Enve Laufräder Felgenbremse im Test: Alles, was Sie wissen müssen

Aero-Laufräder erfreuen sich unter Rennradfahrern großer Beliebtheit. Kein Wunder: Hohe Felgen sehen schnell aus und verleihen selbst einem in die Jahre gekommenen Rennrad neuen Glanz, der typische „BollerSound“ motiviert, und bei den Radprofis sieht man ohnehin kaum noch etwas anderes.

Warum Aero-Laufräder?

Hochprofilräder sehen schnell aus und sind heiß begehrt. Roadbike hat fünf der angesagtesten Modelle getestet - im Labor, auf der Straße und im Windkanal. Um diese Fragen zu beantworten, hat RoadBIKE aufwendige Tests im Windkanal, auf den RB-Prüfständen und auf der Straße durchgeführt. Eingeladen waren Laufräder mit Felgen um 60 Millimeter Höhe: Diese versprechen erhebliche Aero-Vorteile, bleiben dabei alltagstauglich und erinnern optisch nicht an reine Zeitfahr-Modelle. DT Swiss, Enve, Mavic, Reynolds und Zipp schickten ihre Aero-Flaggschiffe, die Testkandidaten stellen die Crème de la Crème im aktuellen Laufradbau dar.

Klare Erkenntnis der Tests im Windkanal: Aero-Laufräder sind messbar schneller als Modelle mit flacheren Felgen. Über 10 Watt sparen die Hochprofillaufräder gegenüber einer Referenz mit 30 Millimeter hohen Felgen. Das bedeutet: Ohne mehr Leistung erbringen zu müssen, wäre ein 75 Kilogramm schwerer Rennradfahrer auf einer 100-Kilometer-Strecke mit 1500 Höhenmetern deutlich über eine Minute schneller.

Der Grund dafür: Egal von welcher Seite der Wind kommt, bleibt der Luftwiderstand bei flachen Felgen nahezu unverändert oder steigt sogar an. Bei Hochprofilfelgen ist der Luftwiderstand hingegen schon bei normalem Fahrt- und frontalem Gegenwind geringer, bei Seitenwind sinkt er sogar noch einmal deutlich: Bei Anströmwinkeln der Luft zwischen zehn und fünfzehn Grad muss ein Fahrer mit Aero-Laufrädern für dieselbe Geschwindigkeit 20 Watt weniger Leistung aufwenden als ein Fahrer mit 30 Millimeter-Felgen, bei Berglaufrädern mit komplett flacher Felge oder Felgen mit kastenförmigem Profil wäre der Vorteil der Aero-Sets sogar noch größer. Das zu Grunde liegende Phänomen wird Segeleffekt genannt: Die seitlich anströmende Luft greift in die hohen Felgen wie in ein Segel und trägt so zum Vortrieb bei.

Vor- und Nachteile von Aero-Laufrädern

Trotz dieser messbaren Vorteile sind Aero-Laufräder nicht pauschal und uneingeschränkt zu empfehlen, warten sie doch auch mit einigen Nachteilen auf. Jeder Rennradfahrer muss deshalb für sich entscheiden, was überwiegt. Was gegen Aero-Laufräder spricht? Beispielsweise das veränderte Fahr- und Lenkverhalten sowie die höheren Kosten: Hohe Felgen bedeuten mehr Material und folglich auch mehr Gewicht. Um das so gering wie möglich zu halten, kommen zwar alle Testkandidaten mit teuren Carbon-Felgen, wiegen aber trotzdem zwischen knapp 1600 und fast 1800 Gramm - manches deutlich günstigere Disc-Laufrad aus Alu ist leichter. Und höheres Gewicht macht sich beim Fahren bemerkbar: Schwere Laufräder beschleunigen weniger spritzig. Doch nicht nur die Beschleunigung wird durch das Aero-Profil beeinflusst, auch das Lenkverhalten.

„Egal ob auf gerader Strecke oder beim Einlenken in Kurven - Seitenwind und insbesondere Böen wird man bei Hochprofl-Laufrädern immer wieder spüren“, sagt Jean-Paul Ballard von Swiss Side, „wobei man sich auch recht schnell daran gewöhnen kann.“

Wer über die Anschaffung eines Aero-Laufradsatzes nachdenkt, sollte sich folglich fragen: Bin ich bereit, ein höheres Gewicht und verändertes Handling in Kauf zu nehmen, um aerodynamische Vorteile zu erzielen?

