Das Dreirad, ein Fahrzeug mit drei Rädern, hat eine lange und faszinierende Geschichte. Es wurde sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gebaut und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Solche Dreiräder gab es bereits seit den 1860er Jahren.
Die frühen Jahre: "Tricyclette" als Vorläufer des Automobils
Die ersten Dreiräder wurden im 19. Jahrhundert als "Tricyclette" bezeichnet, im Gegensatz zum zweirädrigen "Bicyclette", dem Fahrrad. Ein Tricyclette diente auch Carl Benz als Vorbild für seinen ersten Motorwagen.
Schon in den 1960er Jahren brachte dieses Kinderdreirad aus Metall kleinen Kindern das Selbstfahren näher. Denn beim Dreirad braucht man kein Gleichgewicht zu halten wie etwa beim Fahrrad, durch die Pedale können aber trotzdem hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Dann warnt die Klingel die Umgebung vor dem heranbrausenden Kind. Die Freude an der Geschwindigkeit macht diese Dreiräder bei Kindern sehr beliebt.
John Boyd Dunlop und die Erfindung des Luftreifens
Eine wichtige Innovation in der Geschichte des Dreirads ist die Erfindung des Luftreifens. John Boyd Dunlop konnte 1888 nicht mehr mit ansehen, wie sich sein Sohn auf einem Dreirad mit Hartgummireifen auf dem holperigen Straßenbelag in Belfast abmühte und erfand für ihn den luftgefüllten Reifen.
Um das Dreirad seines Sohnes schneller und komfortabler zu machen, tüftelte er an der Ummantelung der Räder. Er entwickelte einen Gummischlauch, der mit Segeltuch umhüllt und auf eine Holzfelge geklebt wurde. Als Ventil soll ein Babyschnuller gedient haben. Mit diesem luftgefüllten Reifen zischte Dunlop junior im Frühjahr 1888 glücklich über die Straßen Belfasts und hängte seine Kameraden spielend ab. Dunlop erkannte, dass der Luftreifen vielversprechend war und meldete Ende desselben Jahres seine Erfindung erfolgreich zum Patent an.
Allerdings hätte Dunlop dieses Patent niemals erhalten dürfen. Das Patentamt des Vereinigten Königreichs hatte übersehen, dass ein anderer schon rund 40 Jahre zuvor das Patent auf einen Luftreifen erhalten hatte. Robert William Thomson (1822-1873) war ebenfalls Schotte und ein äußerst talentierter Erfinder.
Im Alter von 23 Jahren erhielt er Luftreifen-Patente in Frankreich und den USA ( US5104A). Sein Reifen bestand aus einem hohlen Gürtel aus indischem Kautschuk, der mit Luft aufgepumpt wurde und mit einer Lederhülle ummantelt war. Die Räder legten gleichsam "ein Luftkissen auf den Boden, die Schiene oder das Gleis“, auf dem sie liefen. Thomson führte seine "Aerial Wheels" im März 1847 im Londoner Regent's Park an Pferdekutschen vor. Aber leider ging es Thomson wie so manchem genialen Tüftler: die Zeit war noch nicht reif für seine Erfindung; sie geriet in Vergessenheit.
John Boyd Dunlop soll nichts von der Erfindung seines Landsmannes gewusst haben, als er seine Idee beim Patentamt anmeldete. Er verbesserte seine Luftreifen weiter und ließ eine Serie von 50 Fahrrädern damit ausstatten. Mit einem dieser Räder gelangen William Hume, dem bis dahin erfolglosen Kapitän des Belfaster Cruisers' Cycle Club, plötzlich spektakulären Erfolge bei Radrennen.
Der Siegeszug des Luftreifens begann. Dunlop entwickelte aber nun den Pneu beständig weiter und konnte für seine Verbesserungen neue Patente erlangen, die ihm wirtschaftlichen Erfolg sicherten (siehe u.a. GB189311820A, GB189410850A). Vor allem das bis heute nach ihm benannte Ventil bewies, dass er ein fähiger Erfinder war.
Nur vier Jahre nach der Gründung seines Unternehmens wurde in Hanau die erste Auslandsniederlassung von Dunlop gegründet. Sie existiert bis heute. Dunlop sollte bald auch zahlreiche weitere Gummiprodukte wie Golf- oder Tennisbälle, Fußbodenbeläge oder Bremsbacken herstellen. Das Unternehmen wurde zu einem der ersten „global player“, einem weltweit produzierenden Unternehmen.
