Englische Oldtimer-Motorräder: Eine Reise in die Vergangenheit

Die größten englischen Motorradmarken beherrschten einst den Weltmarkt und waren überall präsent, natürlich auch in Europa. Doch die Nachfrage ging von Jahr zu Jahr rapide zurück, was dazu führte, dass viele Fabriken für immer ihre Tore schließen mussten.

Die goldenen Zeiten des britischen Motorradbaus

Vor rund 100 Jahren hätte wohl kaum einer gedacht, dass englische Motorräder einmal eine solche Erfolgsgeschichte schreiben würden. AJS und ab 1910 BSA sollten Geschichte eingehen. Die Käuferschaft musste erst von der Qualität überzeugt werden, natürlich am besten mit Sporterfolgen. Bis auf eine Ausnahme, die Isle of Man, gab es das noch nicht. Dort galt ein Sondergesetz, und diese Rennen gibt es bis heute. Auf der schwersten und gefährlichsten Rennstrecke der Welt, zwischen Mauern und Felswänden, durch Alleen und über Berge, konnten sich Rennfahrer wie Helden fühlen. Unvergleichlicher Weltruf wurde auf der TT gelegt.

Die Erfahrungen aus dem Rennsport flossen in den Serienmaschinenbau ein. Das Ziel war, die schnellsten Maschinen zu bauen. Superior und Vincent brachten beispielsweise einen 1000er V-Motor auf den Markt. Diese Maschinen waren gut 170 km/h schnell. Dieses Tempo war einzigartig, da es nirgendwo auf der Welt schnellere Motorräder gab. Motorklang, Fahrgefühl und Fahrerlebnis waren einzigartig, englische Bikes waren das Maß der Dinge.

Und dann gab es noch Vincent. Die Marke war der Rolls Royce unter den britischen Bikes. Philip C. Vincent produzierte mit einem ausgeklügelten Baukastensystem sauschnelle 500er Einzylindermaschinen und 1000er Sportmotorräder. Was tatsächlich in diesen Maschinen steckte, bewies Vincent am 13. September 1948 auf dem Bonneville-Salzsee. Vincent setzte im Serienbau einen enormen Qualitätsstandard. Allerdings musste Philip C. Vincent jeder Maschine kräftig zuschießen. Als Vincent 1955 mit 2,2 Millionen Mark verschuldet war, war es vorbei.

Der Niedergang der englischen Motorradindustrie

Die USA waren Hauptabnehmer Nummer eins. Doch auch diese Phase war nur kurz. Die Amerikaner hatten ein neues Spielzeug entdeckt. Triumph ließ jede Harley nass machen. Doch plötzlich standen die Japaner vor der Tür. Jetzt konnten die Tommys endgültig einpacken. Der Markt war bald fest in japanischer Hand. Die britische Motorradindustrie war am Ende. Kawasaki hießen die neuen Favoriten.

Die Motorradszene der Mitte der Sechziger war geprägt von dem Wunsch nach Abenteuer und Unabhängigkeit, auch als Ausbruch aus dem bürgerlichen Spießertum. Während NSU, Horex, Adler und Zündapp in Deutschland populär waren, kamen die echten Traummaschinen aus England. Den Bikern war es wichtig, sich abheben zu wollen. Die Beatles machten Revolution und das völlig gewaltfrei!

Klassische Modelle im Überblick

Die Top 10 der Classic Motorrad Modelle ist bunt gemischt. Es sind US-amerikanische (Harley-Davidson), deutsche (BMW), japanische (Honda), britische (Triumph) und italienische (Ducati) Fahrzeuge vertreten.

  • Triumph Bonneville: Die Bonneville vom britischen Hersteller Triumph wurde erstmals 1959 vorgestellt. Das Modell gilt als sehr zuverlässig und hat im Laufe der Jahre zahlreiche Designänderungen durchlaufen.
  • BSA Gold Star: Die BSA Gold Star ist ein Motorrad des britischen Herstellers Birmingham Small Arms Company (BSA), das von 1939 bis 1963 produziert wurde. Bis heute gilt sie als Designikone ihrer Zeit.
  • Norton Commando: Zumindest Triumph und Norton boten in den großen Hubraumklassen noch Modelle an. Der klassische Norton-Paralleltwin basierte noch auf den Nachkriegs-Zweizylindern und hatte im Lauf der Jahre bis auf 850 cm³ Hubraum zugelegt.

