Motorradfahren bedeutet Freiheit und Abenteuer, aber auch ein erhöhtes Risiko. Die richtige Schutzkleidung ist daher unerlässlich, um im Falle eines Unfalls Verletzungen zu vermeiden oder zu minimieren. Dieser Artikel gibt Ihnen wichtige Tipps zur Auswahl der passenden Ausrüstung für Ihre erste Motorradfahrstunde.
Warum Motorradschutzkleidung lebenswichtig ist
Motorradfahren bedeutet Freiheit, Dynamik und Adrenalin - aber auch ein höheres Risiko bei Unfällen. Umso wichtiger ist die richtige Schutzkleidung, die nicht nur vor Verletzungen schützt, sondern auch Komfort und Sichtbarkeit bietet.
Der Helm: Ohne geht’s nicht
Der Helm ist Ihr wichtigstes Schutzschild. Achten Sie darauf, dass er der aktuellen ECE-Norm R 22-06 entspricht. Sie garantiert höchste Sicherheit nach neuesten Teststandards, perfekte Passform und optimalen Schutz vor Aufprall und Durchdringung. Ein Helm sollte spätestens nach fünf Jahren ausgetauscht werden - oder sofort nach einem Sturz!
Motorradjacke & -hose: Schutz mit Stil
Kleidung nach EN 17092 ist Pflicht für eine sichere Fahrt. Die Schutzstufen reichen von AAA (maximale Abrieb- und Reißfestigkeit) über AA/A (ideal für den Alltag) bis B/C (eingeschränkter Schutz, z. B. für kurze Stadtfahrten). Jacken und Hosen sind in vielen Varianten erhältlich - von sportlich bis tourentauglich.
Protektoren retten Leben
Ohne Protektoren fehlt Ihnen der Aufprallschutz bei einem Unfall. Diese sind nach EN 1621 genormt und sollten unbedingt an folgenden Stellen sitzen:
- Ellbogen, Schultern, Hüfte & Knie → EN 1621-1
- Rückenprotektor → EN 1621-2
- Brustschutz → EN 1621-3
- Airbag-Weste → EN 1621-4 (optional, aber extrem wirksam)
Handschuhe: Mehr als nur Komfort
Motorradhandschuhe nach EN 13594 bieten Schutz vor Abschürfungen und Knochenbrüchen, Polsterungen an den Fingern und Knöcheln sowie verbesserten Grip auch bei Regen.
Motorradstiefel: Sicherheit für Ihre Füße
Stiefel mit EN 13634-Zertifizierung schützen Sie vor Knöchel- und Schienbeinverletzungen, Verdrehungen und Stauchungen sowie Hitzeeinwirkung vom Motor. Wählen Sie Modelle mit rutschfester Sohle und hohem Schaft für maximalen Halt.
Nierengurt: Klein, aber wirkungsvoll
Er ist kein Muss - aber ein echtes Plus: Er wärmt die Körpermitte, entlastet die Lendenwirbelsäule und reduziert Erschütterungen auf langen Strecken. Gerade bei Tourenfahrern beliebt und empfehlenswert!
Textil oder Leder?
Der Siegeszug der Textilkombis scheint unaufhaltsam: Sie sind leicht, bequem, relativ wetterfest und haben ein hohes Sicherheitsniveau erreicht. Doch selbst hochwertigstes Kunstfaser-Gewebe erreichte bei ADAC Prüfungen nicht die Abriebfestigkeit eines guten Leders.
Ein weiteres Argument spricht für Leder: Bei gut anliegenden Lederkombis sitzen die eingearbeiteten Protektoren zuverlässiger an ihrem Einsatzort als in den meist weiter geschnittenen Textilanzügen.
Perforierungen und "Cool Leather", das dank Spezialbehandlung die Sonnenstrahlung abweist, sollen helfen, den Hitzestau im Sommer zu vermeiden. Weiterer Trend: Hydrophobiertes (wasserabweisendes) Leder in Verbindung mit innen aufgebrachter Funktionsmembran (z.B. GoreTex). Das hält auch längeren Regengüssen stand. Übrigens: Bei strammem Dauerregen ist eine gute Regen-Überziehkombi immer noch die dichteste aller Lösungen.
Schutzpolster und Protektoren
Den Namen "Protektor" dürfen streng genommen nur Schutzpolster tragen, die nach der europäischen Norm 1621-1, -2 und -3 geprüft sind. Beworben werden diese Protektoren als "CE-geprüfte Protektoren". Ihre Aufgabe: Beim Sturz die Aufprallenergie aufnehmen, auf eine größere Fläche verteilen und das Durchschlagen spitzer Gegenstände vermeiden.
