YT TUES MK4: Park-Bike oder Rennmaschine?
Das YT TUES MK4 2025 hat bereits einige World Cup-Titel unter dem Gürtel, hat aber durch seine hohe Anpassbarkeit auch das Zeug zum Favoriten unter Park-Rats. Während viele andere Hersteller im World Cup mit High-Pivot-Designs und exotischen Hinterbaukonzepten werben, bleibt YT bei ihrem neuen TUES bodenständig. Die Forchheimer setzen stattdessen auf Evolution und Variabilität mit dem bekannten Look aus Viergelenker-Hinterbau und tief im Carbonrahmen liegendem Dämpfer. Mit einem Gewicht von 16,1 kg gehört es zu den leichteren Modellen im Testfeld und bietet dabei einen Federweg von 203 mm vorne und 200 mm hinten, wie die meisten anderen Bikes im Test. Mit einem Preis von 5.999 € ist es zudem das zweitgünstigste Bike in unserem Vergleich.
Auch wenn das YT TUES MK4 nicht auf ausgefallene Design-Konzepte setzt, besticht es dennoch durch seine schicken, organischen Rahmenformen und den edlen perlmutt-weißen Lack, was es zu einem der elegantesten Bikes im Test macht. Für die Gangwechsel sorgt eine SRAM X0 DH 1×7-Schaltung, gebremst wird mit TRP DH-R Evo. Letztere ist mit massiven 220-mm-Scheiben vorne und hinten ausgestattet - am Heck markiert das die größte Bremsscheibe im Testfeld. Die Kabel und Leitungen verlaufen sauber durch den Rahmen und werden beide links hinter dem Steuersatz eingeführt. Der Kettenstrebenschutz ist großzügig ausgelegt, was das Bike in der Abfahrt schön leise macht. Und es erhält einen ordentlichen Schutz für sein Baller-Revier: So sorgt ein großer Unterrohrschutz aus Plastik im Tretlagerbereich, dass Steinschläge den Rahmen nichts anhaben können, und Sitz- und Kettenstreben sind mit schützender Folie abgeklebt. Das Bike ist mit einer Bashguard-Kettenführung-Kombination ausgestattet, die verhindern soll, dass die Kette herunterspringt, und gleichzeitig euer Kettenblatt schützt.
Seitlich am Rahmen befinden sich Bumper, die als Abstandhalter sich schützend zwischen dem Carbonrahmen und der FOX 40 Factory-Gabel mit GRIP2-Dämpfungskartusche setzen. Kombiniert ist die Doppelbrücken-Gabel mit dem FOX DHX2-Stahlfederdämpfer am Heck. Beide bieten maximale Einstellbarkeit und exzellente Performance auf dem Trail. Allerdings ist die Federrate nur abhängig von der Rahmengröße und kann nicht individuell ausgewählt werden. Die Crankbrothers Synthesis DH Alu-Laufräder sind solide, in mehreren Wochen intensiven Testings mussten wir jedoch öfter die Speichen nachziehen, und einige Dellen sind auch schon zu beklagen. Die Laufräder sind vorne und hinten mit MAXXIS ASSEGAI-Reifen mit DH-Karkasse in superweicher MaxxGrip-Gummimischung bestückt. Die sorgen für maximalen Grip, allerdings verschleißt die weiche Mischung am Hinterrad sehr schnell.
Anpassungsmöglichkeiten des YT TUES
Das YT TUES bietet mit fünf Größen von S bis XXL die größte Auswahl an Rahmengrößen in unserem Test. Der Reach variiert dabei von 430 mm bis 510 mm, mit 20-mm-Sprüngen zwischen den Größen. Zusätzlich bietet das YT TUES noch drei Flip-Chips, die das Bike weiter anpassen lassen. Diese ermöglichen Änderungen in der Laufradkonfiguration, der Kettenstrebenlänge und der Tretlagerabsenkung.
- Numero Uno: Um die Laufradkonfiguration zu ändern, muss der Flip-Chip in der Dämpferwippe gedreht und die Wippen links und rechts getauscht werden. Das ist zwar nichts, was man schnell auf dem Bikepark-Parkplatz erledigt, aber wenn man es ein paar Mal gemacht hat, ist es eine Sache von wenigen Minuten.
