Die Münchener Firma „EVOC Sports GmbH“ präsentierte nach drei Jahren Entwicklungszeit durch Ihren Gründer Holger Feist den „EVOC Road Bike Bag Pro“ Fahrradkoffer erstmalig auf der Eurobike 2019.
Der Road Bike Bag Pro ist eine clevere Hybridkonstruktion aus einem Hard- und Softcase, womit es EVOC gelungen ist, die Vorteile beider Varianten gut zu kombinieren und die Nachteile weitgehend zu reduzieren.
Design und Konstruktion
Anders als bei einem klassischen Hardcase-Fahrradkoffer, bei welchem die komplette Außenschale aus hartem Kunststoff besteht, ist hier lediglich der obere Teil aus schlagfestem Polycarbonat gefertigt und der Rest des Koffers wie ein klassischer Softcase-Fahrradkoffer konzipiert.
Zum einen konnte EVOC hierdurch deutlich Gewicht gegenüber einer klassischen Hartschale sparen, was vor allem bei Flugreisen ein wichtiger Faktor ist, zum anderen lässt sich der Koffer dadurch auch platzsparend verstauen.
Der Boden des Koffers besteht ebenfalls aus Kunststoff und wurde durch Aluminiumschienen verstärkt, sodass ein sicherer Stand gewährleistet ist.
Das GFK-Gerüst besteht aus insgesamt zehn Stäben und zwei Röhrchen.
Die beiden Röhrchen werden im Inneren des Koffers in die dafür vorgesehene Tasche eingeführt, welche mittels eines Klettverschluss verschlossen werden können.
Die zehn Stäbe haben insgesamt fünf unterschiedliche Längen, wobei jede Länge je einmal mit einer roten und einer schwarzen Zugschlaufe geliefert wird.
Die Position der unterschiedlichen Längen am Koffer ist sehr intuitiv und selbsterklärend, im Zweifel ist aber auch eine bildhafte Montageanleitung beigelegt.
Alle Stäbe werden an der Außenseite in die dafür vorgesehenen Taschen eingeschoben.
Wichtig dabei ist, dass diese vollständig bis zum Boden eingeschoben und in die dafür vorgesehenen Taschen eingefädelt werden.
Die Erstmontage des Road Bike Bag Pro war etwas mühsam, da die Taschen für der GFK-Stäbe sehr eng dimensioniert sind.
Nach den ersten schweißtreibenden Versuchen haben wir uns dafür entschieden, die Stäbe mit etwas Babypuder zu benetzen, ähnlich dem Beispiel wie es Triathleten in der Wechselzone machen, um schneller in die Schuhe zu schlüpfen und in Folge dessen war die Erstmontage innerhalb von knapp zehn Minuten abgeschlossen.
Beim wiederholten Auf- und Abbau des Koffers ließen sich die Stäbe bereits deutlich leichter einführen.
Zum Abschluss der Erstmontage kann nun der Reisverschluss geschlossen werden.
Dieser wirkt sehr hochwertig und verfügt über ein TSA-Schloss, welches vom Zoll bzw. Vor allem bei Flugreisen in die USA ist dies ein wichtiger Punkt, da unserer Erfahrung nach bei jeder Reise in die Vereinigten Staaten der Inhalt des Fahrradkoffers überprüft wird.
Um den Koffer zu öffnen und den Inhalt zu prüfen bzw. diesen zu beladen, müssen die rot markierten vorderen Stäbe etwa fünf Zentimeter nach oben herausgezogen werden, sodass diese nicht mehr in den Taschen am Kofferboden verankert sind.
Erst dann lässt sich die Vorderseite des Koffers nach unten klappen.
Ein Restzweifel bleibt, ob dieses Vorgehen den Flughafen Sicherheitsmitarbeitern und Grenzbeamten bekannt ist und diese nicht mit Gewalt versuchen, den Koffer zu öffnen, sodass es zu einem Bruch der glasfaserverstärkten Kunststoffstäbe kommen kann.