Die Beantwortung dieser Frage hängt auch davon ab, wie ambitioniert Rennrad gefahren wird: Leistungsorientierte Wettkampfsportler bewerten auch geringe Zeitersparnisse sicher anders als reine Hobby- und Genussfahrer. Wer vor allem schneller werden möchte, sollte sich aber auch im Klaren sein: Aero-Laufräder sind, was den Kosten-Nutzen-Faktor angeht, die teuerste Stellschraube, an der man drehen kann. Andere Maßnahmen, wie eine aerodynamisch optimierte Sitzposition oder windschlüpfrige Bekleidung, bringen größere Vorteile und sind deutlich günstiger zu haben (vgl. RB 07/18). Geht es aber darum, noch das letzte Watt einzusparen, werden Aero-Laufräder zur Pflicht. Klar ist auch: Kaufentscheidungen müssen nicht immer rational erklärbar sein.

Enve Laufräder im Detail

Enve gefällt im Labor mit dem geringsten Gesamtgewicht, kann damit aber etwas überraschend nicht auf der Straße punkten: Der Satz fühlt sich im direkten Vergleich mit der Konkurrenz schwerfälliger und weniger sportlich an - die Antrittsenergie des Fahrers verpufft offenbar wegen der geringen Seiten- und Torsionssteifigkeiten. Das ist schade, denn die Aerodynamik ist top: Die Messungen im Windkanal zeigen, dass kein anderes Modell den Segeleffekt so stark nutzt wie das von Enve. Trotz niedrigerem Vorderrad sind Seitenwind und Böen allerdings deutlicher spürbar als bei der Konkurrenz. Dem im Vergleich etwas spärlichen Lieferumfang stehen eine lebenslange Garantie (auch bei Renneinsatz) sowie ein lebenslanges Crash Replacement in Form von 50 % Rabatt bei Neukauf gegenüber.

Fazit: Im Labor und auf der Straße offenbart Enve Stärken und Schwächen. Im Windkanal und bei der Garantie glänzen die US-Amerikaner. Noch knapp erreicht der Laufradsatz so die Note sehr gut.

Technische Details der Enve SES 5.6 Disc

  • Gewichte: VR 719 g/HR 866 g
  • Preis: 3200 €
  • Felgenmaße*: 19 mm/28 mm/VR 54, HR 63 mm
  • Speichen: VR 24/HR 24, je 2x gekreuzt
  • Lieferumfang: Bedienungsanleitung, Tubeless-Kit, Ventilverlängerung
  • Gewichtslimit: ohne
  • Ausführungen: Shimano/Sram oder Campagnolo
  • Aerodynamik: 20 % 87,1 W/0,69 Nm
  • Gewicht: LRS 20 % 1582 g
  • Seitensteifigkeit: 20 % VR 76/HR 72 Nm/° 3
  • Torsionssteifigkeit: 5 % 6,67 mm
  • Trägheit: 5 % VR 804/HR 809 m/s2
  • Aufbau: 10 % VR 0,6, HR 0,4 mm aus der Mitte zentriert, sonst rund 4
  • Fahreindruck: 20 % unruhige Lenkung, Seitenwind deutlich spürbar
  • Wertung: SEHR GUT (72 Punkte)

Kopf-an-Kopf-Rennen im Testfeld

Welches Laufrad aus dem Testfeld ist nun das schnellste? Einfach ist die Antwort nicht, da hier unterschiedliche Philosophien deutlich werden. Reynolds etwa geht davon aus, dass man mit Aero-Laufrädern möglichst schnell fährt, was die Bedeutung des seitlich anströmenden Windes relativiert. Entsprechend optimieren die US-Amerikaner ihre Felgen für frontalen (Fahrt-)Wind und geringe Anströmwinkel. Mit Erfolg: Kein Laufrad ist in diesem Bereich schneller, zudem sind die seitlich gegen das Vorderrad wirkenden Kräfte am geringsten - das Laufrad fährt sich auch subjektiv schnell - und sehr stabil. Dafür ist der Segeleffekt geringer ausgeprägt, die Luftwiderstandswerte steigen bei Seitenwind früher als bei der Konkurrenz. Ganz anders die anderen Kandidaten: Hier will man so viel Seitenkraft wie möglich generieren, um den Segeleffekt maximal auszunutzen.

„Für Hobbyfahrer ist der Segeleffekt fast wichtiger als für Profis, da sie langsamer fahren, und der Schub von seitlich anströmender Luft effektiver zur Geltung kommt“, erklärt Swiss Side Experte Ballard.

Die Kehrseite der Medaille ist das etwas nervösere Lenkverhalten dieser Sätze. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen liegen die korrigierten Mittelwerte aus allen Messungen in jedem Anströmwinkel extrem dicht beieinander.

