sind, kann das Tretlager entnommen werden.
  4. Demontage der vorderen Schaltung: Durch den Einbau des Motors entfällt die vordere Schaltung. Der Umwerfer und der Schaltgriff am Lenker können demontiert werden.
  5. Kettenblatt montieren: Bei der Wahl des Motors muss entschieden werden, welche Größe das vordere Kettenblatt haben soll. Wir haben uns für eines mit 46 Zähnen entschieden. Das richtet sich vor allem nach dem Fahrverhalten bzw. dem überwiegend zu befahrenden Terrain. Bevor der Motor eingebaut wird, kann das Kettenblatt am Motor verschraubt werden.
  6. Motor einsetzen: Anschließend wird der Motor, wie abgebildet eingesetzt. Ein kleines Metallstück dient der Sicherung und wird vorerst nur locker angeschraubt. Die hervorstehenden Wellen des Metallstücks kommen nach innen, um später besseren Halt am Rahmen zu gewährleisten.
  7. Motor sichern: Zur Sicherung des Motors werden 2 Muttern am Tretlager aufgeschraubt. Zuerst kommt die dickere der beiden. Mit einem speziellen Schraubenschlüssel wird die Mutter ordentlich festgeschraubt. Eine zweite Mutter kommt zum Kontern darüber. Der Motor sollte so positioniert werden, dass er oben am Unterrohr des Rahmens anliegt. Mit einem kleinen Stück Gummi haben wir die Kontaktstelle zwischen Motor und Rahmen vor Klappern und Abnutzung geschützt. Anschließend werden auch die Schrauben an der Metallplatte festgeschraubt.
  8. Kurbeln montieren: Nun können die neuen Kurbeln aufgeschraubt werden. Hier sind einige Umdrehungen nötig, damit alles gut sitzt. Anschließend geben die Pedale dem Rad schon wieder ein fertiges aussehen.
  9. Verkabelung: Aus der Unterseite des Motors kommen die Kabel hervor. Das Hauptkabel führt hinauf zum Lenker. Ein weiteres Kabel führt zum Akku.
  10. Akku montieren: Die Halterung des Hailong Akkus lässt sich normal an den Schrauben für den Flaschenhalter befestigen. Der Akku kann theoretisch auch auf einem Gepäckträger untergebracht werden, oder mit einer speziellen Tasche in den Rahmen gehängt werden.
  11. Speedsensor anbringen: Der Speedsensor wird im hinteren Bereich des Rahmens angebracht und erkennt die Geschwindigkeit mit Hilfe eines Speichen Magneten.

Wichtige Hinweise und Ergänzungen

  • Daumengas: Werkseitig ist dieses nicht gedrosselt. Wir empfehlen, den Gashebel ganz wegzulassen, sofern im Controller nichts umprogrammiert werden soll.
  • Schaltsensor: Er sorgt dafür, dass der Motor beim Schalten die Unterstützung unterbricht.
  • Kosmetische Veränderungen: Entfernen der alten Aufkleber.

Rechtliche Aspekte beim E-Bike Selbstbau

Grundsätzlich lässt es sich nicht pauschal sagen, ob ein selbst umgebautes E-Bike legal auf öffentlichen Straßen gefahren werden darf oder nicht. Daher ist es vor dem Umbau und dem Einkauf der Komponenten wichtig, sich zu informieren, was erlaubt ist.

Grob zusammengefasst darf ein Pedelec laut Gesetzgeber nicht schneller als 25 km/h durch den Motor beschleunigt werden. Die Unterstützung muss über dieser Geschwindigkeit abschalten. Der Motor darf eine Nenndauerleistung von 250 Watt vorweisen. Ein Daumengas darf nur als Schiebe- und Anfahrhilfe mit max. 6 km/h ohne paralleles Treten nutzbar sein. Alles, was darüber hinaus geht, ist kein Pedelec mehr und muss zugelassen und versichert werden.

E-Bike Selbstbau: Ja oder Nein?

Pauschal gesagt lohnt sich der Umbau immer dann, wenn bereits ein gutes Rad vorhanden ist, welches weiterhin genutzt werden soll. Der Einbau ist für jedermann möglich, sofern etwas handwerkliches Geschick vorhanden ist. Mit dem Umbau wollten wir in erster Linie zeigen, dass es durchaus möglich ist, ein hochwertiges E-Bike selbst zu bauen.