Vor die Wahl gestellt, ob wir unser Fahrrad vor Beschädigungen während des Flugs schützen oder den Fahrradkoffer vor übermotivierten Sicherheitsbeamten, würden wir uns natürlich immer für das Fahrrad entscheiden.
Der Road-Bike-Stand im Detail
Mittels des im Lieferumfang enthaltenen Road-Bike-Stand kann das Fahrrad bequem außerhalb des Koffers demontiert und anschließend als eine Einheit in den Koffer gepackt werden.
Der Road-Bike-Stand besteht aus zwei sehr leichten Aluminiumschienen und zwei Kunststoffabstandshaltern, welche jeweils über Achsadapter für die Gabel und den Hinterbau verfügen.
Der Gabeladapter ist dabei fest positioniert, der Hinterbauadapter lässt sich in der Länge verschieben und somit an den Radstand des eigenen Bikes anpassen.
Der Gabelhalter wird mit zwei Achsadapter geliefert, einmal für 100 x 12 mm Steckachse und einmal für 100 x 5 mm Schnellspanner.
Der Adapter für den Hinterbau kann für 135 x 10 mm Steckachse, 142 x 12 mm Steckachse und 130 x 5 mm Schnellspanner verwendet werden.
Alle notwendigen Adapter sind im Lieferumfang enthalten.
Zudem lässt sich der Gabeladapter in der Höhe in zwei Positionen montieren, der Hinterbau kann sogar in vier verschiedenen Höhen angepasst werden.
Die richtige Einstellung ist hier individuell vom Fahrrad abhängig.
Ebenfalls im Lieferumfang enthalten sind zwei Laufradtaschen, welche jeweils im Bereich der Achse verstärkt sind, womit Kassette und evtl. Bremsschreiben zusätzlich geschützt werden sollen.
Schließlich verfügt die Tasche über zwei feste Rollerblade-ähnliche Räder am Heck und ein drittes Schwenkrad an der Front, welches abnehmbar ist und einfach aufgesteckt werden kann.
In Summe wiegt der Koffer einschließlich Road-Bike-Stand, 12-mm-Steckachsenadapter vorne und hinten, Laufradtaschen, Lenkerschutz, Hinterbau-Abstandshalter und aufsteckbarem Vorderrad 11kg.
Es ist keineswegs ein super leichter Fahrrad-Transportkoffer, aber angesichts des Schutzes und der Benutzerfreundlichkeit ist dies ein sehr guter Wert.
Inklusive Renn- oder Triathlonfahrrad kommt man somit auf ein Gesamtgewicht von knapp unter 20kg.
Viele Airlines bieten Fahrradtransporte mit einem Maximalgewicht von 30kg an, sodass der Freiraum im Koffer noch mit Klamotten und Zubehör ausgefüllt werden kann.
EVOC gibt für den maximalen Radstand 1060mm, für die maximale Lenkerbreite 500mm und für die Sitzhöhe 860mm (Achtung, gemessen von Unterkante Kettenblatt bis Oberkante Sattel) an.
Verpacken des Fahrrads
Beim Fahrrad auf das große Kettenblatt und das kleinste Ritzel schalten und Laufräder entfernen.
Entfernen der Pedale und ggf.
Zum einen lässt sich das Fahrrad aufgrund des geringen Demontageaufwandes innerhalb weniger Minuten sicher im Koffer verstauen, zum anderen ist keine zusätzlich Polsterung mit Luftpolsterfolie etc. notwendig.
Natürlich steht es jedem frei, sein Fahrrad zusätzlich zu schützen, EVOC hat das Gerüst jedoch so konzipiert, dass dies nicht dringend notwendig ist, um das Fahrrad sicher und geschützt zu transportieren.
Das Rollen des beladenen Koffers ist mit den groß dimensionierten Hinterrädern und den Vordergriffen ziemlich einfach.
Mit dem abnehmbaren Vorderrad kann die Tasche leicht gezogen werden, ohne dass diese angehoben werden muss.
Vorsicht ist jedoch bei Unebenheiten geboten, da sie hier merklich an Stabilität verliert.
Das Tragen bzw. das Heben des EVOC Koffers ist durch Griffe oben, vorne, hinten und an der Seite möglich.
