BMW Micro E-Scooter im Test: Ein kompakter Stadtflitzer mit Schwächen?

Der Markt für Elektromobilität wächst stetig, und E-Scooter erfreuen sich besonders in Innenstädten großer Beliebtheit. Sie bieten eine kraftsparende und günstige Alternative zum PKW. Auch BMW ist in diesem Segment aktiv und bietet mit dem BMW Micro einen eigenen E-Scooter an. Dieser Testbericht beleuchtet die Stärken und Schwächen dieses Modells.

Kooperation und Positionierung

BMW hat sich mit der Micro Mobility Systems AG zusammengetan, um Ende 2019 den Lizenzroller BMW Micro für rund 800€ auf Basis des sogar 100€ teureren emicro M1 Colibris auf den Markt zu bringen. Mit Features wie einem Tempomat und 16 Zoll Reifen lässt sich BMW seinen hauseigenen E-Scooter mit fast 2400€ vergüten. Soweit, so gut.

Design und Verarbeitung

Das erste, was beim micro for BMW optisch auffällt, sind (wie könnte es anders sein) die beiden großen BMW Logos an der Vorderseite, sowie am Lenker des Scooters. Der E-Roller wirkt unglaublich hochwertig verarbeitet und edel. Plastikteile sind unauffällig matt gehalten, das Lichtkonzept fest im Scooter integriert und alles sitzt, ohne zu wackeln.

Gewicht und Transport

Mit 9,9 Kilogramm Eigengewicht gehört der Scooter mit Abstand zu den leichtesten Modellen auf dem Markt! Der Mytier oder der IO HAWK Exit Cross wiegen mehr als doppelt so viel! Durch das geringe Gewicht lässt sich der Scooter problemlos Treppen rauf und runter tragen, zusammengeklappt verladen und bei leerem Akku als normaler Kickroller bewegen.

Antrieb

Wer beim Daumengas-Hinterrad-Antrieb des 150 Watt starken Scooters wahre Wunder erwartet, wird natürlich enttäuscht. Zwar händelt der mit maximal 100 Kilogramm belastbare Roller meine rund 90 Kilo problemlos, kommt dabei jedoch nur schwerfällig in die Gänge. Dennoch sorgt der Hinterrad-Antrieb für einen komfortablen, gleichmäßigen und fast schwebenden Übergang vom Antreten bis zum Greifen des Motors. Letztendlich ist der Antrieb ausreichend und dürfte bei deutlich leichteren Personen bis 70 Kilo darüber hinaus auch für mehr Fahrspaß sorgen.

Fahrwerk

Das Fahrwerk des BMW Micro E-Scooters ist an sich stabil. Aufgrund des extrem kleinen Hinterrads und der Vollgummibereifung schafft es die Radgabelfederung jedoch nicht, Unebenheiten auf der Strecke zu kompensieren. Jede noch so kleine Bodenwelle wird direkt an den Fahrer weitergegeben. Hier wird erneut deutlich, dass der Scooter für ebene, gerade Fahrbahnen konzipiert wurde. Die Radgabelfederung soll helfen, die unbequemen Vollgummireifen auszugleichen. Vorne verfügt der Scooter über einen 8 Zoll Reifen, während hinten ein nur 4,7 Zoll großes Rad verbaut ist. Ein kleines Trostpflaster: Die Vollgummi-Reifen sind zwar auf unebenem Gelände wenig komfortabel, bleiben dafür aber durchweg wartungsfrei. Scherben, Nägel und Co. Ansonsten macht das Fahrwerk einen guten Job. Auch aufgrund des Gewichts ist der Scooter extrem agil und wendig. Selbst engstes Wenden ist für den Scooter (bei genügend Gleichgewichtssinn) kein Problem.

Bremsen

Die Sicherheit eines E-Scooters ist eines der wichtigsten Kriterien. Für das Vorderrad greift sowohl eine Trommel, als gleichzeitig auch eine Rekuperationsbremse. Das führt zu einer extrem einfachen Dosierbarkeit der Bremsen. Betätigt man die Bremse auch nur einen ticken zu doll, verliert auch das eigentlich nicht von der Bremse betroffene Hinterrad die Haftung. Beschleunigt man auf gerader und asphaltierter Strecke auf knapp 20 km/h und betätigt dann den Bremshebel, beträgt der Bremsweg lediglich 3,10 Meter. Unter Einbezug der Rücktrittbremse erreicht man sogar einen Wert von lediglich 2,90 Metern.

Akku und Reichweite

Schon die angegebene Maximalreichweite von 12 Kilometern ist in dieser Preisklasse eigentlich kaum verzeihlich. Die aus dem geringen Gewicht resultierende Reichweite von 12 Kilometern lässt eher zu wünschen übrig. Schon nach 1,5 Stunden ist der Scooter zu 70% aufgeladen. Voll aufgeladen ist er nach rund zweieinhalb Stunden. Bei einer 90 Kilo schweren Person reicht eine Ladung im Standard-Modus des Rollers lediglich für 9 Kilometer. Bei einer 70 Kilo schweren Person sind es ca 10,5 Kilometer und eine 55 Kilo schwere Person kam in unserem Test auf knapp unter 12 Kilometer. Im Sportmodus liegt die Reichweite noch einmal einen halben Kilometer weiter drunter. Das einzig positive am Akku ist die Ladezeit.

Micro Mobility App

Ein absolutes Highlight des BMW Micro E-Scooters ist die bereits von den anderen micro Modellen bekannte Micro Mobility App. Mittels Bluetooth lässt sich der Roller problemlos verbinden (eine funktionierende Internetverbindung vorausgesetzt). Die App ist sehr intuitiv und funktioniert fast einwandfrei. Im Fußgängermodus fährt der Scooter maximal 6 km/h, Eco führt zu maximal 14 km/h, Standard zu 16 km/h und im Sport-Modus können die 20 Km/h erreicht werden. Darüber hinaus zeigt die App Daten wie die bisherige Fahrstrecke (auch auf einer Karte), CO2-Einsparung, Akkustand oder die durchschnittliche Geschwindigkeit an und ermöglicht es, den Scooter abzusperren. Ein weiterer positiver Aspekt: Wenn der Handyakku mal nicht mehr will, ist dies kein großes Problem.

Technische Daten im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen Daten des BMW Micro E-Scooters zusammen:

Merkmal Wert
Gewicht 9,9 kg
Motorleistung 150 Watt
Maximale Belastung 100 kg
Reichweite Bis zu 12 km
Ladezeit Ca. 2,5 Stunden

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