- Numero Dos: Die Kettenstrebenlänge kann ebenfalls über einen Flip-Chip in der Hinterradaufnahme angepasst werden - egal, ob ihr das Bike als Mullet oder 29er fahrt. Cool ist, dass ihr lediglich den Bremsadapter der Hinterradbremse drehen müsst und hier keine extra Teile benötigt. Das Bike kommt standardmäßig im „Long“-Modus, der 5 mm länger ist als die „Short“-Variante. Dabei variiert die Kettenstrebenlänge je nach Rahmengröße: S und M haben 444 mm, L 446 mm und XL sowie XXL 456 mm.
- Numero Tres: Die Tretlagerhöhe wird über den Flip-Chip in der unteren Dämpferaufnahme verändert und ist standardmäßig auf „High“ eingestellt. Sie kann jedoch um 5 mm abgesenkt werden, was die Tretlagerabsenkung von 25 mm auf 30 mm ändert, den Lenkwinkel um 0,3° flacher macht und den Reach um 4 mm verkürzt. So werdet ihr etwas tiefer ins TUES integriert, was vor allem auf steilen Strecken ein Plus an Sicherheit liefert.
Fahreigenschaften des YT TUES
Bereits nach den ersten Metern fühlt man sich auf dem Bike wohl. Der Hinterbau bietet einen guten Gegenhalt mit viel Pop, was es ermöglicht, über Wellen und durch Anlieger kräftig zu pushen. Dadurch ist das TUES auch gut geeignet, um dicke Freeride-Lines mit massiven Anliegern und großen Sprüngen zu fahren. Das Fahrwerk des YT TUES ist stark und kommt mit allem zurecht, was ihm in die Quere kommt. Es macht alles, was es soll, und das auf eine angenehm unspektakuläre Weise. Die Endprogression ist ausreichend für dicke Hits, während das Ansprechverhalten dennoch feinfühlig bleibt. Dadurch habt ihr ordentlich Grip und Kontrolle in Wurzelfeldern, aber auch beim Huck ins Flat bleiben eure Sprunggelenke heil. Nur bei schnell aufeinanderfolgenden, großen Schlägen verhärtet der Hinterbau etwas, was dazu führt, dass das letzte Fünkchen Grip fehlt. Das TUES punktet mit hoher Laufruhe in schnellen Passagen, lässt sich aber dennoch gut durch enge Kurven zirkeln.
Für noch mehr Agilität und spaßige Bikepark-Tage, bei denen keine Sekundenjagd ansteht, empfehlen wir, auf ein Mullet-Setup umzubauen - das erhöht den Fahrspaß und zudem die Bewegungsfreiheit nach hinten. Insgesamt bietet das YT TUES sehr gute Allround-Eigenschaften und kann gleichzeitig mit guter, unaufgeregter Downhill-Performance trumpfen. Es ist in jeder Fahrsituation kontrollierbar und reagiert, wie man es erwarten würde, hat aber keinen Fahrbereich, in dem es komplett heraussticht. Dennoch ist es ein Bike, das in allen Fahrsituationen sehr gut funktioniert und euch auf dem Trail nicht zurückhält. Das zeigt sich auch bei der Zeitnahme, denn das YT TUES fährt unter allen Testern unter die Top 3 der schnellsten Bikes und hat dabei gerade einmal 0,3 Sekunden Rückstand zur Spitzenzeit.
Schnelle Zeiten, souveränes Handling, starkes Fahrwerk, vielseitige Anpassungsmöglichkeiten - das YT TUES erweist sich als gelungenes Allround-Bike! Es spricht eine breite Zielgruppe an: Egal ob Bikepark-Rat, Gelegenheits-Shredder oder ambitionierter Amateur- bis hin zum Profi-Racer - dieses Bike hat in der richtigen Konfiguration für jeden etwas zu bieten, auch wenn es in keiner Eigenschaft besonders hervorsticht. Auch wenn das YT TUES keine Revolution im Vergleich zum Vorgänger darstellt, ist es dennoch ein super schickes Rad, das auf dem Trail ordentlich abliefert. Es lässt sich perfekt auf eure individuellen Vorlieben abstimmen und funktioniert als Park- sowie Race-Bike.
