Für Fahranfänger, die vom Roller auf ein Motorrad mit Schaltung umsteigen, kann das Schalten zunächst eine Herausforderung darstellen. Dieser Artikel soll eine detaillierte Erklärung bieten, wie man die Gänge bei einem Motorrad wechselt, einschließlich der notwendigen Techniken und möglicher Probleme.
Die Grundlagen der Motorradschaltung
Beim üblichen Schaltungsmuster eines Motorrades mit manueller Schaltung liegt der erste Gang immer unter dem Leerlauf und alle anderen Gänge über dem Leerlauf. Die Gänge (Reihenfolge) der manuellen Schaltung und der Halbautomatik sind identisch. Lediglich die Kupplung, die Sie bei der manuellen Schaltung betätigen müssen, fehlt bei der Halbautomatik. Das ist vergleichbar zum Auto mit Tiptronic.
Die Bedienelemente:
- Kupplung: Vor dem linken Handgriff am Lenker befindet sich die Kupplung.
- Vorderbremse: Rechte Seite.
- Schaltung: Linke Seite.
- Hinterradbremse: Rechte Seite.
- Gashebel: Der rechte Handgriff ist der Gashebel.
Der Schaltvorgang im Detail
Hier ist die simple Reihenfolge des Ablaufes:
- Anfahren: Ziehen Sie die Kupplung zum Handgriff und schalten Sie mit dem linken Fuß einmal nach unten. Sofern Sie vorher im Leerlauf waren, ist nun der erste Gang eingelegt. Drehen Sie den Gasgriff langsam auf und lassen Sie dabei die Kupplung ebenso langsam los. Das Motorrad beginnt zu rollen. Das funktioniert analog dem Auto mit manueller Schaltung.
- Hochschalten: Möchten Sie in den nächsten Gang schalten, lassen Sie das Gas langsam los bzw. drehen es "zu", ziehen die Kupplung und bewegen/schieben den Ganghebel mit dem Fuß einmal nach oben. Geben Sie wieder Gas und lassen die Kupplung (langsam) los.
- Herunterschalten: Möchten Sie nun wieder in einen niederen Gang schalten, drosseln Sie das Gas, ziehen die Kupplung ganz zum Griff, bewegen den Schalthebel mit dem Fuß einen oder mehrere Male (Gänge) nach unten, bis Sie den gewünschten Gang erreicht haben.
- Halbautomatik: Möchten Sie ein Motorrad mit Halbautomatik schalten, gehen Sie ebenso wie beim manuellen Schalten vor. Das einzige, was Sie weglassen, ist das Betätigen der Kupplung.
Motorradgetriebe sind sequentiell geschaltet. Sprich: Man schaltet immer der Reihe nach alle Gänge durch. Davon abhängig in welcher Position sich der erste Gang befindet wird klar, in welche Richtung man den Gang hoch bzw. runterschaltet.
Technische Aspekte der Schaltung
Nachdem nun ja ausgiebig diskutiert worden ist, wie die Schaltung zu betätigen ist, noch ein kleiner Ausflug in die Technik:
- Der Schalthebel wirkt auf den Schaltautomaten, der erlaubt nur das hoch- und runterschalten um einen Gang, danach hält er die Welle vom Schalthebel fest. Läßt man den Schalthebel los, wird er wieder in die Ausgangslage gedrückt.
- Der Schaltautomat wirkt auf eine Walze, auf der Führungsrillen für die Schaltgabeln sind. Wird die Walze nun um einen "Gang" vorwärts oder rückwärts gedreht, rutscht jedes mal eine andere Schaltgabel ein Stück vor und alle anderen zurück. Im Leerlauf sind alle zurückgezogen.
- Diese Schaltgabel drückt nun ein Schiebestück zwischen die Getriebewelle und das frei laufende Zahnrad und stellt jedes mal einen Kraftschluß her, es werden also keine Zahnräder verschoben, die laufen immer mit sondern kleine Blockierungskränze (oder Keile im Ziehkeilgetriebe) die die Zahnradkombinationen frei geben oder schliessen.
- Die Ausgangswelle geht dann auf den Kardan oder das Kettenritzel.
- Kaputt gehen meistens der Schaltautomat (das Getriebe läßt sich nicht mehr schalten) oder die Schaltgabeln (keiner oder mehrere Gänge gleichzeitig drinne, blockiert dann). Verschleißen können die Lager und die Laufflächen der Zahnräder.
