Stürze gehören zum Fahrradfahren dazu, egal ob im Straßenverkehr, auf dem Rennrad oder auf einer MTB-Tour. Was oft glimpflich ausgeht, kann aber schnell zu einer Notfallsituation führen. Unwissen, gefährliches Halbwissen oder längst überfällige Erste-Hilfe-Kurse verschlimmern das Ganze unnötig.
Ganz gleich ob der Fahrrad Unfall im Straßenverkehr, im Wald oder Alpin passiert - irgendetwas ist uns zwangsläufig schon mal selbst passiert oder wir haben es miterlebt. Auch wenn wir selbst nicht verletzt sind, geschieht oft trotzdem etwas mit uns: die Hilflosigkeit. In Notfallsituationen droht dann schnell eine Überforderung, weil wir nicht wissen, was jetzt das Richtige ist.
Die häufigste Unfallart und die Bedeutung der Ersten Hilfe
Die häufigste Unfallart beim Radfahren ist genau ein solcher Alleinunfall, sagt die Statistik. Er geht glücklicherweise meist glimpflich aus. Erst danach kommen Unfälle mit weiteren Beteiligten, oft Fußgängern. Denn dabei verletzen sich Radfahrer besonders schwer. Gut, wenn dann Ersthelfer zur Stelle sind. Wichtig dabei: Niemand könne etwas falsch machen. Es sei denn, sie oder er tue gar nichts. Sehr viele Menschen aber erliegen ihren Verletzungen, weil Hilfe ausgeblieben ist“, sagt der Experte. Nicht umsonst sei unterlassene Hilfeleistung eine Straftat, kein Kavaliersdelikt.
Schritte zur Ersten Hilfe
- Sicherheit gewährleisten: Sorge dafür, dass die Unfallstelle abgesichert ist. Wenn nötig, halte den Verkehr an und beziehe weitere Personen zur Absicherung ein.
- Verletzte Person ansprechen: Prüfe, ob die verletzte Person bei Bewusstsein ist. Sprich sie an und kläre, ob sie Hilfe benötigt.
- Notruf absetzen: Wenn die Person verletzt ist und Hilfe benötigt, rufe den Notruf (z. B. 112 in Deutschland) und gib genaue Informationen zur Unfallstelle, Personenzahl der Verletzten und Art der Verletzungen. Bei Streit und/oder Verletzten auch die Polizei anfordern. Die fünf W's helfen dir hier:
- Wo ist das Ereignis?
- Wer ruft an?
- Was ist geschehen?
- Wie viele Betroffene?
- Warten auf Rückfragen!
- Erste Hilfe leisten:
- Bewusstsein prüfen: Wenn die Person bewusstlos ist, überprüfe die Atmung. Lege sie in die stabile Seitenlage, wenn sie atmet.
- Blutungen stillen: Bei starken Blutungen drücke mit einem sauberen Tuch oder Verband direkt auf die Wunde. Solltest du kein Erste-Hilfe-Set dabeihaben, bitte Autofahrer, Wanderer oder Passanten darum.
- Hypothermie oder Schock vermeiden: Halte die Person warm, aber nicht überhitzt, und beruhige sie, um einen Schock zu vermeiden.
- Warten auf Rettungskräfte: Bleibe mit der verletzten Person und halte sie warm, bis professionelle Hilfe eintrifft. Halte sie in einem stabilen Zustand und rede beruhigend mit ihr.
- Dokumentation: Mache gegebenenfalls Notizen über den Unfallhergang, Zeugen und Verletzungen, falls das später benötigt wird.
- Gemeinsam mit dem Unfallgegner einen Unfallbericht ausfüllen, in dem die wesentlichen Daten festgehalten werden wie Name und Anschrift der Unfallbeteiligten, Kfz-Kennzeichen und Haftpflichtversicherungsdaten des beteiligten Fahrzeugs sowie Daten der Privathaftpflichtversicherung des Radfahrenden, soweit vorhanden.
