Viele Besitzer von Oldtimern und Youngtimern erwägen den Austausch der wartungsintensiven Kontaktzündung gegen eine elektronische Zündung. Der Markt bietet verschiedene Nachrüstlösungen, Ausbaustufen und Techniken für Elektronikzündungen.
Vorteile der elektronischen Zündung
Eine konventionelle kontaktgesteuerte Zündanlage hat viele Fehlerquellen. Die größten Schwachstellen einer Kontaktzündung sind die Unterbrecherkontakte. Durch die Entlastung der Kontakte von hohen Schaltströmen kann deren Abnutzung verringert, die korrekte Einstellung länger erhalten und HF-Störungen reduziert werden. Ohne hohe Schaltströme gibt es keine Abrissfunken an den Kontakten, wodurch man ohne Kondensatoren auskommt.
Ein kontaktgesteuerter Thyristor bzw. Transistor, der zwischen Zündspule und den Unterbrecherkontakten angeschlossen wird, ermöglicht diese Vorteile. Solche Zündanlagen sind im Handel meist unter der Bezeichnung „elektronische kontaktgesteuerte Zündung“ zu finden. Der Thyristor (bzw. Transistor) steuert dabei den Impuls für den Zündfunken. Da der Thyristor jedoch nicht „weiß“, wann er schalten soll, benötigt er noch den Impuls des Unterbrecherkontakts. Hierfür genügt ein schwacher Schaltstrom aus dem Bordnetz (50 bis 60 mA), der an den Unterbrecherkontakten als niedriger Steuerstrom anliegt.
Solche Thyristorzündungen bieten neben der Verschleißreduzierung an den Unterbrecherkontakten dank der hohen Schaltgeschwindigkeit des elektronischen Schalters auch den Vorteil einer deutlichen Erhöhung der Spannung in der Zündspule. Dies führt zu einem stärkeren und zuverlässigeren Zündfunken, der wiederum den Kaltstart erleichtert und für einen runderen Motorlauf sorgt.
Etwas aufwendiger gebaute Thyristor-Zündanlagen bestimmen den Schließwinkel automatisch. Dieser hängt dann nicht mehr vom Abstand des Unterbrecherkontakts ab, sondern wird von der Elektronik geregelt. Ändert sich der Kontaktabstand des Unterbrechers durch Verschleiß, bleibt das ohne Einfluss auf den Schließwinkel, einzig der Zündzeitpunkt verändert sich leicht. Weil der Kontaktabstand nicht mehr entscheidend ist für die Aufladezeit der Zündspulen, erfordern solche Thyristorzündungen nur noch eine korrekte Einstellung des Zündzeitpunkts.
Die Umrüstung auf eine Thyristorzündung ist ohne tiefgreifende Änderungen am vorhandenen Zündsystem möglich, da die vorhandene Zündspule und die Unterbrecherkontakte samt mechanischer Zündzeitpunktverstellung weiterverwendet werden. Die Schaltboxen sind kaum größer als eine Schachtel Streichhölzer oder eine kleinere Zigarettenpackung. Beim Einbau jedoch darauf achten, dass die Schaltbox einen Platz findet, wo sie vor Spritzwasser geschützt ist, etwa unterm Tank oder im Rahmendreieck.
„Selbst im Fall eines Defekts der Elektronikschaltung haben Thyristor-Zündanlagen noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Nachrüstsystemen“, ergänzt Wolfgang. „Belässt man nämlich die abgeklemmten Kondensatoren am Motorrad, lässt sich bei einer Störung ganz einfach durch Umstecken der Leitungen innerhalb weniger Minuten die Kontaktzündung wieder reaktivieren.“
Diese simplen Nachrüstzündungen haben allerdings den Nachteil, dass sie nach wie vor die mechanische Zündzeitpunktverstellung benötigen - die Elektronik steuert ja nur den Impuls des Zündfunkens. Da die über Federn gesteuerte Zündverstellung mit zunehmendem Verschleiß immer ungenauer arbeitet, leidet darunter letztlich auch bei einer elektronisch kontaktgesteuerten Zündung der exakte Zündfunke.
Alternativen zum Unterbrecherkontakt
Um die Nachteile mechanischer Unterbrecherkontakte zu eliminieren, werden sie bei vielen Nachrüstzündungen durch elektronische Kontakte ersetzt. Hierbei gibt es zwei Varianten: Licht-, Laser- oder Infrarot-Sensoren (IR-Sensoren) oder Hallgeber. Die bessere Alternative ist ohne Zweifel jene mit Hallgeber, da dieser unempfindlich gegen Schmutz ist. Probleme bereiten Infrarot-Sensoren beispielsweise beim Einstellen, da die Zündung durch Sonnenlicht gestört werden kann. Unabhängig vom verwendeten Sensortyp ist ein Umbau des Nockens zur Betätigung des Unterbrecherkontakts nötig. Anstatt des Nockens kommt bei Lichtsensoren meist eine Scheibe mit Schlitzen oder Nasen zum Einsatz, bei Hallgebern eine mit umlaufenden Magneten bzw. Nasen.