Die Entwicklung des Fahrrads und seine Auswirkungen auf das Dreirad
Die Entwicklung des Sicherheitsfahrrads war wohl die wichtigste Änderung in der Geschichte des Fahrrads. Abgesehen von den offensichtlichen Sicherheitsproblemen begrenzte der direkte Vorderradantrieb des Hochrads seine Höchstgeschwindigkeit.
John Kemp Starley, James ‚Neffe, produzierte 1885 das erste erfolgreiche „Sicherheitsfahrrad“ (wieder ein retrospektiver Name), den „Rover“, den er nie patentieren ließ. Es verfügte über ein lenkbares Vorderrad mit deutlichem Nachlauf, gleich großen Rädern und einem Kettenantrieb zum Hinterrad. Weitgehend imitiert, ersetzte das Sicherheitsfahrrad das Hochrad in Nordamerika und Westeuropa bis 1890 vollständig.
Der Kettenantrieb verbesserte den Komfort und die Geschwindigkeit, da der Antrieb auf das nicht lenkbare Hinterrad übertragen wurde und ein sanftes, entspanntes und verletzungsfreies Treten ermöglichte. Durch das leichtere Treten kann der Fahrer leichter um Kurven fahren.
Das Tempo-Werk und die Geschichte der Dreirad-Lieferwagen
Die Geschichte des Hamburger Autoherstellers Tempo-Werk beginnt im Jahr 1928. Der dreirädrige Hanseat ist in der Nachkriegszeit besonders gefragt. Auf der Suche nach einer zukunftsträchtigeren Branche werden Max Vidal und sein Sohn Oscar im wachsenden Markt der Dreirad-Lieferwagen fündig. So wird 1928 der Autobauer Vidal & Sohn gegründet - später wird der Zusatz Tempo-Werk ergänzt.
Als aber der gewiefte und erfahrene Konstrukteur Otto Daus 1929 dazustößt, nimmt das junge Unternehmen richtig Fahrt auf. Die Firma ist zunächst einige Jahre in der damals noch eigenständigen Stadt Wandsbek ansässig. Dort bestehen allerdings keine Erweiterungsmöglichkeiten. Daher ziehen die Autopioniere 1935 nach Harburg-Wilhelmsburg, das 1937 in den Staat Hamburg eingegliedert wird, auf ein größeres Gelände.
Der meistgekaufte Kleinlaster der Welt kommt in den 1930er-Jahren von Tempo. Die Tempo-Fahrzeuge haben durchweg Frontantrieb. So haben die Käufer bei der Wahl der Ausstattungsvarianten relativ freie Hand. Das Tempo-Werk stellt im Verlauf seiner mehr als 40-jährigen Geschichte eine große Zahl an Sonderaufbauten her. "Tempo baut nach Maß", heißt es.
Nachdem die Briten die Produktionsgenehmigung erteilen, stellt Vidal & Sohn bereits 1945 wieder Fahrzeuge her. In die Erfolgsspur fahren die Hamburger aber erst nach der Währungsreform 1948 und dank eines europäischen Hilfsprogramms, das dafür sorgt, dass Rohstoffe wieder in die Hansestadt geliefert werden. 1950 ist der Hanseat der meistverkaufte Lieferwagen in Deutschland.
Neben dem Hanseat (als Weiterentwicklung der Vorkriegsdreiräder A200 und des A400) kommt auch der vierrädrige Matador mit seinen "Kulleraugen" bei der Kundschaft gut an. So haben namhafte Firmen wie Reifenhersteller Phoenix oder Senf-Produzent Kühne Tempo-Wagen in ihren Fuhrparks. Beliebt sind die Autos auch bei Kleinbetrieben oder "fliegenden Händlern" als mobiler Verkaufsstand.
Doch die Konkurrenz schlägt zurück. Bereits 1952 muss sich Tempo nach einem anderen Motorenhersteller für den Matador umsehen. Bis dahin liefert VW das Herzstück der Autos, will den Erfolg der Hamburger aber nicht weiter unterstützen.
Um das Unternehmen mit einem Partner abzusichern, verkauft Oscar Vidal am 1. Februar 1955 50 Prozent an die Hannoversche Maschinenbau AG (Hanomag). Dies geschieht wohl auch, weil die Zeit des einst erfolgreichen Hanseat abgelaufen ist. Drei Räder sind nicht mehr gefragt.
Innerhalb des Essener Konzerns kommt Tempo zu Hanomag. Der Tempo-Lieferwagen wird als "Harburger Transporter" weiterentwickelt. Ab 1966 hat auch der Tempo Matador das Rheinstahl-Hanomag-Emblem auf der Front.
Das Tempo-Werk in Harburg wird 1969 Teil der neuen Hanomag-Henschel Fahrzeugwerke GmbH, die wiederum 1971 von der Daimler-Benz AG übernommen wird. Bis 1977/1978 baut Mercedes die "Harburger Transporter" in Hamburg.
