E-Bikes erfreuen sich in Deutschland einer steigenden Beliebtheit. Sie bieten Unabhängigkeit und Flexibilität, um steile Hügel und Berge ohne Probleme zu befahren. Angesichts der aktuellen Marktsituation, in der E-Bikes schlecht verfügbar und teurer werden, ist der Selbstbau eine attraktive Alternative.
Darf man ein E-Bike selbst zusammenbauen?
Grundsätzlich darf man erst mal alles bauen, was man will. Wenn man damit legal auf die Straße möchte, dann muss man - wie oben schon erwähnt - allerdings auch als Privatperson die Maschinenrichtlinie einhalten. Das Nichteinhalten der Normen (siehe Glossar) durch eine Privatperson führt in der Regel zu keiner Sanktionierung, hier besteht ganz offensichtlich ein Graubereich. Wichtig ist, dass man nicht über die 25-km/h-Motorunterstützung kommt und dass das Bike nicht schneller als 6 km/h mit einem Gashebel bzw. einer Schiebehilfe ohne Unterstützung fährt. Denn sonst gilt das Bike als Kraftfahrzeug und unterliegt noch viel schärferen Auflagen.
Was ist ein Pedelec?
Wenn wir hier vom E-Bike sprechen, meinen wir im rechtlichen Sinne das Pedelec. Das Pedelec ist straßenverkehrsrechtlich als Fahrrad eingestuft. Man braucht dafür keinen Führerschein und keine Versicherung - die durchschnittliche Motorleistung des Elektromotors ist hier auf 250 W begrenzt und der Antrieb unterstützt beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. International wird hierfür die Bezeichnung EPAC (Electrically Power Assisted Cycle) genutzt.
Rechtliche Aspekte beim E-Bike Selbstbau
Ein Fahrrad wird durch das Hinzufügen eines Motors zum Pedelec und dafür gelten andere Normen und Vorschriften, z. B. greifen für ein Pedelec die Maschinenrichtlinie und die EMV-Richtlinie. Innerhalb der EU unterliegt auch das von einer Privatperson zum persönlichen Gebrauch gebaute Pedelec der Maschinen- und EMV-Richtlinie und muss gemäß der Norm DIN EN 15194-2017 geprüft werden. Das gilt auch für die unentgeltliche Weitergabe des E-Bike-Eigenbaus, wobei das Verschenken als Inverkehrbringen innerhalb der EU mit allen dazugehörigen Pflichten zählt. Dieses schließt auch ein CE-konformes Typenschild am Pedelec mit ein.
Laut Ernst Brust, dem Geschäftsführer des ZIV, unterliegen auch Pedelecs, die von Privatpersonen zum Eigengebrauch gebaut werden und außerhalb eines Privatgeländes benutzt werden, der Maschinen- und EMV-Richtlinie und müssen gemäß der Norm DIN EN 15194-2017 geprüft werden.
Das Produktsicherheitsgesetz zwingt jeden Hersteller - unabhängig von jeder Norm - dafür zu sorgen, dass die Sicherheit beim Gebrauch des Bikes gewährleistet ist. In Absatz 2 (i) der Maschinenrichtlinie ist klar geregelt, dass jede natürliche oder juristische Person, die eine Maschine in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt, als Hersteller betrachtet wird. Das bedeutet, auch Privatpersonen müssen sich an die Maschinenrichtlinie halten.
Für E-Bikes gelten zwei Normen: die ISO 4210 und die EN 15194. Die EN 15194 gilt für EPACs, die mit Pedalen und einem elektrischen Hilfsmotor ausgestattet sind und auf öffentlichen Straßen verwendet werden. Sie beschreibt Prüfaufbauten mit erhöhten Lasten und einem maximalen Systemgewicht von 120 kg.
Anleitung zum E-Bike Selbstbau (Do it Yourself)
Sich ein E Bike selber bauen ist oftmals weitaus günstigerals sich ein fertiges Fahrrad beim entsprechenden Händler zu bestellen. Dennoch gilt es einiges zu beachten, bevor es an den Zusammenbau des eigenen E-Bikes geht. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist zunächst, dass ein geeigneter Rahmen zur Verfügung steht. Nicht jeder Rahmen eignet sich für einen Umbau auf ein Pedelec. Wichtig ist, dass der Rahmen über eine gewisse Stabilität verfügt und ausreichend Platz für Motor, Batterien und ähnliche Umbausätze bietet.
Motor
Ein wichtiges Bauteil beim E Bike selber bauen ist der Motor. Der Motor kann auf die Nabe des Vorderrades oder Hinterrades befestigt oder als Mittelmotor in das Fahrrad integriert werden. Pedelec Tests konnten nicht aufzeigen, ob eine Art der Motorbefestigung vorteilhafter ist als eine andere, dennoch ist oft vom Mittelmotor als beste Bauweise, die Rede. Ohne sich maßgeblich von etwaigen E-Bike Tests beeinflussen zu lassen, empfiehlt es sich beim E Bike selber bauen, dass die Befestigungsart des Motors nach eigenen Vorlieben und finanziellen Möglichkeiten ausgesucht werden sollte.