Das bedeutet: Was die Aerodynamik angeht, kann man mit den getesteten Modellen wenig falsch machen, eine Kaufentscheidung ließe sich folglich an anderen Aspekten festmachen. Betrachtet man vor diesem Hintergrund die „klassischen“ Kriterien von RoadBIKE-Laufradtests, setzen sich DT Swiss und Mavic mit soliden Steifigkeitswerten von der Konkurrenz ab - freilich ohne dabei selbst Fabelwerte zu erreichen. Mavic lässt dagegen, wie schon in der Vergangenheit, Punkte bei der Torsionssteifgikeit liegen und leidet etwas an Übergewicht.

Reynolds gefällt hingegen mit dem besten Torsionswert, Enve mit dem geringsten Gewicht. Schade: Nicht zum ersten Mal in einem RB-Laufradtest zeigte sich mangelnde Sorgfalt beim Aufbau. Diesmal waren die Modelle von Enve, Mavic und Zipp teils deutlich aus der Mitte zentriert. Sind auch die Garantiebestimmungen ein Kaufkriterium, setzen sich Reynolds und Enve mit lebenslanger Garantie von den Konkurrenten ab, die „nur“ jeweils zwei Jahre Herstellergarantie bieten, teilweise unter Ausschluss von Wettkampfeinsätzen (DT Swiss).

Die richtige Reifenwahl

Wer sich für einen Aero-Laufradsatz entscheidet und wem es dabei in erster Linie um die Verbesserung der eigenen Aerodynamik geht, sollte ein kleines, aber feines Detail nicht außer Acht lassen: den Reifen. „Entscheidend ist das Profl“, erklärt Experte Ballard, „es lenkt die Luftströme und beeinflusst somit den Segeleffekt. Bei einem profillosen Slick reißen die Luftströme viel früher ab, ironischerweise sind Slicks aber oft bei Rennmaschinen oder Zeitfahrrädern montiert. Dabei kann ein aerodynamisch schlechter Reifen jeden Vorteil eines Aero-Laufrads zunichtemachen.“

Gute Ergebnisse im Windkanal liefert der auch im RB-Test verwendete Continental GP 4000 S II. Darüber hinaus kooperieren derzeit verschiedene Laufradhersteller bei der Entwicklung ihrer neuen Modelle mit Reifenfabrikanten.

Testfazit

Aero-Laufräder machen schneller. Punkt. Dennoch sind andere Maßnahmen teils effektiver und kosten weniger. Im Windkanal liegen die Testkandidaten eng beisammen, Unterschiede zeigen sich vor allem im Labor und auf der Straße. DT Swiss trägt hier den knappen Testsieg vor Reynolds davon. Wer vor allem den Look hoher Felgen schätzt und keine maximale Aero-Performance sucht, findet in Modellen mit 40 bis 50 Millimetern Felgenhöhe eine interessante und fahrstabilere Alternative.

Weitere Testkandidaten im Überblick

DT Swiss ARC 1100 Dicut 62 db

Wie so oft sammelt DT Swiss mit einer ausgewogenen Leistung viele Punkte. Der Satz ist der zweitleichteste im Test, die Steifigkeiten sind gut, der Aufbau tadellos. Die Felge ist mit 17 Millimetern vergleichsweise schmal, entsprechend bauen die Reifen weniger breit als bei der Konkurrenz. Vielleicht auch ein Grund für den sportlich-flinken Fahreindruck. Im Praxistest gefiel neben der Beschleunigung das sehr gleichmäßige und vorhersehbare Lenkverhalten, Seitenwind ist aber spürbar und kann nach RB-Erfahrungen insbesondere bei schnellen Abfahrten recht unangenehm werden. Was die Garantie angeht, sind die Schweizer eher knauserig: zwei Jahre ohne Renneinsatz. Als Crash-Replacement bietet DT Swiss bei Registrierung des Produkts zwei Jahre lang 50 % Rabatt.

Kurzes Fazit: DT Swiss holt sich einen weiteren Testsieg, diesmal mit einer insgesamt ausgewogenen Leistung - ohne in einer Kategorie absolute Bestwerte einzufahren. Positiv: der große Lieferumfang.

