Die "Hall of Fame" der Motorrad-Weltmeisterschaft besteht aus der Creme de la Creme des Motorrad-Rennsports. Die Größten ihrer Zunft sind nach ihrem Karriereende oder tragischen Tod zur MotoGP-Legende ernannt worden - Von Agostini bis Uncini. Doch wer sind die erfolgreichsten MotoGP-Fahrer aller Zeiten?
Was die Formel 1 auf vier Rädern ist, markiert die MotoGP auf nur zwei Pneus. Die Königsklasse des Motorradsports blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Dabei löste die MotoGP erst im Jahr 2002 die bisherige Königklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft ab.
Erst seit dem Jahr 2002 bildet die MotoGP die Königsklasse des Motorradsports, dabei gehen die Ursprünge des zweirädrigen Motorsports deutlich weiter zurück: Bereits im Jahr 1949 traten die Fahrer erstmals zu einer Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder an.
Die Top 10 der erfolgreichsten MotoGP-Fahrer
Diese zehn Fahrer haben in der Geschichte der Motorrad-WM seit 1949 die meisten Rennsiege in der Königsklasse gefeiert:
- Valentino Rossi (89 Siege): 13 Siege in der 500er- und 76 in der MotoGP-Klasse machen den "Doctor" zum erfolgreichsten Fahrer der Königsklasse. Zudem gewinnt er 2001 den letzten 500er-Titel und wird anschließend noch sechsmal in der MotoGP-Ära Weltmeister.
- Giacomo Agostini (68 Siege): Mit klassenübergreifend 122 Siegen und 15 WM-Titeln ist der Italiener der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten. Bei der Anzahl der Rennsiege belegt Agostini "nur" den zweiten Platz.
- Marc Marquez (64 Siege): Sechs WM-Titel in nur sieben Jahren. Der Spanier hat sich im Rekordtempo seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Er wird bereits in seiner ersten MotoGP-Saison 2013 Weltmeister und ist auch der jüngste Weltmeister aller Zeiten.
- Mick Doohan (54 Siege): Zwischen 1994 und 1998 gewinnt der Australier fünfmal hintereinander die 500er-Klasse. Doohan zählt zu den besten Rennfahrern aller Zeiten. Er bestreitet zwischen 1989 und 1999 alle Rennen für Honda.
- Jorge Lorenzo (47 Siege): Dreimal wird der Spanier MotoGP-Weltmeister. Diese Erfolge feiert er mit Yamaha. Eine Saison bei Honda wird zur Enttäuschung. Zwischen 2008 und 2019 bestreitet Lorenzo 203 Rennen in der Königsklasse.
- Casey Stoner (38 Siege): Der einzige Ducati-Weltmeister der MotoGP-Geschichte schafft es auf Rang sechs der erfolgreichsten Fahrer. Zwischen 2007 und 2012 holt er für die Italiener und Honda insgesamt 38 Siege und jeweils einen WM-Titel (2007 und 2011). Ende 2012 zieht sich der Australier aus der MotoGP zurück.
- Mike Hailwood (37 Siege): "Mike The Bike" zählt zu den besten Rennfahrern aller Zeiten. Zwischen 1962 und 1965 wird der Brite mit MV Agusta viermal Weltmeister der 500er-Klasse. Er holt auch 14 TT-Siege. Nach seiner Motorrad-Karriere ist Hailwood auch in der Formel 1 unterwegs.
- Eddie Lawson (31 Siege): Der US-Amerikaner zählt zu den bestimmenden Fahrern der 1980er-Jahre. Dreimal wird Lawson mit Yamaha Weltmeister, bevor er für 1989 völlig überraschend zu Honda geht. Der Wechsel zahlt sich aus, weil er gleich seinen vierten WM-Titel gewinnt.
- Dani Pedrosa (31 Siege): Der Spanier ist der einzige Fahrer in den Top 10, der nicht Weltmeister der Königsklasse wird. Er fährt zwischen 2006 und 2018 in der MotoGP. Dreimal ist Pedrosa Vizeweltmeister, dreimal wird es WM-Rang drei.
- Francesco Bagnaia (29 Siege): Zweimal wird der Italiener mit Ducati Weltmeister und ist damit erfolgreicher als Casey Stoner und damit der beste Ducati-Fahrer in der MotoGP-Geschichte.
Detaillierte Betrachtung einiger Legenden
Giacomo Agostini
In der 500ccm-Klasse wird angeführt vom Italiener Giacomo Agostini. Im Jahr 1965 startete “Ago” erstmals in der schnellsten Klasse der Motorrad-WM und das sogar zeitgleich zur 350-ccm-Klasse. Noch im selben Jahr konnte der Italiener seinen ersten Sieg beim Grand Prix von Finnland feiern, der Rest ist Geschichte.
Im Laufe seiner aktiven Karriere zwischen 1963 und 1977 gewann Agostini ganze 122 Rennen und kürte sich (klassenübergreifend) 15 Mal zum Weltmeister. Allein acht Titel entfallen auf die MotoGP- bzw.