Um den Motor an der jeweiligen Nabe befestigen zu können, ist es wahrscheinlich vonnöten, dass das Rad ausgetauscht werden muss. Die meisten Naben verfügen nicht über die passende Größe, um einen Motor tragen zu können. Daher muss ein Rad besorgt werden, dass über kürzere Speichen und eine größere Nabe verfügt. Der Motor selbst wird dann auf die Nabe gesetzt. Jeder Motorhersteller hat seine eigene Anleitung, wie der Motor korrekt mit dem Rad verbunden wird. Die Schritte ähneln sich zwar bei den meisten Herstellern, allerdings bewegt man sich immer auf der sicheren Seite, wenn man bei der entsprechenden Anleitung bleibt.
Steuerelektronik
Sitzt der Motor auf der Nabe und ist das Rad wieder erfolgreich eingebaut worden, geht es an den Einbau der Steuerelektronik. Bei der Verkabelung der einzelnen Elemente, ist zu 100% darauf zu achten, dass die Kabel per Kabelbinder oder auf ähnliche Art und Weise am Rad anliegen und beim Fahren selbst nicht stören oder sich irgendwo verheddern können. Der optimale Platz für die Steuerelektronik befindet sich auf der Sattelstange selbst. Beim E Bike selber bauen wird sich allerdings schnell herauskristallisieren, wie die Kabel am besten zu verlegen sind. Bei der Installation der Steuerelektronik sollte im Voraus darauf geachtet werden, dass die Kabel nach unten Zeigen, um einen möglichen Eintritt von Wasser zu verhindern.
Akku
Der Akku lässt sich in den meisten Fällen am bequemsten am Gepäckträger unterbringen. Andere Akku-Designs erfordern eventuell eine andere Art der Befestigung, dies wird allerdings in der jeweiligen Anleitung ausgeschrieben sein. Wichtig bei den Akkus ist, dass man sich nicht von den reinen Amperestunden beeindrucken lässt. Viele E-Bike Test haben dies öfters moniert. Die wichtigste Zahl beim Kauf eines Akkus ist die Wattstundenzahl. Eine niedrige Amperestundenzahl bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Akku nichts taugt. Ein zu empfehlendes Bauteil ist das sogenannte Batterie-Management-System. Dieses reguliert den Einsatz der Energie und schützt den Akku vor einer schädlichen Überbelastung.
Einkaufsliste Beispiel (Rahmen vorausgesetzt):
- Motor mit einer Leistung von 250 Watt (Vorder-, Hinterrad oder als Mittelmotor)
- Steuerelektronik mit 36V und 12A
- Gepäckträger-Akku mit 400 Wh/11 Ah
- Gasgriff Alternativ:
- 28″ Vorderrad mit passender Nabe, Stecker und 36V Motor
Gesamtpreis bei Amazon im High-End Paket: knapp 700€
Komponenten für ein Eigenbau-Pedelec
Um ein Pedelec selbst zu bauen, benötigt man einen Motor, einen Akku, eine Steuereinheit und einen Trittsensor. Diese Teile können entweder einzeln gekauft oder in einem Bausatz erworben werden.
- Motor: Das Herzstück des Pedelecs. Die Leistung ist entscheidend.
- Akku: In der Regel Li-Ionen-Akkus, die leicht sind und eine hohe Energiedichte haben.
- Steuereinheit: Steuert die gesamte Elektronik des Systems.
- Trittsensor: Ermittelt, ob in die Pedalen getreten wird und leitet diese Information an die Steuereinheit weiter.
Beispielhafte Komponenten und Kosten (Stand 10.2022):
- Günstiges 26 Zoll Damenrad MTB gebraucht: 170 €
- E-Bike Kit mit 250W Heck-Nabenmotor und 36V 15,6A Akku: 430 € (mit Gutschein)
- Schwalbe Marathon Plus 47-559 26 Zoll x 1,75 (2 St.): 55 €
- Schutzbleche vorn und hinten: 14 €
- Kurbelgarnitur 3-fach mit max. 48 Zähnen: 31 €
- M-Wave Rückspiegel: 19 €
- Wippschalter für Fahrradlicht vorn und hinten: 6 €
- Frontlicht 90 Lux bis 48V: 25 €
- Büchel Rücklicht mit Bremsfunktion bis 48V: 20 €
- Kabelbinder Schwarz und Weiß verschiedene Größen: 10 €
- Kabel 1 mm² für Licht Heck, Front, Schalter: 10 € (mit Gutschein)
Bis hier Kosten von 790 €, sofern man noch kein Rad sein eigen nennt.