Wie bei der ersten Ausbaustufe der elektronischen Zündung mit Unterbrecherkontakt-Steuerung sorgt auch bei jenen mit elektronischen Schaltern ein Steuergerät für den korrekten Zündzeitpunkt. Bei einigen kostengünstigeren elektronischen Zündungen bleibt weiterhin die mechanische Zündverstellung der originalen Zündung in Funktion. "Obwohl die Unterbrecherkontakte durch elektronische Teile ersetzt werden, bringt das kaum eine weitere Verbesserung der Zuverlässigkeit, da immer noch der mechanische Zündzeitpunktversteller benötigt wird.“
Vollelektronische Zündungen
Empfehlenswerter erscheint die Nachrüstung mit einer Zündanlage, bei der auch noch die Zündzeitpunktverstellung elektronisch geregelt wird. Erst diese vollelektronischen Nachrüstzündungen sind völlig wartungsfrei. Hier berechnet ein Microcomputer für jeden Betriebszustand den korrekten Zündzeitpunkt. Solche Elektronikzündungen funktionieren erfahrungsgemäß besser als jene mit einer mechanischen Ansteuerung über Verteiler oder Zündzeitpunktversteller. Die von der Elektronik vorgegebene Zündverstellung sollte jedoch der originalen entsprechen.
„Ein Abgleich des Zündverlaufs zwischen Standgas und maximaler Frühzündung ist Pflicht beim Einbau einer vollelektronischen Zündung. Weicht er ab, weil die maximale Frühzündung zu früh oder zu spät erreicht wird, kann das viel Motorleistung kosten.“ Die Montage der Nachrüst-Zündanlagen birgt selbst für Laien keine Probleme, sofern eine ausführliche, gut verständliche Anleitung beiliegt. Das ist bei Produkten aus dem Ausland aber häufig nicht der Fall.
Montagebeispiel: Vollelektronische Zündung an einer Bosch-Lima
Am Beispiel einer Bosch-Lima einer Moto Guzzi V65 wird die Montage einer vollelektronischen Nachrüstzündung der Preisklasse ab 400 Euro erklärt: „Die Montage der Zündung beginnt mit dem Pickup des Hallgebers, der an die Bosch-Lima geschraubt wird. Als Aufnahme dient in unserem Fall die originale Schraubbefestigung des U-V-W-Steckers.“ Anschließend befestigt man den Zündrotor mit der Originalschraube (ohne Federring) möglichst plan direkt auf dem Lima-Rotor. „Der Abstand des Zündrotors zum Hall-Pickup darf an allen Stellen höchstens 0,2 bis 0,4 Millimeter betragen“, ergänzt der Profi.
Anschließend die Zündbox, geschützt vor Spritzwasser, mit Kabelbindern oder Gummis am Rahmen befestigen. Es gibt Nachrüst-Zündanlagen, bei denen die Zündspulen ebenfalls gewechselt werden müssen, da der Schließwinkel auf die entsprechende Zündenergie der Spulen abgestimmt ist. Bei der Montage weiterhin darauf achten, dass Pickup-Leitung und Zündbox so angebracht werden, dass sie mindestens zehn Zentimeter Abstand zu den Zündspulen und Zündkabeln haben, um Funkstörungen der Elektronik zu vermeiden.
„Wichtig ist darüber hinaus eine gute Masseverbindung der Zündbox zum Motorgehäuse und zur Batterie“, mahnt Wolfgang. Abschließend erfolgt die Verkabelung der Zündspulen und der Zündbox. „Hierfür ist ein guter Schaltplan unabdingbar. Vertauscht man aus Versehen Plus und Minus, kann die empfindliche Elektronik unwiederbringlich zerstört werden.“ Bei einigen Nachrüst-Zündanlagen verlangt der Hersteller überdies den Austausch der serienmäßigen Zündkerzen gegen Iridium-Kerzen, damit die elektronische Nachrüstzündung ihre volle Leistung entwickeln kann.