- Haftpflicht informieren (als Autofahrender die Kfz-Haftpflichtversicherung und als Fahrradfahrender die Privathaftpflichtversicherung, soweit vorhanden) und bei einem Wegeunfall die gesetzliche Unfallversicherung informieren.
- Denke daran, das Schlechteste, was du tun kannst, ist nichts zu tun! In jedem Fall ist es wichtig, so schnell wie möglich einen Notruf abzusetzen.
Die Notfallausrüstung fürs Fahrrad
Das Erste-Hilfe-Set: Im Auto ist es selbstverständlich und gesetzlich vorgeschrieben. Doch was ist mit dem Fahrrad? Gut drei Viertel der Bevölkerung nutzen ein Fahrrad oder E-Bike - zumindest gelegentlich. Unfälle sind daher recht häufig. Wir erklären, was ein gut ausgestattetes Erste-Hilfe-Set für Fahrräder enthalten sollte.
Ist ein Erste-Hilfe-Set für Fahrräder Pflicht?
Nein. In allen Kraftfahrzeugen in Deutschland müssen Verbandkästen mitgeführt werden, sie müssen der DIN 13164 entsprechen. Für Fahrräder gibt es keine entsprechende Pflicht und auch keine Normen. Es ist allen Radfahrenden selbst überlassen, ob und was sie an Erste-Hilfe-Mitteln mit dabeihaben.
Verbandzeug ist nicht nur im Auto und in der eigenen Wohnung sinnvoll - bei Radtouren sollte es auch dabei sein.
Wie viele Fahrradunfälle gibt es in Deutschland?
Rund 85.000 Fahrradunfälle im Jahr werden in Deutschland gemeldet. 68.000 mit herkömmlichen Rädern, 17.000 auf E-Bikes oder Pedelecs („Pedal Electric Cycle“ - Fahrrad mit elektrischer Unterstützung).
Die meisten Unfälle werden durch Kollisionen mit Autos verursacht, wobei oft Vorfahrtsfehler und zu dichtes Überholen eine Rolle spielen. Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Positiv ist aber: Die Zahl der tödlichen Unfälle mit Fahrrädern ist laut Statista tendenziell rückläufig.
Was sind typische Verletzungen bei Fahrradunfällen?
Bei Fahrradunfällen entstehen die häufigsten Verletzungen am Oberkörper, also Schultern und Armen. Denn Radfahrerinnen und Radfahrer versuchen oft, Stürze mit den Händen abzufangen. Prellungen, Verstauchungen und Schürfwunden gehören zu den am meisten auftretenden Verletzungen beim Radfahren. Diese sogenannten Bagatellverletzungen sind meist weniger schwer und heilen vergleichsweise schnell auch ohne ärztliches Zutun innerhalb von wenigen Tagen.
Gefährlich können solche Verletzungen werden, wenn sie bis in tiefere Hautschichten vordringen und Infektionen hervorrufen. Typische Folgen von Stürzen können auch Schlüsselbeinbrüche oder Frakturen in der Nähe des Handgelenks sein. Kopfverletzungen sind ebenfalls häufig, und insbesondere dann schwerwiegend, wenn kein Helm getragen wird.
Ein einfaches Notfallset sollte bei jeder Tour mit im Gepäck sein.
Was ist beim Erste-Hilfe-Set auf dem Fahrrad zu beachten?
Vor allem auf längeren Radtouren sollte ein Erste-Hilfe-Set mit an Bord sein, um im Notfall bei kleineren Verletzungen schnell helfen zu können. Ein solches Set kann fertig gekauft oder selbst zusammengestellt werden. Es sollte staubsicher und wasserdicht verpackt sein und regelmäßig dahingehend überprüft werden, ob alle Materialien noch in gutem Zustand sind.
Vielen Verletzungen kannst du auch vorbeugen: durch Umsicht im Straßenverkehr, aber auch durch die richtige Kleidung und vor allem einen Helm als Kopfschutz.
Notfallset Fahrrad: Was sollte es enthalten?
