Elektronischer Tempomat für Motorräder: Nachrüstung und Erfahrungen

Viele Motorradfahrer kennen das Problem: Lange Geradeausstrecken können ermüdend sein, besonders auf Autobahnen. Ein elektronischer Tempomat kann hier Abhilfe schaffen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit der Nachrüstung eines solchen Systems, insbesondere des Motor Cycle Cruise (MCC), und bietet einen umfassenden Überblick über den Kaufprozess, den Einbau sowie alternative Lösungen.

Freigabe und rechtliche Aspekte

Für ein richtiges Tempomat ist keine Abnahme und keine Eintragung erforderlich. Die E Nummer, die das Teil hat, bezeugt nur die elektromagnetische Verträglichkeit. Es wird aber auch nichts weiter benötigt. Solange es bestimmte Kriterien erfüllt, ist es abnahmefrei. Nachrüstung von Geschwindigkeitsregelanlagen war wohl in den 00ern mal bei PKW sehr üblich, dabei wurden dann allgemeine Grundlagen erarbeitet was so ein Tempomat alles nicht darf. Solange es das alles nicht tut ist das Abnahmefrei.

Kaufprozess

Das MCC (Motor Cycle Cruise) kann in Australien oder in Großbritannien gekauft werden. Bei dem UK Angebot sind kein Zoll und Einfuhrumsatzsteuer mehr fällig, dafür liegt der Preis ohne Lieferung deutlich höher als der in Australien. Ich habe während eines Angebotes in Australien bestellt für 901 AUD plus 100 AUD shipping. Waren in Summe 639,68 € inkl. 1,75% Auslandseinsatzentgelt meiner Kreditkarte. Dazu kamen für die Zollabwicklung durch TNT 181,21€ für Zoll, einfuhrumsatzsteuer und TNT Gebühren. In Summe waren das bei mir im Angebot also 820,89€.

Das Teil für die E Gas Modelle soll wohl um die 700 AUD kosten sobald es verfügbar ist. Inkl aller Gebühren und Versand dürfte das dann bei etwa 650€ liegen. Ein kleines Update zu dem Thema: Tempomat für EGas (Manual Shift /New slim Switch) kostet 566,06 Euro (Umrechnung Stand 28.9.20)Dazu kommen 126,60 Euro Einfuhrzoll, die bei DHL zu entrichten sind. Bezahlt per Paypal, Lieferung per DHL war die Ware innerhalb von 8 Tagen da.

Kostenübersicht (Beispiel)

Position Betrag
Bestellpreis (Australien) 901 AUD
Versand 100 AUD
Auslandseinsatzentgelt 1,75%
Zollabwicklung 181,21 €
Gesamtkosten 820,89 €

Einbau

Es liegt eine sehr detaillierte bebilderte Anleitung zum Einbau bei. Da ist wirklich jeder Montageschritt in einem eigenen Bild aufgeführt. Durch die Anleitung ist der Einbau einfach aber dennoch Zeitintensiv. Man muss ganz grob entfernen und später wieder zusammen bauen: Sitzbänke, Verkleidungen, Tank und Airbox inkl Schnorchel. Das ist auch das, was vor allem lange dauert. Ich habe alles in allem etwa 13h an 3 Tagen dran gesessen inkl 3 mal alles vorbereiten und wieder weg packen, Pausen (war recht warm) und den abschließenden Tests. Und ich hatte die AT noch nie offen und hab mir daher jeden Schritt mehrfach durchgelesen. Die Verkleidungen sehen ja schön aus aber sind nicht sehr Montagefreundlich.

Das ganze kann man denke ich auch an einem Tag schaffen wenn man etwas zackiger arbeitet. Man braucht eigentlich nur normales Werkzeug, das ist fast alles Plug'n'Play. Man muss aber irgendwie an das Kabel vom Tachosignal mit ran. Ich habe ohne den Stecker zu zerlegen einfach die Isolierung etwa 1cm abgeschält und dann das Kabel da mit ran gecrimpt und Isoband drum gewickelt. Ansonsten liegt alles, was man an Teilen benötigt dabei. Selbst Nähmaschinenöl zum schmieren der Gssseilzüge liegt dabei. Die Konfiguration von dem Gerät selbst ist bereits erledigt, kein Anschluss an PC nötig wenn man den für die AT kauft.

