Die Geschichte des ersten Airbag-Fahrradhelms ist eine von Innovation, hohen Erwartungen und schließlich von wirtschaftlichem Scheitern. Der schwedische Hersteller von Fahrrad-Airbags, Hövding, hat Insolvenz angemeldet und mitgeteilt, den Geschäftsbetrieb einzustellen. Der Insolvenzantrag sei beim Bezirksgericht Malmö eingereicht worden, teilt das Unternehmen mit - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die schwedische Verbraucherschutzbehörde.
Die Idee und die Entwicklung
Die Idee zu dem Helm hatte Anna Haupt übrigens schon als Kind. Ihre Eltern zwangen sie, eine Kopfschale aufzusetzen - obwohl sie das Stück hässlich fand. Aus der Abneigung erwuchs die Motivation, eine optisch ansprechende Alternative zu entwickeln. Der Hövding wurde von den Industriedesignerinnen Anna Haupt und Terese Alstin erfunden. Ursprünglich hatten sie sich für ihre Diplomarbeit an der südschwedischen Universität Lund die Aufgabe gestellt, einen unsichtbaren Fahrradhelm zu entwickeln. „Erreichen wollten wir damit all die Radler, die bisher keinen Helm aufsetzen, weil sie sich zu eingeengt fühlen oder Sorge um die Frisur haben“, sagte Haupt kurz vor der Markteinführung des Helms.
Sechs Jahre haben die schwedischen Industriedesignerinnen Anna Haupt und Terese Alstin getüftelt, geforscht und ausprobiert. Seit 2011 ist der Hövding nun auf dem Markt.
Funktionsweise und Sicherheit
Optisch einfach anders, als alles, was Sie bisher in Punkto Kopfschutz gesehen haben. Ein unscheinbarer Kragen, der es in sich hat, im wahrsten Sinne des Wortes. Einen Airbag nämlich, der Ihren Kopf (ausgenommen dem Gesicht) und den Nackenbereich umfassend bei einem Aufprall durch die Luftpolsterung schützt. Aufgrund dessen ist der Hövding 3 der sicherste Kopfschutz, den es bisher gibt! Die Airbag-Technologie des schwedischen Herstellers ist 8x sicherer, als ein klassischer Fahrradhelm. Der Airbag bläst sich innerhalb 0,1 Sekunde auf im Falle eines Unfalls.
Dafür registriere der Hövding 200-mal in der Sekunde die Bewegung des oder der Radfahrenden und löse bei einer Bewegung aus, die einen Unfall beziehungsweise Sturz signalisiere. Der Hersteller gibt an, dass bei einem Fahrradunfall mit 25km/h liegt das Risiko einer Hirnverletzung unter Einsatz eines „normalen“ Helmes bei 90%, beim Tragen des Hövding bei gerade mal 2%.
Öffnen Sie den quer verlaufenden Reißverschluss des schwarzen Bezuges, finden Sie dort ein Verstellsystem. Das praktische BOA-System kennen Sie gegebenenfalls bereits von Fahrradhelmen oder -Schuhen. Durch einfaches Drehen passt sich so die Halskrause an den Halsumfang an. Mit BOA-System, sodass sich die Halskrause optimal anpassen lässt an den Träger. Der Halsumfang sollte jedoch mindestens 32cm bis maximal 45cm betragen. Wobei die Mindestangabe von 32cm schon grenzwertig ist, besser sollten es laut Empfehlung mindestens 34cm sein. Auch der Kopfumfang sollte sich im Maß von 52cm - 59cm bewegen für den Hövding 3.
Das Anlegen ist einfach. Der geöffnete Kragen wird um die Schulter gelegt und anhand eines Reißverschlusses vorn geschlossen. Der Kragen um den Hals ist unauffällig und keineswegs unangenehm. Die Halskrause hat einen Ein-/Aus-Druckknopf und zusätzlich eine Aktivierungsschnalle vorn. Dieser Verschlussmechanismus aktiviert die Airbag-Funktion erst. Heißt, sobald Sie AUF dem Rad sitzen, schließen Sie einen einfachen Druckknopf und bringen die Halskrause somit in Lauerposition. Ein akustisches Signal sowie eine grüne LED-Leuchte bestätigen, ob der Hövding betriebsbereit ist. Ab diesem Moment wertet der Sensor 200-mal je Sekunde (!) die Bewegung des Radfahrers!
Sobald der Hövding ausgelöst wird, sendet Ihr Smartphone eine Nachricht an den in der Hövding-App hinterlegten Notfallkontakt! Auch erinnert die App an den Ladevorgang der Halskrause. Schließlich muss eine so intelligent arbeitende Halskrause irgendwoher ihre Lebenskraft bekommen. Das dafür notwendige USB-C Ladekabel ist im Lieferumfang natürlich enthalten. Wer sich jetzt direkt fragt, wie lange die Batterielaufzeit ist, diese ist mit 15 Stunden aktivem Radfahren angegeben.
