In diesem Beitrag geht es um eine Fahrradtour quer durch das malerische Münsterland. Knappe 190 km in und um Münster.
Die geplante Tour
Schon im letzten Jahr geplant und jetzt in 2020 endlich umgesetzt. Endlich kommen wir ins Münsterland! Gut Ding will bei uns ja bekanntlich immer ein wenig Weile haben.
Verhältnismäßig spät treffen wir uns um 8.30 Uhr in Köln-Ehrenfeld, um zusammen in Richtung Hauptbahnhof zu radeln. Wir müssen aber auch nur in die Bimmelbahn und sind schon binnen 2h Stunden im schönen Westfalen. Schnell noch ein paar Brötchen auf die Hand, auch wenn wir uns normalerweise mit dem Schmieren von Stullen abwechseln, hat es dieses Mal nicht ganz geklappt.
Der Zug spuckt uns endlich in Münster aus und jetzt könnte es eigentlich richtig losgehen. Henriks Tacho ist aber noch tot und wir düsen für eine neue Batterie erstmal Richtung Fotoladen. Gut vorbereitet ist halb gefahren oder so ähnlich. Unser Ding, auch in 2020.
Die ersten Tropfen fallen auf unsere Nasen und ein Blick in den Himmel verheißt nichts Gutes. Nochmal verschieben ist aber keine Option, ebenso wenig wie die gewohnte Vorgehensweise: Abwarten und Biertrinken. Wir müssen ja erstmal los. Also Gas!
Auf den ersten Metern müssen wir uns immer erst einspielen. Schilder, fahren, reden, gucken. Läuft noch nicht so gut und wir stehen das ein oder andere Mal orientierungslos an Richtungsschildern. Einer der Nachteile, wenn ihr keine Themenroute oder Flusstour macht.
Erste Eindrücke und Stopps
Nach den 10 km kommen wir an „Haus Coerde“ vorbei und schaffen es tatsächlich noch die Tafel, mit Bier, Waffeln und Kuchen inklusive Richtungspfeil auf den Hof zu ignorieren, aber ein paar Meter weiter am Heidekrug können wir nicht widerstehen. Pause. Naturtrübes Finne-Bier und Pommes Spezial. Lecker ist da untertrieben!
Während wir Speisen und Getränke genießen, erspähen wir auf der anderen Straßenseite etwas, das wir uns nicht entgehen lassen können: Sonnenblumen! Ein ganzes Feld voll. Nichts wie rüber und noch zwei Sonnenblumen für die Tour abschneiden, ganz legal gegen Geld versteht sich, ans Rad getüddelt und weiter geht es.
Wir radeln durch die Rieselfelder. Ein Hotspot für alle Vogelnerds. Durch und um die Rieselfelder lässt es sich wunderbar strampeln.
Da bei uns die Gleichung nicht selten heißt, Strampeln=Durst, ist unser nächstes Ziel die Pleister Mühle. Ein Biergarten mit Minigolf und Kanuverleih. Wer nicht mehr auf dem Sattel sitzen kann oder möchte, kann hier den alten Drahtesel bequem gegen ein Wassergefährt eintauschen und auf der Werse umherpaddeln. Es heißt aber immer noch Fahrrad- und nicht Kanurabauken und so beschränken wir uns auf ein Erfrischungsgetränk bevor es wieder in die Stadt geht.
Pinkus Müller ist für uns das nächste Ziel. Es gibt aber nicht nur das EINE Pinkus-Bier, sondern viele Sorten von diesem Müller. Wir beschränken uns besser auf die Primzahlen und ein Omelett mit Salzkartoffeln und Salat. Wir müssen ja aufs Rad.
Mittlerweile ist es 10 Uhr, es wird dunkel und wir sollten uns mal so langsam um eine Schlafstelle bemühen. Auf dem Weg kaufen wir uns noch schnell eine Pulle Wein an der Tanke. Wir drücken die Campingplatz-Klingel für den Nachtschalter und haben Glück. Es meldet sich tatsächlich wer und wir dürften bleiben.
Wir fahren also im Dunkeln an der Werse entlang und sehen im Wald fast nichts mehr. Aber hier pennen, Nein Danke! Ein verdammter Blair Witch Wald ist das (meint zumindest einer von uns beiden)! Na gut. Also doch lieber wieder zurück zum Campingplatz.
Der Campingplatz mit dem unspektakulären Namen Campingplatz Münster befindet sich etwas außerhalb von Münster an der Werse inklusive Freibad. Es ist wie es ist und wir bauen um 11.30 Uhr unsere Hütte auf… ganz leise versteht sich.