YT JEFFSY CORE 5: Der Titelverteidiger im Test
Das YT JEFFSY startet als amtierender Champion in den Vergleichstest, nachdem es beim letzten Trail-Bike-Test Testsieger und Kauftipp geworden ist - ein Double, das noch kein Bike vor ihm geschafft hat. Doch mit 15 High-End Trail-Bikes im Testfeld ist die Konkurrenz härter denn je. Kann das JEFFSY den Titel verteidigen? Das YT JEFFSY ist der Titelverteidiger des letzten Tests und tritt in diesem Jahr gegen 14 neue Herausforderer an. Trotz seiner Top-Ausstattung ist das JEFFSY CORE 5 mit 5.999 € weiterhin das günstigste Bike im Testfeld. Mit 150 mm Federweg vorne und 145 mm hinten sowie 29-Zoll-Laufrädern bleibt es seinen Trail-Bike-Wurzeln treu. Allerdings bringt es 15,3 kg auf die Waage, was es zu einem der schwereren analogen Bikes im Test macht. Wie schlägt sich das JEFFSY gegen die neue Konkurrenz mit frisch überarbeiteten Trail-Bikes?
Das JEFFSY ist sowohl in einer Aluminium- als auch einer Carbon-Ausführung erhältlich. Der Rahmen des CORE 5-Top-Modells wird aus dem vom Hersteller so genannten Ultra Modulus-Carbon gefertigt und ist damit das einzige Bike der JEFFSY-Serie, das über diese besonders hochwertigen Carbonfasern verfügt. Am Oberrohr ist ein Toolmount angebracht, auf dem bereits Halterungen von Crankbrothers inklusive Reifenheber und Tubeless-Flickset montiert sind. Ihr müsst nur noch einen Schlauch und eine Pumpe hinzufügen, und euer Notfall-Set ist komplett. Mega! Dinge, die dort keinen Platz finden, können in der STASH-Box - und den Namen haben nicht wir uns einfallen lassen - untergebracht werden. Sie ist standardmäßig bei allen Carbonrahmen-Modellen vorhanden. Das Stauchfach ist geschickt im Unterrohr oberhalb des Flaschenhalters integriert und enthält zwei STASH-Bags. Die Kabelführung erfolgt durch den Rahmen und beginnt kurz hinter dem Steuerrohr. Anstatt geklemmt zu sein, werden die Züge von kleinen Gummistopfen in Position gehalten. Diese neigen jedoch dazu, sich zu lösen, weshalb wir empfehlen, sie mit Kabelbindern zu fixieren.
Ausstattung des YT JEFFSY CORE 5
Trotz des günstigen Preises kann das YT JEFFSY CORE 5 mit einer hochwertigen Ausstattung aufwarten. An der Front arbeitet eine FOX 36 Factory-Federgabel mit 150 mm Federweg. Obwohl FOX inzwischen eine neuere Kartusche eingeführt hat, setzt das JEFFSY noch auf die GRIP2, die sich weiterhin mit einer top Performance und individuellen Einstellbarkeit von Druck- und Zugstufe im High- und Lowspeed-Bereich bewährt. Die YT Postman V2-Sattelstütze mit 170 mm Hub fällt allerdings etwas kurz aus, was die Bewegungsfreiheit einschränkt. Zum Vergleich: Der Durchschnitt liegt in diesem Test bei 197 mm. Die SRAM Eagle Transmission X0 setzt auf ein Direct-Mount-Schaltwerk und ermöglicht selbst unter hoher Last präzise Schaltvorgänge. Zur zuverlässigen Performance des JEFFSY tragen auch die Laufräder bei: Die Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy in 29 Zoll mit einer Industry Nine I9-Nabe sind mit Reifen von MAXXIS kombiniert. Vorn ein Minion DHF und am Heck ein Minion DHR, beide mit EXO+ Karkasse und harter MaxxTerra-Gummimischung. Für mehr Grip und Kontrolle an der Front wäre allerdings ein Reifen mit weicher MaxxGrip-Mischung empfehlenswert.
