Die Geschichte des Fahrrads beginnt mit der so genannten Laufmaschine. Sie wurde von Karl von Drais vor 200 Jahren erfunden. Das war im Jahr 1817. Damals hatten die Menschen wenig zu essen und konnten so auch ihre Pferde nicht ernähren. Andere Pferde starben in dieser Zeit an einer schweren Krankheit. Um sich auch ohne Pferd schneller zu bewegen, entwickelte Drais die Laufmaschine.
Eigentlich fuhr man mit einer Laufmaschine ungefähr so, wie kleine Kinder heute auf ihren Laufrädern fahren. Das kennst du bestimmt. Pedale und Bremsen gab es nicht, sondern man beschleunigte und bremste mit den Beinen. Der einzige Unterschied war das Balancierbrett für den Oberkörper, das später durch den Lenker ersetzt wurde.
Nachdem Drais die Maschine erfunden hatte, wurden nach und nach immer mehr Laufmaschinen gebaut. Man fuhr damit sogar Rennen, bei denen man ganz feine Sachen trug. Wahrscheinlich war Karl von Drais nicht der erste, der die Idee zu einer Laufmaschine hatte.
Karl von Drais und seine Erfindung
Karl von Drais wurde am 29. April 1785 in Karlsruhe als Sohn des badischen Hof- und Regierungsrates Wilhelm von Drais geboren. Er studierte Mathematik, Physik und Baukunst in Heidelberg. Anschließend wurde er Forstmeister, war aber die meiste Zeit mit vollen Bezügen beurlaubt, um sich ganz den Naturwissenschaften und der Mechanik widmen zu können.
Zu seiner wichtigsten Erfindung wurde er vom Schlittschuhlaufen inspiriert. Es führte ihn "zu dem einfachen Gedanken, einen Sitz auf Rädern" zu bauen und "mit den Füßen auf dem Boden fortzustoßen". Mit der Jungfernfahrt auf seiner zweirädrigen Laufmaschine am 12. Juni 1817 sorgte Karl Freiherr von Drais als junger Erfinder für eine Sensation. Mit diesem Vorläufer des Fahrrads, später auch "Draisine" genannt, war er auf Anhieb viermal so schnell wie die Postkutsche. In weniger als einer Stunde legte er 13 Kilometer zurück. Einige Wochen später bewies das Zweirad auch seine Bergtauglichkeit. Es hatte zwar nur eine Schleifbremse am Hinterrad, sie zeigte kaum Wirkung.
Der Großherzog von Baden ernannte Drais zum Professor der Mechanik und verlieh ihm ein sogenanntes Privileg, eine Art Patent. Es schützte den Erfinder nicht vor Raubkopierern. In ganz Europa wurde die hölzerne Laufmaschine nachgebaut, in London und Paris übten fortschrittliche Bürger das Balancieren auf dem Zweirad. Der Boom währte nur kurz - denn die für damalige Verhältnisse enorme Geschwindigkeit des Velozipeds war den Fußgängern nicht geheuer. Bald wurden Fahrverbote ausgesprochen, etwa in Mannheim und London.
20 Jahre nach der ersten Fahrt tat Autor Karl Gutzkow das Laufrad als "zweckloses Kinderspielzeug" ab. In der badischen Revolution von 1848 und 1849 ging der Stern des Erfinders vollends unter: Freiherr von Drais legte öffentlich sein Adelsprädikat ab und stellte sich auf die Seite des Volkes. Doch als die reaktionären Monarchisten mit preußischer Hilfe den Aufstand niederschlugen, musste der Demokrat Drais dieses politische Engagement bitter büßen.
Dennoch sollten sich diejenigen, die Drais' Erfindung verspottet hatten, am Ende irren: Die Idee des Zweirads war genial. Am 12. Juni 1817 testete der gebürtige Karlsruher seine ca. 25 Kilogramm schwere Holzkonstruktion erstmals in der Öffentlichkeit. Am 12. Juni 1817 hatte Drais die Chaussee von Mannheim nach Schwetzingen gewählt. Das war die wohl beste Straße in Baden - gut ausgebaut, weil sie zum Schloss Schwetzingen führte, das die früheren pfälzischen Kurfürsten als Sommerresidenz nutzten. Seither ist Mannheim größer geworden. Der Wendepunkt der historischen Strecke liegt nicht mehr auf freiem Feld, sondern im Stadtteil Rheinau. Das Drais-Denkmal steht auf dem Rondell eines Kreisverkehrs. Wer heute mit dem Rad dorthin fahren möchte, muss vorsichtig sein. Sonst fällt er den Folgen der Draisschen Erfindung zum Opfer.