Wir wachen am nächsten Tag relativ früh auf und wollen weiter. Eine heiße Dusche ist aber noch drin, sonst hätten wir auch im Wald bleiben können. Es juckt uns aber in den Fingern. Schnell noch einen Kaffee auf dem alten Campingkocher gezaubert.
Entlang der Werse und Ferienhäusern, welche direkt am Fluss stehen. Heute bei Tageslicht sieht das alles gar nicht mehr so gruselig aus. Wir beschließen in Zukunft weniger böse Serien oder Filme zu gucken.
Weiterfahrt nach Telgte und Warendorf
Wir verlassen den WerseRadweg und steuern Telgte an. Nach einer guten Stunde auf dem Rad hängt uns der Magen doch in den Kniekehlen. Ein Milchbrötchen kann nicht den Tag retten. Wer hätte es gedacht? So wird kurzum die 12 Uhr Pause auf elf Uhr vorverlegt und wir finden uns bei Tante Lina in Telgte wieder. Zum Frühstück gibt es Reibekuchen mit Apfelmus und einen kleinen Schnack mit einem einheimischen Radfahrer, der gerade von der Ems-Radtour zurückkommt. Wir laufen gleich wieder Richtung Warendorf aus.
Aber nochmal kurz was zur Stadt Telgte: Ist ein kleines schnuckeliges Städtchen im Herzen vom Münsterland. Telgte ist auch als Wallfahrtsort bekannt und durch die Erzählungen von Günter Grass - Treffen in Telgte. Mit seinen kapp 20.000 Einwohner*innen nicht gerade groß, aber für einen Zwischenstopp und einen kurzen Blick in die Wallfahrt Kirche allemal ausreichend. „Klein-Münster“ eben.
Ab jetzt sind wir auf dem EmsRadweg unterwegs, d.h. Flussradwege, das können wir. Einfach den Schildern mit den entsprechenden Symbolen folgen. Das Schöne ist, man muss nicht viel über den Weg nachdenken und kann einfach rollen lassen.
Warendorf Kreishauptstadt des Lockdowns, hoch Risikogebiet quasi, zumindest war sie das noch im Juni 2020. Warendorf ist aber auch eine kleine schöne Stadt im Herzen vom Münsterland (ja, noch eine ;-)). Auch bekannt für die Hengstparade auf dem Landgestüt Warendorf.
Der Marktplatz lädt zum Verweilen ein. Wir finden ein kleines buntes Café direkt am Platz, welches wir eigentlich eher in Köln verorten würden. Bisschen bunt, bisschen alternativ/hip. Lecker Kuchen und Bier in eiskalten Tonkrügen. Mehr Worte bedarf es nicht. Sonnenbrille auf der Nase und Biertrinken.
Sendenhorst und die Gastfreundschaft
Weit müssen wir eh nicht mehr, nur noch ca. 20 km über plattes Land, an grünen Feldern vorbei nach Sendenhorst. Wir sind eingeladen und dürfen unter alten Walnussbäumen zelten. Wohuu! Unser Gastgeber kommt sogar eigens dafür nach Warendorf, um uns einzusammeln. Mit dem Rad versteht sich. Die letzten Kilometer radeln wir zusammen. Unser gemeinsamer Weg führt uns durch Freckenhorst und Hoetmar an die Angel in Sendenhorst. Ganz schön, auch mal zu dritt unterwegs zu sein.
Wir haben uns etwas verquatscht und sind somit erst um 17.30 Uhr bei Kaffee und Kuchen. Zucker und Koffein wirken aber wahre Wunder. Schnell ist das Service im Weidenkorb verschwunden und wir gehen zu ausgewählten Landbieren über. Hofführung inklusive. Mega.
Gastgeber*in bis in den kleinen Finger sind die beiden. Wir beiden dürfen wieder unter den Bäumen Platz nehmen und einfach weiter Biertrinken bis das Essen fertig ist. Die Zutaten kommen alle aus dem eigenen Garten. Eine „was-gerade-so-zu-ernten-da-ist-Quiche“ aus Rote Beete, Lauch, Zucchini, Mangold, Möhren und „was-wissen-wir-schon“ und ein Salat bei dem jeder Bio-Hippster-Laden einpacken kann, garniert mit essbaren Blüten. Vielleicht sollten wir einfach hierbleiben.
Wir essen und lassen es uns gutgehen. Landluft macht hungrig und durstig. Fast verpassen wir den richtigen Zeitpunkt für den Zeltaufbau.
Es will einfach nicht weniger werden und so geht es im strömenden Regen Richtung Luftmatratzen. Wir lassen uns wieder einmal in den Schlaf regnen. Das Leben kann so schön sein.
