Emil Johansson: Eine Karriere im Zeichen des Slopestyle

Schweden hat einen großen Beitrag zur Mountainbike-Welt geleistet und Emil ist definitiv ein Teil davon. Mit gerade mal 18 Jahren hat Emil Johansson im Jahr 2017 einen neuen Maßstab im Slopestyle gesetzt. Wie Weltspitze im Slopestyle weißt fast durchgehend ein eher junges Alter auf. Aber Emil Johansson hat 2017 mit seinen nur 18 Jahren einen neuen Maßstab gesetzt. In seinem ersten Jahr in der FMB World Tour darf er sich nicht nur FMB World Champion nennen, sondern auch auf seine solch konstante Leistung auf höchstem Niveau stolz sein.

Frühe Erfolge und der Weg zum Profi

Der Kick-off seiner internationalen Karriere hat letztes Jahr beim 26TRIX in Leogang stattgefunden, ein Jahr später wurde er zum FMB World Champion gekrönt. Als er Anfang 2017 zum TREK Team stieß, erwähnte er, dass er ein Jahr zuvor noch gar keine FMB Lizenz besaß. Zu Beginn des Jahres wurde der 18-jährige Schwede Mitglied des prestigeträchtigen TREK C3 Projects, im Laufe der Saison ergatterte er diverse Podiumsplätze bei verschiedenen Crankworx Events und wurde darüber hinaus Sieger der Crankworx World Tour. In Whistler wurde dann auch noch sein großer Traum wahr, nämlich Teil der Red Bull Familie zu werden.

Für den Slopestyle-Newcomer aus Schweden, Emil Johansson, geht es in eine erfolgreiche Saison 2017 - sein erster Sieg beim FISE Slopestyle in Frankreich war ein gelungener Start. Wenn jetzt der dritte FMB Gold Event des Jahres beim 26TRIX ansteht, jährt sich auch der Beginn von Emil Johanssons steiler Karriere. Der jüngste Fahrer im Feld katapultierte sich in die Belle Étage der Slopestyle-Szene. Spätestens seit seinem dritten Platz bei Crankworx Rotorua und dem ersten Sieg seiner Karriere am vergangenen Wochenende bei FISE Montpellier ist er Gesprächsthema Nummer eins.

Emil Johansson war bis zum FMB Gold Event 26TRIX in Leogang (AUT) ein vollkommen unbeschriebenes Blatt, da er erstmals in diesem Sommer an Wettkämpfen außerhalb Schwedens teilgenommen hat. Dabei wusste er bei jedem seiner Auftritte zu überzeugen und erreichte bei vier der größten Slopestyle-Events des Jahres jeweils die Top 5: 5. Platz bei 26TRIX, 5. Platz beim Swatch Prime Line, 3. Platz beim Colorado Freeride Festival und ein 4. Emil durchlebte in diesem Jahr einen märchenhaften Aufstieg in die Elite des Slopestyle-Sports. Aus dem Nichts bewies er sein Talent und trickste sich auf Anhieb in die Belle Étage der Szene. Den jüngsten Fahrer der FMB World Tour sollte man 2017 sicherlich nicht aus den Augen lassen.

Mit acht Jahren begann er mit dem Biken und besucht nun seit einem Jahr das Bike-Gymnasium in Falun (SWE). Die Schule bietet perfekte Rahmenbedingungen, damit Schüler wie Emil im Rahmen der schulischen Ausbildung die Möglichkeit haben, jeden Tag zu fahren und zu trainieren. All die Extraschichten auf seinem Bike zahlten sich 2016 bereits aus und dank der sensationellen Ergebnisse findet er sich auf dem 5. Platz im FMB World Tour Ranking wieder. Emil freut sich bereits auf die kommende Saison: „Ich habe so viel Selbstbewusstsein in den letzten Monaten gesammelt und bin super motiviert, in den Wintermonaten weiter an mir zu arbeiten. Ich freue mich, wenn es 2017 mit den Contests wieder losgeht!“

Die Zusammenarbeit mit Tarek Rasouli

Der Mann, dem Johansson die Rückkehr auf den Slopestyle-Thron mit zu verdanken hat, ist Tarek Rasouli. Dessen Agentur Rasoulution, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert, managt den Schweden ebenso wie weitere Weltstars der Mountainbike-Szene, darunter Danny MacAskill (GBR), Fabio Wibmer (AUT) und Thomas Genon (BEL). Auch Emil Johansson entdeckte er früh: Der junge Schwede kam Ende 2016 zu Rasoulution - kurz bevor er 2017 in einem grandiosen Jahr Weltmeister der FMB-Tour wurde.