Von der Laufmaschine zum modernen Fahrrad
Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Fahrt von Drais präsentierte der Franzose Pierre Michaux 1867 bei der Weltausstellung in Paris eine wichtige Neuheit: die Tretkurbel. Zwei Pedale wurden am Vorderrad montiert, der Velozipedist musste sich nicht mehr mit den Füßen vom Boden abstoßen, sondern rollte erhaben durch die Welt. In Mannheim kaufte der junge Ingenieur Carl Benz ein gebrauchtes Tretkurbelrad. Abgesehen von den Pedalen unterschied es sich kaum von Drais' Prototyp der Laufmaschine: Die Räder waren aus Holz, die Reifen aus Eisen. Mit diesem "Knochenschüttler" unternahm Benz große Touren, von Mannheim bis nach Pforzheim.
Schwitzend begeisterte sich der Radfahrer für die Idee der autonomen Mobilität: Der Mensch wird unabhängig von der Kraft des Pferdes. Zwei Eigenschaften des Fahrrads wollte Carl Benz grundlegend verändern: "Erstens durfte mein Ideal nicht zwei Räder bekommen. Das war zu wenig." Der Wagen, der ihm vorschwebte, sollte es in puncto Bequemlichkeit mit der Droschke aufnehmen können. Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis Carl Benz 1885 mit dem ersten Benzinauto durch Mannheim fuhr (und auch seine Frau Bertha großen Gefallen daran fand). Zeitgenossen betrachteten das Automobil als Weiterentwicklung des Fahrrads. Am 4. Juni 1886 schrieb die "Badische Landeszeitung": "Es ist nicht zu bezweifeln, dass dieses Motoren-Velociped sich bald zahlreiche Freunde erwerben wird, da es sich voraussichtlich für Ärzte, Reisende und Sportsfreunde usw.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm der technische Fortschritt ein rasantes Tempo an. Auch das Fahrrad entwickelte sich erheblich weiter: Es bekam eine Kette, mit der die Antriebskraft aufs Hinterrad übertragen werden konnte. Aus dem halsbrecherischen Hochrad wurde das "safety cycle", das sichere Niederrad. Drei Jahre nach der ersten Fahrt des Motoren-Velozipeds von Carl Benz kam der letzte entscheidende Fortschritt: Der britische Tierarzt John Dunlop meldete 1888 das Patent für seinen luftgefüllten Gummireifen an.
Viel später merkte man in Mannheim, dass Karl Drais kein Spinner war, sondern ein Erfinder, auf den die Stadt stolz sein kann. 2003 baute man ihm ein Denkmal. Es steht am Wendepunkt der ersten dokumentierten Fahrt der Laufmaschine.
Tabelle: Entwicklung des Fahrrads
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1817 | Karl von Drais erfindet die Laufmaschine |
| 1867 | Pierre Michaux präsentiert Fahrräder mit Pedalen |
| 1888 | John Dunlop patentiert den Luftreifen |
Das Laufrad im 21. Jahrhundert
Gegenwärtig werden Laufräder nur für Kinder angeboten. Ihre kleine Tochter hat Petra Rupp auf die Idee gebracht, ein Laufrad für Erwachsene zu konzipieren. „Sie hatte so viel Spaß beim Laufradfahren, ist kaum hingefallen und hatte ordentlich Tempo drauf“, erzählt die 37-Jährige, die an der EUF den Master of Vocational Education (Lehramt an beruflichen Schulen) in der Fachrichtung Metalltechnik studiert. „Der Fortschritt im Fahrradbau ist in diesen Rädern nicht abgebildet“, erklärt die ebenfalls aus Karlsruhe stammende Petra Rupp.
Vier Monate hat Petra Rupp an dem Projekt gearbeitet. Der Rahmen stammt von einem ausrangierten Damenrad. Das Tretlager wurde entfernt, am Computer in einer 3D-Konstruktion die Geometrie berechnet und die Räder dimensioniert. Ein Laufrad bietet einige Vorteile: „Es passt wegen der fehlenden Pedale leichter ins Auto als ein Fahrrad, man kann mit den Füßen immer Bodenkontakt halten, und es fallen nur sehr wenig Wartungsarbeiten an“, so die Studentin.
Reiner Schlausch, Professor für die Berufliche Fachrichtung Metalltechnik am Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) der EUF, betreut das Projekt. „An der Grenze zwischen Metall-und Fahrzeugtechnik ist das eine originelle und sehr gut umgesetzte Idee“, sagt er. „Unsere Studierenden suchen sich selbständig und eigenmotiviert ihre Projektaufgaben. Das Upcycling eines ausrangierten Fahrrads zum Laufrad eignet sich außerdem, davon ist Reiner Schlausch überzeugt, hervorragend als schulisches Projekt zur Berufsorientierung oder auch zur Berufsvorbereitung.
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