Tipps und Tricks für das Schalten
- Fahrgefühl entwickeln: Vergiss allen theoretischen Kram! Fahr einfach so, dass Du das Gefühl hast, Dein Bike fühlt sich wohl. Du musst spüren und hören wie sich deine Maschine verhält, da gibts kein Patentrezept.
- Auf die Straße konzentrieren: Konzentrier dich lieber auf die Straße statt auf die Gänge. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du im richtigen Gang bist, dann lass die Kupplung bis zum Schleifpunkt kommen, verzögert sie zu stark biste zu niedrig, ruckelt sie biste zu hoch.
- Erster Gang: Benutze den ersten Gang in der Regel nur zum Anfahren.
- Schalten während der Fahrt: Nö, ich kann auch während der Fahrt in den ersten Gang schalten und tue das manchmal auch. Warum auch nicht?
Umgang mit Problemen beim Schalten
Es kann vorkommen, dass der erste Gang nach einem Stillstand schwer einzulegen ist:
- Mögliche Ursachen: Wennn deine Kupplung gut trennt ist das normal. Auch Abrieb von der Reibscheibe der Kupplung kann eine Fehlerquelle sein.
- Lösungsvorschläge: Möppi im sitzen einige cm hin-und herschieben, mit der Kupplung spielen.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob sich ihr Motorrad beim Start im Leerlauf befindet (sofern keine Anzeige vorhanden ist), schalten Sie einfach so oft nach unten, bis es nicht mehr geht.
Manchmal, ich glaube wenn ich irgendwas falsch mache und den Gang nicht richtig reinkommen lasse, dann komme ich zwar in den ersten Gang, aber nur seeehr langsam, bis der Motor dann hoffnungslos überdreht und langsam wieder ruhig wird und konstant auf den Anzug kommt um in den 2. Gang zu schalten (ich habe eine 3. Gang Simme). Also nur interessehalber, was passiert da in der Kupplung das sowas zu stande kommt?
Schleifende Kupplung: Die Kraftübertragung der Kupplung funktioniert - wie beim Roller auch - über den Anpressdruck zwischen verschleißbarem Material (Kork, Kunststoff usw.) und Metall. Hier mal das Prinzip von beiden:
Wenn du den Kupplungshebel voll betätigst, wird in der Kupplung der Anpressdruck zwischen Metall- und Korkscheiben so stark verringert, dass von der Kurbelwelle keine Kraft mehr auf das Getriebe übertragen werden kann. Das heißt du kannst jetzt Gas geben, der Motor dreht hoch, aber selbst bei eingelegtem Gang fährst du nicht los.
Wenn du den Kupplungshebel langsam loslässt, vergrößerst du den Anpressdruck der Scheiben immer mehr und es werden immer mehr Nm auf das Getriebe übertragen. Dieses Verhalten nennt man schleifende Kupplung und ist nur zum anfahren notwendig und sollte auch nicht übermäßig stark genutzt werden, da dieser Zustand den Verschleiß der Kupplungsbeläge enorm erhöht.
Wann den ersten Gang bis 7000 U/min ziehen?
Man sagt ja, dass der erste Gang nur zum Anfahren dient (mindestens kenne ich es so von Autos), und wenn das Auto/Motorrad schon rollt direkt den 2. Gang einlegen. Schadet es dem Getriebe, wenn ich den ersten Gang beim Motorrad bis 7000rpm ziehe?
Ich ziehe, warmen Motor mal vorausgesetzt, den ersten Gang auch mal bis 110km/h kurz vor den Begrenzer... das ist weder technisch erforderlich noch schädlich für Motor oder Getriebe. Klar ist es nicht unbedingt sinnvoll, länger als drehmomenttechnisch erforderlich im ersten Gang (oder überhaupt einem niedrigen Gang) zu fahren, insbesondere wenn Du spritsparend unterwegs sein willst.
Besonderheiten beim Anfahren
Hallo Forumsgemeinde,habe eben bemerkt, wenn ich mein Motorrad mit kaltem Öl im ersten Gang mit gezogener Kupplung starte, es einen kleinen Satz nach vorne macht. (wenige einstellige Zentimeter) Im warmen Zustand kommt das nicht vor.
Antwort: Vollkommen normal. Die Kupplung pappt etwas und das Öl ist zähflüssiger Wenn es im warmen Zustand auch wäre, dann wäre die Kupplung ggf. etwas verstellt.
Zusammenfassung
Das Schalten beim Motorradfahren erfordert Übung und ein gutes Gefühl für die Maschine. Mit der Zeit wird es jedoch zur Gewohnheit und ermöglicht ein flüssiges und sicheres Fahren.
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