Ganz einfach: Je dicker ein Protektor ist und je größer die Fläche, die er abdeckt, desto höher die Sicherheit bei einem Unfall. Gut ausgerüstete Kombis müssen dabei keineswegs unbequem sein. Immer häufiger kommen Hightech-(PU-)Schaumstoffe zum Einsatz, die beim Tragen flexibel sind und sich erst beim Aufprall verhärten.
Vorsicht vor dünnen Rückenprotektoren in zweiteiligen Low-Cost-Kombis: Sie sind nicht selten aus billigem Schaumstoff gefertigt und decken wichtige Bereiche der unteren Wirbelsäule gar nicht ab. Hier hilft nur eines: Diese Pseudo-Schützer entfernen und einen separaten, hochwertigen Rückenprotektor unter der Kombi-Jacke tragen!
Am besten sollte ein sicherer Motorradanzug Protektoren an Schulter, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Gesäß, Knie, Schienbein und Fußknöchel haben.
Tipps zur Anprobe
Absolutes Muss: kompetente Beratung und kein Zeitdruck! Ein guter Verkäufer muss erkennen, was der Kunde wirklich benötigt, welcher Fahrertyp er ist, welche Schutzkleidung für ihn sinnvoll ist. Unbedingt mehrere Anzüge - und das stets auch auf dem Motorrad - anprobieren.
Dabei kontrollieren: Drücken Falten in den Kniekehlen oder im Beckenbereich? Dann ein prüfender Blick auf Reißverschlüsse und Nähte: Sind sie stabil? Grundsätzlich gilt: Viele Nähte, viele Schwachstellen!
Bei Textilanzügen lohnt ein Blick auf herausnehmbare Protektoren: Tragen sie das CE-Zeichen? Weiter wichtig: Sitzt die Textilkombi noch gut, wenn das Innenfutter entfernt ist? Und passt unter das Leder-Outfit noch wärmende Funktionskleidung?
Bußgeld bei nicht geeignetem Helm
Ein Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro droht, wenn während der Fahrt kein oder kein geeigneter Schutzhelm getragen wird. Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit 2022 geprüft wird. Mittlerweile dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden.
Außerdem ist in vielen europäischen Reiseländern diese Norm ohnehin zwingend und wer ohne einen so gekennzeichneten Helm fährt, dem drohen hohe Bußgelder oder sogar Einziehung seines Motorrades! Man sollte also darauf achten, dass der Helm in jedem Fall einen entsprechenden Aufnäher im Helmfutter oder auf dem Kinnband hat.
Unfall ohne Schutzkleidung
Obwohl gesetzlich - anders als bei der Helmpflicht - das Tragen von Motorradschutzkleidung nicht vorgeschrieben ist, ist in der Rechtsprechung eine Tendenz zu beobachten, schuldlos geschädigten Motorradfahrern wegen des Nichttragens von Schutzkleidung Ansprüche zu kürzen.
Beschädigung von Motorradbekleidung
Nach einem Motorradunfall ergeben sich für den Geschädigten immer wieder Probleme bei der Frage, in welchem Umfang ein beschädigter Sturzhelm oder beschädigte Kleidung zu ersetzen ist.
Fest steht, dass der Motorradfahrer nach einem unverschuldeten Unfall Anspruch auf Schadensersatz hat. Dabei gilt der Grundsatz, dass der Zustand hergestellt werden muss, der vor dem Unfall bestand. Da eine Reparatur des Helmes oder der Kleidung praktisch nicht möglich ist, ist der Motorradfahrer darauf beschränkt, einen Ersatz zu beschaffen.
Aus diesem Grund geht es sehr oft um die Frage, ob der Motorradfahrer sich bei der Berechnung des Schadensersatzanspruchs einen so genannten Abzug "neu für alt" entgegenhalten lassen muss. Das Oberlandesgericht Celle (Az.: 14 U 293/01) entschied, dass ein Abzug vorzunehmen ist. Dabei ging das Gericht davon aus, dass die übliche Nutzungsdauer der Schutzbekleidung und des Helmes 8 Jahre betrage und je nach Alter ein prozentualer Abschlag vorzunehmen sei.
Mit einem Urteil entschied das Oberlandesgericht München (Az.: 10 U 2581/13), dass ein solcher Abzug nicht zulässig ist, "da ein kontinuierlicher Wertverlust durch Altern einerseits und eine Vermögensmehrung des Geschädigten bei Neuanschaffung andererseits nicht eintritt, da die Schutzkleidung eines Motorradfahrers (einschließlich des Kradhelms) ausschließlich der Sicherheit dient".