Hier ist eine Liste mit empfehlenswerten Inhalten, du solltest sie je nach Bedarf (Dauer und Art der Radtour) anpassen:
- Das Verbandsmaterial
- Verschiedene Größen von Pflastern zum selbst Schneiden oder als fertiges Sortiment
- Sterile Kompressen
- Verbandpäckchen (abhängig vom Platz, 1 x mittel und 1 x groß, sonst nur eine Version)
- Elastische Binden
- Eine Fixierbinde
- Ein Dreiecktuch
- Gegebenenfalls Verbandschere
- Desinfektionsmittel
- Tücher oder Spray zur Reinigung von Wunden
- Schmerzmittel und Medikamente
- Schmerztabletten, zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen
- Antihistaminika gegen allergische Reaktionen
- Elektrolyttabletten gegen Dehydrierung
- Hilfsmittel
- Einmalhandschuhe zur Vermeidung von Infektionen
- Eine Pinzette zum Entfernen von Splittern
- Warnweste, um im Verkehr besser sichtbar zu sein
- Rettungsdecke gegen Unterkühlung
So leistest du bei Fahrradunfällen Erste Hilfe
Einige Verletzungen, die bei Fahrradunfällen entstehen, sind schnell selbst zu versorgen. Deshalb ist es gerade auch bei längeren Radtouren wichtig, ein Erste-Hilfe-Set fürs Fahrrad dabei zu haben.
Erste Hilfe bei Schürfwunden auf der Radtour
Bei Schürfwunden handelt es sich um Verletzungen der oberen Hautschicht, die typischerweise entstehen, wenn man mit den Armen oder Beinen auf den Boden aufprallt. In der Regel sind diese Verletzungen nicht gefährlich, können aber sehr schmerzhaft sein. Ob die Wunde blutet, hängt von der Tiefe der Verletzung ab - Blutungen sollten mit einem Verband gestillt werden.
Werden auch tiefere Hautschichten verletzt, kann es zu Infektionen kommen. Deshalb ist es wichtig, Schürfwunden sorgfältig zu prüfen und gegebenenfalls zu reinigen und zu desinfizieren. Heilen solche Wunden nicht richtig, ist es sinnvoll, ärztliche Beratung zu suchen.
Wichtig: Achte auf das Verfallsdatum der Tetanusimpfung und frische sie rechtzeitig vor einer längeren Radtour auf, sonst können bei bakteriellen Infektionen Wundstarrkrämpfe drohen.
Prellungen auf der Radtour behandeln
Diese Art von Verletzung tritt auch bei leichten Unfällen oft auf. Sie entsteht, wenn Gewebe durch einen Aufprall gedrückt oder gequetscht wird. Dabei platzen kleinere Blutgefäße und Blut fließt in das umliegende Gewebe. Dieser Bluterguss, auch Hämatom genannt, schwillt an und verursacht Schmerzen. In leichten Fällen hilft Schonung und Kühlung der betroffenen Stellen, bei schwereren Fällen muss zeitnah eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen werden, um sicherzustellen, dass keine gravierenden Verletzungen wie Brüche vorliegen.
Erste Hilfe bei Verstauchungen auf Radtouren
Wenn Radfahrerinnen oder Radfahrer versuchen, einen Sturz mit der Hand abzufangen, kommt es oft zu einer Verstauchung. Dieses Überstrecken oder Überbeugen kann sehr schmerzhaft sein. Werden Gefäße im Gelenk bei dem Unfall mit verletzt, kommt es zu einem Bluterguss. Das heißt, die sich ansammelnde Flüssigkeit dehnt die Gelenkkapsel von innen heraus und schränkt das Gelenk in seiner Beweglichkeit erheblich ein.
In einem solchen Fall sollte das Radfahren sofort unterbrochen und die betroffene Körperstelle ruhiggestellt werden. Eis hilft sowohl gegen die Schmerzen als auch gegen die Schwellung, da die Kälte die Blutgefäße verengt. Auch durch die Hochlagerung von Armen oder Beinen wird die Blutzufuhr verringert und damit die Schwellung vermindert. Hilfreich ist in solchen Fällen ein Druckverband, der die gestauchte Stelle stützt. Wichtig ist: Er sollte dabei nicht zu eng angebracht zu werden.