Geometrie und Anpassung
Das YT JEFFSY wird in fünf Größen von S bis XXL angeboten und deckt damit Körpergrößen von 153 cm bis 203 cm ab. Mit einem Reach von 475 mm in Größe L fällt das Bike vergleichsweise kompakt aus. Dank eines Flip-Chips in der Dämpferaufnahme könnt ihr den Sitzwinkel von 77,2° und den Lenkwinkel von 65° jeweils um 0,6° steiler einstellen. Gleichzeitig wird die Tretlagerabsenkung von 33 mm um 8 mm verringert.
Fahreigenschaften des YT JEFFSY CORE 5
Bergauf ist das YT JEFFSY ein solider Kletterer, der sich mit Bikes wie dem Canyon Spectral oder dem Santa Cruz Hightower messen kann. Man sitzt angenehm zentral auf dem Bike, der Hinterbau wippt nicht und ermöglicht ein effizientes Pedalieren. Geht es bergab, fällt die herausragende Balance auf - man fühlt sich sofort wohl, als wäre man nie ein anderes Bike gefahren. Auch in puncto Wendigkeit pirscht das YT voran: Es gehört immer noch zu den agilsten Bikes im Test und liegt auf einem Niveau mit dem Ibis Ripmo und dem Canyon Spectral - nur das Specialized Stumpjumper kann das noch überbieten. Das JEFFSY lässt sich intuitiv steuern und bietet eine ausgewogene Mischung aus Agilität und Laufruhe, auch wenn es hinsichtlich Laufruhe gegenüber den bulligeren Bikes im Testfeld leicht zurückfällt. Das Fahrwerk ist top abgestimmt und vermittelt euch das perfekte Feeling eines echten Trail-Bikes: nicht zu soft, nicht zu straff - genau richtig, um sowohl Flowtrails als auch natürliche Trails souverän zu meistern. Auch 2025 bleibt das JEFFSY ein erstklassiges Trail-Bike, das keine echten Schwächen zeigt. Es fährt sich ähnlich wie der Testsieger Stumpjumper, wenn auch nicht ganz so agil, und lädt zu rasanten Trail-Sessions ein.
Das YT JEFFSY CORE 5 ist ein super Allround-Bike für alle, die ein waschechtes Trail-Bike suchen. Es macht Spaß auf allen Arten von Trails, bietet viele Reserven und fühlt sich sowohl auf Flowtrails als auch auf technischem Gelände zuhause. Das YT JEFFSY CORE 5 muss sich auch im neuen Testfeld nicht verstecken. Es bleibt ein extrem spaßiges Bike mit einem geilen Fahrwerk und hoher Agilität, das sowohl auf Flowtrails als auch in technischen Abschnitten überzeugt. Clever durchdachte Rahmendetails erleichtern den Trail-Alltag, und selbst wenn ihr noch ein paar Upgrades an der nicht ganz perfekten Ausstattung durchführt, bleibt das JEFFSY günstiger als jedes andere Bike im Testfeld.
Vor gut einem Jahr spendierten YT ihrem Jeffsy ein Update und präsentierten damit die mittlerweile dritte Ausbaustufe. Neben dem Feinschliff an Geometrie und Rahmendesign wurde zusätzlich ein Staufach im Unterrohr integriert. Das All Mountain Bike platziert sich in der Modellpalette des deutschen Versenders zwischen dem Trailbike Izzo und dem Enduro Capra. Mit 150 Millimeter vorne und 145 Millimeter am Heck besitzt es klassische All-Mountain-Gene. Auch bei der Geometrie gehen die Forchheimer traditionell den klassischen Weg und kratzen nicht an Extremen.Bereits nach wenigen Metern fühlt man sich wohl auf dem Jeffsy. Die Besinnung auf gängige Geo-Werte macht das Handling intuitiv und einfach. Der Fahrer sitzt zentral und muss nur wenig Einsatz bringen, um das Vorderrad zu belasten. Durch den nicht zu extremen Sitzwinkel fällt auch die Kletterposition nicht zu gedrungen, sondern ausgewogen aus. Dank der gut rollenden Reifen mit Maxxterra-Mischung kann das YT auch sein relativ hohes Gewicht von 15,1 Kilo ohne Pedale kaschieren. Das Bike fühlt sich leichter an, als es die reinen Laborwerte vermuten lassen und geht gut voran.