Der Bafang Mittelmotor eignet sich ideal für Strecken im Mittelgebirge und in den Bergen. Das Fahrgefühl des Bafang Mittelmotors ist sehr angenehm und kann spannenderweise absolut mit den Motoren von Bosch und Shimano mithalten. Wer etwas mehr in die Thematik einsteigen möchte, kann die Programmierung des Controllers sogar an die jeweiligen Fahrgewohnheiten anpassen.

Kostenaufstellung

Insgesamt sollten für den Umbau zum E-MTB rund 400€ veranschlagt werden. Ein Hinterradmotor (ebenfalls Bafang 250W) schlägt nur mit ca. 100€ weniger zu Buche, ist aber etwas schwieriger im Einbau. Für den Umbau sollte mit allem Drum und Dran schon ein ganzer Arbeitstag eingeplant werden.

Alternativen und Komplettsets

Neben dem Selbstbau gibt es auch die Möglichkeit, sich ein Frame-Set zu besorgen. Solche kompletten E-Bike-Rahmensätze gibt es z. B. von Specialized. Hat man sich für ein Rahmenset entschieden, dann bekommt man den Rahmen inkl. montiertem Motor, Akku und Dämpfer geliefert.

Haftung und Versicherung

Im Gegensatz zum Händler bewegt sich der Endverbraucher in Sachen Haftung also noch in einer Grauzone. Das sollte aber kein Freibrief sein! Auch die Umstände des Schadens (Verschulden ja/nein), die Forderung und die Beschaffenheit des E-Mountainbikes spielen eine Rolle. Deshalb werden die Versicherungen den Anspruch im Einzelfall prüfen - ein Restrisiko bleibt also.

Zoll und Steuern

Grundsätzlich muss eine Post- oder Kuriersendung aus einem Nicht-EU-Staat zollamtlich abgefertigt werden.

E-Bike selber bauen Anleitung (Do it Yourself)

Mit dem richtigen Werkzeug kann man aus einem „normalen“ Fahrrad, ganz einfach und ohne viel Aufwand ein E-Bike selber bauen. Mit der „Fahrrad selber zu E Bike aufrüsten“ Anleitung von meinem Vater und mir, den benötigten E-Bike Teilen (unten verlinkt), kannst du dein Fahrrad auch problemlos zum EBike umbauen.

Anbieter im Überblick: Universelle Bausätze für Front und Heck

Los geht's am Markt der Nabenmotoren schon bei 250 Euro für das eingespeichte Set. Alle gelisteten Hersteller führen sowohl Hecknaben- als auch Frontnabenantriebe im Sortiment.

Anbieter Kostenpunkt Profil
EBS (ebike-solutions.com) 400-2.200 € Heidelberger Unternehmen („Electric Bike Solutions“) mit Komplettsets fürs Virder- und Hinterrad. Bausätze für Brompton- und Birdy-Falträder im Angebot. Mit Einpeichservice und passenden Akkus.
GermanXia (germanxia.de) ab 300 € Preiswerter Anbieter von Bausätzen für viele gängige Laufradgrößen und Einbaubreiten. Auch für S-Pedelecs.
Bafang (bafang.com) rund 300 € Auch günstig und inzwischen bei Baumarkt- und Discounter-Pedelecs etabliert (z. B. Prophete). Alle üblichen Laufradgrößen und auch mit Aufnahme für Bremsscheiben erhältlich. Auswahl an Aggregaten am Consumer-Markt dünn. Aktuell auf der Herstellerseite gelistete Motoren im freien Handel nicht verfügbar. Für 6/7-fach- sowie 8/9/10-fach-Kassetten geeignet. Akku muss separat geordert werden. Online-Anbieter: z. B. atmparts.eu.
NCB (atmparts.eu) 250-300 € Noch günstiger als Bafang und ebenfalls über atmparts.eu vertrieben. IP65-Schutzklasse (staubdicht, Schutz gegen Strahlwasser). Für 6/7- und 8/9/10-fach-Kassetten.

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