Hardtail Enduro Rahmen im Test: Vollgas auf dem Trail

Moderne Enduro-Bikes sind für all diese Schandtaten gemacht, doch wohin geht die Entwicklung, was funktioniert wirklich und worauf sollte man beim Kauf achten? Party-Trains im Bikepark, wilde Race-Runs, epische Entdeckungstouren oder mit Vollgas über die Hometrails? Nicht nur bei uns im Office wird das Grinsen noch breiter, wenn es um Enduro-Bikes geht.

Das Marin El Roy sieht schon im Stand verflucht schnell aus. Das neue Marin El Roy ist ein aggressives Trail-Hardtail mit Stahlrahmen, bei dem die Kalifornier sowohl in puncto Geometrie, als auch bei der Ausstattung in die Vollen gegangen sind. Neuzugang bei Marin: Das El Roy ist ein neues Hardtail und erweitert das umfangreiche Portfolio des kalifornischen Traditionsherstellers. Dem schlanken Stahlrahmen sieht man seinen ultra-flachen Lenkwinkel direkt an und auch die Ausstattung verrät sofort, dass man es hier mit einem rassigen Abfahrts-Hardtail zu tun bekommt.

Der Stahlrahmen des Marin El Roy

Die Basis bildet ein Stahlrahmen aus 4130 CrMo, der klassische Rohrformen mit der angesprochen progressiven Geometrie und natürlich mit modernen Features kombiniert. Eher traditionell gibt sich das El Roy beim Thema Leitungsverlegung: Alles extern, sauber unter dem Unterrohr, wo die Außenhüllen auch optisch überhaupt nicht auffallen. Der Rahmen ist toll verarbeitet und optisch eine Wucht.

Da wäre beispielsweise die Montagemöglichkeit für ein Trail-Kit an der Unterseite des Oberrohrs zu nennen: Rucksack-Verweigerer können hier problemlos ein Not-Kit für Defekte und Pannen anbringen - schöne Sache. Nutzt man beides, kann man die nötigsten Dinge direkt am Bike verstauen. Ansonsten findet man am Unterrohr noch Ösen für einen Flaschenhalter.

Geometrie und Größen

Kommen wir zu einem der spannendsten Punkte am El Roy - der Geometrie. Hier geht Marin durchaus einen Sonderweg und bietet das Rad nur in zwei (!) Rahmengrößen an. Trotzdem geben die Kalifornier an, dass das El Roy für Körpergrößen zwischen 165cm und 193cm passend sein soll - wie das geht?

Nun: Die beiden Größen unterscheiden sich primär in ihrer Länge, dagegen bleibt das Sitzrohr fast unverändert kurz: 420 mm in ‚regular‘ und 430 mm in ‚grande‘, also kaum der Rede wert. Die Anpassung auf verschiedene Körpergrößen erfolgt also primär über die Länge der verbauten Sattelstütze. Die verbaute X-Fusion Manic hat dabei entweder 150 oder 170 mm Verstellweg.

Die übrigen Maße des Rahmens sind sehr progressiv und ausgesprochen abfahrtslastig. 63° (!) Lenkwinkel treffen auf 78° (!) Sitzwinkel und einen Reach von 480 bzw. 510 mm. Puh!

Ausstattung des Marin El Roy

Mit knapp 2.800 Euro zählt das Marin El Roy zu den teureren Bikes in unserem Testfeld, was sich nur teilweise in der Ausstattung widerspiegelt - aber klar, auch der hochwertige Stahlrahmen hat seinen Anteil am sportlichen Preispunkt. Doch gleich vornweg: Dort, wo es drauf ankommt, hat man bei Marin eben nicht gespart und deshalb ein rundes Komponentenpaket geschnürt.

Hier eine Übersicht der Ausstattungskomponenten:

  • Gabel: Marzocchi Bomber Z1
  • Schaltung: Shimano Deore 12-fach (510% Bandbreite)
  • Bremsen: Shimano MT420 (4 Kolben, 203er Scheibe vorne)
  • Laufräder: Shimano MT400 Naben, tubeless-kompatible Alufelgen (29 mm Innenweite)
  • Reifen: Maxxis Assegai 29x2,5" (Maxx Grip/DoubleDown hinten, MaxxTerra/Exo+ vorne)
  • Sattelstütze: X-Fusion Manic Dropper Post

Das beginnt schon bei der Gabel: Die Bomber Z1 von Marzocchi ist rundum überzeugend und zählt im mittleren Preissegment zu unseren absoluten Lieblingen am Markt. Bei der Schaltung kommt man in den Genuss von satten 510% Bandbreite der neuen Shimano Deore 12-fach Gruppe, an der es aus unserer Sicht rein gar nichts auszusetzen gibt - außer vielleicht ein paar Gramm Übergewicht, was jedoch angesichts von über 15 Kilogramm beim El Roy dann auch nicht mehr so wirklich entscheidend ist.