Die Tests am Ende haben auch ca ne Stunde gedauert. Erst werden alle Signale trocken getestet, dann mit laufendem Motor im Leerlauf, dann auf Hauptständer mit Gang drin und am Ende der Fahrtest. Größtes Problem sind die Schläuche von der Airbox wieder auf ihre Anschlüsse drauf zu fummeln.

Funktionsweise

Grundsätzlich besteht das Ding aus 4 Teilen. Der Servo mit eigenem Seilzug, der die Betätigungskraft aufbringt. Der "Verteiler", in dem der Seilzug vom Servo und der vom Gasgriff eingehängt werden und von dem dann ein Seilzug an die Drosselklappe geht. Das Steuergerät, das unter die Sitzbank kommt und die Knöpfe am Lenker. Das Ding überwacht sich selbst und schaltet in mehreren Situationen von alleine ab. Z. B. wenn man mit manuellem Override eine gewisse Geschwindigkeit überschreitet (ich glaube 130% der vorher eingestellten Geschwindigkeit) oder wenn sich die Regelstrecke ständig ändert. Find ich gut.

Erfahrungen

Also ich bin sehr zufrieden und weine auch dem vielen Geld nicht nach. Es ist eine große Investition, die sich aber für mich auf alle Fälle lohnt. Arbeitet nicht so fein wie das im Auto aber doch sehr gut. Wesentlich genauer als meine Hand das kann. Das MCC hält auf gerader Strecke die Geschwindigkeit sehr genau, Abweichung höchstens 1 km/h. Wenn eine starke Steigung oder ein starkes Gefälle kommt dann hat man auch mal kurzzeitig +-5 km/h, das wird aber binnen weniger Sekunden wieder nachgeregelt. Funktioniert am besten bei Geschwindigkeiten über 70 km/h. Darunter reagiert er manchmal etwas hibbelig auf plötzliche Steigungen/Gefälle. Ist trotzdem nutzbar aber bei starker Hügeligkeit wenig komfortabel.

Was mir noch aufgefallen ist: beim wieder aufnehmen der Geschwindigkeit beschleunigt das Motorrad sehr langsam. Er braucht so etwa 10-15s um von 50 wieder auf 100 zu klettern. Eventuell kann man das mit einer anderen Konfiguration im Steuergerät ändern aber vielleicht wird damit dann die Hibbeligkeit bei niedrigen Geschwindigkeiten noch schlimmer. Anfangs war für mich die Handposition etwas schwierig aber das findet man dann schon für sich raus. Meine Hand liegt jetzt immer auf dem Flansch vom Alu Handschützer und umgreift locker den Gasgriff.

Alternativen

Als Alternativen gibt es zum einen Gasgriff-Feststeller, die normalerweise zwischen 100 und 200€ kosten und nicht die Geschwindigkeit regeln sondern die Gasgriff-Stellung. Das heißt bergauf wird man langsamer und bergab schneller. Find ich persönlich wenig hilfreich und verboten sind die noch obendrein. Außerdem gefährlich weil beim Bremsen trotzdem weiter Gas gegeben wird. Als sehr günstige Alternative (ca 10-20€) hat sich für meine Freundin eine Handballenauflage bewährt. Die bringt aber wirklich nur was bei langen monotonen Gleichgeschwindigkeit-Fahrten. Etwas sicherer als Feststeller aber auch hier kann es beim Bremsen zum ungewollten Gas geben kommen. Sollte im Stadtverkehr irgendwo beiseite (vom Gasgriff runter) geschoben werden. Bei meiner Freundin kommt der dann auf das Lenker-Endgewicht. Entspannt die Hand aber bei langen Autobahn Etappen ungemein.

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