Der letzte Tag: Ahlen, Beckum, Oelde und Ennigerloh
Das Gröbste scheint morgens um 7:00 überstanden zu sein. Landregen am Ems-Auen und Werse-Radweg vs. Langregen. Gut für die Natur. Den letzten Tag kürzen wir gedanklich schon ab. Regen killt eben die Motivation. Dagegen hilft nur eine heiße Dusche und ein dickes Frühstück, diesmal drinnen aber natürlich mit Eiern von den eigenen Hühnern.
Wir müssen schnell weiter sonst schlagen wir hier noch Wurzeln. Danke für alles ihr beiden. Die dicke Wolkendecke reißt auf. Wir können es selbst kaum glauben. T-Shirt Ärmel hochkrempeln. Zelt wieder auf’s Rad geschnürt und zum Abschied winken.
Nächstes Ziel Ahlen und Westfalen. Ahlen ist eine alte Zechenstadt und könnte eigentlich der letzte Zipfel auf der Route der Industriekultur sein, nach Hamm hört diese aber auf. Vielleicht weil Ahlen schon die Werse und damit den Werse-Radweg hat, an der wir nun entlang radeln.
Von Ahlen fahren wir weiter in Richtung Beckum. Die Zementstadt. Damals das größte Abbaugebiet in ganz Europa. Schöne Radwege inklusive. Es läuft erstaunlich gut. Vom platten Land spüren wir hier aber nichts mehr. Es gibt tatsächlich die Beckumer Berge (kann uns das mal vorab jemand stecken, bitte) und wir kommen das erste Mal wirklich ins Schwitzen.
Wo ein Aufstieg ist, kann man zum Glück auch wieder runterrollen und somit zeigt der Tacho 43 km/h und wir lassen laufen. Vorbei am Vier-Jahreszeiten Park in Oelde. Richtung Marktplatz. Wir brauchen dringend eine Pause. Etwas wehmütig nippen wir an unserem Getränk, wohlwissend das jetzt die letzten Kilometer angebrochen sind.
Durch den Wald eiern wir nach Osterfelde. Der Weg ist der Knaller und definitiv einer der schönsten Abschnitte unserer Tour. Eine Parklandschaftt des Kreis Warendorfes. Ein kurzer Blick auf Schloss Vornholz und weiter zum Tourenabschluss nach Ennigerloh.
Nach vier Jahren ist es endlich Zeit Henrik Bastians Eltern vorzustellen. Wieder werden wir bekocht und mit kalten Getränken versorgt. Danke Mutti und Daddy!
Ankunft und Fazit
Wir sind durch. Müde und Glücklich. Den Abend lassen wir in alter Rabaukenmanier ausklingen. Diesmal nur nicht im Zelt, sondern in der alten Bude von Bastian. Alte CDs inklusive. Es läuft Nirvana und Songs der alten eigenen Band. Irgendwie schräg. Radfahren auf den Spuren der Vergangenheit.
Am nächsten Morgen geht es dann mit der Bahn zurück nach Köln. Auf die vielen Menschen müssen wir jetzt erstmal wieder klarkommen. Ehrenfeld Baby!
Es war schön im Münsterland auf dem Werse-Radweg und auf dem Ems-Auen-Radweg.
Der EmsRadweg: Von der Quelle zur Mündung
Der EmsRadweg führt von den Emsquellen zwischen Hövelhof und Schloß Holte-Stukenbrock rund 385 km weit bis nach Emden an der Nordsee. Dabei führt die Route überwiegend durch die Natur, aber auch in die links und rechts der Ems gelegenen Orte.
Ein geringes Verkehrsaufkommen und das Fehlen nennenswerter Steigungen machen den EmsRadweg auch für ungeübte Radfahrer zu einem tollen Reiseziel.
Ein Großteil der Route führt durch Gebiete, in denen wildlebende Arten und deren Lebensräume als so genannte europäische FFH-Gebiete unter besonderem Schutz stehen. [FFH-Gebiete dienen dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten).]
Um die Ems immer wieder auch vom Rad beobachten zu können, wechselt die Route häufig die Uferseiten, wenn Brücken eine Querung möglich machen. Die naturnahe Routenführung durch Naturschutzgebiete und Landschaftsparks sichert den Radlern ein angenehm geringes Verkehrsaufkommen. Die Wegeführung ist sehr abwechslungsreich und schlängelt sich entlang von Feldern und Wiesen und durch schattige Wälder. Sie führt den Radfahrer aber auch in die entlang der Ems gelegenen Orte, sodass regelmäßig die Möglichkeit zur Einkehr in einem Cafe oder einer Gaststätte besteht.