Häufige Verletzungen und Maßnahmen
„Die häufigsten Verletzungen bei Fahrradfahrern sind Knochenbrüche, Gelenkverletzungen, Platz- und Schürfwunden sowie Schädelverletzungen bis hin zu schweren Schädel-Hirn-Traumata“, sagt Frank Schönmetzler.
Er appelliert: „Sinnvoll ist es, bei jeder Fahrradtour ein Erste-Hilfe-Set dabei zu haben. Im Gegensatz zu offenen Wunden sind innere Verletzungen, Knochenbrüche und Gelenkverletzungen für den Laien oft nicht eindeutig zu erkennen.
„Hinweise auf Knochenbrüche und Gelenkverletzungen sind beispielsweise unnatürlich verdrehte Gliedmaßen, gefolgt von starken Schmerzen und Bewegungseinschränkung oder Bewegungsunfähigkeit. Der Betroffene nimmt meist automatisch eine Schonhaltung ein.
Maßnahmen bei Knochenbrüchen und blutenden Wunden
In Corona-Zeiten gelten besondere Maßnahmen zum Eigenschutz. Sofern dies möglich ist, halten sie einen Mindestabstand von 1,50 Meter ein, tragen Sie Mund-Nasen-Schutz und decken Sie bei direktem Kontakt mit dem Verunfallten auch dessen Nase und Mund mit einem Tuch ab.
- Unfallstelle sichern Bei schwererem Unfallgeschehen, starken Blutungen und (Kopf-) Verletzungen => Notruf 112 verständigen
- Bruchstelle bzw. Gelenk nicht bewegen. Keine Einrenkungs- oder Bewegungsversuche unternehmen!
- Verletzten Körperbereich ruhigstellen (evtl. mit Schiene, Armschlinge)
- Geschlossenen Bruch, wenn möglich, vorsichtig mit nassen Tüchern kühlen
- Offenen Bruch mit sauberer (wenn möglich: steriler) Wundauflage bedecken
- verletzt Gliedmaßen vorsichtig umpolstern (z.B. mit fest gerollten Kleidungsstücken o.Ä.)
- bei stark blutender Wunde => Druckverband anlegen, Notruf 112 verständigen
„Innere Verletzungen, zum Beispiel durch den Fahrradlenker, können sich durch Blutergüsse und blaue Flecken am Rumpf, gekoppelt mit häufig erst später einsetzenden Schmerzen im Bauch, eine harte Bauchdecke und Schocksymptome wie kaltem Schweiß, Blässe und Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit bemerkbar machen. Schädel-Hirn-Traumata, zu denen auch Gehirnerschütterungen zählen, erkennt man an Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Desorientiertheit, Verwirrtheit, Erbrechen, Seh-, Bewegungsstörungen oder Sprachstörungen“, so der Experte.
Maßnahmen bei Inneren und Kopfverletzungen
- Bei Hinweise auf Schädel-Hirn-Trauma => Notruf 112 verständigen
- Betroffener ist bei Bewusstsein => mit dem Verletzten sprechen, beruhigen, Oberkörperhoch lagern
- bei Schocksymptomen => auf den Rücken legen, Beine hochlagern
- Bei Bewusstlosigkeit
- Helm des Betroffenen vorsichtig abnehmen
- stabile Seitenlage
- eventuelle Fremdkörper aus dem Mund entfernen
- ständig Atmung und Herzschlag kontrollieren. Während Corona gilt: Atmung am besten mit Abstand, anhand des Hebens und Senkens des Brustkorbs prüfen
- bei fehlender Atmung und Herzschlag: Herzdruckmassage durchführen. Während Corona gilt: bei haushaltsfremden Personen derzeit auf Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten. Ausnahme: Familienmitglieder und Kleinkinder
Wichtige Hinweise für Mountainbiker
Bei einem Fahrradunfall in unwegsamem Gelände herrscht womöglich kein Handyempfang. Frank Schönmetzler weiß Rat: Schalten Sie Ihr Handy aus und dann wieder ein, OHNE den PIN einzugeben. Wählen Sie dann den Euro-Notruf 112. Das Gerät sucht nun ausreichende Signale anderer Netzanbieter.
