Enduro Hardtail Rahmen 29 Test: Stahl im Vergleich

Wenn man Testberichte für Stahlräder liest, stolpert man garantiert über Wörter wie lebendig, Seele, Herz, Persönlichkeit. Zweifellos ist Stahl der Ursprung der Rahmenmaterialien bei Mountainbikes, und trotz dieser fast vergessenen Anfänge haben Stahlfahrräder einen Kultstatus erreicht.

So wie Casio-Uhren aus den 1980er-Jahren heute zum Zwanzigfachen ihres ursprünglichen Werts gehandelt werden, sind Bikes mit Stahlrahmen bei der aktuellen Craft-Beer-Generation ein heißes Eisen. Bei diesem Preispunkt muss Stahl auch mit Performance überzeugen, um gegen die gewaltige Aluminium- und Carbonkonkurrenz bestehen zu können.

Nachdem wir die zu oft erzählten Stahl-Märchen aus dem Fenster geworfen haben, wollen wir einen Blick auf die aktuellen Stahl-Bikes werfen. Es scheint, als hätte Mutter Natur einen grausamen Sinn für Humor.

Stahl ist einer der wichtigsten Konstruktionswerkstoffe und wird in fast allen Branchen eingesetzt. Es gibt über 3.500 verschiedene Stahlsorten, aber alle sind letztlich eine Legierung aus Eisen und Kohlenstoff, angereichert mit einer Reihe verschiedener Elemente. Die am häufigsten für Fahrradrahmen verwendete Stahllegierung ist 4130 Chromoly, dem geringe Mengen Chrom und Molybdän zugesetzt werden, was zu einem besseren Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht führt. Stahl ist vollständig wiederverwertbar, ohne dass sich die Eigenschaften des recycelten Materials verschlechtern.

Warum Stahlrahmen?

Warum sind Stahlrahmen trotz ihres komfortablen Fahrverhaltens, insbesondere bei Hardtails, so viel dünner als Aluminiumrahmen? Bei gleichen Abmessungen ist Stahl etwa dreimal dichter als Aluminium, aber auch dreimal steifer. Steifigkeit und Festigkeit sind jedoch sehr unterschiedliche Parameter. Die Festigkeit eines Materials wird durch seine Streckgrenze beschrieben.

Das ist der Punkt, an dem das Material über seine Elastizitätsgrenze hinausgeht und sich dauerhaft verformt, wenn sich ein Stahlrahmen also z. B. verbiegt oder reißt. Wenn es um die Herstellung von Fahrradrahmen geht, sollte der Rahmen so konstruiert sein, dass die auftretenden Normalkräfte weit unter der Streckgrenze des verwendeten Materials liegen - damit also unter normalen Bedingungen nichts passieren kann, das den Rahmen verbiegt.

Bei gleicher Wandstärke ist ein Rohr mit größerem Durchmesser steifer als ein Rohr mit kleinerem Durchmesser - verdoppelt man den Durchmesser eines Rohres, erhöht das die Rohrsteifigkeit in etwa um das Vierfache. Will man nun aber den Durchmesser des Rohres vergrößern, gleichzeitig jedoch nicht mehr Material verbrauchen - um das Bike nicht schwerer zu machen -, dann muss man die Wandstärke des Rahmenrohrs reduzieren. Genau das ist gerade bei Stahl ein Balanceakt: Da Stahl ein dichtes Metall ist, müssen Rahmenkonstrukteure vorsichtig sein, schließlich wird der Rahmen bei zu viel Material schnell zu schwer.

Allerdings können die Rohre auch nicht endlos verdünnt werden, um Gewicht zu sparen. Denn wenn der Durchmesser der Rohre vergrößert wird, gibt es einen Punkt, an dem die Rohrwände - bei sinnvollem Gewicht - zu dünn werden, um noch genügend Festigkeit und Schutz gegen Beschädigungen zu bieten. Diese Probleme hat Aluminium nicht so stark.

Vergleicht man es mit Aluminium, hat Stahl sogar eine höhere Lebensdauer! Wiederholte Belastungen vom Trail hält ein Stahlrahmen besser aus als einer aus Aluminium. Rahmen, die aus Alu gefertigt sind, müssen über dickere Rohre und größere Rohrdurchmesser verfügen, um Spitzenbelastungen und Biegungen verkraften zu können. Stahl kann mit seiner höheren Elastizität wiederholten Biegekräften widerstehen, was ein Materialversagen unwahrscheinlich macht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Dichte von Stahl die Steifigkeit eines Rahmens einschränkt, wenn er ein vernünftiges Gewicht haben soll. Die Wandstärken müssen vergleichsweise dünn sein, damit der Rahmen nicht in der Schwergewichtsklasse spielt, das macht ihn zum Glück aber nicht automatisch instabil. Denn die höhere Dauerfestigkeit von Stahl ermöglicht eine Rahmenkonstruktion mit schlanken Rohren, die ein gewisses Maß an Flex und Komfort bieten, aber stark genug sind, um alle „normalen Gebrauchskräfte“ problemlos wegzustecken. Stahlrahmen sind meist echt zäh und nahezu unbegrenzt haltbar. Ein ordentlich verarbeiteter Stahlrahmen ist langlebiger als jeder Alu- oder Carbonrahmen.

