Suzuki DR-Z4S im Enduro-Test: Kann sie die Erwartungen erfüllen?

Genau 20 Jahre sind vergangen, seit Suzuki die Allround-Enduro DR-Z 400 S in Deutschland aus dem Programm nahm. Entsprechend sehnlich haben Fans auf der ganzen Welt auch den Neuanfang als DR-Z4S mit Benzineinspritzung, Ride-by-wire, ABS und Traktionskontrolle erwartet. Einerseits ein vollwertiges, legales Straßenmotorrad, andererseits eine passable Freizeit-Enduro. Ob sie die erfüllen kann? Um das herauszufinden, waren wir schon mit ihr im Gelände und auf der Straße. Hat die neue DR-Z4S das Zeug, um ihre zum Kultobjekt avancierte Vorgängerin zu beerben?

Technische Daten und Erwartungen

38 PS Spitzenleistung und circa 150 Kilogramm fahrfertiges Gewicht, das sind die Werksangaben zur neuen Suzuki DR-Z4S und in der heutigen Zeit keine aufsehenerregenden Werte. Mit der neuen DR-Z4S gelingt es Suzuki nämlich, die besonderen konzeptionellen Stärken dieses Motorrads, wenn man so will den "Dual-Sport-Spirit", in die Neuzeit zu transportieren - und das unter Euro 5+.

Konstruktive Änderungen und Updates

Zwar sind die konstruktiven Eckdaten der neuen Suzuki DR-Z4S (Bohrung/Hub, Abmessung Motorgehäuse, Chassis-Geometrie) im Grunde identisch mit denen der alten DR-Z 400 S, doch Suzuki betont, welche weitreichenden technischen Änderungen allein die Verwendung der Benzineinspritzung bedeutet, und wie viele Teile neu sind oder abgeändert wurden. Allen voran: Rahmen (jetzt geteilte Oberzüge) und Heck, Zylinderkopf, Schwinge sowie praktisch alle Anbauteile inklusive des neuen Cockpits.

Motor und Fahrgefühl

Bei allem Aufwand fühlt sich der Einzylinder-Motor der neuen Suzuki DR-Z4S mechanisch immer noch so an wie früher - und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Seine Gasannahme ist dabei schon ab Kaltstart besser, als es die der alten Vergaser-Ausführung je war. Unerwartet kraftvoll drückt der Motor der Suzuki DR-Z4S dann aus tiefem Drehzahlkeller voran.

Man hat dank E-Gas nun die Wahl zwischen 3 Mappings, die über scharf (wie mit Flachschieber), normal und behäbig (wie mit Unterdruckvergaser) reichen. Von hier bis zur oberen Mitte erstreckt sich sein Wonnebereich, in dem sich Druck und Laufkultur die Waage halten. Wir fuhren übrigens die US-Version, die europäische soll fast identisch gehen.

Fahrleistungen und Getriebe

Die druckvollen 38 PS Spitzenleistung der - flüsterleisen - Suzuki DR-Z4S genügen auf Schotterstraßen völlig, auf Singletrails sowieso. Auf der Landstraße? Gepflegte DR-Z-Motoren gehen vom Drehen nicht kaputt, es wirkt halt nur angestrengt. 65 mph, also gut 100 km/h, sind da noch Wohlfühltempo, 75 mph, so 120 km/h, sind aufgrund des hohen Drehzahlniveaus dann schon eher die Spitze der Reisetempo-Fahnenstange.

Das Getriebe der Suzuki DR-Z4S hat nach wie vor 5 Gänge, und die sind unverändert eng gestuft. Suzuki kaschiert das etwas mit einer recht langen Sekundärübersetzung. Es ist, was es ist: Eine DR-Z war noch nie ein Motorrad zum Strecke machen, wäre aber auch mit 6 Gängen, oder einer weiter gespreizten 5-Gang-Box keines.

Offroad-Test in Oregon

Stattdessen suchen wir mit der Suzuki DR-Z4S also lieber den nächsten, im schönen Oregon legal befahrbaren Waldweg auf. Oder besser gleich in einen der unzähligen Singletrails eintauchen, wo Ergonomie sowie Fahrwerk dem Enduro-Wanderer zu gefallen wissen. Letzteres wurde, verglichen mit der alten S, durch eine stämmige KYB-USD-Gabel merklich aufgewertet.

Fahrwerk und Handling

Das neue Fahrwerk der Suzuki DR-Z4S, voll einstellbar, ist auf eine angenehme Art und Weise weich: schluckfreudig, von hoher Dämpfungsqualität, sehr sensibel ansprechend. Dadurch ist nicht nur der Fahrkomfort top, sondern auch das Offroad-Handling ausgesprochen gutmütig, verzeihend. Selbst ein übermotivierter Helden-Sprung für die Kamera mit gekonnt versemmelter Landung fand zwar den maximalen Federweg, nicht aber einen harten Endanschlag des Fahrwerks. Fein!

Auf der Straße sind ihre 150 Kilo ja "nichts", im engen Kurvengewusel, wo ihre knapp 40 PS reichen, bereitet sie reichlich Fahrvergnügen. Und im moderaten Gelände fühlt sich das Motorrad leicht an. Man darf natürlich keine 350er-Sport-Enduro erwarten. Wir empfinden das Fahrverhalten als behände, aber vertrauenerweckend.

Bremsen, ABS und Traktionskontrolle

Abschaltbares ABS, eine fein dosierbare Bremse und die Möglichkeit, das ABS entweder am Hinterrad oder ganz (Enduro-Ausnahmeregelung!) abzuschalten, runden die guten Offroad-Qualitäten ab. Die neue Traktionskontrolle? Auf trockener Straße entbehrlich, wenn man sich seiner Fähigkeiten nicht ganz so sicher ist aber "nice to have".

Richtig überzeugt hat uns der von Suzuki freudig angepriesene G-Modus fürs Fahren auf Schotter (gravel). Er funktioniert - im markanten Gegensatz zu manch anderer japanischer Offroad-Traktionskontrolle - prächtig und stellt auch für fortgeschrittenere Geländefahrer am Ende langer Fahrtage eine Bereicherung dar.

Reifen und Dual-Sport-Kompromisse

Der IRC Trailwinner als Erstbereifung der Suzuki DR-Z4S und als "50/50"-Pneu (70% Straße, 30% Gelände - meiner Erfahrung nach) kann trockenen Asphalt und Schotter. Dual-Sport bedeutet Kompromisse. Man wird bessere Straßenmotorräder finden als die Suzuki DR-Z4S und auch härtere Sport-Enduros.

Preis und Verfügbarkeit

Und genau das ist auch 20 Jahre später wieder die einzigartige Nische dieses Motorrads. Willkommen zurück, werte Suzuki DR-Z4S. Suzuki DR-Z4S kommt erst im Oktober - für 9.699 Euro.

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