Ausstattung des YT Jeffsy Core 3
- Gabel: Fox 36 Performance
- Dämpfer: Float Performance
- Schaltung: Sram GX Eagle, 1x12
- Bandbreite: 520 %
- Bremsen: Sram Code R / 200/200 mm
- Telestütze/Hub: YT Postman V2 / 170 mm
- Laufräder: DT Swiss M1900
- Reifen: Maxxis Minion DHF/DHRII Exo+ Maxxterra 29 x 2,5/2,4
- max. Systemgewicht: 130 kg
- Garantie: 5 Jahre
- Besonderheiten: Staufach
Testergebnisse
- Gesamtgewicht: 15,1 kg ohne Pedale
- Gewicht Laufräder: 5446 g
- Laufradträgheit: 4405 kg x cm²
Weitere Eigenschaften des YT Jeffsy
Auch der Hinterbau arbeitet selbst ohne Plattform effizient und pumpt nur leicht, was in diesem Vergleich zur besten Uphill-Note führt. Einziges Manko auf langen Strecken ist das begrenzte Flaschenhaltervolumen. Eine große Standardflasche passt leider nicht in den Rahmen. Auch im Downhill und auf flachen Trails ist das Jeffsy in seinem Element und macht einfach Laune. Neben dem gefälligen Cockpit begeistert das berechenbare Handling. Nur das Lapierre Zesty kann in der reinen Downhill-Wertung noch eine Schippe drauflegen und gibt sich noch souveräner. Seitens des Fahrwerks bietet das YT dafür etwas mehr Popp und lässt sich aktiver durchs Gelände bewegen. Das zahlt sich auch in der Spieltrieb-Wertung aus. Der Hinterbau mit Float-X-Dämpfer bietet genügend Progression und Gegendruck, um auch kleine Kanten zum Abziehen zu nutzen.
Damit trifft das YT Jeffsy den Kern der All-Mountain-Kategorie und schafft den besten Kompromiss aus Up- und Downhill. Bei der Ausstattungsqualität positioniert sich das Jeffsy im Mittelfeld. Günstiges Fox-Fahrwerk, mechanische GX-Eagle-Schaltung und DT-Swiss-1900-Laufräder sowie Code-R-Bremsen erledigen zuverlässig ihren Job, versprühen aber wenig Extravaganz. Dafür bekommt man das YT aber schon zum wirklich fairen Preis von 3999 Euro. Tipp: Wer bergab das Maximum aus dem Jeffsy herausholen will, sollte gerade bei nassen Bedingungen zu einem griffigeren Vorderradreifen greifen.
YT CAPRA CORE 4: Ein erschwingliches Enduro-Bike
Ein top ausgestattetes Enduro-Bike für 4.499 €? YT machts möglich mit dem CAPRA CORE 4. Das günstigste Bike im Vergleichstest ist gleichzeitig mit 17 kg auch das schwerste - ob das der Fahrperformance wirklich einen Abbruch tut und wie sich der Bestseller im Vergleichstest schlägt, haben wir herausgefunden. Das Unternehmen hat sich längst durch aufwändig produzierte Videokampagnen (mit Hollywood-Besetzung), Profi-Sponsorings und erschwingliche Bikes einen Ruf in der Branche gemacht. Seit 2014 ist das CAPRA das Enduro-Bike des Direktversenders und hat seitdem mehrere Iterationen durchlaufen. Von YT selbst als „GOAT” bezeichnet, bietet das Vollcarbon-Bike 170 mm Federweg vorne und 160 mm hinten sowie einen Viergelenker-Hinterbau. Die Zuschreibung GOAT kann einerseits als „Greatest of all time” oder als Ziege passend zur lateinischen Übersetzung von Capra verstanden werden - clever.
