Karl Drais: Lebenslauf eines Erfinders und Demokraten

Karl Drais wird am 29. April 1785 als Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn in Karlsruhe geboren. Sein Vater ist der badische Oberhofrichter Karl Wilhelm von Drais und sein Taufpate kein Geringerer als der Markgraf Carl Friedrich von Baden. Als ältestes von fünf Kindern kam Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn am 29. April 1785 in Karlsruhe zur Welt. Karls Familie gehörte zum Beamtenadel ohne Güter.

Der junge Drais genügt während der Schulzeit nicht unbedingt den Erwartungen seiner Familie. Vor allem das Fach Latein langweilt ihn. Stattdessen beschäftigt er sich lieber mit mathematischen und mechanischen Problemen. Nach dem Realschulabschluss schickt ihn sein Vater zum Onkel in die Forstlehranstalt nach Schwetzingen. Danach studiert Drais Baukunst, Landwirtschaft und Physik in Heidelberg, kehrt dann aber zur praktischen Ausbildung an die Forstlehranstalt zurück und wird Forstmeister. Ab 1808 arbeitet er als Forstmeister.

Schon bald wird er von dieser Tätigkeit freigestellt und kann sich seinen zahlreichen Tüfteleien widmen. Drais wurde 1811 bei vollen Bezügen vom Forstdienst freigestellt. Als das Oberhofgericht im Jahre 1810 nach Mannheim verlegt wird, zieht er mit dem Vater dorthin um. Der Vater hatte mittlerweile die Leitung des nach Mannheim verlegten Oberhofgerichts übernommen und ein Haus im Quadrat M 1 gekauft, in das Karl einzog.

Erfindungen von Karl Drais

Die Liste seiner Erfindungen ist lang. Auf ihn gehen etliche Erfindungen zurück. So hat er unter anderem eine Koch- und eine Schreibmaschine erfunden. Drais stellt nicht nur eine Formel zur Lösung komplizierter mathematischer Gleichungen auf (1810), sondern konstruiert 1812 eine Maschine, die während des Klavierspielens auf einer sich drehenden Walze die Noten aufschreibt. "Das gab es schon mit Pinselstrichen, und er sagt, er hat auch noch die Lautstärke dazu gepackt.

Im Jahre 1813 entwickelt er eine Rechenart im dualen Zahlensystem und 1814 einen "Wagen ohne Pferde". Seine "Schnellschreibmaschine" von 1825 nimmt mit ihrer Codierung das spätere Morsealphabet vorweg. Sogar ein neuartiger "Holzsparherd" (1833) und eine "Kochmaschine" (1834) gehören zu den Erfindungen des einfallsreichen Freiherrn. 1833 ersann Karl Drais einen „Holzsparofen", den er später zu einer „Kochmaschine“ weiterentwickelte, die erstmals nach dem Prinzip der „Kochkiste" arbeitete. Unter den Draisschen Erfindungen finden sich zudem zwei vierrädrige Fahrmaschinen und eine Tandemlaufmaschine. Zuletzt konstruierte er 1843 eine vierrädrige Eisenbahndraisine mit Tretmühle.

Die Laufmaschine: Ein Meilenstein

Die bedeutendste Erfindung jedoch ist ein zweirädriges, hölzernes Fahrzeug, das von der Muskelkraft seines Fahrers angetrieben wird: die Laufmaschine. Seine bedeutendste Leistung war die zweirädrige Laufmaschine aus dem Jahr 1817. Damit schuf er das Urfahrrad, ohne dafür eine Anerkennung zu finden. Die Draisine ist der Vorläufer unseres Fahrrads. Auch wenn diese Ursprungsform noch etwas anders ausgesehen hat als das Fahrrad, das du vielleicht kennst. Ihren Namen fand die Draisine aufgrund ihres Erfinders Karl Drais aus Karlsruhe, der dieses witzige Gefährt 1817 erfunden hat.

Mit ihr fährt Drais am 12. Juni 1817 in nur einer knappen Stunde vom Mannheimer Schloss bis zur Schwetzinger Pferdewechselstation in der heutigen Relaistraße und zurück. Am 12. Juni 1817 probierte Karl Freiherr von Drais seine neue Erfindung aus und radelte 14 Kilometer durch Mannheim. Die Pferdepost braucht für die gleiche Strecke vier Stunden!

Als Alternative zum Reitpferd wurde die Draissche „Laufmaschine“ begeistert aufgenommen. Seine Erfindung verschaffte Drais zunächst hohes Ansehen und brachte ihm die ehrenvolle Aufnahme in zwei wissenschaftliche Gesellschaften. Zwar verbreitete sich das Zweirad anfänglich rasch in Europa und auch darüber hinaus, es konnte sich aber letztlich nicht dauerhaft durchsetzen. Dies hing wesentlich damit zusammen, dass die neuen Gefährte wegen der schlechten Straßenverhältnisse nur auf den Bürgersteigen fahren konnten.