Motorradkleidung in der Fahrschule
Früher musste der Bewerber bei Prüfungen der Klassen A, A1, A2 und AM geeignete Motorradschutzkleidung, bestehend aus einem passenden Motorradhelm, Motorradhandschuhen, einer eng anliegenden Motorradjacke, einem Rückenprotektor (falls nicht in Motorradjacke integriert), einer Motorradhose und Motorradstiefeln mit ausreichendem Knöchelschutz tragen. Diese Pflicht gibt es nicht mehr.
Motorrad Winterbekleidung
Nutzen Sie Ihr Bike auch bei niedrigen Temperaturen, sollte Ihr Motorradanzug wind- und wasserdicht sein. Ein Thermofutter muss Ihren Körper warm halten.
Motorradschutzkleidung für den Sommer
Sind Sie viel bei hohen Temperaturen in der warmen Jahreszeit unterwegs, erkundigen Sie sich nach speziellen Sommer-Motorradjacken und -hosen.
Schutzkleidung bei Regen
Um bei nassem Wetter gut ausgerüstet zu sein, helfen spezielle Motorrad-Regenjacken. Sie bestehen zum Beispiel aus wasserabweisendem Leder in Verbindung mit einer GoreTex-Membran im Inneren. Für den Fall, dass der Regen länger anhält, besorgen Sie sich eine Regenkombi zum Überziehen.
Generell sollten bei der Motorradschutzkleidung Reißverschlüsse verdeckt sein, damit sie nicht aufreißen. Mit einem Nierengurt schützen Sie zusätzlich gegen den Fahrtwind.
Achten Sie darauf, dass die Sohle stabil und rutschfest ist. Für sportliche Biker gibt es spezielle Racing-Stiefel. Sie haben einen Innenschuh aus einem stabilen Kunststoff-Verbundmaterial. Wenn Sie Ihre Chopper-Motorradstiefel anprobieren, müssen Sie eng anliegen und fest sitzen.
Die richtigen Motorradhandschuhe machen Ihre Motorradschutzkleidung erst komplett. Hier reicht die Bandbreite von Sommer- über Winterhandschuhe bis hin zu Offroad- und Racing-Handschuhen. Motorradhandschuhe aus Leder für den Sommer sind dünn gefüttert und haben keine Klimamembran. Motorrad-Winterhandschuhe schützen mit speziellen Vliesstoffen und anderen Fasern im Inneren besonders gut gegen Kälte.
Fazit: Ihre Sicherheit ist Ihre Verantwortung
Gute Motorradkleidung rettet Leben - das ist kein Spruch, sondern Realität. Investieren Sie in hochwertige, geprüfte Ausrüstung und achten Sie auf die richtigen Normen. Egal, ob Sie Motorrad-Tourenstiefel oder Chopper-Bekleidung suchen: Wenn Sie geeignete Motorradschutzkleidung kaufen möchten, nehmen Sie sich Zeit für die Anprobe und lassen Sie sich von einer Fachkraft beraten.
Übrigens: Wenn Sie sich für einen Roller- oder Mopedhelm interessieren, muss es kein Integralhelm sein, der Gesicht und Kopf vollständig umschließt. Auf dem Roller oder Moped sind auch Jethelme oder Halbschalenhelme beliebt.
Empfehlungen für verschiedene Jahreszeiten
Frühling/Herbst
- Integrierte Sonnenblende
- Verschließbare Belüftung vorne und hinten am Helm
- Belüftung am Kinnteil
- Doppelscheibenvisier
- Wasser- und winddicht, atmungsaktiv
- Herausnehmbares Innenfutter (Handschuhe und Jacke)
- Lange wasserdichte Belüftungsreißverschlüsse im Oberkörperbereich
Sommer
- Integrierte Sonnenblende
- Verschließbare Belüftung vorne und hinten am Helm
- Belüftung am Kinnteil
- Doppelscheibenvisier
- Reines Leder ohne textiles Innenfutter (Handschuhe)
- Großflächige Netzeinsätze (Mesh) oder lange Belüftungsreißverschlüsse an Armen und Oberkörper (Jacke)
- Luftdurchlässige Motorradjeans oder Hose mit Netzeinsätzen
Hinweis: Wählen Sie möglichst keine schwarze Farbe für Ihre Sommerausrüstung, da diese sich in der Sonne stark aufheizt. Falls Sie dennoch Schwarz bevorzugen, achten Sie auf eine spezielle Beschichtung des Materials.
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