Kritik und Einschränkungen
Allerdings gab es beim aktuellen Modell 3.0 offenbar Softwareprobleme. Im Jahr 2022 gab es Berichte, wonach sich der Akku des Hövding bei einigen Kunden schnell entlud und abschaltete. Im Herbst des vorherigen Jahres gab das Unternehmen aber bekannt, durch ein Softwareupdate sei dieses Problem gelöst.
Grundlage dieser Einschätzung war laut »Welt« eine Untersuchung der deutschen Bundesanstalt für Straßenwesen , die - bereits 2016 - darüber berichtete, dass der Airbag bei einem Aufprall auf die Frontscheibe eines Autos je nach den Umständen nicht wesentlich besser und teils sogar weniger schütze als ein gewöhnlicher Fahrradhelm. Der damalige Test war noch mit dem Vorgängermodell 2.0 durchgeführt worden. Eine schwedische Versicherung warnte vor kurzem daher vor der Verwendung, nachdem sie den Airbag in den Jahren zuvor empfohlen hatte.
Dass ein Hövding bei bestimmten Kollisionen nicht schützt, kann nicht verwundern, da der Airbag lediglich die Bewegung der Fahrenden selbst überwachen kann. Daher macht der Hersteller auch seit jeher ausdrücklich darauf aufmerksam, dass der Hövding etwa keinen Schutz gegen die Kollision des Kopfes mit tief hängenden Ästen oder mit Straßenschildern bieten könne. Zudem monierte die Behörde, dass der Airbag bei einem sehr langsamen Unfallverlauf ebenfalls nicht auslöse - was in vielen Fällen ebenfalls nachvollziehbar ist, da die Software auf normale Bewegungen nicht reagieren soll.
Somit ist auch klar, dass der Hövding3 derzeit lediglich zur Nutzung bei "urbanen Fahrten" erlaubt ist (so die Formulierung des Herstellers). Heißt, er ist nicht geeignet für den ruppigen MTB-Einsatz, BMX oder sportive Rennradausfahrten!
Der Preis und die Akzeptanz
Ganz günstig ist das allerdings nicht. Ein Hövding kostet rund 300 Euro. Das relativiert sich laut Rademacher, denn einen herkömmlichen Helm sollte man nach sechs Jahren austauschen, weil er dann porös wird. Den Hövding kann man zehn Jahre um den Hals tragen - wenn der Airbag nicht ausgelöst wird. Dann braucht man einen neuen.
Noch immer gibt es zahlreiche Radfahrer, die die Meinung vertreten, es ginge auch ohne einen Helm - Er sei eher unpraktisch, zerstöre die Frisur auf dem Weg zur Arbeit oder oder oder… Von „ich will nur eben kurz zum Bäcker um die Ecke“ bis hin zu „bei der Hitze habe ich heute darauf verzichtet“ gibt es sicherlich unzählige Ausreden, warum es heute mal nicht nötig war, zum Helm zu greifen.
Das Ende einer Innovation
Insbesondere in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München sind die Airbag-Helme von Hövding inzwischen auch in Deutschland sehr häufig zu sehen: Statt einer Kunststoffschale auf dem Kopf trägt man sie wie einen Schal um den Hals. Bei einem Unfall oder Sturz löst der Airbag blitzschnell aus und legt sich wie ein Helm um Kopf und Nacken.
Diese hatte Anfang November ein vorläufiges Verkaufsverbot für den Hövding-Helm angeordnet, Mitte Dezember folgte die Verpflichtung zu einem Rückruf. Das Unternehmen hatte die Entscheidungen der Behörde stets vehement kritisiert und war dagegen rechtlich vorgegangen - mit Erfolg. Das schwedische Verwaltungsgericht konnte die Begründung der Behörde zum aktuellen Zeitpunkt offenbar nicht ohne Zweifel nachvollziehen und setzte laut Hövding in einer einstweiligen Verfügung am Donnerstag sowohl den Verkaufsstopp als auch die Rückrufanordnung außer Kraft . Zu spät: Am selben Tag meldete das Unternehmen Insolvenz an.
»Der Schaden, der durch das Verhalten der schwedischen Verbraucherschutzbehörde entstanden ist, ist jedoch so groß, dass der Vorstand keine Grundlage für die Weiterführung des Unternehmens sieht«, heißt es in einer Mitteilung.
Sicherheitsvergleich: Hövding vs. traditioneller Fahrradhelm
Die folgende Tabelle vergleicht die Schutzwirkung des Hövding Airbag-Fahrradhelms mit der eines traditionellen Fahrradhelms basierend auf Daten des schwedischen Versicherungsunternehmens Folksam:
| Schutzwirkung | Traditioneller Fahrradhelm | Hövding Airbag-Fahrradhelm |
|---|---|---|
| Schwere Verletzungen | 90% | 2% |
| Tödliche Verletzungen | 30% | Nicht angegeben (deutlich geringer) |
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