Stahlarten und ihre Eigenschaften

Puristen werden fast schon zu Dichtern, wenn sie über die einzigartigen Eigenschaften der verschiedenen Stahlsorten schwärmen. Alle Stähle haben unabhängig von ihrer Zusammensetzung den gleichen Elastizitätsmodul, ein Maß für die Rohrsteifigkeit. Deshalb ist bei gleichen Abmessungen selbst der noch so gehypte Spezialstahl nicht „steifer“ als der Stahl, den man in Gerüststangen oder den billigsten Baumarkt-Bikes findet.

Billiger Stahl wie der Baustahl, der für Billigfahrräder verwendet wird, hat eine geringere Streckgrenze, wodurch dickwandigere Rohre erforderlich sind, um die erforderliche Stoß- und Knickfestigkeit zu gewährleisten - das bedeutet wiederum mehr Gewicht. Qualitativ hochwertigere Stähle wie 4130 CrMo oder Reynolds 531 und 853 haben eine viel höhere Streckgrenze, weshalb dünnwandige, leichtere Rohre verwendet werden können. Es gibt jedoch eine Grenze, ab der ein Stahlrahmen einfach zu dünn wird.

Einige Stähle, wie 4130, können während des Schweißprozesses geschwächt werden und benötigen eine weitere Wärmebehandlung, um die Festigkeit wiederherzustellen. Andere, wie der teure Reynolds 853, gewinnen nach dem Schweißen durch das Abkühlen an der Luft an Festigkeit. Rahmenbauer müssen auch das sogenannte Butting der Rohre in Betracht ziehen, bei dem der äußere Rohrdurchmesser konstant ist, aber die Wandstärke innen variiert. Die Konstruktion eines Stahlrahmens ist ein Balanceakt.

Man muss sich im Klaren sein, dass es nicht immer das Beste ist, ein Stahl-Bike nur aufgrund des schicken Aufklebers auf dem Unterrohr zu kaufen. Stattdessen sollte man sich darauf konzentrieren, ob der Konstrukteur die Rohrformen, Wandstärken und Durchmesser berücksichtigt hat, um dem Rahmen den gewünschten Flex und die optimale Performance zu verleihen.

Stahl im Enduro-Einsatz

Die elastischen Eigenschaften von Stahl mögen für einen Hardtail-Rahmen durchaus sinnvoll sein, aber sind sie das auch für ein knallhartes Enduro-Bike? Ein vollgefedertes Enduro-Bike muss auf den rauesten Trails souverän abliefern. Es muss steif genug sein, um direkte Linien durch Rockguardens zu verkraften, und nachgiebig genug, um uns bei großen Jumps oder meterlangen Bremswellen nicht die Zahnfüllung aus dem Gebiss zu schütteln.

Es werden Rohre mit großem Durchmesser verwendet, um steife und starke Rahmen zu konstruieren. Die Federung sorgt für Komfort und Kontrolle. Wenn mit Stahl aber keine dicken Rohre möglich sind - kann er dann trotzdem ein geeignetes Material für ein vollgefedertes Bike sein?

Um herauszufinden, ob es Stahl immer noch bringt, haben wir drei Bikes mit Stahlrahmen auf den schottischen Trails dem Test unterzogen. Starten wir mit dem Star in unserem Line-up: Das Cotic RocketMAX verbindet einen starken Reynolds 853-Hauptrahmen mit einem 6066-T6-Aluminium-Hinterbau. Die Konstrukteure wollten das Beste beider Welten miteinander kombinieren. Und wenn es um Leistung geht, nimmt es das RocketMAX tatsächlich mit den besten Aluminium- und Carbon-Enduros auf!

Wir haben auch das Pipedream Full Moxie getestet, dessen schlanke Rahmensilhouette und schlanke Streben die Ästhetik von Stahl unterstreichen. Der kurze Federweg und die aggressive Geometrie ergeben ein sehr ausgewogenes Bike. Unser Testfeld vervollständigt das Starling Twist. Es ist die perfekte Definition des Grundsatzes „Weniger ist mehr“. Im Gegensatz zu seinem simplen Fahrwerk und den klassischen Linien stehen der moderne Laufrad-Mix aus 29/27,5″ und der Stahlfederdämpfer.