Streckenbeschaffenheit und Ausstattung
Der EmsRadweg weist keine nennenswerten Steigungen auf und ist daher auch für ungeübte Radfahrer gut zu befahren. Der EmsRadweg führt überwiegend über asphaltierte Landwirtschaftswege. Dort, wo er durch Schutzgebiete verläuft, dürfen die Wege hingegen nicht asphaltiert werden und besitzen meist eine wassergebundene Wegedecke.
Alle Wege des EmsRadweges sind mit einfachen Tourenrädern und Pedelecs befahrbar. Rennräder dagegen eignen sich wegen ihrer schmalen Reifen und Felgen nicht für eine Fahrt entlang der Ems.
Entlang des EmsRadweges finden Radreisende in regelmäßigen Abständen Rastplätze, Bänke, Ems-Aussichtspunkte und Aussichtstürme. Diese bieten immer wieder Gelegenheit, den Artenreichtum entlang der Ems zu genießen.
Radboxen an verschiedenen zentralen Punkten bieten Komfort, um in Ruhe einen Ort oder eine Sehenswürdigkeit erkunden zu können.
Kulinarische Vielfalt
So vielfältig die Landschaft, so groß auch die kulinarische Auswahl: Senne-Forellen, Pickert und Spargel, münsterländisches Pumpernickel, Ostfriesentee und vieles mehr will probiert werden.
Start- und Zielpunkte
Der Startpunkt des EmsRadweges ist das Ems-Infozentrum, das sich nahe den Quellen in Hövelhof befindet. Der Endpunkt des EmsRadweges liegt im Außenhafen von Emden, gegenüber vom Borkumkai.
Etappen und Sehenswürdigkeiten entlang des EmsRadweges
Auf dem Weg von den Emsquellen bis zur Mündung der Ems in die Nordsee fährst du auf 375 km dem Flusslauf folgend. Wir stellen dir hier eine klassische Route mit 7 Etappen vor.
- Etappe 1: Hövelhof - Rietberg. Nach dem Naturschutzgebiet und Vogelparadies Steinhorster Becken kommst du nach Rietberg.
- Etappe 2: Rietberg - Telgte. Der Weg von Rheda nach Telgte führt dich über von Bäumen gesäumte Radwege, über Felder und durch kühle Waldstücke.
- Etappe 3: Telgte - Rheine. Du fährst an Feldern, Wäldern und Seen vorbei udn tauchst im Naturschutzgebiet Bockholter Berge tauchst du in eine ursprüngliche Landschaft ein.
- Etappe 4: Rheine - Lingen. Nach Lingen fährst du zwischen zwei Flüssen: Dem Dortmund-Emds-Kanal zu deiner Rechten und der Ems selbst zu deiner Linken bis zum Speicherbecken Geeste.
- Etappe 5: Lingen - Meppen. Danach folgst du der Ems weiter Richtung Norden.
- Etappe 6: Meppen - Papenburg. Auf dieser Etappe folgst du der Ems meist direkt am Ufer entlang.
- Etappe 7: Papenburg - Emden. Auf deiner heutigen, letzten Etappe von Papenburg nach Emden fährst du unter anderem an der Meyer Werft vorbei.
Highlights entlang der Strecke
- Das Naturschutzgebiet Steinhorster Becken ist das größte von Menschenhand geschaffene Biotop in Nordrhein-Westfalen.
- Im Zeitregal in Warendorf erwartet dich ein spannender Blick in die Geschichte der Region, vom Neandertaler bis heute.
- In der Stadt Papenburg am Hauptkanal wartet die eindrucksvolle Meyer Werft, die berühmt für ihre enormen Schiffsbauten ist.
Beste Reisezeit und Anreise
Die beste Reisezeit für den Ems-Radweg ist zwischen April und Oktober. In den Frühlings- & Herbstmonaten ist die Natur wunderschön und es herrscht eine frischere Brise.
Weitere Informationen
Der Ems-Radweg ist ein genussvoller Flussradweg durch Norddeutschland (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen). Der Großteil der Strecke verläuft auf flachen Wegen in der Nähe des Flussufers.
Empfehlungen für Fahrräder
Du kannst den Elberadweg mit jeder Art von Fahrrad oder E-Bike fahren, da der Großteil der Wege gut asphaltiert ist.
Sicherheitshinweise
Auf dem Ems-Radweg gibt es keine besonderen Sicherheitshinweise. Beachte stets das Können und die Kondition von dir und deinen Mitfahrenden.
| Region | Highlights |
|---|---|
| Paderborner Land | Emsquellen, Naturpark |
| Kreis Gütersloh | Fachwerkhäuser, Flora Westfalica |
| Münsterland | Emsauen, Wallfahrtsort Telgte |
| Emsland | Natur, Schifffahrtstradition |
| Ostfriesland | Maritime Landschaft, Nordsee |
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