Die robuste Ausstattung sorgt für ein Gesamtgewicht von 17 kg, was es zum schwersten Bike im Vergleichstest macht - abgesehen vom einzigen E-Mountainbike Orbea WILD im Test. Wir haben das CAPRA in der MX-Version mit Mullet-Laufrad-Setup getestet, es ist allerdings auch als 29” erhältlich. Das YT CAPRA kommt mit klassischem Viergelenker-Hinterbaudesign in einem auffälligen Blau. Platz für eine große Flasche findet sich tief am Unterrohr, durch die asymmetrische Rahmenstrebe ist er aber nur von links zu erreichen. Zusätzlich gibt es einen Toolmount am Oberrohr, beim CORE 4-Modell ist hier der Strap für einen Ersatzschlauch gleich inklusive: samt Reifenheber und Tireplug. So ist man für kleine Pannen schon gerüstet und kann das fehlende Staufach im Unterrohr - auf das sechs der 13 Konkurrenten setzen - besser verkraften. Die Zugverlegung am YT CAPRA erfolgt klassisch durch den Rahmen, jedoch neigen die Gummi-Überzieher an den Cableports zum Verrutschen, was zu klappernden Leitungen führen kann. Kabelbinder schaffen hier Abhilfe und sorgen nachhaltig für Ruhe. Der Kettenstrebenschutz am CAPRA fällt umfangreich aus und bändigt Kettenschlagen zuverlässig.
Ausstattung des YT CAPRA CORE 4
Das 2024er Modell des YT CAPRA CORE 4 hat einige Anpassungen erfahren, die besonders die Ausstattung betreffen, die für den Preis hochwertig und sinnvoll gewählt ist. Das Fahrwerk besteht aus einer RockShox ZEB Ultimate-Federgabel mit 170 mm Federweg vorn und dem großvolumigen RockShox Vivid Ultimate-Dämpfer. Der verwaltet die 160 mm Federweg am Heck und bietet wie die Gabel eine breite Einstellbarkeit und eine top Trail-Performance. Als Dropper Post kommt YTs Eigenentwicklung namens Postman zum Einsatz. Die 170 mm Hub sind unterdurchschnittlich und nicht mehr zeitgemäß für Enduro-Bikes - immerhin lässt sich die Remote für die Sattelstütze leicht betätigen. Für eine ordentliche Verzögerung sorgen die SRAM CODE RSC-Bremsen mit 200 mm Bremsscheiben vorn und hinten. Geschaltet wird mit SRAMs GX-Eagle Transmission-Schaltgruppe: Diese ist direkt am Rahmen montiert und die elektrischen Schaltvorgänge laufen auch unter Last zuverlässig ab. Sollte sich die Kette doch mal überschlagen, sorgt die MRP-Kettenführung für geordnete Bahnen und der Bashguard schützt bei Bodenkontakt. Die Crankbrothers Synthesis-Alu-Laufräder in gemischten 29″ vorn und 27,5″ hinten werden von MAXXIS ASSEGAI vorn und Minion DHR II geschützt. Beide Reifen kommen mit robuster Doubledown-Karkasse und vorne mit einer weichen MaxxGrip-Gummimischung - top! Somit bekommt ihr am CORE 4 - mit Ausnahme der kurzen Sattelstütze - eine tadellose Ausstattung für einen sehr fairen Preis - geil!
Geometrie und Passform
Das YT CAPRA ist als Mullet oder 29”-Bike in fünf Größen (S bis XXL) erhältlich und soll so für Körpergrößen von 154 bis 202 cm passen. Die Bikes fallen aber verhältnismäßig klein aus, weshalb wir unser Testbike in Größe XL mit einem Reach von 484 mm gewählt haben. So liegt das XL-Bike nahe am Durchschnitt in diesem Test, bei dem die meisten auf Rahmengröße L setzen. Das Sitzrohr ist mit 470 mm das längste im Vergleichstest und beschränkt in Verbindung mit der kurzen 170 mm Dropper Post die Bewegungsfreiheit.