Leider sind diese Griffe farblich nicht vom Koffermaterial abgesetzt, sodass die Flughafenmitarbeiter den Koffer an den Klettverschlussschnallen der GFK-Stäbe gehoben haben und diese dadurch geöffnet wurden.
Solange nun nicht noch zusätzlich an den rot markierten Zugschlaufen gezogen wird, ist dies zunächst kein größeres Problem.
Wie der Name des Produktes suggeriert und der Spezifikation auf der EVOC Homepage zu entnehmen, ist der Koffer für Renn- und Triathlonräder konzipiert und lässt hierfür keine Wünsche offen.
Der Transport von MTBs, Trekkingrädern oder Gravelbikes mit Flarelenker ist nicht oder nur bedingt möglich.
Das Konzept des EVOC Road Bike Bag Pro ist extrem gut durchdacht und es wurde auf viele Kleinigkeiten und Details großer Wert gelegt, sodass das Reisen mit einem Fahrrad sorgenfreier und einfacher ist.
Vor allem die Möglichkeit den Rennradlenker und Schaltwerk nicht demontieren zu müssen und bei kleineren Rahmengrößen sogar den Sattel unverändert zu lassen, macht das Ein- und Auspacken zu einem Kinderspiel.
Das Schutzniveau hat uns trotz der Hard-/Softcase Hybridlösung aufgrund des GFK-Gerüstet komplett überzeugt und hinterlässt ein gutes Gefühl bei der Gepäckabgabe.
Auch die allgemeine Verarbeitung des Koffers lässt keinen Spielraum für Kritik.
Für 790 Euro UVP ist der EVOC Road Bike Bag Pro sicherlich die Luxusvariante unter den Radtransportkoffern, dafür könnte es aber der letzte Radkoffer sein, in welchen man investieren muss.
Alternativen und Ergänzungen
Die Evoc Bike Travel Bag gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Ausstattungen.
Die Tasche selbst kommt neben der „Grundausführung“ auch als spezielle BMX Variante, als Bike Travel Bag Pro mit zusätzlichen Sicherheitsfeatures und als Travel Bag XL für Fatbikes und/oder besonders große Räder.
Als Zusatzausstattung gibt es zudem zwei verschiedene Befestigungsrahmen: Den universellen Bike Stand und den speziellen Road Bike Stand für Rennräder.
Wer auf einen Rahmen verzichten möchte, in der Tasche jedoch ein Rennrad verstauen will, muss dafür den Road Bike Adapter nutzen.
Das Verpacken des Rads gestaltet sich auch ohne einen Blick in die zwei Anleitungen (eine für die Tasche, eine für den Road Bike Stand) intuitiv und ohne allzu große Probleme.
Hier sollten auch Neulinge schnell zurechtkommen.
Der Bike Stand lässt sich auf unterschiedliche Rahmengrößen und Geometrien anpassen - sehr schade finden wir, dass dieser ausschließlich mit Schnellspannern kompatibel ist.
Die Reißverschlüsse sind hochwertig, ebenso wie sämtliche Klettbänder.
Der Stoff ist dick und robust und sollte auch bei Vielfliegern längere Zeit problemlos mitspielen.
Die Skate-Rolle, ein weiteres Merkmal der Pro-Version, ist der Hit am Flughafen.
Du manövrierst Deine Bike Bag ohne Bücken und Heben durch den Verkehr und sparst Deine Kräfte für’s Duty Free Shopping.
Test Radkoffer Übersicht
| Marke | Modell | Preis (Euro) | Gewicht (kg) |
|---|---|---|---|
| B&W International | Bike.Bag 2.0 | 529 | 9,5 |
| Elite | Borson | 699 | 11,8 |
| Evoc Sports | Road Bike Bag Pro | 945 | 12,1 |
| PRO | Transporttasche Mega | 659,95 | 9,3 |
| Scott | Bike Transport Road/ Tri Tasche | 999,95 | 13,2 |
| Thule | RoundTrip | 799,95 | 12,6 |
| Topeak | PakGo EX | 799,95 | 11,8 |
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