Technische Details DT Swiss ARC 1100 Dicut 62 db

  • Gewichte: VR 746 g/HR 867 g
  • Preis: 2408 €
  • Felgenmaße*: 17 mm/27 mm/63 mm
  • Speichen: VR 24/HR 24; je 2x gekreuzt
  • Lieferumfang: Bedienungsanleitung, Laufradtaschen, Tubeless-Kit, Adapter für Schnellspanner, 6-Loch-Adapter
  • Gewichtslimit: 110 kg Systemgewicht
  • Ausführungen: für Shimano/Sram, Campagnolo

Mavic Comete Pro Carbon SL UST Disc

Im hochpreisigen Aero-Segment liefert Mavic den günstigsten Laufradsatz im Test. Im Windkanal halten die Räder dennoch problemlos das hohe Niveau des Testfelds. Dazu gibt’s den besten Wert bei der Seitensteifigkeit, allerdings den schlechtesten bei der Torsionssteifigkeit. Ärgerlich: Vorder- und Hinterrad waren aus der Mitte zentriert. Zudem war kein Testlaufradsatz schwerer. Im Sattel zeigt sich auch ein vergleichsweise träges Fahrgefühl. Das Lenkverhalten ist vorhersehbar und ruhig, allerdings verlangt Seitenwind auch hier stets hohe Aufmerksamkeit. Positiv: Zum Lieferumfang gehören Tubeless-Reifen. Die zweijährige Garantie können Käufer bei Registrierung der Räder um ein weiteres Jahr verlängern, ein Crash-Replacement von 40 % Rabatt bei Neukauf gegenüber.

Fazit: Der Mavic-Satz zeigt Licht und Schatten. Ärgerlich ist der nicht mittige Aufbau der Räder. Letztlich kosten die kleineren Schwächen Punkte - Mavic verpasst so haarscharf die Note sehr gut.

Technische Details Mavic Comete Pro Carbon SL UST Disc

  • Gewichte: VR 829 g/HR 933 g
  • Preis: 1899 €
  • Felgenmaße*: 19 mm/26 mm/65 mm
  • Speichen: VR 24, 2x gekr./HR 24, li. 2x, re. radial
  • Lieferumfang: Bedienungsanleitung, TubelessReifen Yksion Pro UST, Tubeless-Kit,Lagereinstellschlüssel
  • Gewichtslimit: 120 kg Systemgewicht
  • Ausführungen: Shimano/Sram oder Campagnolo

Reynolds Aero 65 DB

Reynolds geht einen eigenen Weg - und überzeugt damit vollauf. Im Windkanal sind die Aero 65 DB bei frontaler Luftanströmung die schnellsten Laufräder im Test. Einen Bestwert gibt es auch bei der Torsionssteifigkeit. Rundum überzeugen können die Laufräder auf der Straße: Gerade bei hohem Tempo hat man tatsächlich das Gefühl, schneller zu rollen, das Lenkverhalten ist klar vorhersehbar, Seitenwind deutlich weniger spürbar als bei der Konkurrenz.

Weitere Aspekte beim Laufradkauf

Neben den bereits genannten Punkten gibt es noch weitere Aspekte, die bei der Wahl des richtigen Laufradsatzes berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören unter anderem die Kompatibilität mit dem vorhandenen Bremssystem (Felgen- oder Scheibenbremse), die Art der Reifen (Drahtreifen oder Tubeless) sowie das persönliche Fahrprofil. Auch das Budget spielt natürlich eine entscheidende Rolle.

Es ist ratsam, sich vor dem Kauf umfassend zu informieren und gegebenenfalls eine Probefahrt mit verschiedenen Laufradsätzen zu machen, um das für die eigenen Bedürfnisse am besten geeignete Modell zu finden.

Enve SES 3.4 Test: Ein Erfahrungsbericht

Enve Laufräder sind so ziemlich das edelste (und teuerste), was man seinem geliebten Fahrrad gönnen kann. Da kommen sofort Fragen auf: Lohnt es sich überhaupt, für einen Laufradsatz so viel Geld auszugeben? Ich habe die Anfrage von Enve, ob ich nicht mal einen ihrer Laufradsätze ausprobieren wolle, jedenfalls zum Anlass genommen, mal etwas tiefer in diese Problematik einzusteigen. Um welchen Laufradsatz geht es überhaupt? Es ist Enve’s SES 3.4, sozusagen der Klassiker unter den Enve-Rennrad-Laufradsätzen mit aerodynamischem Profil und breit gefächertem Einsatzbereich - genau richtig für einen Hobby-Allround-Rennradler wie mich. Diesen Laufradsatz stecke ich in mein „altes“ Giant TCR, das immerhin schon acht Jahre auf dem Buckel hat und dessen Originallaufräder ziemlich durch sind.