Bekommt ihr mehr Performance, wenn ihr ein Stahl-Bike kauft? Nein, ganz und gar nicht. Für den gleichen Preis bekommt ihr ein leichteres Bike mit besseren Komponenten, wenn ihr euch für Aluminium oder Carbon entscheidet. Was ihr jedoch mit einem Stahl-Bike bekommt, ist etwas Besonderes. Stahlräder sind robuster, langlebiger und zeichnen ihren Besitzer als eine Art Querdenker aus. In vielen Fällen werden die Rahmen auf Bestellung gefertigt und bieten sogar eine maßgeschneiderte Geometrie.

Denn die Bikes, die wir getestet haben, sind weit entfernt von traditionellen Klassikern - sie zeichnen sich durch eine zeitgemäße Geometrie und ein modernes Fahrverhalten aus. Und ein Bike definiert sich durch sein Fahrverhalten und nicht durch das Rahmenmaterial. Für die meisten ist das schlanke Design der Stahlräder im Vergleich zu den sexy hydrogeformten Konkurrenten wenig attraktiv, aber für andere ist Stahl wegen genau dieser Ästhetik und Haltbarkeit unwiderstehlich.

Hardtail Test: Eine Auswahl aus 2024

Hardtail oder Full-Suspension? Die Diskussion darüber, welches davon besser ist, wird niemals alt. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass dir beide ein je eigenes Fahrgefühl verschaffen und dir schon im Vorhinein klar sein sollte, was du wirklich willst.

Ein Hardtail bringt dich im Gegensatz zu seinem Pendant an deine Grenzen und beansprucht deine Skills wie kein anderes Bike. Um dir bei der Auswahl unter die Arme zu greifen, liefern wir dir die besten 8 Modelle.

Die folgenden Modelle sind eine Auswahl der Top-Hardtails aus dem Jahr 2024:

  • Canyon Exceed CF: Canyons Race-Hardtail mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Bulls Black Adder: Entwickelt für Marathons und Etappenrennen, mit Fokus auf Komfort und geringem Gewicht.
  • Cube Phenix: Ein modernes Race-Hardtail mit leichtem Carbon-Rahmen und konservativer Geometrie.
  • Trek Procaliber Gen 3: Mit "Isobow"-Technologie für mehr Komfort und 120-mm-Federgabel.
  • Mondraker Podium: Verspricht den leichtesten Serien-Rahmen der Welt.
  • Ghost Lector: Ein vielseitiges Hardtail, das sowohl auf der Rennstrecke als auch auf dem Trail überzeugt.
  • Rose Bonero: Ein Alu-Hardtail mit 140-mm-Federgabel und progressiver Geometrie für maximalen Fahrspaß auf den Trails.
  • Merida Big.Nine TR: Ein Down-Country-Hardtail mit 120-mm-Gabel und Vario-Sattelstütze.
  • Scott Scale Gravel RC: Ein komplett starres Gravel-Hardtail für schnelle, technisch weniger anspruchsvolle Strecken.
  • Bike Ahead The Frame: Ein Leichtbau-Hardtail mit Carbon-Rahmen und spaßigen Fahreigenschaften.
  • Yeti ARC: Ein vielseitiges Hardtail mit 130-mm-Gabel und Vario-Sattelstütze, das sowohl auf technischen Trails als auch auf dem Pumptrack überzeugt.

Trailhardtail: Was ist das eigentlich?

Ganz ehrlich: Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen einem Trail- und einem Enduro Hardtail. Beide Begriffe beschreiben letztendlich die selbe Art von Mountainbike. Und zwar geht es in beiden Fällen um Hardtails, also Mountainbikes ohne gefedertes Heck. Im Gegensatz zu einem normalen Mountainbike Hardtail hat ein Trailhardtail aber eine Federgabel mit mindestens 120 Millimeter Federweg. Außerdem ist die komplette Ausstattung mit breiten Reifen, Telesekopstütze und die Geometrie von Trailhardtails deutlich abfahrtslastiger. Bei Trailhardtails steht der Fahrspaß in der Abfahrt im Vordergrund.

Vorteile von Trailhardtails:

  • Günstiger Preis im Vergleich zu Trailfullys
  • Relativ robust und wartungsarm

Nachteile von Trailhardtails:

  • Geringerer Komfort als bei Fullys
  • Unsaubere Fahrtechnik kann zu Durchschlägen und Platten führen

Das Killer Argument für Trailhardtails bleibt ihr attraktiver Preis im Vergleich zu Fullys. Es gibt natürlich auch Trailhardtails für mehr als 3000 €. Hier bewegen wir uns aber im Bereich der „Hardtail-Hardliner“. Den wer bereit ist 3000 € und mehr für ein Mountainbike auszugeben und damit vor allem bergab Spaß haben will, der holt sich in der Regel ein Fully.

Preisklassen im Überblick

  • Unter 2000 €: Rose, Giant und Radon geben den Ton an. Alle Bikes haben bereits eine Teleskopstütze und vernünftige Reifen.
  • Über 4000 €: In dieser Preisklasse wird das Trailhardtail zur Prinzip-Frage, da man für das selbe Geld bereits adäquate Fullys bekommt.

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