Nach der Montage ist die Grundeinstellung vorzunehmen. Hierzu genügt in der Regel eine statische Einstellung der Zündung (meist zwischen 4 Grad und 8 Grad vor OT). Dies geschieht bei einigen Zündungen durch Referenzmarkierungen, bei anderen durch eine Prüflampe. In beiden Fällen sollte abschließend ein dynamisches Abblitzen der Zündung erfolgen. Hierzu den Motor starten und die Zündung mit einer Stroboskoplampe bei ungefähr 1200/min abblitzen.
„Obwohl elektronische Nachrüst-Zündanlagen als wartungsfrei gelten, sollte man immer wieder mal ihre Einstellung kontrollieren. Durch Vibrationen und Wärme können sich nämlich auch die elektronischen Unterbrecher verstellen.“ Wer die Zündung einmal jährlich abblitzt, ist auf der sicheren Seite.
Zuverlässigkeit und Fehlerbehebung
Im Falle einer Störung ist eine Fehlersuche oder Reparatur von elektronischen Nachrüstzündungen mit einfachen Mitteln meist nicht möglich. Die Vielzahl der möglichen Fehlerursachen macht spezielle Messgeräte erforderlich. Hinzu kommt, dass Ersatzteile modellspezifisch sind und damit nur beim jeweiligen Zündanlagen-Hersteller bezogen werden können.
„Auf dem Markt finden sich auch elektronische Nachrüst-Zündanlagen, die über ein Laptop oder kleine Wählschalter innerhalb der Zündbox frei programmierbar sind. Damit lässt sich der Verlauf der Zündkurve verstellen.“ Solche frei programmierbaren Zündungen machen bei den meisten klassischen Bikes keinen Sinn, da man hierzu profunde Kenntnisse über die Motorabstimmung benötigt oder zumindest genau wissen muss, wie die originale Zündkurve verläuft. Hat man diese nicht, führt eine falsche Abstimmung rasch zu einem kapitalen Motorschaden. Empfehlenswert sind daher Zubehör-Varianten, deren Zündverlauf dem originalen entspricht.
Prinzipiell gibt es heute für jedes Motorrad eine Nachrüstmöglichkeit. Fehlt ein spezieller Motorradtyp in den Listen eines Herstellers von Elektronikzündungen, sollte man diesen kontaktieren. Viele Anlagen, wie zum Beispiel die der ersten Ausbaustufe (sogenannte Thyristor- oder Transistorzündungen), lassen sich nämlich bei fast jedem Motorrad nachrüsten. Allerdings kann es sein, dass man dabei die eine oder andere Befestigung selbst konstruieren muss, etwas Schraubergeschick sollte man daher schon haben.
Die Umrüstung lohnt sich für viele Oldies, das Startverhalten, der Leerlauf und die Laufruhe sind anschließend um ein Vielfaches besser als mit der serienmäßigen Unterbrecherzündung! Von der exakteren Zündkurve profitiert zudem der Durchzug spürbar.
Erfahrungen mit verschiedenen Systemen
Im Folgenden werden einige Erfahrungen mit verschiedenen elektronischen Zündungen aufgeführt:
- Powerdynamo: Es gibt sehr gute Erfahrungen mit der Powerdynamo-Anlage, auch bei Dauerhochstbelastung. Seit knapp 80.000 km sind nur 3 Einstellungen notwendig gewesen (Neu, 1. Motor, 2. Motor). Im Gespannbetrieb muss der Motor auch schaffen und wird warm. Seit dem Einbau muss man nicht einmal mehr nach der Zündung schauen. Es gibt aber auch Berichte über Probleme mit Spannungsspitzen und defekten Lampen. Die Powerdynamo kann ohne Batterie betrieben werden, aber nur im äussersten Notfall und auf eigenes Risiko.
- Vape: Die Vape-Zündanlage kann bei manchen Motorrädern Probleme verursachen. Es gibt keine Vape Zündung und keine Vape Lichtmaschine für die MZs, außer für 1-2 Modelle in Tschechien. Vape liefert Teile der Powerdynamo Anlagen und ist also Zulieferer.
- Helotronik: Es gibt sehr gute Erfahrungen mit der Helotronik, aber der Einbau ist etwas aufwendiger und nicht so einfach wie bei der Vape-Zündung.
- Ignitech: Einige bevorzugen die Ignitech. Einziges Problem ist, das die Zündelektronik auf eine stabile Bordspannung angewiesen ist.
Weitere Tipps und Hinweise
- Kupferschleifringe: Es wird empfohlen, auf Kupferschleifringe umzurüsten.
- Beru Unterbrecherkontakt: Der Beru Unterbrecherkontakt wird empfohlen.
- Stroboskoplampe: Eine Stroboskoplampe ist empfehlenswert, um den Zündzeitpunkt einzustellen.
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