Ebenfalls von den Japanern kommen die MT420 Bremsen, die zwar zu den eher günstigen Stoppern gehören, dank ihrer 4 Kolben vorn und hinten und der 203er Scheibe an der Front auch für längere Abfahrten einige Reserven mitbringen. Die Laufräder mit Shimano MT400 Naben und den hauseigenen, tubeless-kompatiblen Alufelgen mit 29 mm Innenweite sind solide Kost, auf denen Jedoch mit dem Assegai von Maxxis einer der besten Enduro-Reifen überhaupt Platz findet.

Damit jedoch nicht genug: Die mächtigen 29×2,5″ Pneus sind hier hinten in der griffigen Maxx Grip Gummimischung und der extrem pannensicheren DoubleDown Karkasse verbaut, vorn etwas leichter mit MaxxTerra und Exo+. Mächtig! Selten verbaut, aber dennoch überzeugend ist die Manic Dropper Post von X-Fusion, bei der auch der ergonomische Hebel zu überzeugen weiß.

Fahreigenschaften und Performance

Schon auf den ersten Blick war uns schnell klar: Das Marin El Roy ist konsequent auf maximalen Fahrspaß bergab getrimmt! Fans von langen und flachen Bikes werden sich auf Anhieb auf dem Marin zurecht finden. Durch den steilen Sitzwinkel gelingen selbst knifflige Anstiege; die sehr gut gewählte Übersetzung (32T, 10-51T) des Shimano Deore 1×12 Antriebs tut dafür ihr Übriges.

Das steile Sitzrohr rückt die Tretposition sehr weit über die Kurbel, was sich bei einigen Testfahrern durch bis dato unbekannten Muskelkater in Teilen des Oberschenkels bemerkbar machte. In der Ebene oder auf Transferetappen kommt das El Roy allerdings mitunter ins Straucheln. Das hohe Gesamtgewicht und der schwere, weiche Reifen erfordern speziell auf glattem Untergrund etwas mehr Tretleistung.

Die auf glattem Untergrund zäh rollenden Reifen sind auf dem Trail ein wahrer Spaßgarant und vermitteln Sicherheit wie man sie von einem Hardtail nicht für möglich gehalten hätte. Doch genug mit den Fahreigenschaften des Marin im einfachen Gelände, das El Roy will auf den Trail - bergauf wie bergab! Dank stabiler Karkasse und Tubeless-Montage konnten wir den Luftdruck äußerst gering halten - ohne der ständigen Gefahr eines Plattfußes.

Das Resultat war teilweise fast schon (positiv) beängstigend: Die Kombination aus langem Reach, super-flachem Lenkwinkel, satter Marzocchi Z1 Gabel und den genannten Maxxis Reifen ließ uns teilweise vergessen, dass wir auf einem Hardtail sitzen. Ist das Marin auf Geschwindigkeit gebracht (und das geschieht mit einer stoischen Sicherheit), gilt es das Rad vor dem nächsten Anlieger wieder zu verzögern.

Die verbauten Shimano MT420 4-Kolben-Stopper verrichteten ihren Dienst recht ordentlich. Dafür ausschlaggebend waren sicherlich die üppig dimensionierten Bremsscheiben mit 203mm vorne und 180mm am Heck. Lediglich auf langen Abfahrten und mit hohem Fahrergewicht konnten wir die Hinterradbremse ans Limit bringen, was sich mit einem schwammigen Druckpunkt und leicht erhöhter Handkraft bemerkbar machte.

Durch seine Länge und den flachen Lenkwinkel erfordert das El Roy etwas mehr Nachdruck in verwinkelten Passagen als man es von klassischen Hardtails gewohnt ist. Für versierte Trail-Piloten stellt das sicherlich keine Herausforderung dar. Länge läuft! Doch wie sieht es mit der Agilität aus?

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