Auch wenn die Marke Tempo in Deutschland nicht mehr benutzt wird, lebt sie noch weiter: Das Unternehmen Bajaj-Tempo in Indien stellt von 1962 bis 2000 die Dreirad-Lieferwagen von Tempo in Lizenz her.
Stephan Farfler und das erste Spezialfahrrad für Menschen mit körperlichen Einschränkungen
Der Nürnberger Uhrmacher Stephan Farfler (*1633, †1689) konstruierte das erste Spezialfahrrad der Menschheitsgeschichte. Es wird berichtet, dass Farfler im Alter von drei Jahren einen schweren Unfall erlitten hatte und seitdem gelähmt war.
Sein Dreirad war vollständig aus Holz gefertigt und mit einem innovativen Antriebssystem ausgestattet. Diese Konstruktion ermöglichte es ihm, ohne fremde Hilfe durch die Straßen zu fahren - eine beeindruckende Leistung für das 17. Das von Farfler entwickelte Dreirad gilt als das erste Spezialfahrrad, das speziell für Menschen mit körperlichen Einschränkungen konstruiert wurde.
Es war nicht nur eine bahnbrechende Erfindung im Bereich der Mobilität, sondern auch ein Vorläufer der heutigen E-Dreiräder und Reha-Fahrräder, die Menschen weltweit Unabhängigkeit und Freiheit schenken. Das Dreirad bestand aus einem stabilen Holzrahmen und wurde durch Handkraft angetrieben.
Liegeräder: Eine alternative Form des Dreirads
Liegeräder sind eine alternative Form des Dreirads, bei der der Fahrer in einer liegenden Position sitzt. Josef Erlach erhält ein Privelegium (in Österreich Vorläufer des Patents) auf „Verbesserungen der Gestelle und Räder für Velocipede und andere Wägen“ für die kaiserlich-königlichen Staaten (Oesterreichisches Privelegium Nr.696, CI. XX/254, 16.6.1878). Es handelt sich hier um Liege-Zwei- und Dreiräder, mit aufrechter Sitzposition.
Charles Mochet macht Versuche mit Liege-Vier- und Dreirädern, kommt schließlich zu Einspurern, die im Sport am Anfang stark belächelt wurden, aber sehr bald erfolgreich waren. 1933Der Franzose Mochet, einer der wichtigsten Pioniere, konstruiert Liegeräder mit horizontalem Antrieb. Faure stellt mit dem Mochet-Rad einen Stundenweltrekod mit 56 km/h auf.
Trikes: Die radikale Wandlung eines dreirädrigen Fahrzeugs
Trikes kennen wir in Deutschland seit den 1980er Jahren. Trikes polarisieren - und sie haben seit diesen Tagen eine radikale Wandlung hinter sich gebracht. Doch wo lag der Ursprung der Trike-Kultur und wer waren die Pioniere?
Sicherlich war der deutschstämmige Eduard Roth nicht der Erste, der aus einem unscheinbaren dreirädrigen Harley-Davidson Servi-Car einen chromblitzenden Hingucker machte. Aber er schaffte es, die Aufmerksamkeit der Medien auf die neuen Spielzeuge zu lenken und so wurde der Krooze Wagon 1965 das erste einer ganzen Reihe von Roth-Trikes.
Dipl.-Ing. Fecht gilt als der Trike-Pionier Deutschlands. Er hatte aus den USA ein Trike mitgebracht und durch langwierige Tests und Fahrversuche alle TÜV-Hürden genommen.
WK, Fecht, CCS, Rassler, Rewaco, Triketec, Boom und Easy Trike führten die Tradition des Trikebaus bei uns fort.
Das E-Dreirad: Eine moderne Interpretation des Dreirads
Auch heute, mehr als 300 Jahre später, sind Dreiräder wie mein modernes E-Dreirad ein wichtiger Bestandteil der Mobilität für viele Menschen, insbesondere für diejenigen mit besonderen Bedürfnissen. Dank moderner Technik, wie elektrischen Antrieben und leichteren Materialien, ermöglichen sie eine noch größere Freiheit und Unabhängigkeit.
Wichtige Ereignisse in der Geschichte des Dreirads
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1860er | Erste Dreiräder (Tricyclette) |
| 1888 | John Boyd Dunlop erfindet den Luftreifen |
| 1928 | Gründung des Tempo-Werks in Hamburg |
| 1933 | Mochet konstruiert Liegeräder mit horizontalem Antrieb |
| 1965 | Der Krooze Wagon wird das erste einer ganzen Reihe von Roth-Trikes |
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