Erste Hilfe Kurse
Der Experte rät allen Verkehrsteilnehmern, regelmäßig ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. Das BRK bietet in Kempten und dem Allgäu regelmäßig entsprechende Kurse an.
Ob Motorradausfahrt, Downhilltour oder Rennradfahrt, der DRK-Kreisverband bietet Ihnen die Möglichkeit, mit geschulten Lehrkräften, die selbst Zweirad fahren, Erste Hilfe-Maßnahmen aufzufrischen. An einem Abend werden die häufigsten Unfälle beim Zweiradfahren besprochen und trainiert, damit Sie für einen Notfall gut vorbereitet sind, sich und Ihren Fähigkeiten vertrauen und kompetent Erste Hilfe leisten können.
Inhalte sind unter anderem:
- Informationen zur Sicherheit
- Rettungskette / Notruf
- Retten aus dem Gefahrenbereich
- Der bewusstlose Kradfahrer
- Helmabnahme
- Herz-Lungen-Wiederbelebung
- Bedrohliche Blutungen
- Knochenbrüche/ Gelenksverletzungen
- Psychische Situation
Zeit: 4 Unterrichtseinheiten (circa 3 Stunden)
Kosten: für geschlossene Gruppen: auf Nachfrage
Überlegt handeln und Erste Hilfe leisten
Um im Falle eines Radunfalls schnell und richtig handeln zu können, hilft es, eine Art Leitfaden im Kopf zu haben. So lassen sich Chaos und Hektik am Unfallort vermeiden. Und du kannst schnell und vor allem richtig Erste Hilfe leisten.
Helfer organisieren
Selbst wenn man Trubel auf Radwegen eigentlich lieber meidet, im Ernstfall ist man froh, wenn man nicht allein ist. "Holen Sie sich daher jemanden herbei, der mithelfen kann. Und teilen Sie dann die Arbeit auf. Einer der Helfer bleibt beim Verletzten, der zweite kümmert sich um die Absicherung der Unfallstelle", rät Widerin. Dazu genügt es, einfach jemanden weit genug vor den Unfallort zu stellen, um andere früh genug zu warnen. Dieser Helfer weist später auch die eintreffenden Rettungskräfte ein. Verschaffen Sie sich dann einen Überblick über die Unfallsituation. Was ist geschehen? Ist nur ein Radfahrer allein beteiligt oder gibt es mehrere Verletzte? Schauen Sie sich auch genau um, wo sich der Unfallort befindet. Das ist gerade bei Fahrradtouren außerhalb von Ortschaften oder im Gelände besonders wichtig. Erst dann können gegebenenfalls ein exakter Notruf abgesetzt und sinnvolle Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.
Verletzungen abschätzen
Auch ungeschulten Ersthelfern ist es möglich, festzustellen, um welche Art der Verletzung es sich in etwa handelt. Dies ist einerseits für die Wahl der weiteren Erste-Hilfe-Maßnahmen notwendig, andererseits benötigt solche Angaben auch die Rettungsleitstelle. "Als Laie sollten Sie sich auf Folgendes konzentrieren: Welche Verletzung können Sie selbst erkennen, und über welche Schmerzen klagt der Verletzte? Ansprechen - anschauen - anfassen! Sprechen Sie mit dem verletzten Radfahrer und fragen Sie ihn, wo es wehtut. Er darf auch vorsichtig berührt werden. Dadurch können Sie leichter feststellen, wo der Verletzte Schmerzen hat", erklärt Widerin.
Notruf - aber richtig!
Es gilt: Erst die Situation am Unfallort und die Art der Verletzung klären, dann den Notruf absetzen! Innerhalb der EU erreicht man über den europäischen Notruf "112" die örtlich zuständige Rettungsleitstelle. Jedes Land hat zudem eine eigene Landesnotrufnummer, nach der man sich vor Auslandsreisen erkundigen sollte. Den Disponenten der Rettungsleitstelle über den Notfallort, die Verletzten und die Situation vor Ort informieren. Nach dem Absetzen des Notrufs Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten. Wenn notwendig, unterstützt die Leitstelle per Telefon bei den entsprechenden Schritten. Wenn kein oder nur schlechtes Mobilfunknetz vorhanden ist, das Handy ausschalten, wieder einschalten und ohne PIN-Eingabe den Notruf 112 wählen. Es meldet sich dann die nächste Leitstelle.