Fahreigenschaften des YT CAPRA CORE 4
Das YT CAPRA CORE 4 tritt sich bergauf aus einer aufrechten und komfortablen Sitzposition. In der Rahmengröße XL fühlt es sich geräumig an, ohne dass man sich auf dem Bike sehr gestreckt fühlt. Allerdings wippt der Hinterbau etwas im Takt der Pedalumdrehungen - hier sorgt der Griff zur Plattformdämpfung am RockShox Vivid Ultimate-Dämpfer für schnelle Abhilfe. Immerhin: Trotz des höchsten Gewichts unter den analogen Bikes ist es im Uphill noch im oberen Drittel und kann gut mit den meisten Bikes im Vergleichstest mithalten. Dreht man dem Bergkamm den Rücken zu und rollt in den Trail, steht man direkt sehr zentral und tief ins Bike integriert. Dadurch fühlt man sich schnell wohl und profitiert vom intuitiven Handling des YT CAPRA. Aufsitzen und wohlfühlen. Verlaufen die Trails eng und sehr kurvig ins Tal, fühlt sich das CAPRA wohl wie ein Fisch im Ozean. Es lässt sich sehr agil und flink über den Trail zirkeln und spielerisch mit Hindernissen umgehen. Dank des poppigen Fahrwerks sind auch Flugmanöver kein Problem. Gleichzeitig bietet es genug Gegenhalt, um durch Wellen und Anlieger pushen zu können und Speed zu generieren. Ob es bei Highspeed schnell nervös wird? Negativ. Wer denkt, dass das Bike im groben Gelände an seine Grenzen kommt, täuscht sich. Auch in puncto Laufruhe liegt das CAPRA satt, ohne Feedback vom Untergrund vermissen zu lassen. Die gelungene Balance aus Agilität und Laufruhe können nur eine Handvoll Bikes im Vergleichstest noch übertrumpfen.
Die Bergziege ist zwar nicht mehr die jüngste, aber immer noch sehr sportlich und performant zu einem superfairen Preis. Das YT CAPRA CORE 4 ist ideal für alle, die ohne hohes Investment mit dem Mountainbiken anfangen möchten und dennoch starke Trail-Performance suchen. Es eignet sich außerdem ideal für Trailsurfer, die mit dem Gelände spielen wollen. Durch den niedrigen Startpreis bleibt ordentlich Puffer für Upgrade-Parts, um beispielsweise das Gewicht zu reduzieren. YT lehnt sich mit dem GOAT-Statement weit aus dem Fenster - zurecht? Das CAPRA ist nicht das beste, aber sicherlich eines der besten Bikes im Vergleichstest. Das hohe Sitzrohr, sowie die kurze Dropper Post schränken die Bewegungsfreiheit etwas ein, aber dennoch begeistert das CAPRA die Tester durch einen gelungenen Spagat aus Agilität und Laufruhe.
Weitere YT Modelle im Überblick
Das Capra gibt es in allen erdenklichen Laufrad-Optionen. Das Capra Shred 29 rollt auf großen 29er Schlappen und will damit das Tempo im Singletrail so hoch wie möglich halten. Wir haben sämtliche Geometriemaße abgeglichen und kommen zu folgendem Schluss: Das Capra Shred 29 hat ein sehr ausgeglichenes Fahrverhalten. Bei langen Touren sorgt die komfortable Sitzposition für entspannte Bandscheiben. Im Preisbereich unter 4500 Euro zählt das YT Enduro zu den besten Modellen in der Enduro-Kategorie.
Tabelle: Vergleich der getesteten YT Bikes
| Modell | Federweg vorne | Federweg hinten | Gewicht | Preis | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| YT TUES MK4 | 203 mm | 200 mm | 16,1 kg | 5.999 € | Vielseitige Anpassungsmöglichkeiten, elegantes Design |
| YT JEFFSY CORE 5 | 150 mm | 145 mm | 15,3 kg | 5.999 € | Testsieger, agiles Handling, Staufach |
| YT CAPRA CORE 4 | 170 mm | 160 mm | 17 kg | 4.499 € | Erschwinglich, agil, robust |
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