Benötigte Werkzeuge
Die meisten Menschen haben einige der notwendigen Werkzeuge bereits zu Hause, um ein Pedelec selbst zu bauen. Hier dennoch meine persönliche Liste. Dazu gehören eine Bohrmaschine, ein Akkuschrauber, Ringschlüsselsatz, ein Schraubenschlüssel-Satz, Spezial-Fahrradwerkzeug.
Liste meiner benutzen Werkzeuge:
- im Pedelec Umbau-Kit enthalten:
- Sechskantschlüsselsatz (ausgezeichnete Qualität)
- Schraubkranzabzieher (ausgezeichnete Qualität)
- Kurbelgarniturabzieher (absoluter Schrott - auf keinen Fall benutzen)
- Nachgekauftes Werkzeug für Schraubkranzlösung:
- Kurbelgarniturabzieher (Ebay-Link 15 €)
- Tretlagerabzieher (Amazon-Link 11 €)
- Mighty Kettennieter (Ebay-Link 12 €)
- Schraubenschlüssel Satz 6-21 (Ebay-Link 18 €)
- 24er-Schraubenschlüssel ca. 400 mm (Ebay-Link 30 €)
- Kreuzschraubendreher unterschiedlicher Größen (Ebay-Link 10 €)
- M5 Gewindenietzange (Ebay-Link 35 €)
- Nachgekauftes Werkzeug für Steckkranzlösung:
- Kettenpeitsche (Ebay-Link 10 €)
- Werkzeug und Material, wenn das Licht direkt an den Fahrradakku angebunden werden soll und keine Akkulampen wie (Ebay Link) benutzt werden sollen:
- Lötstation (Ebay-Link 13 €)
- Lötzinn mit Flussmittel (Ebay-Link 10 €)
- Schrumpfschlauch Set (Ebay-Link 7 €)
Kosten eines Umbaus
Die Kosten für gute Umbausätze liegen im dreistelligen bis vierstelligen Bereich. Auch wenn sich dies nach viel Geld anhört sollte bedacht werden, dass die Kosten für ein neues E-Bike weitaus höher liegen. Vom finanziellen Standpunkt aus ist ein Umbau durchaus lohnenswert. Allerdings gilt es zu bedenken, dass ein gewisses technisches Grundverständnis vorhanden sein sollte, um den Umbau alleine und erfolgreich bewältigen zu können. E-Bike Tests unterstreichen immer wieder, dass sich ein Umbau durchaus lohnt. Eine Akkuladung kostet in der Regel zwischen 10 und 15 Cent und bietet eine Reichweite von bis zu 120 Kilometer.
Haftung und Versicherung
Im Gegensatz zum Händler bewegt sich der Endverbraucher in Sachen Haftung also noch in einer Grauzone. Das sollte aber kein Freibrief sein! Auch die Umstände des Schadens (Verschulden ja/nein), die Forderung und die Beschaffenheit des E-Mountainbikes spielen eine Rolle. Deshalb werden die Versicherungen den Anspruch im Einzelfall prüfen - ein Restrisiko bleibt also.
Zoll und Steuern
Grundsätzlich muss eine Post- oder Kuriersendung aus einem Nicht-EU-Staat zollamtlich abgefertigt werden.
E-Bike selber bauen - ja oder nein?
Pauschal gesagt lohnt sich der Umbau immer dann, wenn bereits ein gutes Rad vorhanden ist, welches weiterhin genutzt werden soll. Der Einbau ist für jedermann möglich, sofern etwas handwerkliches Geschick vorhanden ist. Mit dem Umbau wollten wir in erster Linie zeigen, dass es durchaus möglich ist ein hochwertiges E-Bike selbst zu bauen. Wir möchten das Rad überwiegend auf unbefestigten Wegen, wie Forst- und Feldwegen nutzen. Der Bafang Mittelmotor eignet sich ideal für Strecken im Mittelgebirge und in den Bergen. Das Fahrgefühl des Bafang Mittelmotors ist sehr angenehm und kann spannenderweise absolut mit den Motoren von Bosch und Shimano mithalten. Wer etwas mehr in die Thematik einsteigen möchte kann die Programmierung des Controllers sogar an die jeweiligen Fahrgewohnheiten anpassen.
Insgesamt sollten für den Umbau zum E-MTB rund 400€ veranschlagt werden. Ein Hinterradmotor (ebenfalls Bafang 250W) schlägt nur mit ca. 100€ weniger zu Buche, ist aber etwas schwieriger im Einbau. Den besten Überblick bekommt man, wenn vor dem Kauf beide Systeme einmal getestet werden können. Für den Umbau sollte mit allem Drum und Dran schon ein ganzer Arbeitstag eingeplant werden.
Hinweis: Hierbei handelt es lediglich um einen Erfahrungsbericht.
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