Stürze auf den Kopf können auch trotz Helm ernste Verletzungen wie Gehirnerschütterungen nach sich ziehen. Hier ist zusätzlich zur Erstversorgung immer ein Rettungsdienst zu rufen.
Mittelschwere Verletzungen: Auch der Laie kann etwas tun!
Schwere oder lebensgefährliche Verletzungen, bei denen der Verunfallte nicht mehr auf Ansprechen reagiert oder sogar keine normale Atmung mehr hat, müssen von professionellen Rettern behandelt werden, oft sogar von einem Notarzt. Hier sind neben dem Fachwissen auch spezielle Ausrüstung und Medikamente notwendig. Leichte bis mittelschwere Verletzungen können jedoch auch von einem Laien an der Unfallstelle recht gut versorgt werden. Auch diese Verletzungen bedürfen zumindest einer minimalen Erstversorgung. Ansonsten besteht die Gefahr, dass leichtere Verletzungen schwere Schäden zur Folge haben oder die Genesungszeit deutlich verlängert wird. "Der Begriff Erstversorgung ist wörtlich gemeint: Der Laie hat am Unfallort nur die Aufgabe, erste unbedingt notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Diese dienen dazu, dem Verletzten so gut wie möglich mit dem vorhandenen Wissen und der zur Verfügung stehenden Ausrüstung zu helfen. Die weiteren Versorgungen übernehmen dann professionelle Teams", bekräftigt Thomas Widerin.
Ein Fall für den Rettungsdienst: Ist ein Radfahrer nach einem Sturz zunächst nicht ansprechbar und bewusstlos, muss auf jeden Fall professionelle Hilfe geholt werden. Nach dem Absetzen des Notrufs und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beim Verunfallten die Atmung kontrollieren und ihn in die stabile Seitenlage bringen.
Erste Hilfe so einfach wie möglich
Bei einem Sturz mit dem Fahrrad kommt es meist zu Abschürfungen, leichten oder starken Blutungen, Knochenbrüchen und Kopfverletzungen. Hier können Sie als Ersthelfer mit wenigen Handgriffen dem Verletzten sinnvoll helfen. Tipp vom Profi Widerin: "Denken Sie nicht zu kompliziert, sondern handeln Sie einfach. Es ist nicht wichtig, alles besonders perfekt zu machen. Draußen an der Unfallstelle zählen nur die am dringend notwendigsten Handgriffe."
Schürfwunden sind die häufigste Verletzung bei Fahrradunfällen. Erste-Hilfe-Maßnahme: Die Wunde mit Wasser oder Desinfektionsspray säubern und groben Schmutz entfernen. Anschließend mit einer sterilen Wundauflage abdecken und mit einer Mullbinde fixieren. Bei starker Blutung mit einer weiteren Mullbinde als Druckkörper einen Druckverband anlegen.
Fahrradtouren: Nicht ohne Erste-Hilfe-Ausrüstung und Checkliste
Der verantwortungsbewusste Radbegeisterte führt zumindest eine minimale Notfallausrüstung mit. Ein Basispaket gehört in die Sattel- oder Lenkertasche. Je nach Länge und Ziel der Reise kann beim Inhalt variiert werden. Auch Notfall Checklisten sind sehr hilfreich. Aus diesen können bei Bedarf Notrufnummer, die Angaben beim Absetzen eines Notrufes oder auch die wichtigsten Erste-Hilfe-Schritte entnommen werden. Diese „kleinen Helfer“ nehmen nur wenig Platz in Anspruch, können aber an der Unfallstelle gut eingesetzt werden.
Praktisch: Bei einem Notruf über eine Notfall-App, wie z. B.
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