Dies führte immer wieder zu teils schweren Unfällen und zog bald überall Fahrverbote nach sich. Schon im Dezember 1817 wurde das Fahren auf den Mannheimer Bürgersteigen verboten. Entscheidende Impulse für die Etablierung des Zweirads als Massenfortbewegungsmittel gingen dann erst von der Entwicklung des Niederrads mit Kettenantrieb in den 1880er-Jahren aus.

Tabelle: Vergleich der Laufmaschine mit der Pferdepost (1817)

Fortbewegungsmittel Strecke Zeit
Laufmaschine Mannheim-Schwetzingen (und zurück) 1 Stunde
Pferdepost Mannheim-Schwetzingen (und zurück) 4 Stunden

Anfeindungen und späte Anerkennung

Trotz dieser eindrucksvollen Demonstration reagieren die Mannheimer höhnisch und ablehnend auf die Laufmaschine. Drais wird als Sonderling verspottet. Später wird die Laufmaschine in ganz Europa erfolgreich nachgebaut. Drais selbst aber kann aus seiner genialen Erfindung keinen wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Er hat darunter zu leiden, dass unter dem Vorsitz seines Vaters der radikale Burschenschaftler Carl Ludwig Sand wegen der politisch motivierten Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue 1820 zum Tode verurteilt wurde. Die Proteste gegen das Urteil galten dem Vater, aber auch Karl wurde von demokratisch gesinnten Zeitgenossen geächtet.

Als überzeugter Demokrat bekennt sich Drais 1838 öffentlich zu seiner Überzeugung und wird bei der badischen Revolution 1848/1849 Mitglied der Bürgerwehr. Während der Revolution von 1848/49 zeigte sich Drais als überzeugter Demokrat und legte sogar seinen Adelstitel ab. Er legt seinen Adelstitel ab und muss dafür seine gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen. Nach der Niederschlagung der Revolution wurde er von der Obrigkeit daraufhin in vielerlei Hinsicht ungerecht behandelt, vor allem was seine Erfindungen anging. Am Ende seines Lebens droht ihm sogar die Entmündigung.

Nachdem die preußische Besatzung gegen ihn ein Entmündigungsverfahren in Gang gesetzt und seine Pension zur Bezahlung der Revolutionskosten beschlagnahmt hat, stirbt Karl Drais am 10. Dezember 1851 in Karlsruhe und wird dort still und unbeachtet beigesetzt. Völlig verarmt stirbt Karl Drais, krank an Körper und Geist, am 10. Dezember 1851 in Karlsruhe und wird dort still und unbeachtet beigesetzt.

Der Wert seiner Hinterlassenschaft, darunter die Kochmaschine, das Ofenmodell, und die Schnellschreibmaschine werden auf 30 Gulden geschätzt. Davon entfallen drei Gulden auf die Laufmaschine. Der aber ist eine glänzende Zukunft beschieden. Sie mausert sich zum Fahrrad und tritt einen Siegeszug ohnegleichen rund um den Globus an. Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn (1785-1851) gilt heute als der größte Erfinder seiner Zeit und wird in einem Atemzug mit Carl Benz (1844-1929) oder den Brüdern Wright genannt.

Lange Zeit blieb dem genialen Tüftler aus Karlsruhe diese Anerkennung aber verwehrt, hing ihm doch schon zu Lebzeiten und lange über seinen Tod hinaus der Ruf eines verschrobenen Sonderlings an. Dieses Bild war hauptsächlich über gezielte Fehlinformationen und Karikaturen entstanden, die von den Anhängern des Studenten Karl Sand (1795-1820) verbreitet worden waren. Der deutsche Radfahrerbund veranlasste 1891 die Überführung der irdischen Überreste des Freiherrn auf den Karlsruher Hauptfriedhof und errichtete ihm aus Spendengeldern ein repräsentatives Grabmal.

Ehrungen zu seinem 225. Geburtstag

Anlässlich seines 225. Geburtstags gibt es, vom Stadtmarketing Karlsruhe organisiert, verschiedene Veranstaltungen: z.B. Seit Januar 2019 gibt es das erste inoffizielle Draismuseum in der „Radler-Halle“ des Gewerbehofs in der Steinstraße 23, von Martin Hauge. Ausgestellt ist u.a. ein detailgetreuer Nachbau einer Laufmaschine von Karl Drais.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0