Tarek Rasouli, Managing Director und Gründer von rasoulution, freut sich auch auf die Zusammenarbeit mit dem jungen Schweden: „Ich habe Emil schon seit drei bis vier Jahren auf dem Radar. Ich habe ihn aber persönlich erst dieses Jahr bei 26TRIX kennengelernt. Es war toll, ihn live fahren zu sehen und sein Talent ist unbestritten. Das Ziel von rasoulution ist es, die Karriere von aufstrebenden Newcomern und Weltklasse-Athleten zu unterstützen, indem sie ihre Zeit effizienter gestalten können, um sich auf ihre sportliche Entwicklung zu konzentrieren.

Emil Johansson hat auch dank Berater und Mentor Tarek Rasouli seine Rückenprobleme überwinden können. Emil Johansson wiederum ist Rasouli für seine Unterstützung, die weit über reines Athletenmanagement hinausging, ewig dankbar: „Auf Tarek kann man sich zu 120 % verlassen. Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, wenn er nicht gesagt hätte, dass ich wegen meiner Verletzung nach München kommen soll. Ich kann ihm nicht genug für seinen Support danken.“

Rückschläge und Comebacks

Es war die Krönung eines fulminanten Comebacks: Anfang März 2020 gewann Emil Johansson mit einem der besten Slopestyle-Runs aller Zeiten das Crankworx Rotorua, Teil der Crankworx Freestyle-Bike-Eventserie. In den beiden Jahren zuvor hatte der FMB-Tour-Weltmeister von 2017 bei dem renommierten Wettbewerb in Neuseeland nicht starten können: Rätselhafte Rückenschmerzen hatten ihn dermaßen gequält, dass er sich mit nur 18 Jahren schon vor dem Karriereende sah.

Zurück zu Emil Johansson. Der meldete sich Ende 2017 bei Tarek Rasouli, dass es ihm schlecht gehe. „Die schwedischen Ärzte wollten ihn am Rücken operieren“, erinnert sich Rasouli. „Ich sagte: Moment! Operiert wird erstmal gar nichts.“ Er holte den damals 18-jährigen Schweden nach München und schickte ihn zu Lorenz Westner von der Sportschule Puch, mit dem er selbst schon lange zusammenarbeitet. „Das war sehr glücklich, dass wir diesen Draht hatten“, so Rasouli.

Bei den weiteren Untersuchungen durch Münchner Ärztinnen stellte sich heraus: Johansson litt unter einer überlangen Wirbelsäule, aber auch dem Epstein-Barr-Virus und der Autoimmunkrankheit Hashimoto. Mit Physiotherapie und Medikamenten konnte sein Immunsystem ab Sommer 2018 allmählich stabilisiert werden. Noch im selben Jahr startete er wieder beim Red Bull Joyride in Whistler - und wurde Vierter. Beim Crankworx Rotorua 2019 setzte er nach einem Rückfall aus, doch drei Monate später beim Crankworx Innsbruck 2019 war Johansson mit Platz zwei wieder voll da. Endgültig vollendet war sein Comeback dann mit den Siegen bei den Crankworx-Events in Whistler 2019 und Rotorua 2020.

Johanssons Fahrstil und Persönlichkeit

Ich schätze, ich bin eher ein Slopestyle-Fahrer, denn Slopestyle macht mir richtig Spaß. Letztes Jahr bin ich abgesehen vom Red Bull Joyride nicht viel Slopestyle gefahren. Mir gefällt diese Disziplin so gut, weil es eine echte Herausforderung ist, sich besonders kreative Tricks für den gesamten Kurs auszudenken, anstatt nur die zwei besten rauszuhauen.

Die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren und zu fokussieren kommt gerade recht, wenn man mit seinem Bike in sechs Metern Höhe einen Backflip macht. Im Gespräch macht er klar, dass ihm nur wichtig ist, dass er weiterhin Spaß daran hat sein Bike zu fahren.

Ich bin der jüngste Rider in der Diamond Series und es ist oft nicht einfach, weniger Erfahrung mit Contests und Big Jumps zu haben als die ganzen älteren Rider. Ich habe die letzten zwei Jahre darauf hingearbeitet, den Gesamttitel zu ergattern, aber dass es mir so schnell gelingen würde - das hätte ich mir letztes Jahr beim 26TRIX nicht träumen lassen. Ich habe wirklich hart für den Titel gearbeitet, von daher bin ich mehr als happy, dass mir der Gesamtsieg letztendlich gelungen ist.