Da wäre zum einen das Gewicht: 1.469 Gramm bringt der Satz auf die Waage, mit edlen Enve Carbonfelgen und mindestens genauso edlen Chris King Naben. Die Felgen sind 27,5 mm (außen) beziehungsweise 21 mm (innen) breit und besitzen ein tiefes Aero-Profil: Vorn sind es 38 mm, hinten sogar 42 mm. Der Laufradsatz ist mit leichten Sapim CX Ray Speichen aufgebaut, die vorn radial eingespeicht sind. Dort sind sie 272 mm lang, hinten sind es 276 mm/274 mm. Ich fahre den Laufradsatz passend zu meinem Bike in der Version für Felgenbremsen und Schnellspanner. Zusammen wechseln dafür rund 2.500 Euro den Besitzer - uff!

Schon der Einbau macht Spaß - wie könnte es auch anders sein, wenn man solch edle Teile in den Händen hält? Alles passt, die Reifen flutschen sicher ins Felgenbett und mein Giant sieht aus wie ein neues Fahrrad! Es ist der Wahnsinn, was so ein Laufradsatz optisch ausmacht.

Erste Fahreindrücke

Allerdings beschlich mich schon nach wenigen Metern das ungute Gefühl, dass ich mir vielleicht doch etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen, um wenigstens kurz die Einbauanleitung zu lesen. Dann wäre mir nämlich aufgefallen: Ich hätte nicht nur die Laufräder, sondern auch die Bremsbeläge tauschen müssen. Zum einen ist das Teil der Garantiebedingungen: Man muss die passenden Enve-Pads fahren. Zum anderen wäre mir dann dieses richtig peinliche, extrem laute Quietschen erspart geblieben, das dafür sorgte, dass ich möglichst die Finger von den Bremsen ließ. Am Ende war ich noch glücklich, weil ich keinen Platten hatte. Passende Schläuche mit entsprechend langem Ventil hatte ich nämlich aufgrund der großen Euphorie auch nicht dabei.

Und siehe da: Mit gutem Gefühl (weil ein Schlauch im Gepäck war) und ohne Quietschen konnte ich die Fahrt nun vollauf genießen. Und wie: Allein dieses Geräusch beim schnellen Rollen. Oder dieses Geräusch beim Bremsen. Oder dieses Geräusch vom Chris King Freilauf! Es war eine Synfonie der mechanischen Geräusche, die nicht nur mir gefiel: Es dauerte nicht lange, bis einer meiner Mitfahrer mich mit glänzenden Augen anstrahlte, als wir es mal wieder laufen ließen: „Chris King Name?“ - „Jau, wie kommste drauf?“ - „Ja hömma, der Sound!“. Okay: Mir war ja schon klar, dass der Sound gut klingt. Aber dass er echte Fans besitzt, die ihn aus zig anderen Freilaufgeräuschen heraushören können, beeindruckte mich dann doch ein bisschen.

Fazit zum Enve SES 3.4 Test

Es ist verdammt schwer, als Hobby-Allround-Rennradler, wie ich es nun mal bin, ein vernünftiges Fazit zu so einem Laufradsatz zu formulieren. Fakt ist jedenfalls: Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß auf meinem alten TCR. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen fühlen sich diese Laufräder einfach unglaublich präzise und ebenso effizient an. Absolut kein Vergleich zu meinen alten Serienlaufrädern von Giant. Ob ich wirklich schneller damit war, das weiß ich nicht. Es fühlte sich aber so an. Dazu kommt der emotionale Part: Natürlich macht es Spaß, mit so einem Laufradsatz zu fahren. Einem Auto-Nerd macht es ja auch Spaß, mit einem super teuren Sportwagen durch die Gegend zu flitzen. Es wäre jedenfalls vermessen, auf die Suche nach etwas „zum Meckern“ zu gehen, nur damit mein Testergebnis authentischer rüberkommt. Denn ganz ehrlich: Da ist nichts. Dieser Laufradsatz hat mir uneingeschränkt Spaß gemacht.

Mit diesem Upgrade steht mein alten Giant wieder wie neu da. Es stand wirklich lange ungenutzt im Keller und ich hatte ernsthaft überlegt, es zu verkaufen. Nun habe ich es neu lieben gelernt und weiß zu schätzen, was es immer noch für ein heißes Eisen ist. Mit so einem Laufradsatz spräche absolut nichts dagegen, es noch lange zu fahren. An den Rädern sollte es jedenfalls nicht scheitern - so ist zumindest mein Gefühl: Enve sichert eine „5-Jahre-Ohne-Ärger-Garantie“ sowie ein „Crash Replacement“ auf Lebensdauer zu.

Ohne Zweifel: Dieser Laufradsatz ist gut und macht richtig viel Spaß.

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