Giacomo Agostini war mit 15 WM-Titeln der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte. Im Gegensatz zu der Zeit ab 1980 fuhr jedoch normalerweise ein Fahrer gleichzeitig in mehreren Kategorien. Deshalb und weil in der Zeit von Agostini oft sein Fabrikat den anderen Herstellern gegenüber haushoch überlegen war, ist ein Vergleich mit späteren Jahrzehnten nur bedingt aussagekräftig.
Immerhin gelangen „Ago nazionale“, wie ihn seine italienischen Landsleute oft nannten, auch noch zu Beginn der 2-Takt Ära zwei WM-Titel auf Yamaha. Damit können auch die größten Skeptiker nicht alle Titel einfach nur seinem Material zuschreiben.
Valentino Rossi
Valentino Rossi - der Dominator der ersten Dekade des 3. Jahrtausends ist ein Phänomen.
Von 1996 bis 2021 prägte Rossi die Motorrad-WM wie kein anderer Fahrer und holte klassenübergreifend neun Titel, gewann 115 Rennen und stand 235 Mal auf dem Podium. Im Alter von 42 trat Rossi ab und fuhr beim Abschied noch einmal in die Top 10.
Unglaubliche 22 Jahre lang war Rossi in der Königsklasse aktiv und krönte sich am Ende der Saison sieben Mal zum Weltmeister.Damit hält er aktuell auch den Rekord für die meisten Starts: Zu unglaublichen 374 Rennen trat Rossi im Rahmen seiner MotoGP-Karriere an. 89 davon konnte der Italiener gewinnen - und landete 199 Mal auf dem Podium.
Mittlerweile hat sich Rossi aus dem aktiven Sport zurückgezogen und fungiert als Chef seines eigenen Rennstalls und versuchte sich in seiner Karriere auch als Testfahrer für Ferrari in der Formel 1 und trat mehrmals in der WRC an, sollte dann aber doch in der MotoGP bleiben.
Marc Marquez
Neben Valentino Rossi gilt Marc Márquez als einer der erfolgreichsten Rennfahrer im MotoGP. Auf seinem Konto hat er bereits sieben Weltmeisterschaften, fünf davon in der Königsklasse. Wegen seines wilden Reitstiles bekam er den Spitznamen „Ameise von Cervera“.
Schon in seiner ersten Saison schaffte er es, in der Königsklasse einen Titel zu gewinnen. Im Jahr 2014 gewann er 10 Rennen in Folge.
Seit 2013 ist Márquez in der MotoGP aktiv und startete seither zu 199 Rennen. Ganze 68 davon konnte der bislang gewinnen, landete 119 Mal auf dem Podium und krönte sich unglaubliche sechs Mal zum Fahrerweltmeister (2013, 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019).
Nach einem Jahr bei Gresini Racing (2024) wechselte Marquez für die Saison 2025 zu Ducati, wo er zu alter Form zurückfand: Aktuell (Stand: 01.07.2025) führt MM #93 die Fahrerwertung der MotoGP mit 307 Punkten an.
Mick Doohan
In den 90-ern drückte der Australier Mick Doohan der MotoGP, damals noch Motorradweltmeisterschaft bis 500 cm³, seinen Stempel auf.
In den Jahren 1994, 1995, 1996, 1997 und 1998 führe kein Weg an dem Piloten vorbei, der in seiner gesamten MotoGP-Karriere im Sattel einer Honda NSR500 Platz nahm - wenn auch für verschiedene Teams.
Die erfolgreichste Saison für Doohan war das Jahr 1997, in dem er 12 der 15 Saisonrennen für sich entscheiden konnte. Insgesamt gilt Doohan als Nationalheld Australiens.
Weitere erwähnenswerte Fahrer
- Angel Nieto: Der 12+1 Weltmeister ist nach Agostini der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten. Er war von 1964 bis 1986 im Rennsport aktiv und gewann 90 Rennen. Sieben seiner Titel sicherte er sich in der 125er-Klasse, sechs davon in der 50er-Klasse.
- Mike Hailwood: Von 1958 bis 1967 war der Brite in der Motorrad-WM aktiv. Er konnte insgesamt neun WM-Titel (vier in der 500er-, zwei in der 350er- und drei in der 250er-Klasse) und 76 Siege einfahren. Außerdem trat er auch in der Formel 1 an und fuhr auf vier Rädern zwei Podestplätze ein.
- Anton Mang: Der Deutsche absolvierte von 1975 bis 1988 Rennen in allen Weltmeisterschaftskategorien. Er triumphierte insgesamt 42 Mal und sicherte sich zweimal die 350er- und dreimal die 250er-Krone. Er ist der bis heute erfolgreichste deutsche Motorradpilot.
Die erste Motorrad-Weltmeisterschaft
Die erste Motorrad-Weltmeisterschaft fand im Jahr 1946 statt und somit gilt die MotoGP als der älteste Motorsport der Welt. Eigentlich wollte die FICM (heute FIM) den Motorsportwettbewerb noch im Jahr 1938 starten, jedoch wurde die Meisterschaft aufgrund des Zweiten Weltkriegs abgesagt und schließlich 1949 ausgetragen.
Freddie Frith gewann den ersten 350er-Titel, während Nello Pagani und Bruno Ruffo die ersten 125er- bzw. 250er-Meisterschaften gewannen.
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