Als die Saison los ging, habe ich ein neues Bike erhalten und ich war mir nicht ganz sicher, wie ich mit einem Fully zurecht kommen würde. Der Sieg bei FISE hilft mir, mehr an mich selbst zu glauben. Ich bin so erleichtert, dass sich die ganze Arbeit auszahlt, ich immer besser weiß, was funktioniert und, was ich tue. Ich hatte vor dem Event keine besonderen Erwartungen, weil ich nicht wusste, wie der Kurs sein würde. Ich habe nicht eine Sekunde an den Sieg gedacht. Ich bin nicht so extrovertiert, sodass man mir vielleicht die innerliche Freude gar nicht so richtig angesehen hat.

Es war schon immer mein Traum, ich wollte schon immer ein Red Bull Athlet sein, aber es war dann doch eine große Überraschung, dass es diese Saison schon so weit war.

Es war der Wahnsinn, in Montpellier und in Whistler zu sein, weil der Vibe die ganze Woche über einfach super war! Aber nichts geht über den Red Bull District Ride - der Contest und der Vibe waren einfach der absolute Hammer! Die vielen Zuschauer, Teil des Ganzen gewesen zu sein - eine unvergessliche Erfahrung!

Ich habe meinen Run noch nicht im Kopf, weil ich erst dann überlege, wenn ich mir den Kurs zumindest schonmal angeschaut habe. Ansonsten fokussiert man sich auf Tricks, die vielleicht gar nicht funktionieren können und man verliert die Übersicht. Ich werde den Kurs dort erst mal fahren, um ein Gefühl dafür zu bekommen. 26TRIX wird super cool und ich glaube, dass der Kurs zu mir passt.

Seit ich acht bin, träume ich davon mein Bike zu fahren und die Welt zu bereisen. Sie unterstützen mich bei all dem. Als ich vor zwei Jahren nach Falun umgezogen bin, um die Bike-Schule zu besuchen, wurde ihnen langsam klar, dass ich Profi werde. Nach meinem 5. Platz bei 26TRIX im letzten Jahr hat meine Mutter erstmals erkannt, dass ich mich tatsächlich weiterentwickle.

Ausrüstung

Ich fahre jetzt ein Full-Suspension-Bike. So werden meine Landungen smoother und das Bike fühlt sich in der Luft stabiler an. Eigentlich gibt es nur Vorteile mit einem Full-Suspension-Bike, deshalb bleibe ich jetzt dabei.

Erst kürzlich hast Du einen glänzenden neuen Red Bull Helm bekommen. Es muss sich wahnsinnig anfühlen, für die gleiche Marke zu fahren wie die Rider, zu denen du immer aufgeschaut hast.

Zitate über Emil Johansson

Erik Fedko, bester deutscher Slopestyler: Emil wirkt verschlossen, doch ist ein mega netter Typ, super hilfsbereit und irre gut organisiert. Für sein Alter ist er sehr erwachsen - das beeindruckt. Ich vermute, das liegt dran, dass er schon mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen ist und alleine lebt. Er wohnt jetzt im Norden Schwedens, wo die Bike-Community viel besser ist. Da kann er gezielt trainieren und sich auf die Wettkämpfe vorbereiten.

Tarek Rasouli, Manager von Emil Johansson: Slopestyle-Moderator Cam McCaul sagt zu Emil: der Chirurg. Denn Emil geht so präzise an seine Tricks ran und absolviert selbst die kompliziertesten Sprung-Kombos mit einer solchen Perfektion, dass selbst Experten nicht mehr wissen, was Emil da jetzt genau gemacht hat. So ist Emil in allen Lebensbereichen: ein Perfektionist. Z. B. bei der Produktentwicklung von Bikeparts. Da packt Emil dann sein Wissen aus, dass es den Ingenieuren ganz schwindelig wird. Denn Emil ist ausgebildet in CNC-Metallfrästechnik.

Amir Kabbani, Ex-Slopestyle-Profi: Es gab Momente in meiner Karriere, da fühlte ich mich eins mit dem Bike. Doch kein Vergleich zu Emil. Der Typ verschmilzt förmlich mit seinem Rad. Unvorstellbar, welch lange Abfolge von Impulsen er da raushaut bei all den Tricks und das in Perfektion. Das ist eine andere Welt. Ich sehe Parallelen zwischen ihm und Semenuk. Beide sind so tief im Thema, und beide wirken dabei fast ein bisschen autistisch.

Kathi Kuypers, Slopestylerin: Emil ist das Alien unter uns, der Außerirdische, denn wir haben alle keine Ahnung, wie er das hinkriegt. Nicht von dieser Welt! Er ist sehr in sich gekehrt und konzentriert sich auf das Wesentliche im Leben: Biken!

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