Die folgende Tabelle zeigt einige der bekanntesten englischen Oldtimer-Motorräder und ihre wesentlichen Merkmale:

Modell Hersteller Produktionszeitraum Hubraum Leistung Besonderheiten
Bonneville Triumph 1959 650 ccm 46 PS Sehr zuverlässig, zahlreiche Designänderungen
Gold Star BSA 1939-1963 Designikone ihrer Zeit
Commando Norton 850 ccm Elastische Motorlagerung Isolastic

Europäische Konkurrenz in den 1970ern

Mitte der 1970er-Jahre versuchte die europäische Motorrad-Industrie zum Teil mit neuen, zum Teil mit traditionellen Konzepten der Übermacht der japanischen Hersteller Paroli zu bieten. Allen voran BMW: Das Flaggschiff der Bayern, die R 90 S, erweiterte mit reicher Ausstattung die Zweizylinder-Boxer-Baureihe nach oben.

Gleich mehrere italienische Hersteller kämpften mit ganz unterschiedlichen Konzepten um Marktanteile: Ducati hatte nur wenige Jahre zuvor die Königswellen-Zweizylinder mit 90-Grad-V-Motor eingeführt, welche vor allem durch sportliche Erfolge die Marke wiederbelebten. Moto Guzzi vertraute ebenfalls auf einen 90-Grad-V2-Motor, allerdings mit längs liegender Kurbelwelle. Der hatte bereits in der V7 sein Debüt gefeiert und sorgte vom Tourer bis zum Sportmotorrad für Vortrieb. Laverda in Breganze setzte ebenfalls auf ein eigenes Konzept: Zu den Reihenzweizylindern mit 750 cm³ gesellte sich 1973 ein wuchtiger Dreizylinder mit 1000 cm³, zwei oben liegenden Nockenwellen und ungewöhnlichen 180 Grad Hubzapfenversatz.

Zumindest Triumph und Norton boten in den großen Hubraumklassen noch Modelle an. Der klassische Norton-Paralleltwin basierte noch auf den Nachkriegs-Zweizylindern und hatte im Lauf der Jahre bis auf 850 cm³ Hubraum zugelegt. Mit der Commando war die elastische Motorlagerung Isolastic ins Fahrwerk eingekehrt. Sie sollte die kernigen Vibrationen des Twins vom Fahrer fernhalten.

Während die Mehrzahl erfahrener Motorradfahrer in ihrem Leben mit großer Wahrscheinlichkeit bereits einmal einen der fernöstlichen Multizylinder bewegt hat, ist die Chance, ein europäisches Big Bike der 70er-Jahre selbst zu erleben, weitaus geringer.

Fahrberichte und Charakteristika

Unterschiedlicher könnten die Charaktere kaum sein: Von der tourentauglichen BMW bis zur supersportlichen Ducati wird die europäische Spitzenliga von damals ihre Qualitäten erneut unter Beweis stellen.

  • Ducati 900 SS: Wieder einmal erweist sich die Ducati 900 SS als Fahrmaschine reinsten Wassers. Alles andere als weichgespült, verkörpert sie das reinrassige, kompromisslose Sportmotorrad der 70er-Jahre. Schon der Griff zur Kupplung lässt keinen Zweifel aufkommen: Zupacken ist angesagt.
  • Laverda 1000 3C: Kraft suggeriert die Laverda 1000 3C bereits im Stand, wuchtig wie ein Fels steht sie da, den mächtig aufragenden Dreizylinder mit Doppelnockenkopf im Rahmen.
  • Moto Guzzi Le Mans: Die Moto Guzzi Le Mans hat in einer Rundum-Fitnesskur Gewicht abgespeckt und Muskeln aufgebaut. Dank Alutank, einer kleinen Höckerbank und Gewichtsoptimierung an vielen Bauteilen wirkt sie nicht nur äußerlich puristischer und durchtrainierter als eine serienmäßige Le Mans der ersten Baureihen, sie ist es tatsächlich.
  • BMW R 90 S: Weitaus weltmännischer, geradezu diplomatisch tritt im Vergleich dazu die BMW R 90 S auf. Sie schätzt den moderaten Klang und pflegt ausgesuchte Manieren; ihre Sitzposition und die Lenker-Verkleidung bieten hervor- ragende Voraussetzungen für lang anhaltenden touristischen Fahrspaß.
  • Norton Commando: Auf typisch deutsch folgt very British: klassischer englischer Motorradbau mit Zweizylinder-Gleichläufer, ausladendem Primärdeckel und separatem Getriebe.

Bekannte englische Motorradmarken

  • BSA: Der Ursprung der Firma liegt in der Waffenproduktion, wie der ausgeschriebene Name verrät: Birmingham Small Arms Company Limited.
  • Brough Superior: Der Rennfahrer und Konstrukteur George Brough baute ab 1919 in Nottingham exklusive und starke Motorräder.

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